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Bürgermeister bis Burggerêchtigkeit (Bd. 1, Sp. 1264 bis 1266)
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Artikelverweis Der Bürgermeister, des -s, plur. ut nom. sing. dessen Gattinn, die Bürgermeisterinn. 1) Der vornehmste unter der bürgerlichen Obrigkeit einer Stadt; Consul, nach der Gewohnheit

[Bd. 1, Sp. 1265]


der mittlern Zeiten aber auch an vielen Orten Proconsul, indem sich die Rathsherren oft Consules zu nennen pflegten. S. Adelung Rathsmeister. 2) Bey dem Klein eine Art dreyzehiger Patschfüße, welche nur in den nordischen Gewässern angetroffen wird; Plautus Proconsul, welcher im Engl. gleichfalls Burghermaster heißt.
   Anm. Im gemeinen Leben, so wohl Ober- als Niederdeutschlandes lautet dieses Wort Burgemeister. Frisch tadelt es, aber ohne Noth; ja es ist den Sprach- und Gehörwerkzeugen minder unangenehm, da es ein r weniger hat. Burgemeister, bedeutet den Vornehmsten einer Burg oder Stadt, der ehedem auf ähnliche Art auch Städtemeister genannt wurde. Im Schwedischen heißt er gleichfalls Borgmaestare, im Dän. Borgemester, im Franz. Bourguemaitre, aber im Schwabenspiegel schon Burgermaister. S. auch Burgmann. In einigen Oberdeutschen Gegenden heißt der Schultheiß eines Dorfes Bürgermeister.
 
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Die Bürgerpflicht, plur. die -en, eine Pflicht, zu welcher der Bürger einer Stadt, als Bürger verbunden ist. Zuweilen auch der Bürgereid.
 
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Das Bürgerrêcht, des -es, plur. inus. 1) Der Inbegriff aller Gerechtsamen, welche ein Bürger in der engern Bedeutung in Ansehung seines Nahrungsgeschäftes zu genießen hat. Das Bürgerrecht erhalten, erlangen. Sich um das Bürgerrecht bewerben. Einem das Bürgerrecht ertheilen. Das Bürgerrecht verwirken. Aufs Bürgerrecht arbeiten, bey den Handwerkern, wenn ein Handwerker unter dem Schutze seines Bürgerrechtes sein Handwerk treibet, ohne in die Innung aufgenommen zu seyn. 2) In weiterer Bedeutung, der Inbegriff aller Gerechtsamen, welche ein Einwohner eines Staates oder einer Provinz, als ein solcher zu genießen hat; das Einzöglingsrecht, in der Schweiz das Landrecht, in Niedersachsen die Landlage, sonst aber auch mit einem fremden Worte das Indigenat. S. Adelung Bürger 6.
 
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Die Bürgerrolle, plur. die -n, S. Adelung Bürgerbuch.
 
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Die Bürgerschaft, plur. die -en. 1) * Der Stand, die Würde eines Bürgers, ohne Plural; in welcher Bedeutung aber dieses Wort nicht üblich ist. 2) Die Bürger einer Stadt, als ein Ganzes betrachtet. Die Bürgerschaft zusammen berufen. Die ganze Bürgerschaft war beysammen. Auch in weiterer Bedeutung, die sämmtlichen Einwohner einer Stadt. Wenn aber Ephes. 2, 12, unter der Bürgerschaft Israel, der ganze Jüdische Staat verstanden wird, so ist das wider den Sprachgebrauch wenigstens im Hochdeutschen. In Westphalen ist statt dieses Wortes auch die Bürgerey üblich.
 
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Der Bürgerstand, des -es, plur. die -stände, der Stand der Bürger, so wohl im Abstracto und ohne Plural, als auch im Concreto, die sämmtlichen Bürger eines Staates oder einer Provinz und deren Gevollmächtigte.
 
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Die Bürgerstube, plur. die -n, eine Stube, oder ein Zimmer, in welchem sich die Bürger versammeln.
 
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Der Burgflêcken, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. der Mark Brandenburg, ein bey einer Burg angelegter Ort, welcher mehr Rechte als ein Dorf, aber weniger als eine Stadt oder als ein Flecken hat.
 
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Die Burgfreyheit, plur. die -en, an einigen Orten noch der Gerichtsbezirk einer Burg, welcher auch der Burgbann, die Burgwart, die Castellaney, Franz. Chatelenie, hieß. Das Wort Burgfreyheit wurde ehedem oft zusammen gezogen Burgfreyt und Burgfriede geschrieben. S. Adelung Freyheit.
 
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Der Burgfriede, des -ns, plur. die -n. 1) Eine Art Befriedigung oder Befestigung ohne Mauern, nur mit Wall und Graben. 2) Eine Burg zum Frieden, d. i. zur Sicherheit gewisser Geschlechter und Gegenden. 3) Eine befreyete Gegend um

[Bd. 1, Sp. 1266]


eine Burg, um welche der öffentliche Friede nicht gestöret werden durfte, und in weiterer Bedeutung auch wohl der ganze Gerichtsbezirk einer Burg. S. Adelung Burgfreyheit. 4) Ein Vertrag oder Bündniß gewisser Familien zur gemeinen Sicherheit einer Burg und ihres Gebiethes. Einen Burgfrieden aufrichten. 5) Die öffentliche Sicherheit, welche die Rechte den fürstlichen Bürgen oder Residenzen, und in weiterer Bedeutung auch allen öffentlichen Örtern beylegen; ehedem auch der Weichfriede. Den Burgfrieden brechen. Welche Bedeutung unter allen angeführten heut zu Tage noch die üblichste ist. S. Schilters und Haltaus Gloss. und Frischens Wörterbuch.
 
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Die Burggerêchtigkeit, plur. inus. die Gerechtigkeit, oder das Recht, eine Burg, oder ein Schloß zu besitzen. S. Adelung Beschlossen und Schloßgerechtigkeit.

 

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