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Marter bis Martha (Bd. 3, Sp. 86 bis 88)
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Artikelverweis Die Marter, plur. die -n, der höchste Grad, oder doch dein sehr hoher Grad der Schmerzen, besonders körperlicher Schmerzen, figürlich aber auch der Schmerzen des Geistes. Sich von der Marter befreyen. Eine unaussprechliche Marter empfinden. Jemanden alle Marter anthun. Neue Martern für jemanden ersinnen. Verzweifle nicht unter den Martern einer verachteten Liebe. Wie vieler Unruhen und Martern überhebt uns die Demuth! Gell. In engerer und gerichtlicher Bedeutung wird auch die Folter oder Tortur die Marter genannt. Die volle Marter, die Spannung des Inquisiten auf die Leiter, welche an andern Orten der Zug genannt wird.

[Bd. 3, Sp. 87]



   Anm. Schon im Isidor Martira und Martirunga, im Notker Martero und Martro, wo es für Leiden überhaupt gebraucht wird, im Dän. Marter. Es ist ohne Zweifel aus dem mittlern Latein. Martyrium mit der christlichen Religion in die Deutsche Sprache gekommen, da es denn zunächst von den körperlichen Qualen gebraucht wurde, mit welchen man die ersten Christen zum Abfalle von der christlichen Religion zu bewegen suchte. S. Adelung Martern.
 
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Die Marterbank, plur. die -bänke, die Folterbank in den Gerichten, worauf der Inquisit gemartert wird, um ihn zum Geständnisse der Wahrheit zu bringen.
 
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Der Märterer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Derjenige, welcher einen andern martert; in welchem Verstande es doch nur noch zuweilen im gemeinen Leben vorkommt. 2) In gewöhnlicherer und leidentlicher Bedeutung, derjenige, welcher gemartert wird. Doch nur in engerm und mehr eigentlichem Verstande, derjenige, welcher um des Bekenntnisses der christlichen Religion willen hingerichtet, oder doch gemartert worden; ein Blutzeuge. Stephanus war der erste Märterer der christlichen Kirche. In weiterer Bedeutung, ein jeder um einer Wahrheit, oder guten Sache, oder doch für wahr und gut gehaltenen Sache willen unschuldig leidet. Zum Märterer der Wahrheit werden. Fämin. die Märterinn, wo das eine er um des Wohlklanges willen weggeworfen wird, wie auch in Zauberer, Wucherer, Plauderer, Kämmerer u. a. m. geschiehet. S. -Er.
   Anm. Bey dem Ottfried Martyr und Marter, in dem alten Gedichte auf den heil. Anno Martirer, im Nieders. Marteler. Aus dem Lat. Martyr, und dieß aus dem Griech. παρτυς, ein Zeuge, und in engerer Bedeutung, ein Blutzeuge. Man schreibt es, um die Ähnlichkeit mit dem Griechischen zu erhalten, auch Märtyrer. Allein, da das y in Marter und martern schon in ein e übergegangen ist, so kann man es auch hier entbehren; zumahl da die zweyte Sylbe in der Aussprache kurz ist, das y aber im Deutschen alle Mahl eine lange Sylbe macht.
 
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Das Marterholz, des -es, plur. die -hölzer, ein nur im gemeinen Leben üblicher Ausdruck, eine Person oder Sache zu bezeichnen, welche von einem andern gemartert oder gemißhandelt wird. So ist ein Bedienter das Marterholz seines Herren, wenn dieser ihm viele unnöthige Mühe, unverdienten Gram u. s. f. verursacht. Die Figur ist sonderbar. Vielleicht bedeutete dieses Wort eigentlich das Kreuz, an welchem Christus gemartert worden, in welchem Verstande das Zeitwort in der theologischen Schreibart sehr üblich ist.
 
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Die Marterkammer, plur. die -n, in den Gerichten, diejenige Kammer, in welcher hartnäckige Inquisiten gemartert oder gefoltert werden; der Marterkeller, wenn sie unter der Erde ist.
 
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Martern, verb. reg. act. Marter, d. i. einen hohen Grad der Schmerzen verursachen, zunächst körperlicher Schmerzen, hernach auch einen hohen Grad des Kummers, der Unruhe, der Frucht, der Sorgen. Jemanden martern. In engerer Bedeutung, in den Gerichten, einen Inquisiten martern, ihn mit der Tortur angreifen, ihn foltern, orquiren. In der weitesten Bedeutung wird es von einem jeden hohen Grade der Mühe, Arbeit, Unruhe u. s. f. gebraucht. Sich martern und quälen. Martere mich nicht mit deinen vielen Fragen, mit deinem ungegründeten Verdachte u. s. f.
   Anm. Im Isidor martoran, bey dem Ottfried martolon, im Nieders. marteln und maddeln, im mittlern Lat. marturiare, für martyriare; ohne Zweifel aus dem Griech. μαρτυς. S. Adelung Märterer.
 
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Das Märterthum, des -es, plur. car. aus Märtererthum verkürzt, in der Theologie und in engerer Bedeutung, der Zustand,

[Bd. 3, Sp. 88]


die Eigenschaft, die Würde eines Märterers, d. i. eines solchen, welcher die Wahrheit mit seinem Tode besiegelt, oder mit Verlust seines Lebens bekannt hat.
 
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Der Märtertod, des -es, plur. car. eben daselbst, der Tod eines Märterers, d. i. eines Bekenners der christlichen Religion, und in weiterer Bedeutung einer jeden Wahrheit. Den Märtertod leiden. Es ist gleichfalls aus Märterertod verkürzt.
 
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Das Marterurtheil, des -es, plur. die -e, in den Rechten, dasjenige Urtheil, worin auf die Marter und Tortur erkannt wird.
 
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Die Márterwóche, plur. die -n, in der christlichen Kirche, die Woche vor Ostern, in welcher das Andenken der Marter, d. i. des Leidens und des Todes Christi gefeyert wird; die Charwoche.
 
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Martha, ein weiblicher Taufnahme, welcher schon bey den ältern Juden üblich war, und von 05de05e8, Lehrerinn, abstammen soll. Im Engl. wird er in Pat verderbt.

 

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