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Burggraf bis Burglehen (Bd. 1, Sp. 1266 bis 1267)
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Artikelverweis Der Burggraf, des -en, plur. die -en, der Graf oder Richter einer Burg; Fämininum die Burggräfinn. 1) So fern Burg ein mit Regalien versehenes Schloß bedeutet, führete derjenige diesen Nahmen, welcher von dem Eigenthümer einer solchen Burg zum Hauptmanne in derselben ernannt wurde, die Aufsicht über dieselbe und über die Besatzung und die Verwaltung des Gerichtswesens und der Einkünfte in und aus ihrem Gebiethe hatte. Dergleichen Burggrafen gab es in den mittlern Zeiten eine große Menge, und viele ihrer Nachkommen haben diesen Titel beybehalten, ob sie gleich jetzt dergleichen Bürge weder erblich noch auf andere Art besitzen. Der Vorsteher eines Ganerbenschlosses, welcher von den Ganerben erwählet, und von dem Kaiser bestätiget wird, führet noch jetzt den Nahmen eines Burggrafen, dergleichen der Burggraf von Friedberg ist. In Thoren ist der erste Bürgermeister zugleich königlicher Burggraf. Die vornehmsten unter diesen Burggrafen waren die Vorgesetzten der kaiserlichen Bürge, dergleichen ehedem die Burggrafen zu Magdeburg, Regensburg, Brandenburg, Antwerpen, Würzburg u. s. f. waren, von welchen einige ihre Bürge und das dazu gehörige Gebieth erblich an sich gebracht haben, die reichsfürstliche Würde besitzen, und noch vorhanden sind. In den mittlern Zeiten kommen die Burggrafen auch unter dem Nahmen der Burgrichter, Burgvögte, Burgmänner, und Weichgrafen vor. 2) So fern Burg eine Stadt bedeutet, war Burggraf, nach der ehemahligen weiten Bedeutung des Wortes Graf, wie aus dem Schwabenspiegel erhellet, auch eine obrigkeitliche Person, welche die Aufsicht über Maß und Gewicht, und über die Preise der Lebensmittel hatte. Dahin gehöret vermuthlich auch diejenige obrigkeitliche Person zu Cöln am Rhein, welche noch jetzt den Nahmen eines Burggrafen führet, deren nähere Bestimmung aber mir unbekannt ist.
 
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Burggräflich, adj. et adv. einem Burggrafen gehörig, in seiner Würde gegründet. Die burggräfliche Würde. Burggräfliche Güter.
 
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Die Burggrafschaft, plur. die -en. 1) Die Würde eines Burggrafen, ohne Plural. 2) Dessen Gebieth; ein Burggrafthum.
 
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Das Burggrafthum, des -es, plur. die -thümer, wie das vorige in der zweyten Bedeutung. Zuweilen auch nur in geringerer Bedeutung, eine geringere Burg mit einigen dazu gehörigen Gütern, welche von einem Stifte oder Fürsten jemanden unter der Bedingung zu Lehen gegeben wurde, entweder Kriegsdienste dafür zu leisten, oder die Burg zu beschützen.

[Bd. 1, Sp. 1267]



 
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Die Burghalde, plur. die -n, im gemeinen Leben, eine Halde, d. i. ein Berg, auf welchem ehedem eine Burg gestanden hat; ein Burgstadel, Burgstall, d. i. Burgstelle.
 
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Der Burghauptmann, des -es, plur. die -männer, oder -leute, der Hauptmann in einer Burg, welcher über die Besatzung in derselben gesetzt ist.
 
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Der Burghêrr, des -en, plur. die -en, der Herr oder Eigenthümer einer Burg.
 
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Der Burghirsch, S. Adelung Gebirghirsch.
 
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Die Burghuth, plur. inus. die Huth, d. i. Beschützung und Vertheidigung einer Burg, um das Jahr 1361 im Oberdeutschen Purchuta.
 
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Der Burgkêller, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Städten, der Stadt- oder Rathskeller, entweder weil Burg hier noch so viel als Stadt bedeutet, oder auch, weil ein solcher Keller ehedem zu einer in der Stadt befindlichen landesfürstlichen Burg gehöret hat.
 
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Das Burglehen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine zu Lehen gegebene Burg mit ihrem Gebiethe. 2) Ein Gut, welches ein Afterlehen eines Ganerbengutes ist. 3) Ein Lehen, welches der Eigenthümer einer Burg jemanden unter der Bedingung verleihet, die Burg dafür zu vertheidigen oder vertheidigen zu helfen; dergleichen Lehen auch Seßlehen oder Sitzlehen genannt werden, im Gegensatze der Reitlehen.

 

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