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Berahmen bis Beräuchern (Bd. 1, Sp. 855 bis 857)
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Artikelverweis  Berahmen, oder Beraumen, verb. reg. act. welches nur noch in der Schreibart der Kanzelleyen für bestimmen, ansetzen, üblich ist, und besonders von der Bestimmung einer Zeit gebraucht wird. Einen Tag zu einem gütlichen Vergleiche, einen Termin berahmen oder beraumen. So auch die Berahmung oder Beraumung. S. Anberahmen, welches gewöhnlicher ist, ob es gleich nicht so richtig ist.
 
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Berainen, verb. reg. act. mit den gehörigen Rainen d. i. Grenzen, versehen. Ein Feld berainen. Daher die Berainung. S. Adelung Rain.
 
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Beranden, verb. reg. act. mit einem Rande versehen, besonders in den Münzstätten, wo die Münzen berandet werden. Daher die Berandung. S. auch Kräuseln.
 
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Berappen, verb. reg. act. bey den Mäurern, eine Wand berappen, sie vor dem Tünchen mit Kalk oder Mörtel bewerfen, oder überziehen. Im Schwedischen heißt diese Arbeit rappa, und im Französischen crepir. Ihre glaubt, das erstere könne von dem letztern, oder auch von dem Holländischen Rappe, die Rinde, die sich auf den Wänden setzet, abstammen. Allein es kann mit diesem Worte auch auf das Abraffen des angeworfenen Kalkes gesehen werden, welches bey dieser Arbeit wirklich geschiehet, um überall eine gleiche Fläche zu erhalten. Rapen und rappen bedeuten im Niedersächsischen raffen. So auch die Berappung.
 
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Berasen, verb. reg. act. 1. Activum, mit Rasen bekleiden. Einen Damm, ein Ufer berasen. Daher die Berasung. 2. Neutrum mit seyn, mit Gras überzogen werden. Nasse Felder pflegen wieder zu berasen, wenn sie zeitlich gebrachet werden.
 
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Beraspeln, verb. reg. act. mit der Raspel bearbeiten. Ein Stück Holz, ein Bret beraspeln. Daher die Beraspelung.
 
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Berathen, verb. irreg. act. (S. Adelung Rathen,) welches nach dem verschiedenen Gebrauche des Wortes Rath auch verschiedene Bedeutungen hat.
   1. Mit dem nöthigen Geräthe versorgen, und zwar, 1) * in der weitesten Bedeutung, begaben, begiften. Ein Gotteshaus berathen, es mit den nöthigen Einkünften versorgen, in Strykers altem Gedichte auf Carln den Großen. Allein diese Bedeutung ist größten Theils veraltet; außer daß, Gott berathe dich! an einigen Orten noch eine gewöhnliche Formel ist, einen Bettler abzuweisen. 2) Ein Kind berathen, es mit der nöthigen Versorgung von sich lassen, es sey ein Sohn, oder eine Tochter, ausstatten, in der weitesten Bedeutung dieses Wortes. Berathe deine Tochter, Sprw. 7, 2. 3) In engerer Bedeutung, mit der nöthigen Gerade, oder Geräthschaft versehen, im Gegensatze der Aussteuer, besonders von Töchtern. In beyden Bedeutungen kommt dieses Wort so wohl in den Statuten mancher, besonders Niedersächsischer Gegenden, als auch in der rechtlichen Schreibart noch zuweilen vor. 4) Figürlich. a) * Bescheren. Wie der Wirth ist, so beräth Gott die Gäste, welche Redensart nebst dieser ganzen Bedeutung nur noch zuweilen im Oberdeutschen

[Bd. 1, Sp. 856]


gehöret wird. b) * Helfen, mit Rath und That an die Hand gehen. Daß ich wohl berathe, die mich lieben, Sprichw. 8, 21. Das Got di sele wol beriet, in Strykers altem Gedichte bey dem Schilter.
   Daß ich wohl berathen bin,
   Gryph. Auch diese Bedeutung gehöret im Hochdeutschen unter die veralteten.
   2. Von Rath, consilium. 1) Sich berathen, rathschlagen. Die auf meine Seele halten, berathen sich mit einander, Ps. 71, 10.
   Wohl berathen, gut gerathen, bringt dem Rathe Ehr und Huld;
   Wohl berathen, mißgerathen, setzt den Rath doch außer Schuld,
   Logau.
   Als dieses Paar die Welt betrat,
   Beriethen beyde sich, was bestens anzufangen,
   Haged. Diese Bedeutung kommt im Hochdeutschen nur noch im gemeinen Leben vor, seitdem berathschlagen üblicher geworden ist. 2) * Beschließen, einen Vorsatz fassen. Ich merke wohl, daß Gott sich berathen hat, dich zu verderben, 2 Chron 25. Auch dieser Gebrauch ist bey uns veraltet; indessen sagt doch noch einer der neuesten Schriftsteller: Fehler, die die Menschen berathen und unberathen an ihrer Gesundheit begehen, vorsetzlich und unvorsetzlich.
   So auch die Berathung in allen obigen Bedeutungen. Das Niedersächsische beraden kommt in den Bedeutungen mit dem Hochdeutschen überein. Rada bedeutet im Schwedischen verheirathen, råda aber geben. S. Gerade und Rath.
 
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* Der Berather, des -s, plur. ut nom. sing. ein in der guten Schreibart längst veraltetes Wort, einen Helfer, Versorger auszudrucken, welches bey den Dichtern des vorigen Jahrhunderts häufig vorkommt. Gott wird dein Berather seyn. Hagedorn gebraucht dieses Wort ein Mahl für einen Beherrscher:
   Domitian, Roms schändlicher Berather.
 
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Berathschlagen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und nichts weiter bedeutet, als das einfache rathschlagen, außer, daß es auch als ein Reciprocum gebraucht werden kann; die Absichten und Mittel bey einer Sache überlegen und beurtheilen. Man hat lange über diese Sache berathschlaget. Die Belagerten berathschlagen noch, ob sie sich ergeben wollen. Sich mit jemanden berathschlagen. Sie haben sich lange über diese Sache, oder wegen dieser Sache berathschlaget. Daher die Berathschlagung.
   Anm. Im Theuerdank kommt dieses Wort mit der vierten Endung der Sache vor:
   Alsdann wöllen wir ewre wort
   Nach notdurfften beratslagen; welches dem eigenthümlichen Gebrauche der mit Be zusammen gesetzten Zeitwörter völlig gemäß ist. Indessen wird es doch heut zu Tage mehr als ein Neutrum gebraucht, so daß be eine bloße müßige Verlängerung ist.
 
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Berauben, verb. reg. act. 1) Eigentlich, und absolute, d. i. ohne die Endung der Sache beyzufügen, eines Eigenthum widerrechtlich und mit öffentlicher Gewalt wegnehmen. Die Reisenden berauben. Ein Haus, die Kirche berauben. 2) In weiterer Bedeutung, einem das Seinige entziehen, es geschehe auf welche Art es wolle. Den Staat, die Cassen berauben. Am häufigsten aber mit der zweyten Endung der Sache. Jemanden seines Vermögens, seiner Ehre, seines Lebens berauben. Man hat ihn aller seiner Kinder beraubt. Durch den Krieg wird das Vaterland seiner besten Bürger beraubt. Ich will dich dieser Sache nicht berauben. 3) In noch weiterer Bedeutung,

[Bd. 1, Sp. 857]


den Genuß einer Sache hindern. Dieser Umstand beraubet mich alles Trostes, aller Hülfe. Daher, einer Sache beraubt seyn, oft nur überhaupt den Mangel derselben ausdruckt. Seiner Ältern beraubt seyn. Er ist seines Gesichtes schon lange beraubt gewesen. Aller Hoffnung, alles Trostes beraubt seyn. So auch die Beraubung.
   Anm. Birouban kommt schon bey dem Übersetzer Isidors vor. Lange vor ihm sagte schon Ulphilas birauban. Im Angelsächs. lautet dieses Wort bereafian. im Engl. bereave, im Holländ. berooven, im Schwed. beröfwa. Dietmar von Ast gebraucht statt dessen das einfache rouban:
   Si roubt mih der sinne min.
 
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Beräuchern, verb. reg. act. den Rauch an etwas gehen lassen. Die Bienen beräuchern. Verdächtige Briefe beräuchern. Daher die Beräucherung.

 

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