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Buhlen bis Bühnenmeister (Bd. 1, Sp. 1249 bis 1252)
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Artikelverweis  Buhlen, verb. reg. neutr. sich um die Liebe einer Person bewerben, ingleichen lieben, verliebten Umgang pflegen; ein im gemeinen Gebrauche eben so veraltetes Wort, wie das vorige. Es wurde ehedem gebraucht, 1) im guten Verstande, sich um die Liebe einer Person bewerben. Um eine Person buhlen. Es war die Zeit um dich zu buhlen, Ezech. 16, 8. Wie denn der Herr um die Kinder Israel buhlet, Hos. 3, 1. In dieser Bedeutung kommt dieses Wort zuweilen noch bey den Dichtern vor.
   Nisus buhlte stark um Nisa, Logau.
   Der Zephirn gleich um alle Blumen scherzet,
   Um alle buhlt, doch nur die schönsten herzet,
   Wiel.
   Öfters strahlet alsdann von jungen glühenden Wangen
   Liebe hervor und buhlet auch hier aus siegenden Augen,
   Zachar. Ja zuweilen wird es auch figürlich gebraucht, für sich um etwas bewerben. So sagt Opitz ein Mahl, sich die Liebe des Lasters erbuhlen, und bey dem Bluntschli buhlet Herzog Albrecht von Österreich um ein Bündniß mit der Stadt Zürch. Um den Preis buhlen, Raml. 2) Im nachtheiligen Verstande, so wohl sich aus unerlaubten Absichten um die Gunst einer Person bewerben, um eine Person buhlen, als auch einen unerlaubten Umgang mit ihr pflegen, mit ihr buhlen. In beyden Fällen kommt es im Hochdeutschen, wenigstens in der Sprache des Umganges und des gemeinen Lebens, nicht mehr vor. Juda buhlet mit eines fremden Gottes Tochter, Mal. 2, 11.
   Anm. Auch im Isländischen, Dänischen und Schwedischen bedeutet beila, beile, und bela, um eine Person werben, und Beiler einen Freyer; dagegen bedeutet bole in eben diesen Sprachen, die Ehe brechen. Herr Ihre leitet das erste von biddla, bitten, betteln, das letzte aber von dem Isländ. Bol, das Bett, und mit demselben von bo, wohnen, ab. Allein hier scheinen zwey Stammwörter unnöthig zu seyn, und das Griech. φιλειν,

[Bd. 1, Sp. 1250]


lieben, und φιλος, ein Freund, eine geliebte Person, verdienet wirklich mehr Aufmerksamkeit. Wird doch das Wort Liebste, so wie ehedem Buhle, so wohl in guter als schlimmer Bedeutung gebraucht, und das Zeitwort lieben ist auf eben dem Wege. Buhlen wurde ehedem auch für lieben gebraucht. Sie wird mich bulen, heißt es in einer Schrift von 1400 bey dem Pez. In Niedersachsen bedeutete Bole ehedem einen Vetter, Oheim, und Bölkenkinder sind daselbst noch jetzt Geschwister Kinder. S. auch Balzen und Bolle. Merkwürdig ist doch, daß im Hebr. 05d105e205dc, einen Ehemann, und 05d105e205d505dc05d4, einen Ehegatten bedeutet, wovon schon Luther das Wort buhlen abgeleitet hat.
 
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* Das Buhlengêld, des -es, plur. inus. in Preußen, dem Frisch zu Folge, dasjenige Geld, welches die Gesellen bey Erlangung des Bürgerrechtes, als ein Unterpfand erlegen müssen, daß sie in Jahresfrist heirathen wollen. S. Adelung Brömmelbier.
 
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Der Buhler, des -s, plur. ut nom. sing. der sich um die Liebe einer Person des andern Geschlechtes bewirbt, oder mit derselben einen unerlaubten Umgang unterhält. Du aber hast mit vielen Buhlern gehuret, Jer. 3, 1. Ephraim schenkt den Buhlern, Hos. 8, 9. Im Hochdeutschen ist auch dieses Wort veraltet, außer daß es noch zuweilen von den Dichtern im Andenken erhalten wird. S. Adelung Mitbuhler. Im Dän. und Schwed. bedeuten Boler und Bolare einen Ehebrecher. Daß die Fleischer die Pfuscher ihres Handwerkes Buhler zu nennen pflegen, ist schon bey dem Worte Buhle angemerket worden.
 
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Die Buhlerēy, plur. die -en. 1) Die Bemühung zu gefallen, besonders von Seiten des andern Geschlechtes, und Handlungen, Mienen u. s. f. durch welche man zu gefallen sucht, wie das Franz. Coquetterie, welches man bey mehrerm Gebrauche dieses Wortes füglich entrathen kann. Ihre kleinen Buhlereyen gefallen jedermann. 2) Liebe, verliebter Umgang.
   Die sanfte Schmeicheley
   Die Mittlerinn vergnügter Buhlerey,
   Haged. Besonders im nachtheiligen Verstande. Ich will ihm die Federn schon so ausrupfen, daß er seine altväterischen Buhlereyen gewiß darüber vergessen soll, Weiße.
   Belebt die Buhlerey nicht jeden Sperling mehr,
   Als alle Lüsternheit den traurigen Tiber?
   Haged.
   Die Buhlerey, die oft sich Liebe nennt,
   Haged.
 
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Die Buhlerinn, plur. die -en, eine Person weiblichen Geschlechtes, welche sich einer unerlaubten Liebe ergibt. Fleuch die Buhlerinn, daß du nicht in ihre Stricke fallest, Sir 9, 3. Sollte er sich von einer Buhlerinn Treue versprechen wollen? Dusch.
 
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Buhlerisch, adj. et adv. bemüth zu gefallen, von dem andern Geschlechte, wie das Franz. coquet. Sie ist ein wenig buhlerisch. S. Adelung Verbuhlt. Noch mehr aber verliebt, doch mehr in der Sprache der Dichter, als in der Sprache des Umganges. Eine buhlerische Dirne.
   Wie buhlerisch, wie so gelinde
   Erwärmen die westlichen Winde
   Das Ufer, den Hügel, die Gruft!
   Haged.
   Dort tönt ihr Lob in buhlerischen Chören,
   Haged. In der Deutschen Bibel kommt dieses Wort Hos. 3, 1 in härterm Verstande für unzüchtig vor; dagegen heißt bey dem Opitz eine buhlerische Rede, im guten Verstande, eine zierliche, einnehmende Rede.
 
Artikelverweis Die
Buhlschaft, plur. die -en. 1) Verliebter Umgang; ohne Plural. Sie wußte, daß die Buhlschaft das Gegengift der Liebe war, Dusch.
   Eh sollen meine Schlangen
   Zu Tauben auf die Buhlschaft gehn,
   Günth. 2) Ein geliebter Gegenstand. Mit seiner Buhlschaft aus dem Lande fliehen.
   Man ist nur bedacht
   Der Buhlschaft lieb zu seyn,
   Opitz.
   Und du wirst auch bey meiner Buhlschaft stehen,
   O Delia,
   Opitz. In beyden Bedeutungen kommt dieses Wort im Hochdeutschen wenig mehr vor, obgleich im Dän. Bolskab, und im Schwed. Bolskap, in gleichen Bedeutungen üblich sind.
 
Artikelverweis Die
Buhlschwêster, plur. die -n, eine weibliche Person, welche einer unerlaubten Liebe nachhängt.
 
Artikelverweis 
Die Bühne, plur. die -n, Diminutivum das Bühnchen, Oberdeutsch Bühnlein. 1. Eigentlich, ein Bret oder Stange. In dieser größten Theils veralteten Bedeutung kommt dieses Wort noch im Bergbaue vor, wo es eine Art von starken Kastenstangen oder Bretern bedeutet, welche gleich einer Brücke auf die Querstämpel unter die Schächte gemacht werden müssen, darunter zu arbeiten. S. Adelung Bühnloch. In Franken bedeutet Bühn noch jetzt dasjenige, was man in Obersachsen eine Latte nennet, nehmlich eine viereckte Stange, die Ziegel eines Daches darauf zu legen. Frisch führet verschiedene Beyspiele aus dem Fronsberg an, aus welchen erhellet, daß Binne auch so viel als eine Diele oder Bret bedeutet habe. Z. B. Binnen oder Dielen zu den Schiffbrücken. Ingleichen Handten oder Binnen. Ferner: Pinnen oder Dielen aus dicken Bretern machen, die Stücke auf einer Batterie darauf zu stellen. 2. Figürlich. 1) Ein aus Bühnen oder Bretern erbauetes Gerüst. (a) In einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, bedeutet es die oberste Decke eines Gemaches, ingleichen den obersten Boden unter dem Dache, womit auch das Nieders. Böhn und Holländ. Boen überein kommt, welche aber auch figürlich den Gaumen ausdrucken. (b) Ein erhöhetes Gerüst von Bretern, eine merkwürdige Handlung darauf vorzustellen. Eine Schaubühne, Henkersbühne, Richtbühne. Besonders bedeutet dieses Wort die Schaubühne, da es denn nicht allein den Ort ausdruckt, auf welchem Schauspiele vorgestellet werden, sondern auch die ganze Schauspielkunst. Man ist jetzt sehr auf die Verbesserung der Deutschen Bühne bedacht. Wir müssen den Franzosen die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß ihre Bühne unter allen am besten bestellt ist. Es gibt gottlose Charaktere, denen die Bühne durchaus verbothen ist, Dusch, die man nicht auf der Schaubühne vorstellen darf. (c) In dem Bergbaue sind die Bühnen Absätze in einem Schachte, die Fahrten desto gewisser einzuhaspeln, und auch darauf auszuruhen. (d) Der obere Theil des Schlammgrabens, von welchem das Schoßgerinne gesäubert wird, heißt im Bergbaue gleichfalls die Bühne. (e) In den Niedersächsischen Seestädten ist es der Raum oder Hof, wo die aus den Schiffen geladenen Güter hingeleget werden, ehe man sie in die Speicher schafft; wo das Wort gemeiniglich Buhne lautet; S. auch Bühnenmeister. (f) Eine aus Bohlen oder Balken aufgeführte Bekleidung des Ufers des Meeres oder der Flüsse, zur Befestigung des Erdreiches; im Nieders. eine Bune, Schälung, Franz. Quai. (g) Ein Zaun am Strande eines Flusses, vor welchem die Fische bey dem Ablaufe der Fluth liegen bleiben; Nieders. eine Bune. Aber in dieser Bedeutung scheinet es zu Benne zu gehören, welches der eigentliche Ausdruck für dergleichen Flechtwerk ist. 2) Wegen einiger Ähnlichkeit mit einer erhöheten Bühne, wird in den Schmelzhütten derjenige Absatz, welchen die Schlacken und andere Unarten bilden, wenn sie sich oben auf dem Vorderherde aussetzen, eine Bühne, Bihne, oder Biene genannt.
   Anm. Da dieses Wort bisher weder in unsern alten Denkmählern noch in den verwandten Sprachen angetroffen worden,

[Bd. 1, Sp. 1252]


so lässet sich dessen Abstammung auch nicht leicht mit einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit bestimmen. So fern es in Oberdeutschland und Niedersachsen die Decke eines Zimmers oder den Oberboden bedeutet, ist es vermuthlich aus Boden zusammen gezogen, welche Zusammenziehung in ganz Niedersachsen etwas sehr gewöhnliches ist; z. B. been für beden, bethen; raen für raden, rathen; döen für döden, tödten, und hundert andere mehr. Nur die übrigen Bedeutungen wollen sich dazu nicht recht schicken, man müßte denn dem Worte Boden eine viel weitere Bedeutung beylegen, als es heut zu Tage hat. Frischens Ableitung von dem Binden oder Vereinen der Breter ist so gezwungen als möglich. Wenn es auf Muthmaßungen ankäme, so ließen sich weit wahrscheinlichere angeben, wenn man gleich nicht auf das Hebr. 05d105e005d4 und das Deutsche bauen fallen wollte. Das Nieders. Bön bedeutet auch einen Kübel, und im Oberdeutschen ist Bühner so viel als Büdner, Büttner, oder Böttcher.
 
Artikelverweis 
Bühnen, verb. reg. act. mit Bretern belegen; im Oberdeutschen büdnen, in welcher Mundart auch bühnen üblicher ist, als im Hochdeutschen. S. Adelung Zubühnen.
 
Artikelverweis 
Der Bühnenmeister, des -s, plur. ut nom. sing. in den Seestädten, derjenige, welcher die Aufsicht über eine Bühne hat, wo die Schiffe ausgeladen werden. S. Adelung Bühne.

 

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