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Cancếlle bis Canone (Bd. 1, Sp. 1297 bis 1299)
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Artikelverweis Die Cancếlle, plur. die -n, in den Orgeln, ein Nahmen oben in der Windlade mit verschiedenen Stäben; aus dem mittlern Latein. Cancellus, welches gleichfalls ein solches Gitterwerk bedeutet.

[Bd. 1, Sp. 1298]



 
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Der Cándel-Zucker, des -s, plur. inus. ein gereinigter Zucker, welchen man stark einsiedet, und hernach in Krystallen an schießen lässet. Weißer Candel-Zucker, welcher aus Canarien Zucker zubereitet wird. Brauner Candel-Zucker, der aus dem St. Thomas-Zucker verfertiget wird. Beyde Arten sind auch unter dem Nahmen des Zucker-Cands bekannt. Cand und Candel ist in beyden Wörtern von dem Verbo candiren, eigentlich candirter Zucker.
 
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Der Candidāt, des -en, plur. die -en, überhaupt ein jeder welcher sich um ein Amt bewirbt; besonders derjenige, welcher auf Beförderung zu einem Predigtamte wartet. Schon in den Zeiten des alten Roms hießen diejenigen Candidati, welche ein obrigkeitliches Amt suchten, weil sie zwey Jahre lang ein weißes Kleid tragen mußten.
 
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Candiren, verb. reg. act. mit Zucker überziehen, in Zucker einmachen, und in weiterer Bedeutung, aus Zucker und Kraftmehl allerley Confect bereiten. Früchte, Citronen-Schalen candiren. Candirter, überzogener, Kalmus. Candirter Ingber u. s. f. Daher der Candīter, des -s, plur. ut nom. sing. der aus dieser Arbeit ein Geschäft macht, welches Wort aber am häufigsten Conditer ausgesprochen wird. S. dasselbe. Wir haben dieses Wort nebst der Sache zunächst aus dem Franz. Candir, und Italiänischen Candire. Aber über dessen Ursprung ist man noch nicht einig. Einige leiten es von candidus ab, weil man weißen Zucker dazu nimmt, und die überzogenen Sachen eine weiße Gestalt dadurch bekommen; andere von dem Arab. El Kendit, Zucker; und noch andere von condire, welches wohl die wahrscheinlichste Meinung ist. S. Conditor.
 
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Der Canēhl, des -es, plur. inus. eine im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, übliche Benennung des Zimmets, oder der Zimmetrinde; aus dem Franz. Canelle, Cannelle, im mittlern Lateine Canella, Ital. Cannella, wodurch schon vor Alters die Zimmetrinde angedeutet wurde, weil sie einem Rohre oder einer Röhre nicht unähnlich siehet, von Canna, Rohr. S. Adelung Zimmet.
 
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Die Canēhl-Kirsche, S. Cornel-Kirsche.
 
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Caninchen, S. Kaninchen.
 
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Der Cánnevaß, des -sses, plur. doch nur von mehrern Arten, die -sse. 1) Eine Art roher ungebleichter flächsener Leinwand, deren man sich zum Unterlegen und Staffiren bey den Kleidern bedienet. Noch mehr aber, 2) ein baumwollenes Gewebe mit erhabenen Streifen, dessen man sich zu verschiedenen Kleidungen bedienet. Daher der Cannevaß-Weber, der diesen Cannevaß verfertiget. In beyden Bedeutungen ist das Wort aus dem Franz. Canevas, woher auch das Engl. Canvass entlehnet ist. Im Ital. heißt dieser Zeug Cannevaccio, Cannevazzo. Schon in den mittlern Zeiten kommen die Nahmen Canabacium, Canevasium u. s. f. vor, eine Art häufenen Zeuges zu bezeichnen, von Cannabis, in dem mittlern Lateine Canaba, Canava, Canapa, Hanf.
 
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Der Cánnibāl, des -en, plur. die -en, ein Einwohner der Karibischen Inseln, welche ihre Feinde zu essen pflegen. Figürlich, ein wilder, grausamer Mensch. Daher Cannibalisch, im höchsten Grade grausam. Cannibalische Wuth.
 
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Der Cānon, oder Kanon, des -s, plur. die -s, oder Cānones, ein aus dem Griech. κανων und Latein. Canon entlehntes Wort, welches überhaupt eine Regel oder Vorschrift bedeutete. Im Deutschen gebraucht man es nur in verschiedenen einzelnen Fällen. So wird das in dem christlichen Alterthume verfertigte Verzeichniß der biblischen Bücher, und diese Sammlung biblischer Bücher selbst, ein Canon genannt. S. Canonisch. In der Römischen Kirche ist der Canon oder der Meß-Canon, die

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sacramentlichen Gebethe und Worte der Messe, und das Buch, worin sie enthalten sind. Eben daselbst werden auch das Verzeichniß der in der Kirche aufgenommenen Heiligen, die Regel der Mönchsorden, kirchliche Decrete und Satzungen, besonders die Schlüsse der Concilien, Canons oder Canones genannt. Im mittlern Lateine bedeutet Canon auch oft das Verzeichniß der obrigkeitlichen Einnahmen und deren Vertheilung unter die Unterthanen; daher wird Canon noch jetzt zuweilen für den einem jeden bestimmten Theil der Abgabe oder eines Geldbeytrages gebraucht. In den Buchdruckereyen ist Canon der Nahme der dicksten Deutschen Schrift, die man hat; vermuthlich weil der Meß-Canon ehedem mit derselben gedruckt wurde. Aber alsdann ist es gemeiniglich weiblichen Geschlechtes, die Canon, weil das Wort Schrift darunter verstanden wird.
   Anm. Da dieß Wort aus dem Griech. herstammet, so sollte es billig mit einem K geschrieben werden. Allein um der folgenden Ableitungen willen, die noch niemand mit einem K geschrieben hat, habe ich es hier mit einem C geschrieben, weil ich es von diesen nicht gerne trennen wollte. Es gehet dieses desto füglicher an, weil wir dieses Wort nun doch einmahl von den Lateinern erhalten haben.
 
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Canone, S. Adelung Kanone.

 

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