Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Buntwênzel bis Burgbann (Bd. 1, Sp. 1259 bis 1261)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Der Buntwênzel, des -s, plur. ut nom. sing. bey dem Klein, eine Art Brustwenzel, welche einen rothen Kopf, einen safrangelben Kropf, Brust und Bauch, ein himmelblaues Genick, einen lasurfarbenen Rücken u. s. f. hat, und nur in Amerika angetroffen wird; Sylvia versicolor. S. Adelung Brustwenzel und Wenzel.
 
Artikelverweis 
Das Buntwêrk, des -es, plur. inus. S. Adelung Bunt, Anm.
 
Artikelverweis 
Der Buntwêrker, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adelung Buntfütterer.
 
Artikelverweis 
Der Bunzen, des -s, plur. ut nom. sing. ein stählernes Werkzeug aller derjenigen Arbeiter, welche erhabene Arbeiten aus Blech verfertigen, und bey welchen es ein Stämpel ist, dem Bleche vermittelst des Hammers eine verlangte erhabene Gestalt zu geben. Die Goldschmiede, die Gürtler, die Schlösser u. s. f. können dieses Werkzeug nicht entbehren. Bey den Schwertfegern wird es ein Meißel genannt. Die Arbeit selbst heißt bunzeln, und bey einigen auch bunzeniren. Daher der Bunzelhammer, der Hammer, womit man bey dieser Arbeit auf den Bunzen schläget; das Bunzzeug, alles was zum Bunzeln gehöret; die Bunzenbüchse, worin die Bunzen verwahret werden u. s. f.
   Anm. Dieses Wort kommt mit dem Franz. Poinçon und dem Ital. Punzello überein; es ist aber noch nicht ausgemacht, welcher Sprache es eigenthümlich zugehöre. Im Oberdeutschen lautet es auch Punze, und ist daselbst zugleich weiblichen Geschlechtes.
 
Artikelverweis 
† Der Bunzenzins, des -es, plur. von mehrern Summen, die -e, eine niedrige und größten Theils veraltete Benennung derjenigen Summe, womit sich leibeigene Personen von dem Gutsherren die Erlaubniß zu heirathen erkaufen müssen; das Bunzengeld, von dem noch im niedrigen Leben üblichen Bunze, vulva. S. Adelung Schürzenzins.
 
Artikelverweis 
Der Burāt, Borrāt, des -es, plur. von mehrern Arten, die -e, ein Nahme, unter welchem besonders eine gedoppelte Art Zeuge bekannt ist. 1) Eine Art groben wollenen Zeuges, welche jetzt unter dem Nahmen Tuchrasch bekannter ist. Doch werden die Zeugwirker noch jetzt an einigen Orten Buratmacher, in Erfurt aber Raschmacher genannt. 2) Ein schwarzer Zeug, welcher in Niedersachsen häufig gemacht und getragen wird, und woran der Aufzug Seide, das übrige aber Wolle ist. In beyden Fällen ist der Nahme aus dem Franz. Burat, und Ital. Burato, welche wiederum von Bourre, Borra, im mittlern Lateine Burra, grobe Wolle, abstammen.
 
Artikelverweis 
Die Bürde, plur. die -n, eigentlich so viel jemand tragen kann, oder was jemand zu tragen verpflichtet ist, so wohl in eigentlicher als figürlicher Bedeutung. Eine Bürde Holz, Gras, im Oberdeutschen. Sich eine schwere Bürde auf den Hals laden. Einem eine Bürde auflegen, ihm seine Bürde abnehmen. Er hat eine schwere Bürde zu tragen. In engerer Bedeutung wird dieses Wort so wohl allein, als auch in der Zusammensetzung Leibesbürde, zuweilen von der Leibesfrucht gebraucht. Sie

[Bd. 1, Sp. 1260]


ist von ihrer weiblichen Bürde, oder von ihrer Leibesbürde entbunden worden.
   Anm. Bürde, bey dem Kero Purdi, bey dem Ottfried und Tatian Burdi, bey dem Stryker Purde, im Angels. Byrthun, im Engl. Burden, im Isl. Byrth, im Dän. Byrde, im Schwed. Börda, im Franz. Fardeau, im Griech. φορτος, kommt von bären, tragen, her. S. Adelung Bahre. Bürde kommt im Hochdeutschen in der Sprache des gemeinen Lebens und des täglichen Umganges wenig vor, häufiger aber in der Büchersprache und in der anständigern Schreibart. In Schlesien bedeutet Pürdel den Schmiedehammer; in Preußen ist Berde eine große Menge, eine Berde Obst, wofür man im Hochdeutschen auch wohl eine Last Obst sagt. Im mittlern Latein wird Burdo von einem Lastthiere gebraucht. Im Oberdeutschen ist Bürde auch unter der Bedeutung eines Bündels bekannt. S. Bürdestahl.
 
Artikelverweis 
Bürden, verb. reg. act. zu tragen auflegen, welches aber außer der im gemeinen Leben üblichen figürlichen Redensart einem etwas auf den Hals bürden, wenig gebraucht wird. Das zusammen gesetzte aufbürden ist bekannter. Giburdinot kommt schon bey dem Ottfried für onerata vor.
 
Artikelverweis 
Der Bürdestahl, des -es, plur. inus. im Handel und Wandel eine Art Steiermärkischen Stahles, welcher in lange Stangen geschmiedet wird, die bündelweise verschickt werden; Gebündestahl. Von Bürde, so fern es im Oberdeutschen ein Bündel bedeutet.
 
Artikelverweis 
Die Burg, plur. die Bürge. 1) Ein jeder befestigter oder mit Festungswerken eingeschlossener Ort. Von dieser ersten und weitesten Bedeutung, welche aber nunmehr völlig veraltet ist, ist noch das zusammen gesetzte Wagenburg ein Zeuge. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist Vorburg noch so viel als eine Vorstadt, welche Bedeutung in dem Franz. Fauxbourg noch gäng und gebe ist. Besonders wurde dieses Wort in den ältesten Zeiten von einer Stadt gebraucht, welche Bedeutung Baurgs bey dem Ulphilas, und Burc oder Burg, bey dem Ottfried, Willeram und Tatian mehrmahls haben. Das heutige Schwed. Birke, und Engl. Borough, Burgh, eine Stadt, ist auch noch ein Überbleibsel davon. 2) Ein befestigter Wohnsitz eines Fürsten, Grafen oder Dynasten, welcher mit verschiedenen Hoheitsrechten versehen ist. In diesem Verstande wird der kaiserliche Wohnsitz zu Wien noch jetzt die Burg oder die Hofburg genannt. In den mittlern Zeiten gab es in Deutschland eine Menge solcher Bürge, welche zum Theil auch noch vorhanden sind, aber jetzt gemeiniglich Schlösser genannt werden, so daß das Wort Burg auch in dieser Bedeutung im Hochdeutschen wenig mehr gebraucht wird, außer wenn von den Bürgen der mittlern Zeiten die Rede ist. Die Wohnsitze der gemeinen Edelleute werden zwar oft Schlösser, aber so viel mir bekannt ist, nicht Bürge genannt; obgleich das Diminutivum Bürglein oder Bürgel zuweilen in dieser Bedeutung vorkommt. Bey dem Tatian ist Burgilu ein Castell, im Gegensatze der Burg oder Stadt.
   Anm. Burg, im Angels. Byrig, Burg, im Dän. und Schwed. Borg, ist ein altes Wort, welches in allen Europäischen Mundarten angetroffen wird. Man hat es bisher von Berg und bergen abgeleitet, weil man die Bürge ehedem auf Berge bauete, und sich in denselben zu bergen, d. i. zu vertheitigen, suchte. Hr. Ihre gibt hingegen dem alten byrgia, schließen, den Vorzug; welche Muthmaßung dadurch bestätiget wird, daß auch das Wort Schloß von schließen abstammet. Einigen Schriftstellern des mittlern Zeitalters zu Folge bedeutete Burg ehedem auch einen offenen Ort, einen Flecken, im Gegensatze einer ummauerten Stadt; allein in Deutschland ist diese Bedeutung wohl nie allgemein gewesen. S. Adelung Bürger 4. Das Griech. πυργος, ein Thurm,

[Bd. 1, Sp. 1261]


scheinet mit Burg genau verwandt zu seyn. Der Plural Bürge war ehedem vollkommen gebräuchlich, und kommt auch noch in der Deutschen Bibel vor. Heut zu Tage gebraucht man ihn wenig, welches aber wohl nur von dem immer mehr abnehmenden Gebrauche des Wortes Burg selbst herrühret. Im Oberdeutschen heißt der Plural auch die Burgen. An den meisten Nahmen der Örter, welche sich auf burg endigen, ist dieses Wort ein Beweis, daß sie aus Bürgen entstanden sind, welche zuerst daselbst befindlich gewesen. Die Gentilla von diesen Wörtern behalten ihr u unverändert. Ein Hamburger, Straßburger u. s. f. Nicht Hambürger.
 
Artikelverweis 
* Der Burgbann, des -es, plur. inus. ein veraltetes und nur noch in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort. 1) Die Gerichtsbarkeit, welche einer Burg anklebet, und sich in die obere und untere Gerichtsbarkeit theilet. Schon in einer Urkunde des Kaisers Otto II. von 980 kommt der Ausdruck vor: Vrbalem bannum, quem vulgariter Burgbann vocant. 2) Der Bezirk, in welchem diese Gerichtsbarkeit ausgeübet wird, das Gebieth einer Burg. So fern Burg ehedem eine Stadt bedeutete, wurde Burgbann auch von dem Stadtgebiethe gebraucht, welches man in Sachsen das Weichbild, und in Schlesien den Florzaun nennet. S. Bann.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: