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Bürde bis Bürgmeister (Bd. 1, Sp. 1259 bis 1261)
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Artikelverweis Die Bürde, plur. die -n, eigentlich so viel jemand tragen kann, oder was jemand zu tragen verpflichtet ist, so wohl in eigentlicher als figürlicher Bedeutung. Eine Bürde Holz, Gras, im Oberdeutschen. Sich eine schwere Bürde auf den Hals laden. Einem eine Bürde auflegen, ihm seine Bürde abnehmen. Er hat eine schwere Bürde zu tragen. In engerer Bedeutung wird dieses Wort so wohl allein, als auch in der Zusammensetzung Leibesbürde, zuweilen von der Leibesfrucht gebraucht. Sie

[Bd. 1, Sp. 1260]


ist von ihrer weiblichen Bürde, oder von ihrer Leibesbürde entbunden worden.
   Anm. Bürde, bey dem Kero Purdi, bey dem Ottfried und Tatian Burdi, bey dem Stryker Purde, im Angels. Byrthun, im Engl. Burden, im Isl. Byrth, im Dän. Byrde, im Schwed. Börda, im Franz. Fardeau, im Griech. φορτος, kommt von bären, tragen, her. S. Adelung Bahre. Bürde kommt im Hochdeutschen in der Sprache des gemeinen Lebens und des täglichen Umganges wenig vor, häufiger aber in der Büchersprache und in der anständigern Schreibart. In Schlesien bedeutet Pürdel den Schmiedehammer; in Preußen ist Berde eine große Menge, eine Berde Obst, wofür man im Hochdeutschen auch wohl eine Last Obst sagt. Im mittlern Latein wird Burdo von einem Lastthiere gebraucht. Im Oberdeutschen ist Bürde auch unter der Bedeutung eines Bündels bekannt. S. Bürdestahl.
 
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Bürden, verb. reg. act. zu tragen auflegen, welches aber außer der im gemeinen Leben üblichen figürlichen Redensart einem etwas auf den Hals bürden, wenig gebraucht wird. Das zusammen gesetzte aufbürden ist bekannter. Giburdinot kommt schon bey dem Ottfried für onerata vor.
 
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Der Bürdestahl, des -es, plur. inus. im Handel und Wandel eine Art Steiermärkischen Stahles, welcher in lange Stangen geschmiedet wird, die bündelweise verschickt werden; Gebündestahl. Von Bürde, so fern es im Oberdeutschen ein Bündel bedeutet.
 
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Die Burg, plur. die Bürge. 1) Ein jeder befestigter oder mit Festungswerken eingeschlossener Ort. Von dieser ersten und weitesten Bedeutung, welche aber nunmehr völlig veraltet ist, ist noch das zusammen gesetzte Wagenburg ein Zeuge. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist Vorburg noch so viel als eine Vorstadt, welche Bedeutung in dem Franz. Fauxbourg noch gäng und gebe ist. Besonders wurde dieses Wort in den ältesten Zeiten von einer Stadt gebraucht, welche Bedeutung Baurgs bey dem Ulphilas, und Burc oder Burg, bey dem Ottfried, Willeram und Tatian mehrmahls haben. Das heutige Schwed. Birke, und Engl. Borough, Burgh, eine Stadt, ist auch noch ein Überbleibsel davon. 2) Ein befestigter Wohnsitz eines Fürsten, Grafen oder Dynasten, welcher mit verschiedenen Hoheitsrechten versehen ist. In diesem Verstande wird der kaiserliche Wohnsitz zu Wien noch jetzt die Burg oder die Hofburg genannt. In den mittlern Zeiten gab es in Deutschland eine Menge solcher Bürge, welche zum Theil auch noch vorhanden sind, aber jetzt gemeiniglich Schlösser genannt werden, so daß das Wort Burg auch in dieser Bedeutung im Hochdeutschen wenig mehr gebraucht wird, außer wenn von den Bürgen der mittlern Zeiten die Rede ist. Die Wohnsitze der gemeinen Edelleute werden zwar oft Schlösser, aber so viel mir bekannt ist, nicht Bürge genannt; obgleich das Diminutivum Bürglein oder Bürgel zuweilen in dieser Bedeutung vorkommt. Bey dem Tatian ist Burgilu ein Castell, im Gegensatze der Burg oder Stadt.
   Anm. Burg, im Angels. Byrig, Burg, im Dän. und Schwed. Borg, ist ein altes Wort, welches in allen Europäischen Mundarten angetroffen wird. Man hat es bisher von Berg und bergen abgeleitet, weil man die Bürge ehedem auf Berge bauete, und sich in denselben zu bergen, d. i. zu vertheitigen, suchte. Hr. Ihre gibt hingegen dem alten byrgia, schließen, den Vorzug; welche Muthmaßung dadurch bestätiget wird, daß auch das Wort Schloß von schließen abstammet. Einigen Schriftstellern des mittlern Zeitalters zu Folge bedeutete Burg ehedem auch einen offenen Ort, einen Flecken, im Gegensatze einer ummauerten Stadt; allein in Deutschland ist diese Bedeutung wohl nie allgemein gewesen. S. Adelung Bürger 4. Das Griech. πυργος, ein Thurm,

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scheinet mit Burg genau verwandt zu seyn. Der Plural Bürge war ehedem vollkommen gebräuchlich, und kommt auch noch in der Deutschen Bibel vor. Heut zu Tage gebraucht man ihn wenig, welches aber wohl nur von dem immer mehr abnehmenden Gebrauche des Wortes Burg selbst herrühret. Im Oberdeutschen heißt der Plural auch die Burgen. An den meisten Nahmen der Örter, welche sich auf burg endigen, ist dieses Wort ein Beweis, daß sie aus Bürgen entstanden sind, welche zuerst daselbst befindlich gewesen. Die Gentilla von diesen Wörtern behalten ihr u unverändert. Ein Hamburger, Straßburger u. s. f. Nicht Hambürger.
 
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* Der Burgbann, des -es, plur. inus. ein veraltetes und nur noch in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort. 1) Die Gerichtsbarkeit, welche einer Burg anklebet, und sich in die obere und untere Gerichtsbarkeit theilet. Schon in einer Urkunde des Kaisers Otto II. von 980 kommt der Ausdruck vor: Vrbalem bannum, quem vulgariter Burgbann vocant. 2) Der Bezirk, in welchem diese Gerichtsbarkeit ausgeübet wird, das Gebieth einer Burg. So fern Burg ehedem eine Stadt bedeutete, wurde Burgbann auch von dem Stadtgebiethe gebraucht, welches man in Sachsen das Weichbild, und in Schlesien den Florzaun nennet. S. Bann.
 
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Der Burgdienst, des -es, plur. die -e, Dienste, welche theils von den Burgmännern zur Vertheidigung der Burg, theils von den Unterthanen zur Befestigung derselben geleistet werden mußten; ein Wort, welches mit der Sache selbst in Abgang gekommen ist.
 
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* Das Burgding, des -es, plur. die -e, in den mittlern Zeiten, das Gericht, welches der Besitzer einer Burg über die seinem Gerichtszwange untergebenen Leute hält; im Österreichischen das Landgericht. S. Adelung Ding.
 
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Der Bürge, des -n, plur. die -n, eine dritte Person, welche dem Gläubiger für dessen Schuldner Sicherheit verspricht, sich, im Falle der Noth für ihn zu bezahlen, anheischig macht; in der weitesten Bedeutung, eine jede Person, welche die Verbindlichkeit einer andern übernimmt, im Falle diese sie nicht erfüllet. Einen Bürgen stellen, oder geben. Bürge für jemanden werden. Wer ist mir Bürge dafür? Man gebraucht dieses Wort auch von dem weiblichen Geschlechte. Die Frau ist für ihren Mann Bürge geworden. Eine Frau kann für einen andern nicht Bürge werden. Indessen hat doch Opitz das Fämininum Bürginn.
   Anm. Bürge, im Nieders. Borge, im Oberdeutschen um das Jahr 840 Burigu, in spätern Zeiten Purigo, Purgel, Purkel, im Dän. Borg, im Angels. Borge, im Holländ. Borghe, im Engl. Borrow, stammet vermuthlich von borgen ab, welches Zeitwort ehedem einen weit größern Umfang der Bedeutung hatte als jetzt. S. Adelung Borgen. Ein Bürge wurde ehedem auch ein Leister, Leistbürg, und Gült genannt, und in der Schweiz ist in dieser Bedeutung auch Tröster, und in manchen Gegenden Gutsprecher üblich. Das Niedersächsische Borge bedeutet auch einen Gläubiger, ein Umstand, der die Verwandtschaft der Wörter Bürge und borgen bestätiget.
 
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Das Bürgel, des -s, plur. ut nom. sing. 1) * Eine kleine Burg, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort. S. Adelung Burg. 2) Bey den Jägern, der kleine Hügel in der Fährte des Hirsches, welchen derselbe mit seinen Ballen macht, und der auch Burgstall genannt wird. In dieser Bedeutung ist es vermuthlich das Diminutivum von Berg, Birg, und sollte daher billig Birgel lauten.
 
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Bürgelkraut, S. Adelung Burzelkraut.
 
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Der Bürgmeister, S. Adelung Bürgermeister.

[Bd. 1, Sp. 1262]


 

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