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Buglahm bis Buhlengêld (Bd. 1, Sp. 1248 bis 1250)
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Artikelverweis  Buglahm, adj. et adv. lahm am Buge, an dem obern Gelenke des Vorder- oder Hinterfußes beschädiget, von den Thieren. Das Pferd ist buglahm. Ein buglahmes Thier. Daher die Buglähme, plur. car. der Zustand, da ein Thier buglahm ist.
 
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Der Buglieger, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Niedersächsischen Gegenden, ein kleines Schiff, welches zu einem größern gehöret, und neben dessen Buge lieget.
 
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Das Bugschwinden, des -s, plur. car. S. Adelung Bug.
 
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Bugsiren, verb. reg. act. in der Seefahrt, hinter sich herziehen. Ein Schiff in den Hafen bugsiren, es vermittelst eines oder mehrerer kleiner Schiffe in den Hafen ziehen. Einen todten Wallfisch an das Schiff bugsiren, ihn mit Chaluppen an das Schiff ziehen. Daher der Bugsiranker, ein Anker, mit welchem eine Chaluppe bey der einen Art des Bugsirens befestiget wird.
   Anm. In Niedersachsen lautet dieses Wort boogsern, im Holländ. boechseerden, im Dän. bogsern. Es stammet, seiner ausländischen Endung ungeachtet, dennoch von biegen ab; denn im Dänischen bedeutet bogse überhaupt lenken oder wenden. Für bugsiren ist in einigen Gegenden auch treilen, und im Franz. remorquer üblich.
 
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Das Bugspriet, des -es, plur. die -e, in der Schifffahrt, die Stange, welche vorn an dem Buge, oder dem Vordertheile des Schiffes hervorraget, und zwey Segel führet, welche die obere und untere Blinde genannt werden; im Nieders. Boogspret, im Dän. Bougsprid, im Engl. Bowsprit, Boltsprit, im Franz. Beaupré. Das Nieders. Spreet, und Holl. Spriet, bedeutet eine jede Stange, welche vorn eine Gabel hat; S. Adelung Spreitze.
 
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Die Bugstange, oder Bugstênge, plur. die -n, der Mastbaum, welcher auf das Bugspriet gesetzet wird, und auch die Blindstenge heißt, weil er die beyden Blinden führet.
 
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Das Bugstück, des -es, plur. die -e. 1) Auf den Schiffen, die vier ersten Stücke oder Kanonen, welche in dem Buge des Schiffes stehen. 2) Das abgehauene Schulterblatt eines Thieres. Das Bugstück von einem Rehe, von einem Hirsche u. s. f.
 
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* Der Bühel, des -s, plur. ut nom. sing. eine im Hochdeutschen veraltete Benennung eines Hügels. Im Oberdeutschen, wo sie noch üblich ist, lautet sie in einigen Gegenden auch Bichel, oder Pichel, bey dem Ottfried Buhil, bey dem Notker Buol, Puol, bey dem Willeram Buhel, im Theuerdanke Pühel. Für Bäule findet man im Oberdeutschen gleichfalls Bühel, und Notker gebraucht Puol von einem jeden Haufen. Es scheinet eine Ableitung von Buik, Buk, Bieg zu seyn, welches ehedem häufig in der Bedeutung eines Hügels oder Haufens vorkam, und dann würde es zu dem Zeitworte biegen gehören. Wenn man aber die Aspiration für nichts rechnen will, so könnte es sich auch von boll, rund, ableiten lassen. Im Nieders. ist Bult, Bulten, gleichfalls ein Hügel. Besonders bedeutet Bülte im Torfgraben einen runden Haufen Torf, der wie ein Bienenstock gewölbet ist, damit das Wasser ablaufe. Stellet dieser Haufe ein Viereck vor, so heißet er eine Klote.
 
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* Der Buhle, des -n, plur. die -n, ingleichen die Buhle, plur. die -n, eine geliebte Person beyderley Geschlechtes; ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, welches aber noch in der Deutschen Bibel vorkommt, und zwar, 1) im guten Verstande, von

[Bd. 1, Sp. 1249]


einer rechtmäßigen und erlaubten Liebe. Du sollst meine Lust an ihr, und dein Land lieber Buhle heißen. Denn der Herr hat Lust an dir, und dein Land hat einen lieben Buhlen. Denn wie ein lieber Buhle einen Buhlen lieb hat u. s. f. Es. 62, 2, wo der Buhle auch von dem weiblichen Geschlechte gebraucht wird. Ehedem bedeutete dieses Wort auch unter vornehmern Personen so viel als einen Gemahl. So nennet in Höns Coburg. Chron. S. 208 die Gräfinn Gutta von Henneberg den Grafen Heinrich von Henneberg ihren lieben Buhlen. Ja es war in noch weiterer Bedeutung auch ein Ehrentitel vornehmer Personen beyderley Geschlechtes, wofür jetzt Eure Liebden üblich ist. Die Markgräfinn Elisabeth von Brandenburg schrieb, wie in den Schriften der Anhältischen Deutschen Gesellschaft angemerket wird, an den Bischof Johann den Zweyten zu Würzburg: Lieber Herr und Buhl, und dieser nennet sie in dem Antwortschreiben, liebe Frau und Buhl. Besonders bedeutete dieses Wort ehedem eine geliebte Person, um deren Liebe man sich bewarb.
   Unnd het ritterliche begir
   Ein spieß mit euch zerbrechen schir
   Von seines Pulen wegen zwar,
   Theuerd. Kap. 85.
   Als auch die andern thetten
   Die ir pulen am Danntz hetten,
   Theuerd. Kap. 102. wo es aber auch bedeuten kann, die Gefallen am Tage hatten. 2) Im nachtheiligen Verstande, von einer unerlaubten Liebe. Ich will sammeln alle deine Buhlen, mit welchen du Wollust getrieben hast, Ezech. 16, 37. Ahala brannte gegen ihre Buhlen, Kap. 23, 5, und in andern Stellen mehr. Heut zu Tage pflegen die Fleischer die Pfuscher ihres Handwerks noch im figürlichen Verstande Buhlen oder Buhler zu nennen. S. auch das folgende.
 
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Buhlen, verb. reg. neutr. sich um die Liebe einer Person bewerben, ingleichen lieben, verliebten Umgang pflegen; ein im gemeinen Gebrauche eben so veraltetes Wort, wie das vorige. Es wurde ehedem gebraucht, 1) im guten Verstande, sich um die Liebe einer Person bewerben. Um eine Person buhlen. Es war die Zeit um dich zu buhlen, Ezech. 16, 8. Wie denn der Herr um die Kinder Israel buhlet, Hos. 3, 1. In dieser Bedeutung kommt dieses Wort zuweilen noch bey den Dichtern vor.
   Nisus buhlte stark um Nisa, Logau.
   Der Zephirn gleich um alle Blumen scherzet,
   Um alle buhlt, doch nur die schönsten herzet,
   Wiel.
   Öfters strahlet alsdann von jungen glühenden Wangen
   Liebe hervor und buhlet auch hier aus siegenden Augen,
   Zachar. Ja zuweilen wird es auch figürlich gebraucht, für sich um etwas bewerben. So sagt Opitz ein Mahl, sich die Liebe des Lasters erbuhlen, und bey dem Bluntschli buhlet Herzog Albrecht von Österreich um ein Bündniß mit der Stadt Zürch. Um den Preis buhlen, Raml. 2) Im nachtheiligen Verstande, so wohl sich aus unerlaubten Absichten um die Gunst einer Person bewerben, um eine Person buhlen, als auch einen unerlaubten Umgang mit ihr pflegen, mit ihr buhlen. In beyden Fällen kommt es im Hochdeutschen, wenigstens in der Sprache des Umganges und des gemeinen Lebens, nicht mehr vor. Juda buhlet mit eines fremden Gottes Tochter, Mal. 2, 11.
   Anm. Auch im Isländischen, Dänischen und Schwedischen bedeutet beila, beile, und bela, um eine Person werben, und Beiler einen Freyer; dagegen bedeutet bole in eben diesen Sprachen, die Ehe brechen. Herr Ihre leitet das erste von biddla, bitten, betteln, das letzte aber von dem Isländ. Bol, das Bett, und mit demselben von bo, wohnen, ab. Allein hier scheinen zwey Stammwörter unnöthig zu seyn, und das Griech. φιλειν,

[Bd. 1, Sp. 1250]


lieben, und φιλος, ein Freund, eine geliebte Person, verdienet wirklich mehr Aufmerksamkeit. Wird doch das Wort Liebste, so wie ehedem Buhle, so wohl in guter als schlimmer Bedeutung gebraucht, und das Zeitwort lieben ist auf eben dem Wege. Buhlen wurde ehedem auch für lieben gebraucht. Sie wird mich bulen, heißt es in einer Schrift von 1400 bey dem Pez. In Niedersachsen bedeutete Bole ehedem einen Vetter, Oheim, und Bölkenkinder sind daselbst noch jetzt Geschwister Kinder. S. auch Balzen und Bolle. Merkwürdig ist doch, daß im Hebr. 05d105e205dc, einen Ehemann, und 05d105e205d505dc05d4, einen Ehegatten bedeutet, wovon schon Luther das Wort buhlen abgeleitet hat.
 
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* Das Buhlengêld, des -es, plur. inus. in Preußen, dem Frisch zu Folge, dasjenige Geld, welches die Gesellen bey Erlangung des Bürgerrechtes, als ein Unterpfand erlegen müssen, daß sie in Jahresfrist heirathen wollen. S. Adelung Brömmelbier.

 

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