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Büdner bis Bügeldohne (Bd. 1, Sp. 1246 bis 1247)
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Artikelverweis * Der Büdner, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in einigen Gegenden, besonders Niedersachsens, übliches Wort, einen Häusler zu bezeichnen, von Bude, ein kleines Haus.
 
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* Das Budtheil, des -es, plur. die -e, ein altes Wort, welches noch in Niedersachsen üblich ist, und die ganze fahrende Habe eines Bauern ausdruckt, im Gegensatze der Grundstücke. Es wird daselbst gemeiniglich Bödel, Böel, Budel, Inbudel, gesprochen und geschrieben. Figürlich bedeutet es auch das Recht, sich die fahrende Habe, oder einen Theil davon, nach dem Tode des Eigenthümers anzumaßen, welches Recht nach Verschiedenheit der Umstände noch verschiedene andere Nahmen bekommen hat; S. Adelung Baulebung.
   Anm. Im mittlern Lateine kommt in dieser Bedeutung schon Bidella und Budteil vor. Die Abstammung dieses Wortes ist noch ungewiß. Einige leiten es von Bode, Boe, Bude, ein Häuschen her, und erklären es durch Hausrath. Andere von dem Nieders. buten, außen, da es denn so viel als Außentheil, oder den Theil der Erbschaft außer den Grundstücken bedeuten würde. Wenn Bettel im Hochdeutschen zuweilen geringe schlechte Sachen bedeutet, so stammet es alsdann vermuthlich aus diesem Niedersächsischen Worte her.
 
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Der Büffel, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine Art wilder Ochsen mit zotigen Haaren am Halse und auf der Brust, welche kleiner als der Auerochs ist, sich leicht zähmen lässet, und in Italien, Ungarn und der Türkey häufig angetroffen wird; Bubalus, L. Das männliche Geschlecht dieses Thieres wird auch der Büffelochs, das weibliche aber die Büffelkuh genannt. Figürlich, doch nur in den niedrigsten Sprecharten, ein grober, plumper, ungesitteter Mensch. 2) Ein grober Oberrock von dickem und oft zotigem Tuche, aus dem Franz. Bufle, welches gleiche Bedeutung hat, weil man diese Röcke ehedem aus Büffelsleder verfertigte. 3) Zu Frankfurt an der Oder wird das einheimische Gerstenbier Büffel genannt.
   Anm. Büffel, Nieders. Buffel, Engl. Buffle, Franz. Bufle, Ital. Buffalo, Span. Bufano, im Pohln. Bawl, im Böhm. Buwol, im Dän. Byffel, im Latein Bubalus, im Griech. β#βαλος, soll von dem alten Gallischen und Britannischen Bu, ein Ochse, und al, fremd, ausländisch, (S. Adelung Elend) zusammen gesetzt seyn, weil in Bretagne ein Büffel noch jetzt Bual heißet. Aber es kann auch von einem Worte seyn, welches sich noch in dem Franz. Boeuf, und Engl. Beef, ein Ochse erhalten hat, und schon in dem Römischen Bos, bovis, zum Grunde lieget. Die Ausdrücke büffelhaft und büffelicht, für grob, ungesittet, und büffeln, grobe, schwere Arbeit verrichten, sind nur in den gemeinen Mundarten gangbar.
 
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Der Büffelskopf, des -es, plur. die -köpfe. 1) Eine der niedrigsten Benennungen eines groben dummen Menschen. 2) Ein Nahme einer kleinen Art wilder Änten, mit purpurrothem Kopfe, weißen Backen, und weichen Federn auf dem Kopfe, welche auch das Purpurköpfchen heißt; Anas minor capite purpureo, Kl. Engl. the Buffels-Head Duck.
 
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Der Bug, des -es, plur. die Büge, überhaupt eine jede gebogene Fläche, und der Ort, wo ein Körper gebogen ist, oder sich bieget. So wird an den Thieren derjenige Theil, wo sich ein Wirbelknochen befindet, welcher Theil daher sehr biegsam ist, der Bug genannt. Der Vorderbug, der Hinterbug. Gemeiniglich verstehet man unter Bug den Vorderbug, oder das Schulterblatt, und in weiterer Bedeutung wohl den ganzen Vorderfuß. Dem Pferde schwindet der Bug, oder es hat das Bugschwinden,

[Bd. 1, Sp. 1247]


wenn demselben die obere Röhre des Vorderfußes schwindet. Auch an dem Menschen wird die Kniekehle zuweilen der Kniebug genannt. Im Schiffsbaue heißt der vordere Theil eines Schiffes, wo es sehr stark gebogen ist, gleichfalls der Bug.
   Anm. Im Nieders. lautet dieses Wort Boog, Bauge, Bau, im Angels. und Schwed. Bog, im Dän. Boug. Schon in Boxhorns Glossen ist Buac armus. Es stammet von biegen ab. Der Plural kommt nur selten vor.
 
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Die Bugader, plur. die -n, eine Ader oberhalb des Knies an dem Buge oder dem Schulterblatte eines Pferdes; die Kegelader.
 
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Der Buganker, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Schiffen, der gewöhnliche Anker, dessen man sich in allen ordentlichen Fällen bedeutet, weil er an oder auf dem Buge oder Vordertheile des Schiffes aufbehalten wird.
 
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Das Bugband, des -es, plur. die -bänder, an den Schiffen, die gekrümmten Hölzer, welche die Bordirung vorn an dem Buge des Schiffes verbinden.
 
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Die Büge, plur. die -n, ein von Bretern oder Pfosten ausgeschnittener Bogen, welcher den Bogenstellungen und Bogengängen in den Gärten zum Gerippe dienet; bey den Mäurern die Bogenlehre. S. Adelung Biege.
 
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Der Bügel, des -s, plur. ut nom. sing. überhaupt ein jedes nach einem halben Zirkel gebogenes Holz oder Metall. Der Bügel an einem Degen, über einem Wagen, die Decke darüber zu spannen, an einem Schießgewehre, unter dem Schlosse, den Abzug zu bedecken u. s. f. Der Steigbügel, an dem Reitgeschirre. Krumm gebogene Reiser, dergleichen die Dohnen sind, heißen gleichfalls Bügel, welchen Nahmen in der Landwirthschaft in mehrern Fällen auch aus Weiden- oder anderm zähen Holze geflochtene Ringe bekommen. In der Seefahrt sind es Schleifen von Stricken und bey den Fleischern zwey vereinigte messingene Ringe, deren man sich bey dem Wurststopfen statt des Wursthornes bedienet. In der Baukunst ist der Bügel ein eisernes plattes Band, welches um einen Balken gelegt wird; und so in andern Fällen mehr.
   Anm. Bügel, Nieders. Bögel, Schwed. Bygel, ist von Bug abgeleitet, ein Ding, welches einen Bug hat, zu bezeichnen.
 
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Die Bügeldohne, plur. die -n, bey den Jägern, Dohnen, welche aus werdenen Bügeln bestehen; im Gegensatze der Bastdohnen, welche aus Bast verfertiget werden.

 

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