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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Bücken bis Büffelskopf (Bd. 1, Sp. 1245 bis 1246)
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Artikelverweis  Bücken, verb. reg. recipr. den eigenen Rücken biegen. Sich bücken etwas aufzuheben.
   Indem nun Sylvia sich nach dem Bande bückt,
   So küßt sie ihn geschwind,
   Gell. Gebückt gehen. Besonders von der Neigung aus Ehrerbiethung. Sich vor einem bücken. Sich tief, sich bis zur Erde bücken. In dieser Bedeutung sind in der anständigern Sprechart sich neigen, sich verbeugen, und sich beugen üblicher.
   Anm. Bücken, Nieders. bukken, Dän. bukke, im Oberdeutschen gleichfalls bucken, ist das Intensivum von biegen oder beugen, wie placken von plagen, nicken von neigen, und andere mehr. Bey dem Ottfried bedeutet bouhnan mit dem Kopfe nicken, innuere. Die gemeinen, besonders Oberdeutschen Mundarten, machen von diesem Worte ein neues Frequentativum buckern, wofür andere kauern sagen: sich auf die Erde buckern, sich mit gebogenen Knien auf die Erde setzen. Einem ein Bein buckern, bedeutet eben daselbst, ihm ein Bein unterschlagen.
 
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Bucklig, S. Adelung Buckelig.
 
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1. Der Bückling, des -es, plur. die -e, in den gemeinen und konischen Sprecharten, die Neigung des Leibes aus Ehrfurcht; die Verbeugung. Kahlmann machte hierauf den ehrerbiethigsten Bückling, Zach. Im Oberdeutschen ist dafür das Wort Bucker üblich, welches aber besonders von der Verbeugung des Frauenzimmers gebraucht wird. S. Adelung Bücken.
 
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2. Der Bückling, des -es, plur. die -e, ein Häring, welcher, nachdem er in Salzwasser gelegen, geräuchert worden; ein Bücking. Im Nieders. Peckling, Bukken, Bukking, Tibukken, im Holländ. Bucking, Bockshaering; gewiß nicht von dem Bocksgeruche, wie Kilian und Frisch wollen, sondern vermuthlich von backen, so fern es dörren, trocknen überhaupt bedeutet. Mit dem voran gesetzten Zischlaute werden diese Häringe in einigen Niedersächsischen Gegenden auch Spickhäringe, im Holl. Spickhaeringe genannt, ein Wort, welches mit Speck, lardum, wohl zunächst nichts als den Klang gemein hat; denn bey den Westgothen bedeutet speka dörren. Häringe, welche in ihrem Salzwasser liegen bleiben, und nicht geräuchert werden, heißen eigentlich Bökelhäringe, allein man legt diesen Nahmen, vermuthlich aus Verwechselung, auch zuweilen den Bücklingen bey.
 
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Die Bude, plur. die -n, Diminutivum das Büdchen. 1) * Ein Gebäude, besonders ein kleines Gebäude. In dieser im Hochdeutschen veralteten Bedeutung, werden in den Seestädten noch kleine Häuser, zum Unterschiede von den Giebelhäusern, Buden genannt. Im Osnabrückischen heißt Bode, Boe, ein kleines Bauerhaus, und Bodling, Büder, ein Kothsaß oder Kossath, und um Bremen bedeutet Butze, ein jedes altes schlechtes Haus. 2) In engerer Bedeutung wird dieses Wort noch von den breternen Gebäuden gebraucht, welche auf kurze Zeit aufgebauet werden. Eine Zollbude, Komödiantenbude, Marktschreyerbude u. s. f. Besonders aber von den breternen Kramläden der Kauf- und Handelsleute. Eine Bude aufbauen, abbrechen u. s. f. Daher der Budenmann, des -es, plur. die -leute, in großen Städten, Arbeitsleute, welche die Buden aufschlagen und abbrechen. Auf den Flußschiffen einiger Gegenden wird die Kajüte die Bude genannt.
   Anm. In Schlesien lautet dieses Wort Baude, im Nieders. Bode, Bodem, Boe. Das Dän. Boe, Bod, das Schwed. Bo, Bod, das Isländ. Bu, Bud, das Wallisische Bod, das mittlere Latein. Boda, Bodium, das Holländ. Boede, Bode das Engl. Booth, bedeuten ein jedes, besonders kleines Haus. Im Böhmischen ist Bauda, eine Hütte, und im Franz. Boutique, der Ort, wo die Kaufleute ihre Waaren feil haben, es sey nun eine Bude oder ein Laden. S. Adelung Bauen.

[Bd. 1, Sp. 1246]



 
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Der Budenzins, des -es, plur. inus. der Zins, welcher für eine Bude entrichtet wird. S. Adelung Bodenzins, und Bolengeld.
 
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Der Budel, S. Adelung Pudel.
 
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* Der Büdner, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in einigen Gegenden, besonders Niedersachsens, übliches Wort, einen Häusler zu bezeichnen, von Bude, ein kleines Haus.
 
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* Das Budtheil, des -es, plur. die -e, ein altes Wort, welches noch in Niedersachsen üblich ist, und die ganze fahrende Habe eines Bauern ausdruckt, im Gegensatze der Grundstücke. Es wird daselbst gemeiniglich Bödel, Böel, Budel, Inbudel, gesprochen und geschrieben. Figürlich bedeutet es auch das Recht, sich die fahrende Habe, oder einen Theil davon, nach dem Tode des Eigenthümers anzumaßen, welches Recht nach Verschiedenheit der Umstände noch verschiedene andere Nahmen bekommen hat; S. Adelung Baulebung.
   Anm. Im mittlern Lateine kommt in dieser Bedeutung schon Bidella und Budteil vor. Die Abstammung dieses Wortes ist noch ungewiß. Einige leiten es von Bode, Boe, Bude, ein Häuschen her, und erklären es durch Hausrath. Andere von dem Nieders. buten, außen, da es denn so viel als Außentheil, oder den Theil der Erbschaft außer den Grundstücken bedeuten würde. Wenn Bettel im Hochdeutschen zuweilen geringe schlechte Sachen bedeutet, so stammet es alsdann vermuthlich aus diesem Niedersächsischen Worte her.
 
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Der Büffel, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine Art wilder Ochsen mit zotigen Haaren am Halse und auf der Brust, welche kleiner als der Auerochs ist, sich leicht zähmen lässet, und in Italien, Ungarn und der Türkey häufig angetroffen wird; Bubalus, L. Das männliche Geschlecht dieses Thieres wird auch der Büffelochs, das weibliche aber die Büffelkuh genannt. Figürlich, doch nur in den niedrigsten Sprecharten, ein grober, plumper, ungesitteter Mensch. 2) Ein grober Oberrock von dickem und oft zotigem Tuche, aus dem Franz. Bufle, welches gleiche Bedeutung hat, weil man diese Röcke ehedem aus Büffelsleder verfertigte. 3) Zu Frankfurt an der Oder wird das einheimische Gerstenbier Büffel genannt.
   Anm. Büffel, Nieders. Buffel, Engl. Buffle, Franz. Bufle, Ital. Buffalo, Span. Bufano, im Pohln. Bawl, im Böhm. Buwol, im Dän. Byffel, im Latein Bubalus, im Griech. β#βαλος, soll von dem alten Gallischen und Britannischen Bu, ein Ochse, und al, fremd, ausländisch, (S. Adelung Elend) zusammen gesetzt seyn, weil in Bretagne ein Büffel noch jetzt Bual heißet. Aber es kann auch von einem Worte seyn, welches sich noch in dem Franz. Boeuf, und Engl. Beef, ein Ochse erhalten hat, und schon in dem Römischen Bos, bovis, zum Grunde lieget. Die Ausdrücke büffelhaft und büffelicht, für grob, ungesittet, und büffeln, grobe, schwere Arbeit verrichten, sind nur in den gemeinen Mundarten gangbar.
 
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Der Büffelskopf, des -es, plur. die -köpfe. 1) Eine der niedrigsten Benennungen eines groben dummen Menschen. 2) Ein Nahme einer kleinen Art wilder Änten, mit purpurrothem Kopfe, weißen Backen, und weichen Federn auf dem Kopfe, welche auch das Purpurköpfchen heißt; Anas minor capite purpureo, Kl. Engl. the Buffels-Head Duck.

 

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