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Busenfreund bis Búßhard (Bd. 1, Sp. 1276 bis 1279)
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Artikelverweis Der Busenfreund, des -es, plur. die -e, ein sehr vertrauter, geliebter Freund, welchen man gleichsam in seinem Busen träget; oder auch als eine Anspielung auf Johannem den geliebten Freund Christi, der an seiner Brust lag.
 
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Der Busenstreif, des -es, plur. die -e, ein schmaler Streif von seiner Leinwand an dem Busen beyder Geschlechter.
 
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Die Busensünde, plur. die -n, in der Theologie, eine Lieblingssünde; Schooßsünde.
 
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Der Búßaar, des -en, plur. die -en, eine vornehmlich Oberdeutsche Benennung einer Art Falken, welche so groß als ein Fasan ist, lange Schenkel und kurze starke Füße hat, aber nicht zur Jagd gebraucht wird, sondern sich von Mäusen und todtem Aase ernähret, daher er auch Mäusefalk genannt wird; Falco Buten

[Bd. 1, Sp. 1277]


vulgaris, Kl. Der Nahme Bußaar, welcher auch Bußhard geschrieben und gesprochen wird, ist alt, und liegt schon in dem mittlern Latein. Busio zum Grunde. Die Engländer nennen diesen Falken Buzzard, die Franzosen Busard, Buissart, Buisard, Buse, die Italiäner Buzzago. Den Nahmen soll er von seinem beständigen Schreyen und Busen, d. i. Blasen, haben, daher einige Italiäner ihn auch Trombone nennen. Bey dem Stumpf heißt er Busant, bey andern Oberdeutschen Bußfahrn, Buspart. Die meisten neuern Schriftsteller nennen ihn auch Buteo, allein de Thou behauptet bey dem du Fresne v. Butor, daß der Butco bey dem Plinius ein edler Falke oder Adler sey, den man nicht mit dem feigen Buzard verwechseln müsse. Da man in Ober- Elsaß alle große Raubvögel Poussants, Poussanten nennet, von pousser, stoßen, so könnte auch wohl Bußaar davon abstammen, und einen Stoßvogel überhaupt bedeuten. In der Lotharingischen Volkssprache heißt der Falke vermuthlich eben daher Bouhon, Bouho.
 
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Die Buße, plur. die -n, von dem folgenden Verbo büßen. 1. * Die Verbesserung einer verdorbenen Sache, im eigentlichsten Verstande, und ohne Plural. In dieser im Hochdeutschen veralteten Bedeutung gebraucht nicht nur Kero schon Puazza, sondern es kommt auch dieselbe noch hin und wieder im Oberdeutschen vor, wo z. B. die Bußwürdigkeit der Wege, die Nothwendigkeit ist, solche auszubessern. Besonders gebrauchte man es ehedem für allerley Art der Hülfe.
   Ob er besteckt mit seinem füeß,
   So thu im deß halben khein pueß,
   Theuerd. keine Hülfe. Das im wurde buoz und heil an sinem fuoz getan, Fabeln der Schwäb. Dicht. Fab. 47. Bey dem Hornegk heißet daher auch ein Arzeneymittel Puezz.
   2. Verbesserung, d. i. Ersetzung eines zugefügten Schadens, oder einer angethanen Beleidigung. 1) * Überhaupt, in welcher, im Hochdeutschen gleichfalls veralteten Bedeutung dieses Wort in den mittlern Zeiten häufig vorkommt.
   O we truren und klagen
   Wi sol mir din mit froiden werden iemer buos,
   Reinmar der Alte, wie soll mir für dich jemahls mit Freuden Vergütung geschehen?
   Die ich da minne uad miden muos
   Hat mir sorgen viel gegeben
   Der mir niemer wirdet buos,
   Rudolph von Rotenburg, die mir nie vergütet werden. 2) Besonders. (a) Im rechtlichen Verstande, da Buße diejenige gerichtliche Genugthuung bedeutet, welche man dem beleidigten Theile geben muß, besonders, wenn sie in Gelde geschiehet; im Gegensatze der Brüche und Wette, welche für die Übertretung des Gesetzes an den Richter bezahlet wird. In dieser Bedeutung ist es noch in Niedersachsen, im Hochdeutschen aber auch unter den Handwerkern üblich, wo Bußen mehrmahls Geldstrafen bedeuten. In weiterer Bedeutung führet auch, besonders im gemeinen Leben, eine jede Strafe diesen Nahmen, wenn sie gleich nicht in Gelde, noch an den Beleidigten gegeben wird. Einem eine Buße auflegen. Kirchenbuße. Ich will mir die schrecklichsten Bußen auflegen, Weiße. Der soll sein Urtheil um der That willen haben, es sey zum Tod, oder in die Acht, oder zur Buße am Gut, oder ins Gefängniß, Esr. 7, 26. Darzuo wart ir buos gegeben, ward ihr zur Strafe auferlegt, in der 44ten Fab. der Schwäb. Dichter. Ja es bedeutet auch zuweilen so viel als eine jede Bezahlung, doch nur in den Zusammensetzungen Einbuße und Zubuße. (b) Im theologischen Verstande, die Genugthuung für begangene Sünden durch verdienstliche gute Werke. In diesem Verstande

[Bd. 1, Sp. 1278]


kommt des Wort in der Römischen Kirche sehr häufig vor, wo die Buße auch ein Sacrament ist. Einem eine Buße auflegen, oder etwas zur Buße auflegen. In der Protestantischen Kirche hat man dieses Wort behalten, aber einen andern Begriff damit verbunden; denn da ist Buße nichts anders, als die schmerzhafte Reue über die begangenen Sünden, so fern sie mit der Besserung des Lebens verbunden ist, und in dieser Bedeutung ist der Plural ungebräuchlich. Buße thun. Eine ernstliche, rechtschaffene Buße. Deine Buße ist nicht rechter Art.
   Anm. Dieses Wort lautet bey dem Kero Puazza, bey dem Notker Buozzo. Beyde gebrauchen es für Verbesserung, der letzte aber schon für poenitentia. Die Oberschwaben sprechen dieses Wort noch jetzt Buaß aus, um welches alten Doppellautes willen es im Hochdeutschen auch ein langes u hat, dagegen andere Mundarten es mit einem kurzen u Busse sprechen. Die Nieders. Mundart hat hier statt des Zischlautes ein t, Bote, Schwed. Bot, Dän. Boed, Bod, Angels. Bot, Engl. Bote, Holländ. Boete. So fern dieses Wort eine Geldstrafe bedeutet, kommt es mit dem Latein. Emenda, und dem Franz. Amende überein, welche eigentlich gleichfalls eine Verbesserung bedeuten. S. das folgende.
 
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Büßen, verb. reg. welches in dreyfacher Gattung üblich ist.
   I. Als ein Activum. 1. Ausbessern, verbessern, in der eigentlichsten Bedeutung. Die Lücken an der Mauer büßen, Nehem. 4, 5, ausbessern. Daher sagt man noch jetzt im gemeinen Leben, die Lücken büßen müssen, oder Lückenbüßer seyn, eines andern Versehen wieder gut machen, eines andern Stelle vertreten müssen. Außer dieser Redensart ist es im Hochdeutschen veraltet, nicht aber im Oberdeutschen, wo man noch jetzt alte Kleider, böse Wege u. s. f. büßet, d. i. ausbessert. S. Adelung Ausbüßen, und Bußstück. 2. Den zugefügten Schaden ersetzen, in welcher jetzt fast veralteten Bedeutung man ehedem sagte, einen büßen, und einen Schaden büßen. Laß die Strafe, die ich erduldet habe, meine Beleidigung büßen, Dusch.
   Froven guete mannen kumber buesset,
   Markgr. Otto von Brandenb.
   Das ich si sehen muesse,
   Vnd alle ir sorge buesse,
   Reinmar der Alte. Ingleichen für etwas genug thun. Er büßet mit seinem Leben. Und selbst mit deinem Blute sollst du diese Beleidigung büßen, Weiße. Mit dem Tode wettet man den Richter und büßet den Kläger, welcher alte Rechtsspruch den Unterschied zwischen Buße und Wette deutlich an den Tag leget. S. auch das folgende Neutrum. Wi mag si die sunde buissen? Ulrich von Winterstetten. 3. Befriedigen, von Empfindungen und Leidenschaften, welcher Gebrauch vermuthlich eine Figur der vorigen Bedeutung ist. Darum, daß die Philister sich gerochen haben, und den alten Haß gebüßet am Schaden meines Volks, Ezech. 25, 15. Da aßen sie und wurden allzusatt. Er ließ sie ihre Luft büßen. Da sie nun ihre Lust gebüßet hatten, u. s. f. Ps. 78, 29, 30. Denn es kamen ihnen Wachteln vom Meer, ihre Lust zu büßen, Weish. 19, 12. In dieser Bedeutung ist es in der Redensart seine Lust büßen, im Hochdeutschen noch am üblichsten, obgleich solche nur im gemeinen Leben gebräuchlich ist. Ottfried gebraucht es von dem Hunger und dem Durste:
   Ir gebuaztut mir in uuar
   Thurst inti hungar,
   B. 5, Kap. 20, ihr stilletet mir den Hunger und Durst. Obgleich büßen in allen diesen Bedeutungen ein wahres Activum ist, so ist es doch in den beyden letztern im Passivo nicht gebräuchlich.
   II. Als ein Factitivum, zur Ersetzung des zugefügten Schadens anhalten, an Gelde strafen, und in weiterer Bedeutung überhaupt strafen. So sollen die Ältesten der Stadt den Mann

[Bd. 1, Sp. 1279]


nehmen und züchtigen und um hundert Seckel Silbers büßen, 5 Mos. 22, 19. Und büßte das Land um hundert Centner Silbers, 2 Chron. 36, 3. In dieser Bedeutung ist es nur noch in den Niedersächsischen Gerichten üblich. Ehedem gebrauchte man es auch in weiterm Verstande von Leibesstrafen. Inan gibuoztan vorlazza, ich will ihn gezüchtiget entlassen, ihn züchtigen und los lassen, Tat.
   III. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Strafe leiden. Er muß jetzt dafür büßen. Er soll mir schon dafür büßen. Er hat sein Verbrechen genug büßen müssen. Wenn die Obrigkeit sündigt, müssen die Unterthanen büßen. Bey ihnen kann man das Vergnügen über ungerechte Schmeicheleyen hart genug büßen.
   Wenn jemand schuldig ist, so laß die Schuld mich büßen,
   Weiße. Diese Bedeutung hänget mit der zweyten thätigen genau zusammen, ja sie ist nur eine Figur derselben.
   Anm. Büßen, in Oberschwaben buaßen, bey dem Ottfried buazen, bey dem Kero puazzen, im Nieders. böten, im Dän. bode, im Schwed. bota, im Isländ. baeta, im Angels. bote, bedeutet eigentlich physisch bessern, oder verbessern, und hernach den zugefügten Schaden ersetzen. Ottfried gebraucht es auch für Buße thun im theologischen Verstande. Es stammet von dem alten baß, in den Sächsischen und damit verwandten Mundarten bat, besser, her, welches aber auch als ein Hauptwort üblich war, und Nutzen bedeutete, wie noch das heutige Nieders. Bate, und Holländ. Bate. S. Adelung Besser. Das Hauptwort, die Büßung, kann so wohl in den Bedeutungen des Activi als auch in der Bedeutung des Neutrius gebraucht werden.
 
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Der Büßer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämininum die Büßerinn, plur. die -en, der oder die etwas büßet, ein Wort, welches in den Zusammensetzungen Lückenbüßer und Sündenbüßer am üblichsten ist. Doch werden in der Römischen Kirche auch diejenigen, welche zu gewissen Zeiten durch freywillige Geißelung u. s. f. für ihre und anderer Sünden büßen, zumahl wenn sie von den drey Orden des heil. Franciscus sind, Büßer und Büßerinnen genannt.
 
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* Būßfällig, adj. et adv. verbunden Buße, d. i. eine Geldstrafe, zu erlegen; ein im Hochdeutschen veraltetes Wort.
 
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Būßfêrtig, -er, -ste, adj. et adv. 1) * Wie das vorige, in welcher Bedeutung es aber gleichfalls veraltet ist. 2) Im theologischen Verstande, zur Buße bereit, und in weiterer Bedeutung, wirklich Buße, d. i. schmerzliche Reue über seine Sünden, an den Tag legend. Ein bußfertiges Gemüth. Ein bußfertiger Sünder. Daher die Bußfertigkeit, die Reue über begangene Sünden.
 
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Das Būßgebêth, des -es, plur. die -e, das Gebeth eines bußfertigen Sünders.
 
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Der Búßhard, S. Adelung Bußaar.

 

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