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Marmormühle bis 2. Der Marsch (Bd. 3, Sp. 82 bis 84)
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Artikelverweis Die Marmormühle, plur. die -n, eine Mühle, auf welcher der Marmor zu gewissen künstlichen Arbeiten zu einem feinen Staube gemahlen wird.
 
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Marmorn, adj. et adv. von Marmor, aus Marmor bereitet. Ein marmorner Tisch, ein marmorner Fußboden, eine marmorne Bildsäule. Bey dem Willeram marmorin. Im gemeinen Leben marmorsteinern.
 
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Die Marmorplatte, plur. die -n, Marmor in Gestalt einer Platte zubereitet, ein langes und dünnes Stück Marmor.
 
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Der Marmorstein, des -es, plur. die -e, der Marmor als ein Stein betrachtet, wo es im gemeinen Leben für das kürzere Marmor üblich ist, ohne Plural; bey dem Stryker Mermelstein, in der Deutschen Bibel Marmelstein. Auch kleinere unförmliche Stücken Marmors pflegt man zuweilen Marmorsteine zu nennen.
 
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Marōde, adj. et adv. abgemattet, müde. Marode seyn. Ein marodes Pferd. Marode Soldaten, welche auf dem Marsche nicht fort können.
   Anm. Es ist aus dem Franz. marode, ehedem merode, entlehnet, welches von Frischen und andern auf eine sonderbare Art

[Bd. 3, Sp. 83]


von dem Grafen von Merode, einem Kriegsbefehlshaber unter Ferdinand III, abgeleitet wird, welcher sich mit seinen Leuten nicht bey dem Kriegsheere, sondern stets an entlegenen Orten, wo er ungestraft brandschatzen konnte, aufgehalten haben soll; eine Ableitung, zu welcher wohl nichts anders als die zufällige Ähnlichkeit im Klange Anlaß gegeben haben kann. Hat das Franz. Wort ja einen Deutschen Ursprung, so ist derselbe allem Ansehen nach in märgeln, abmärgeln, dem Nieders. marachen, und dessen Geschlechtsverwandten zu suchen, zumahl da mürbe, Nieders. mär, im gemeinen Leben Gegenden gleichfalls für entkräftet, abgemattet, üblich ist.
 
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Marodiren, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches gleichfalls aus dem Französischen maroder entlehnet ist, und nur von Soldaten gebraucht wird, wenn sie unter dem Vorwande der Müdigkeit sich von dem Haufen entfernen und alsdann ungestüm betteln, rauben oder brandschatzen, dergleichen ausschmeifende Soldaten alsdann mit einem gleichfalls Französischen Ausdrucke Marodeurs genannt werden. S. das vorige. Ehedem nannte man diesem Unsug der Truppen garden, gardiren, und dergleichen Soldaten Gardenbrüder.
 
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Die Marōne, plur. die -n, aus dem Ital. Marone, eine Art größerer und schmackhafterer Kastanien, als die gewöhnlichen sind. Der Maronen-Baum, der sie trägt, ist eine Spielart des Kastanien-Baumes und wächset auf den Italiänischen Bergen; Fagus Castanea sativa L. Im gemeinen Leben pflegt man alle etwas größere Kastanien, wenn sie gleich von der gewöhnlichen Art sind, Maronen zu nennen. S. auch Marunke.
 
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1. Mars, des Mars, dem Mars, plur. car. der Nahme des Kriegsgottes in der Götterlehre der alten Römer, daher auch der Krieg noch bey den neuern Dichtern figürlich unter diesem Nahmen bekannt ist. Unter den Planeten führet der dritte von dem Saturn an, der seinen Lauf um die Sonne in zwey Jahren vollendet, den Nahmen des Mars, und in der Chymie wird das Eisen mit diesem Nahmen belegt.
   In den mittlern Zeiten findet sich ein gleichlautendes Deutsches Wort, welches den Teufel bedeutet. Zuo zallen Marsen varen, einer der Schwäbischen Dichter.
 
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2. Der Mars, des -es, plur. die -e, in der Niederdeutschen Schiffersprache, der Mastkorb; auf der mittelländischen See die Gabie, der Gabion, d. i. der Käfich. Große Schiffe haben gemeiniglich vier Marse oder Mastkörbe, welche den Nahmen von den Masten bekommen, woran sie sich befinden. Sie heißen der große Mars, der Besan-Mars, der Focke-Mars, und der Bugspriet-Mars. Uneigentlich wird auch wohl der zweyte Übersatz eines Mastbaumes, ob er gleich nur aus Kreuzhölzern bestehet, ein Mars genannt. Daher der Marsrand, plur. die -ränder, das Geländer um den Mars; das Marssegel, das zweyte oder über dem Mars befindliche Segel des großen Mastes, welches an dem Fockmast das Vormarssegel, an dem Besanmaste das Kreuzsegel und an dem Bugspriete die Oberblinde genannt wird.
   Es ist eigentlich ein Niederdeutsches Wort, welches überhaupt den Begriff der Höhlung, der Vertiefung zu haben, und zu dem Geschlechte des Wortes Marsch, ein tiefes morastiges Land, zu gehören scheinet. Ein anderes Wort ist das Oberdeutsche, besonders Baierische Marsch, ein dicker Balken, welches allem Ansehen nach zu Mast, Mastbaum, gehöret.
 
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1. Die Marsch, plur. die Marschen, in einigen Gegenden auch die Märsche, ein gleichfalls nur in den Niederdeutschen Provinzen übliches Wort, ein niedriges, fettes, wässeriges oder sumpfiges, gemeiniglich an dem Meere oder an großen Flüssen liegendes Land, welches zur Viehzucht und zur Weide bequemer ist, als zum

[Bd. 3, Sp. 84]


Ackerbaue; das Marschland, im Gegensatze der höhern und trocknern Geest.
   Im Nieders. so wohl Marsch als Marsch, im Engl. Marsh, Marish, im Angels. Merse. Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter Meer, Moor und Morast, Franz. Marais. Im Ital. wird eine solche Marsch an dem Meere Maremma genannt, welches aus dem Lat. Maritima verderbt ist.
 
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2. Der Marsch, des -es, plur. die Märsche, ein zunächst aus dem Franz. Marche entlehntes und im Kriegswesen übliches Wort, welches so wohl von Fußvölkern, als von der Reiterey gebraucht wird. 1) Der Zug, der Gang, die Reise mehrerer Soldaten in Gesellschaft. Sich auf den Marsch begeben, den Marsch antreten, sich in den Marsch setzen, aufbrechen. Zum Marsche blasen. Der Marsch geht nach Pohlen. Im Marsche begriffen seyn. Auf dem Marsche Halte machen. Marsch! ein gewöhnliches Commando-Wort, wenn die Soldaten schrittweise fortgehen sollen. Starke Märsche thun. Der Rück-Marsch, Anmarsch, Abmarsch, Ausmarsch, Einmarsch, Durchmarsch. 2) Die Tagereise eines Kriegsheeres, oder eines Theiles desselben. Einen starken Marsch thun. In zehen Märschen an einen Ort kommen. Dem Feinde einen Marsch abgewinnen. 3) Das mit dem Feldspiele gegebene Zeichen zum Marsche, dasjenige Stück, welches gespielet wird, wenn die Soldaten marschiren. Den Marsch schlagen, blasen. Der Schweizer-Marsch, Grenadier-Marsch u. s. f. S. Adelung Marschiren.

 

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