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Burgsitz bis Bürschabschied (Bd. 1, Sp. 1268)
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Artikelverweis Der Burgsitz, des -es, plur. die -e, der Sitz, welchen jemand als Burggraf, oder Burgmann in einer Burg hat. Ingleichen die Burg selbst, welche der Sitz eines Dynasten ist.
 
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Der Burgstall, des -es, oder das Burgstadel, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Der Hügel in der Fährte eines Hirsches, S. Adelung Bürgel. 2) Die Stelle, wo ehedem eine Burg gestanden hat, im gemeinen Leben, S. Burghalde. 3) Im Oberdeutschen bedeutet Burgstahl, Burgstall, im Plural Burgstähl, Burgställe, häufig eine noch vorhandene Burg, ein Schloß.
 
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Der Búrgvōgt, des -es, plur. die -vȫgte, ehedem so viel als ein Burggraf, S. dieses Wort. In geringerer Bedeutung ist der Burgvogt noch an einigen Orten, z. B. in Zelle, ein Richter, welcher das Recht in dem zu einer ehemahligen Burg gehörigen Gebiethe handhabet.
 
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Die Búrgvōgtēy, plur. die -en. 1) Die Würde und das Amt eines Burgvogtes, ohne Plural. 2) Dessen Gebieth, besonders der District, in welchem er die Gerechtigkeit zu handhaben hat.
 
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Die Búrgwáche, plur. die -n, die Wache in einer Burg. Die Burgwache verrichten. Auf die Burgwache ziehen.
 
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Die Burgwarte, plur. die -n, ehedem in Ober- und Niedersachsen, eine Burg oder ein befestigter Ort, mit einer Warte, den ankommenden Feind zu entdecken, so wohl für sich allein, als mit dem dazu gehörigen, oft sehr ansehnlichen Bezirke. Als Meißen den Slaven abgenommen wurde, so wurden die Gauen zur Sicherheit in solche Burgwarten eingetheilet.
 
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Burkhard, Genit. -s, Dat. -en, ein alter Deutscher männlicher Vornahme, dessen Bedeutung so ausgemacht noch nicht ist. Ehedem wurde er oft in Bucco und Bock verkürzt.
 
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Burlêsk, -er, -este, adj. et adv. welches ohne Noth aus dem Französ. burlesque entlehnet ist, geschickt, durch das Unnatürliche oder Ungereimte Lachen zu erregen, possierlich.
 
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Der Bursch, des -en, plur. die -e, ein Wort, welches nur in der gemeinen und vertraulichen Sprechart üblich ist, und 1) eigentlich, einen Mitgenossen einerley Besoldung, einen Mitgenossen einerley Lebensart bedeutet. In diesem Verstande nennen sich nicht nur die Studenten auf Universitäten, sondern auch die gemeinen Soldaten, die Handwerksgesellen, die Lehrlinge der Jägerey u. s. f. unter einander Bursche. Daher Stubenbursch, Tischbursch, Handwerksbursch, Schneiderbursch, Bäckerbursch, Jägerbursch u. s. f. 2) Figürlich, ein jeder junger Mensch, doch nur in der vertraulichen Sprechart, wo auch zuweilen das Diminutivum das Bürschchen, Oberdeutsch Bürschlein, üblich ist. Ein junger Bursch. Es ist ein gutes Bürschchen.
   Nur dieses fiel mit alle dem,
   Dem guten Burschen unbequem,
   Lichtw. Zuweilen gebraucht man dieses Wort auch mit einiger Verachtung von erwachsenen Personen, so wie das Wort Geselle auch auf ähnliche Art üblich ist. Es ist ein lockerer, ein liederlicher Bursch.
   Anm. Aus den Glossarien erhellet, daß Bursa im mittlern Lateine sehr oft von Zusammenkünften auf gemeinschaftliche Kosten gebraucht wurde. S. Adelung Börse. Daher kommt Burß bey dem Dasipodius und Pictorius noch von einer jeden Gesellschaft vor, und die gemeinen Soldaten wurden ehedem mehrmahls Bursgesellen genennet, weil sie aus Einer Casse unterhalten wurden. Als nun auch auf der Universität zu Paris die Stipendiaten, welche aus der Bursa des Königes unterhalten wurden, den Nahmen Bursarii bekamen, nach dem Muster der Parisischen Universität aber alle alte Universitäten eingerichtet wurden, so hat sich auch diese Benennung auf denselben mit eingeschlichen. Das ausschweifende Leben der gemeinen Soldaten, und vielleicht auch der Studenten, gab nachmahls zu dem Verbo burschiren Gelegenheit.
   Mit bulen, danzen und burschiren,
   Hans Sachs. Und Frisch bemerket, daß ein gewisser Erzbischof von Mainz wegen seiner Fertigkeit im Trinken Bursmann genannt worden. In einer Holländischen Urkunde Kaiser Ruprechts von 1403 in Schilters Gloss. werden die Mitbelehnten Burss genannt.
 
Artikelverweis Die
Bürsch, oder Bürsche, plur. die Bürschen. 1) Das Schießen aus einem gezogenen Rohre, ohne Plural. Auf die Bürsche gehen, bey den Jägern, wenn sie mit einem Bürschrohre ausgehen, hohes Wildbret zu schießen. In weiterer Bedeutung auch das Schießen und die Jagd überhaupt, besonders in Oberdeutschland. Auf die Bürsch gehen, auf die Jagd gehen. 2) Die Jagdgerechtigkeit, das Recht an einem Orte jagen zu dürfen, auch ohne Plural. Die freye Bürsch, die Freyheit an ungehägten Orten zu jagen. Die obere Bürsch, die niedere Bürsch. 3) Ein Bezirk, in welchem man jagen kann oder darf, besonders ein Bezirk, in welchem ein jeder die Jagdfreyheit hat, im Gegensatze eines Forstes, oder eines gehägten Jagdbezirkes. In dieser Bedeutung ist das Wort vornehmlich im Schwäbischen Kreise gangbar, wo die Bürsch oder die freye Bürsch, ein ansehnlicher aber durch Forsten sehr unterbrochener Jagdbezirk ist, wo viele Stände und deren Unterthanen die freye Jagd haben.
   Anm. In den beyden letzten Bedeutungen ist dieses Wort am meisten in Oberdeutschland, und auch hier am häufigsten in Schwaben üblich, wo auch nur die meisten der folgenden Zusammensetzungen gangbar sind. S. Adelung Bürschen.
 
Artikelverweis 
Der Bürschabschied, des -es, plur. die -e, in Schwaben, ein Abschied oder Beschluß der Bürschstände, welchen sie auf einem Bürsch-Convente abfassen.

 

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