Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Bürgerschaft bis Burggräflich (Bd. 1, Sp. 1265 bis 1266)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Die Bürgerschaft, plur. die -en. 1) * Der Stand, die Würde eines Bürgers, ohne Plural; in welcher Bedeutung aber dieses Wort nicht üblich ist. 2) Die Bürger einer Stadt, als ein Ganzes betrachtet. Die Bürgerschaft zusammen berufen. Die ganze Bürgerschaft war beysammen. Auch in weiterer Bedeutung, die sämmtlichen Einwohner einer Stadt. Wenn aber Ephes. 2, 12, unter der Bürgerschaft Israel, der ganze Jüdische Staat verstanden wird, so ist das wider den Sprachgebrauch wenigstens im Hochdeutschen. In Westphalen ist statt dieses Wortes auch die Bürgerey üblich.
 
Artikelverweis 
Der Bürgerstand, des -es, plur. die -stände, der Stand der Bürger, so wohl im Abstracto und ohne Plural, als auch im Concreto, die sämmtlichen Bürger eines Staates oder einer Provinz und deren Gevollmächtigte.
 
Artikelverweis 
Die Bürgerstube, plur. die -n, eine Stube, oder ein Zimmer, in welchem sich die Bürger versammeln.
 
Artikelverweis 
Der Burgflêcken, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. der Mark Brandenburg, ein bey einer Burg angelegter Ort, welcher mehr Rechte als ein Dorf, aber weniger als eine Stadt oder als ein Flecken hat.
 
Artikelverweis 
Die Burgfreyheit, plur. die -en, an einigen Orten noch der Gerichtsbezirk einer Burg, welcher auch der Burgbann, die Burgwart, die Castellaney, Franz. Chatelenie, hieß. Das Wort Burgfreyheit wurde ehedem oft zusammen gezogen Burgfreyt und Burgfriede geschrieben. S. Adelung Freyheit.
 
Artikelverweis 
Der Burgfriede, des -ns, plur. die -n. 1) Eine Art Befriedigung oder Befestigung ohne Mauern, nur mit Wall und Graben. 2) Eine Burg zum Frieden, d. i. zur Sicherheit gewisser Geschlechter und Gegenden. 3) Eine befreyete Gegend um

[Bd. 1, Sp. 1266]


eine Burg, um welche der öffentliche Friede nicht gestöret werden durfte, und in weiterer Bedeutung auch wohl der ganze Gerichtsbezirk einer Burg. S. Adelung Burgfreyheit. 4) Ein Vertrag oder Bündniß gewisser Familien zur gemeinen Sicherheit einer Burg und ihres Gebiethes. Einen Burgfrieden aufrichten. 5) Die öffentliche Sicherheit, welche die Rechte den fürstlichen Bürgen oder Residenzen, und in weiterer Bedeutung auch allen öffentlichen Örtern beylegen; ehedem auch der Weichfriede. Den Burgfrieden brechen. Welche Bedeutung unter allen angeführten heut zu Tage noch die üblichste ist. S. Schilters und Haltaus Gloss. und Frischens Wörterbuch.
 
Artikelverweis 
Die Burggerêchtigkeit, plur. inus. die Gerechtigkeit, oder das Recht, eine Burg, oder ein Schloß zu besitzen. S. Adelung Beschlossen und Schloßgerechtigkeit.
 
Artikelverweis 
Das Burggericht, des -es, plur. die -e, das Gericht, welches von dem Besitzer einer Burg bestellet und gehalten wird, und zuweilen unter dem Nahmen des Burggrafengerichtes vorkommt.
 
Artikelverweis 
Burggesêssen, adj. et adv. S. Adelung Beschlossen und Schloßgesessen.
 
Artikelverweis 
Der Burggraf, des -en, plur. die -en, der Graf oder Richter einer Burg; Fämininum die Burggräfinn. 1) So fern Burg ein mit Regalien versehenes Schloß bedeutet, führete derjenige diesen Nahmen, welcher von dem Eigenthümer einer solchen Burg zum Hauptmanne in derselben ernannt wurde, die Aufsicht über dieselbe und über die Besatzung und die Verwaltung des Gerichtswesens und der Einkünfte in und aus ihrem Gebiethe hatte. Dergleichen Burggrafen gab es in den mittlern Zeiten eine große Menge, und viele ihrer Nachkommen haben diesen Titel beybehalten, ob sie gleich jetzt dergleichen Bürge weder erblich noch auf andere Art besitzen. Der Vorsteher eines Ganerbenschlosses, welcher von den Ganerben erwählet, und von dem Kaiser bestätiget wird, führet noch jetzt den Nahmen eines Burggrafen, dergleichen der Burggraf von Friedberg ist. In Thoren ist der erste Bürgermeister zugleich königlicher Burggraf. Die vornehmsten unter diesen Burggrafen waren die Vorgesetzten der kaiserlichen Bürge, dergleichen ehedem die Burggrafen zu Magdeburg, Regensburg, Brandenburg, Antwerpen, Würzburg u. s. f. waren, von welchen einige ihre Bürge und das dazu gehörige Gebieth erblich an sich gebracht haben, die reichsfürstliche Würde besitzen, und noch vorhanden sind. In den mittlern Zeiten kommen die Burggrafen auch unter dem Nahmen der Burgrichter, Burgvögte, Burgmänner, und Weichgrafen vor. 2) So fern Burg eine Stadt bedeutet, war Burggraf, nach der ehemahligen weiten Bedeutung des Wortes Graf, wie aus dem Schwabenspiegel erhellet, auch eine obrigkeitliche Person, welche die Aufsicht über Maß und Gewicht, und über die Preise der Lebensmittel hatte. Dahin gehöret vermuthlich auch diejenige obrigkeitliche Person zu Cöln am Rhein, welche noch jetzt den Nahmen eines Burggrafen führet, deren nähere Bestimmung aber mir unbekannt ist.
 
Artikelverweis 
Burggräflich, adj. et adv. einem Burggrafen gehörig, in seiner Würde gegründet. Die burggräfliche Würde. Burggräfliche Güter.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: