Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Bürste bis Burzelbaum (Bd. 1, Sp. 1271 bis 1272)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Die Bürste, plur. die -n, Diminutivum das Bürstchen, Oberdeutsch Bürstlein, ein aus Borsten verfertigtes Werkzeug, vornehmlich den Unrath von andern Körpern damit abzukehren oder abzureiben. Auch die aus gefärbten Borsten verfertigten Büschel, welche einen Kopfschmuck der Kutschpferde abgeben, werden Bürsten genannt. In weiterer Bedeutung führen diesen Nahmen auch ähnliche Werkzeuge von Draht, Ziegenhaaren u. s. f. zum Abkehren. Daher die Drahtbürste, die Sammtbürste u. s. f.
   Anm. Bürste, Nieders. Borst, Burst, Bust, in Boxhorns Glossen Purst, im Dän. Borste, im Holländ. Borstel, im Angels. mit einer gewöhnlichen Versetzung des r Bristl, im Engl. Bristle, Brush, im Franz. Brosse, gehöret zu Borste, ja es ist mit demselben vielmehr nur ein und eben dasselbe Wort. Das st in diesem Worte wird im Hoch- und Oberdeutschen gern wie ein scht ausgesprochen, wie gemeiniglich auch in Durst, Fürst, Wurst, Borste u. s. f. geschiehet.
 
Artikelverweis 
Bürsten, verb. reg. act. mit der Bürste reiben. Den Kopf bürsten. Das Kleid bürsten. Wofür doch die zusammen gesetzten abbürsten und ausbürsten üblicher sind. Daß im gemeinen Leben bürsten durch eine fehlerhafte Aussprache oft für bürschen gesagt wird, ist schon bey diesem Worte angemerket worden.
 
Artikelverweis 
Der Bürstenbinder, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerksmann, welcher Bürsten bindet, oder verfertiget.
 
Artikelverweis 
Der Bürstenkäfer, des -s, plur. ut nom. sing. bey den neuern Schriftstellern des Naturreiches eine Art Käfer mit Kolben ähnlichen Fühlhörnern, dessen Lauffüße Bürsten ähnliche Fußblätter haben; Anthribus, L.
 
Artikelverweis 
Das Bürstenkraut, des -es, plur. die -kräuter, S. das folgende.

[Bd. 1, Sp. 1272]



 
Artikelverweis 
Die Bürstenpflanze, plur. die -n, bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches, ein Pflanzengeschlecht, deren Blumen einer Bürste gleichen; Bürstenkraut, Carthamus, L. Außer dem Saflore, der aber bey uns auch nicht einheimisch ist, werden die Arten dieser Pflanze nur in den wärmern Gegenden Europens angetroffen.
 
Artikelverweis 
Der Bürstling, des -es, plur. die -e, in Baiern, ein Nahme des Flußbörses.
 
Artikelverweis 
Der Bürstwurm, des -es, plur. die -würmer, im gemeinen Leben Obersachsens, ein Nahme der Baumwanzen.
 
Artikelverweis 
Bürtig, adv. der Geburt nach herstammend. Von einem Orte bürtig seyn, daselbst geboren seyn. Im Hochdeutschen ist dieses Wort meist veraltet, weil es von gebürtig verdränget worden. S. dieses Wort. Im Oberdeutschen kommt es häufiger vor. Es stammet ohne Zweifel von gebären ab, obgleich Löscher es von dem alten Bord, Haus, herleitet. Dannen du purtig bist, heißt es bey dem Notker; und an einem andern Orte: ander uuannen burdige, die anderwärts geboren worden, oder von anderwärts her bürtig sind. Eben derselbe nennet auch einen Bewohner der Erde, erdpurtig. S. Gebürtig, Halbbürtig, Vollbürtig. Opitz gebraucht dieses Wort Ein Mahl in einer seltenen Bedeutung, welche aber doch eigentlich die erste ist, indem er von seiner Geliebten sagt:
   In der ich alle Tag aufs neue bürtig bin; wo es doch wohl nichts anders bedeuten kann, als, in der ich alle Tage von neuem geboren werde.
 
Artikelverweis Der
Bürzel, in härtern Mundarten Pürzel, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur im gemeinen Leben und der komischen Sprechart übliches Wort, den kurzen Schwanz an gewissen Thieren, und in weiterer Bedeutung auch den Hintern so wohl an Thieren, als Menschen auszudrucken. Die Jäger nennen den kurzen Schwanz der Hirsche und des Schwarzwildbretes den Bürzel, sprechen dieses Wort aber oft auch Förzel aus. Im Oberdeutschen gebraucht man Bürzel am häufigsten von dem Steiße der Vögel.
   Anm. Frisch leitet dieses Wort von bären, heben, her; allein es kann auch damit auf die kurze spitzige Gestalt des Schwanzes einiger Thiere und des Steißes der Vögel gesehen werden, und alsdann würde es zu Börs und Borste gehören. S. Adelung Burzeldorn. Das Nieders. Purrel bedeutet alles was kurz und dick ist, und im Engl. ist burly dickleibig. Im Böhmischen heißt Prdel der Hintere. S. Burzeln.
 
Artikelverweis 
Der Burzelbaum, Purzelbaum, des -es, plur. die -bäume, im gemeinen Leben, eine Art des Fallens, da man sich auf den Kopf stellet, den Hintern in die Höhe hebet, und auf die andere Seite niederfallen lässet. Einen Burzelbaum machen oder schießen.
   Anm. Baum druckt in dieser Zusammensetzung die senkrechte Erhebung des Hintern aus. In Schlesien heißt der Burzelbaum ein Burzelbock, in Franken ein Stürzbaum, im Österreichischen ein Kuchenschaß, in Westphalen und Hamburg Heusterpeuster, Kopfheuster, in der Mark Brandenburg und Pommern Kobold, im Dänischen Kolbotte, beyde nach dem Franz. Culbut und culbuter, im Holländ. hillebillen.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: