Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Burglehen bis Búrgvōgt (Bd. 1, Sp. 1267 bis 1268)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Das Burglehen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine zu Lehen gegebene Burg mit ihrem Gebiethe. 2) Ein Gut, welches ein Afterlehen eines Ganerbengutes ist. 3) Ein Lehen, welches der Eigenthümer einer Burg jemanden unter der Bedingung verleihet, die Burg dafür zu vertheidigen oder vertheidigen zu helfen; dergleichen Lehen auch Seßlehen oder Sitzlehen genannt werden, im Gegensatze der Reitlehen.
 
Artikelverweis 
Die Burgleute, S. Adelung Burgmann.
 
Artikelverweis 
Der Burgmann, des -es, plur. die -männer, und -leute, ein Wort, welches in den mittlern Zeiten unter verschiedenen Bedeutungen vorkommt. Es bedeutet aber, 1) den Eigenthümer oder Bewohner einer Burg, einen Schloßgesessenen, Castrensem, Castellanum. 2) Einen Burggrafen, S. dieses Wort. 3) Einen Kriegsmann, welcher sich zu Vertheidigung und Beschützung einer Burg verpflichtet hat, deren es wieder verschiedene Arten gab. Dahin gehören, (a) diejenigen von hohen und niederm Adel, welche mit einer Burg und deren Zubehör belehnet wurden, und sich dafür verpflichteten, entweder Kriegsdienste zu leisten, oder doch die Burg zu beschützen; Castrenses, Advocati castrenses, Castellani, welche zuweilen auch Burggrafen und Burgvögte genannt werden. Hierher gehören auch die Burgleute oder Burgmänner der Gauerbenhäuser, welche sich durch einen Vertrag verbunden haben, eine ihnen untergebene Burg zu vertheidigen, welche in Burgmeister, Regiments-Burgmänner und gemeine Burgmänner getheilet werden. (b) Diejenigen, welche für den Genuß eines Lehengutes zur Vertheidigung einer Burg verbunden waren, und die Besatzung des Burgherren als Ober-Officiers commandireten; Milites castrenses, Castellani, Ministeriales castrenses. Man findet Personen von hohem Adel, welche als solche Burgmänner bey ihres Gleichen dieneten. Aus diesen Burgmännern sind vermuthlich die heutigen Amtssassen erwachsen, da doch die meisten heutigen Ämter ehemahlige Bürge waren. S. dieses Wort. (c) Diejenigen, welche in der Freyheit einer Burg wohneten, meisten Theils leibeigene Unterthanen der Burgherren waren, als gemeine Soldaten bey Bewachung und Vertheidigung der Burg Dienste leisten mußten, und bey den Gerichten des Burgherren die Schöppen abgaben, werden sehr häufig gleichfalls Burgleute genannt. Bey der neuen Einrichtung des Kriegswesens nach Erfindung des Schießpulvers hat aber diese ganze Verfassung der Bürge in und mit dem 15ten Jahrhunderte aufgehöret.
 
Artikelverweis 
Die Burgmannschaft, plur. inus. 1) Die Würde und das Amt eines Burgmannes. So sind bey den heutigen Gauerbenschlössern alle diejenigen, welche von einem Burgmanne abstammen,

[Bd. 1, Sp. 1268]


zur Burgmannschaft berechtiget. 2) Collective, die sämmtlichen Burgmänner oder Burgleute.
 
Artikelverweis 
Der Burgmeister, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adelung Burgmann.
 
Artikelverweis 
Der Burgrichter, des -s, plur. ut nom. sing. der Richter über den zu einer Burg gehörigen Gerichtsbezirk, in welcher Bedeutung dieses Wort noch in Pommern üblich ist. S. Adelung Burggraf.
 
Artikelverweis 
Der Búrgfáß, des -ssen, plur. die -ssen, ein Unterthan, welcher einem Burggerichte in der ersten Instanz unterworfen ist, und der heut zu Tage gemeiniglich ein Amtssaß genannt wird. S. dieses Wort.
 
Artikelverweis 
Die Bürgschaft, plur. die -en. 1) Die Verbindlichkeit, zu welcher sich ein Bürge anheischig gemacht hat. Ingleichen der Vertrag, durch welchen jemand Bürge wird, oder die Verbindlichkeit eines andern übernimmt. Bürgschaft leisten. Die Bürgschaft angeloben. Eine Bürgschaft auf sich nehmen. Sich in Bürgschaft einlassen. Daß du meinen Entschluß billigen wirst, dafür übernimmt mein Herz die Bürgschaft, Dusch. 2) Der Bürge selbst. Bürgschaft stellen, einen Bürgen. S. Adelung Bürge.
 
Artikelverweis 
Der Burgsitz, des -es, plur. die -e, der Sitz, welchen jemand als Burggraf, oder Burgmann in einer Burg hat. Ingleichen die Burg selbst, welche der Sitz eines Dynasten ist.
 
Artikelverweis 
Der Burgstall, des -es, oder das Burgstadel, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Der Hügel in der Fährte eines Hirsches, S. Adelung Bürgel. 2) Die Stelle, wo ehedem eine Burg gestanden hat, im gemeinen Leben, S. Burghalde. 3) Im Oberdeutschen bedeutet Burgstahl, Burgstall, im Plural Burgstähl, Burgställe, häufig eine noch vorhandene Burg, ein Schloß.
 
Artikelverweis 
Der Búrgvōgt, des -es, plur. die -vȫgte, ehedem so viel als ein Burggraf, S. dieses Wort. In geringerer Bedeutung ist der Burgvogt noch an einigen Orten, z. B. in Zelle, ein Richter, welcher das Recht in dem zu einer ehemahligen Burg gehörigen Gebiethe handhabet.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: