Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Būchstäbeln bis Buckel (Bd. 1, Sp. 1243 bis 1244)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Būchstäbeln, verb. reg. act. welches das Diminutivum des veralteten Verbi buchstaben ist, dem Wortverstande zu mühsam nachsprüen. Daher der Buchstäbler.
 
Artikelverweis 
Die Būchstabenschrift, plur. von mehrern Arten, die -en, der geschriebene Ausdruck seiner Gedanken vermittelst der Buchstaben; zum Unterschiede von der Bilderschrift oder Hieroglyphe.
 
Artikelverweis 
Der Būchstabenwêchsel, des -s, plur. ut nom. sing. eine aus der Mode gekommene Tändeley, da man durch Verwechselung oder Versetzung der Buchstaben aus einem Worte ein anderes heraus zu bringen suchte; der Letterwechsel, das Anagramm.
 
Artikelverweis 
Būchstabīren, verb. reg. act. die Buchstaben einzeln aussprechen, und Sylben daraus zusammen setzen. Das Kind lernt buchstabiren. Er kann noch nicht buchstabiren.
   Anm. Es ist unbekannt, wenn oder wie dieses alte Deutsche Wort zu der ausländischen Endung iren gekommen. Pictorius hat noch buchstaben und die Buchstabung für das Buchstabiren. Ehedem war auch das einfache staben in eben dieser Bedeutung üblich, S. dieses Wort. Die Schweden sagen noch jetzt stafwa, aber sie haben auch, so wie wir, bokstafwera.
 
Artikelverweis 
Būchstäblich, -er, -ste, adj. et adv. dem Buchstaben, d. i. dem Wortverstande nach. Einen Satz buchstäblich verstehen, auslegen. Nach dem buchstäblichen Verstande dieses Wortes, nach dem Wortverstande. Einen Befehl buchstäblich befolgen, pünktlich.
 
Artikelverweis 
1. Die Bucht, plur. die -en, in der Seefahrt, ein kleiner Meerbusen, ein Ort, wo sich das Meer- oder Flußwasser gleichsam in das Land hinein bieget; eine Bay, im Nieders. auch eine Wiek, oder Inwiek, von dem alten wika, biegen.
   Anm. Dieses Wort, welches im Nieders. am üblichsten ist, und im Dänischen und Schwedischen gleichfalls Bugt lautet, stammet, so wie Bay, Bogen, Buch, Bug, u. s. f. vermuthlich von biegen her, welches so vielen andern Wörtern den Ursprung gegeben hat.
 
Artikelverweis 
2. * Die Bucht, plur. die -en, ein völlig Niedersächsisches Wort, einen Verschlag, so wohl in einem Gebäude, als im Freyen, zuweilen auch ein kleines elendes Haus auszudrucken; in welcher Bedeutung es ohne Zweifel von bauen herkommt, welches in mehrern Mundarten einen starken Hauchlaut hat und byggia lautet. Bey dem Carpentier kommen Bugia und Bugetum gleichfalls von einem kleinen schlechten Hause vor.
 
Artikelverweis 
Der Būchweitzen, des -s, plur. inus. die Frucht einer Pflanze, welche nach dem Linné eine Art des Wegetrittes ist, und die Pflanze selbst; Polygonum Fagopyrum, L. Die Pflanze hat den Nahmen von ihrer Frucht, welche dem Geschmacke und Nutzen nach dem Weitzen, in der dreyeckigen Gestalt und braunen Farbe aber den Bucheicheln gleicht, nur daß sie weit kleiner ist. Daher die Buchweitzengrütze, plur. inus. Grütze, welche aus dieser Frucht gestampfet wird. Im Nieders. lautet dieser Nahme Bookweten, im Dän. Boghvede, im Schwed. Bokhwete, im Engl. Buckwheat, in der Schweiz aber Butzweitzen. Weil dieses Gewächs aus der Türkey nach Europa gebracht worden, so wird es im Oberdeutschen auch Heidekorn, Heidel, in Oberkrain

[Bd. 1, Sp. 1244]


Haden, im Franz. Ble Sarrasin, im Böhmischen Pohanka, von Pohan, eine Heide, genannt. An einigen Orten heißt es Franzweitzen.
 
Artikelverweis 
Die Būchwinde, plur. inus. eine Pflanze, welche nach dem Linné auch eine Art des Wegtrittes ist, und dem Buchweitzen so wohl an der Blüthe als auch an dem Samen gleicht, und auf allen Äckern wächset; wild Heidekorn, Vogelzunge, Polygonum Comvolvulus, L.
 
Artikelverweis 
Der Buckel, des -s, plur. ut nom. sing. eine fehlerhafte Erhöhung des Rückens. Einen Buckel haben. S. auch Höcker. In der gemeinen Sprechart auch wohl der Rücken selbst. Etwas auf den Buckel nehmen. Einen Buckel voll Schläge bekommen. S. das folgende.
 
Artikelverweis 
Die Buckel, plur. die -n, eine jede erhabene Ründung. Doch gebraucht man dieses Wort nur von den erhabenen metallenen Zierathen an Pferdegeschirren, Büchern u. s. f. Ein Buch mit messingenen Buckeln beschlagen. Ein Pferdegeschirr mit silbernen Buckeln. Ein gewisses kegelförmiges Geschirr, Metalle und andere flüssige Körper darein zu gießen, wird gleichfalls eine Buckel, oder Gießbuckel genannt.
   Anm. Beyde Wörter sind von Buk, Buck, welches ehedem einen Hügel bedeutete, (S. Frischens Wörterbuch v. Bug,) und ohne Zweifel auch zu der zahlreichen Familie des Zeitwortes diegen gehöret. Der Unterschied in dem Geschlechte und der Declination gehöret bloß den Mundarten zu. In der Bedeutung eines Höckers und des Rückens haben die Hochdeutschen dieses Wort von den Niedersachsen bekommen, bey welchen ihr Puckel eben dieselbe Bedeutung hat. Die andern Bedeutungen gehören der Oberdeutschen Mundart zu. Dahin gehören auch das Engl. Buckle, das Schwed. Buckla, und das Ital. Boccola, eine Schnalle, Spange; das Franz. Boucle, das Dän. Buckle, und Nieders. Buckel, eine Haarlocke; das Wallisische Bwccl, eine Bäule, Pocke; das alte Oberdeutsche Bockel, Buchel, Puckel, der mittlere erhöhete Theil eines Schildes, wovon hernach der Schild selbst im mittlern Lateine Bucula, im Franz. Bouclier, im Engl. Buckler, im Wallisischen Bwcled, genannt wurde, nebst andern mehr. S. Pocken, Bücken und Bug.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: