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Bürstwurm bis Búschameise (Bd. 1, Sp. 1272 bis 1273)
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Artikelverweis Der Bürstwurm, des -es, plur. die -würmer, im gemeinen Leben Obersachsens, ein Nahme der Baumwanzen.
 
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Bürtig, adv. der Geburt nach herstammend. Von einem Orte bürtig seyn, daselbst geboren seyn. Im Hochdeutschen ist dieses Wort meist veraltet, weil es von gebürtig verdränget worden. S. dieses Wort. Im Oberdeutschen kommt es häufiger vor. Es stammet ohne Zweifel von gebären ab, obgleich Löscher es von dem alten Bord, Haus, herleitet. Dannen du purtig bist, heißt es bey dem Notker; und an einem andern Orte: ander uuannen burdige, die anderwärts geboren worden, oder von anderwärts her bürtig sind. Eben derselbe nennet auch einen Bewohner der Erde, erdpurtig. S. Gebürtig, Halbbürtig, Vollbürtig. Opitz gebraucht dieses Wort Ein Mahl in einer seltenen Bedeutung, welche aber doch eigentlich die erste ist, indem er von seiner Geliebten sagt:
   In der ich alle Tag aufs neue bürtig bin; wo es doch wohl nichts anders bedeuten kann, als, in der ich alle Tage von neuem geboren werde.
 
Artikelverweis Der
Bürzel, in härtern Mundarten Pürzel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur im gemeinen Leben und der komischen Sprechart übliches Wort, den kurzen Schwanz an gewissen Thieren, und in weiterer Bedeutung auch den Hintern so wohl an Thieren, als Menschen auszudrucken. Die Jäger nennen den kurzen Schwanz der Hirsche und des Schwarzwildbretes den Bürzel, sprechen dieses Wort aber oft auch Förzel aus. Im Oberdeutschen gebraucht man Bürzel am häufigsten von dem Steiße der Vögel.
   Anm. Frisch leitet dieses Wort von bären, heben, her; allein es kann auch damit auf die kurze spitzige Gestalt des Schwanzes einiger Thiere und des Steißes der Vögel gesehen werden, und alsdann würde es zu Börs und Borste gehören. S. Adelung Burzeldorn. Das Nieders. Purrel bedeutet alles was kurz und dick ist, und im Engl. ist burly dickleibig. Im Böhmischen heißt Prdel der Hintere. S. Burzeln.
 
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Der Burzelbaum, Purzelbaum, des -es, plur. die -bäume, im gemeinen Leben, eine Art des Fallens, da man sich auf den Kopf stellet, den Hintern in die Höhe hebet, und auf die andere Seite niederfallen lässet. Einen Burzelbaum machen oder schießen.
   Anm. Baum druckt in dieser Zusammensetzung die senkrechte Erhebung des Hintern aus. In Schlesien heißt der Burzelbaum ein Burzelbock, in Franken ein Stürzbaum, im Österreichischen ein Kuchenschaß, in Westphalen und Hamburg Heusterpeuster, Kopfheuster, in der Mark Brandenburg und Pommern Kobold, im Dänischen Kolbotte, beyde nach dem Franz. Culbut und culbuter, im Holländ. hillebillen.
 
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Der Burzeldorn, des -es, plur. inus. ein Pflanzengeschlecht, Tribulus, L. Diese Pflanze hat vermuthlich den Nahmen von ihrem stachelichen Samen, welcher dem Viehe sehr beschwerlich ist; S. Adelung Börs, Borste und Bürzel; oder wenn dieß eine Tavtologie scheinen sollte, weil sie das Vieh, wenn es darein tritt, burzeln, d. i. fallen macht.
 
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Das Burzelkraut, des -es, plur. inus. eine im gemeinen Leben übliche Benennung des Portulaks, Portulaca, L. aus welchem

[Bd. 1, Sp. 1273]


Worte es auch verderbet ist, und auch wohl Bürgelkraut gesprochen wird. S. Adelung Portulak.
 
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Burzeln, Purzeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, im gemeinen Leben und im komischen Scherze, fallen, besonders so fallen, daß man den Hintern dabey in die Höhe hebt. Einer burzelte über den andern. Nieders. purreln. S. Adelung Bürzel.
 
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1. Der Búsch, des -es, plur. die Bsche. 1) Ein aus niedrigem Gesträuche oder so genanntem Unterholze bestehendes Gehölz, auch wenn solches mit hohen Bäumen oder mit Oberholze untermengt ist, im Gegensatze eines Waldes oder Forstes. In dieser Bedeutung ist es im Niedersächsischen am üblichsten. Im Hochdeutschen hat man dafür das zusammen gesetzte Gebüsch. S. Adelung Buschholz. 2) Das Individuum eines solchen Gebüsches, ein Strauch, auch nur in den gemeinen Mundarten. S. Strauch und Staude. 3) Mehrere zusammen gebundene Zweige oder Pflanzen, von der Ähnlichkeit mit einem Strauche. Ein Busch Blumen, Kornähren u. s. f. In weiterer Bedeutung auch von der Ähnlichkeit, ein Busch Haare, ein Busch Federn, ein Federbusch. In dieser dritten Bedeutung hat man auch das Diminutivum Büschlein, im Hochdeutschen Büschchen und Büschelchen, noch mehr aber Büschel. S. solches hernach besonders.
   Anm. Das Nieders. Busk, Dän. Busk, Schwed. Buske, Engl. Bush, Holländ. Bosch, Ital. Bosco, Span. Bosque, das mittlere Latein. Boscus, Buscus, bedeuten insgesammt entweder ein Gebüsch, oder einen Strauch, oder auch etwas zusammen gebundenes, wozu auch die mittelste Sylbe des Latein. Arbuscula gehöret. Da dieses Wort auch sehr frühe von Holz überhaupt gebraucht worden, wie aus dem Boscus der mittlern Zeiten und dem heutigen Franz. Bois erhellet, so scheinet dieses die erste und Hauptbedeutung zu seyn. Indessen können auch die Verba bauschen und bausen gegründeten Anspruch auf die Verwandtschaft mit diesem Worte machen, und alsdann würde dessen dritte Bedeutung dessen eigentliche und erste seyn. Bey den Schwäbischen Dichtern bedeutet ein Boschen einen Strauch, und im Schwabenspiegel einen Dornstrauch. Die Franzosen haben noch viele Ableitungen von diesem Worte, dahin ihr Buisson, Boscage, Bosquet, und Bouquet, ein Strauß oder Büschel, Busche, Buche, Scheitholz u. a. m. gehören. Der Plural lautet im gemeinen Leben besonders Niedersachsens auch Büscher.
 
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2. Der Búsch, des -es, plur. die Bsche, eine Scheidemünze, in Aachen, welche vier Heller gilt. 324 Büsche machen daselbst einen Reichsthaler courant. Beym du Fresne geschiehet einer Spanischen Münze Meldung, welch Bossamaya hieß, deren Werth aber nicht gemeldet wird. Bey eben demselben kommt bussus für dick, und buscus für fahl vor. Es stehet dahin, ob diese Wörter zur Erläuterung der Abstammung dieses Wortes etwas beytragen können.
 
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Der Búschaffe, des -n, plur. die -n, eine Art Affen, welche sich in Afrika in den Gebüschen und Wäldern aufhält, und dem Menschen vor andern Arten sehr ähnlich ist; der Waldmann, Waldteufel, Satyr, Urang-Utang.
 
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Die Búschameise, plur. die -n, im gemeinen Leben, Ameisen welche sich nur in Wäldern und Gebüschen aufhalten; Waldameisen, im Gegensatze der Feldameisen. Die Buschameisen theilen sich in rothe, oder Roßameisen, und in schwarze.

 

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