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Markrispel bis Markt (Bd. 3, Sp. 77 bis 78)
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Artikelverweis Die Markrispel, plur. die -n, der Oberdeutsche Nahme der Deutschen Tamariske, Tamarix Germanica L. welche in Tyrol und den südlichen Provinzen Deutschlandes einheimisch ist.
 
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Das Marksbein, des -es, plur. die -e, S. Adelung Marksknochen.
 
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Die Markscheide, plur. die -n, der Ort, wo sich zwey Marken, d. i. Gränzen, oder in ihren Gränzen eingeschlossene Bezirke, scheiden, die Gränze, Markscheidung. Die Markscheide eines Dorfes, einer Feldflur, einer Stadtflur. Besonders im Bergbaue, der Ort wo zwey Zechen oder Maßen an einander gränzen. Daher das Markscheiden, plur. inus. im Bergbaue, die Bestimmung der Gränzen einer Zeche so wohl über als unter der Erde, und in weiterer Bedeutung, die Abmessung und Bestimmung der Grubengebäude unter der Erde; die unterirdische Geometrie, Geometria subterranea. Die Markscheidekunst, die Kunst, welche dieses lehret; der Markscheider, eine Person, welche dieselbe

[Bd. 3, Sp. 78]


verstehet. Das Böhmische Marssegd, die Markscheidung, und Marssegdnik, ein Markscheider, ist aus dem Deutschen angenommen. S. 3. Mark 2. 1).
 
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Der Márksklōß, des -es, plur. die -klöße, Diminut. das Marksklȫßchen, Oberd. Marksklößlein, in den Küchen, Klöße, zu welchen Rindsmark genommen wird. S. 2. Mark.
 
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Der Márksknóchen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Knochen, welcher Mark, und in engerer Bedeutung, vieles Mark enthält; das Marksbein, dergleichen besonders die Röhrknochen des Rindviehes sind. S. 2. Mark.
 
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Der Márkskūchen, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Markskǖchlein, eben daselbst Kuchen oder Küchlein, welche aus Rindsmark verfertiget werden. S. 2. Mark.
 
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Der Markstein, des -es, plur. die -e, ein Gränzstein, besonders so fern er die Feld- oder Dorfmark bezeichnet; im Österreichischen die Grundmarke, im Nieders. Mahlstein, Schnatstein. Im Schwabensp. Markstain. S. 3. Mark 1. 2).
 
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Die Markstorte, plur. die -n, in den Küchen, eine von Rindsmark verfertigte Torte. S. 2. Mark.
 
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1. * Das Markstück, des -es, plur. die -e, von 2. Mark, medulla, derjenige Theil eines Knochens, worin sich das Mark befindet; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, welches im figürlichen Verstande Ezech. 24, 4 vorkommt.
 
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2. Das Markstück, des -es, plur. die -stücke, eine Art Dänischer Münzen, welche heut zu Tage einen Gulden oder 16 Gr. gilt, ehedem aber 1/6 eines Thalers war. Ehedem gab es auch Lübeckische und Hamburgische Markstücke von 17 bis 19 Schillinge.
 
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Der Markt, des -es, plur. die Märkte. 1) Die öffentliche zahlreiche Zusammenkunft der Käufer und Verkäufer des Handels wegen, und die Zeit, wenn solche geschiehet. Der Wochenmarkt, welcher alle Wochen ein oder mehr Mahl gehalten wird. Der Jahrmarkt, der nur des Jahres ein oder etliche Mahl gehalten wird. Der Viehmarkt, Roßmarkt, Pferdemarkt, wenn daselbst mit Vieh, mit Pferden gehandelt wird. Der Holzmarkt, wenn Holz in Menge verkauft wird u. s. f. Die meisten großen Städte haben die Woche zwey oder drey Märkte, vornehmlich zum Verkauf der nöthigen Lebensmittel. Den Markt versäumen. Die Märkte bereisen, im Oberdeutschen sie bauen, S. Adelung Bauen. Der Markt geht an, ist zu Ende. Zu Markte gehen, reisen. Etwas zu Markte bringen, um es daselbst zu verkaufen; auch figürlich, im gemeinen Leben, vorbringen.
   Allein ich konnte gar kein Wort zu Markte bringen,
   Rost. Seine Haut selbst zu Markte tragen, figürlich, sich selbst vertheidigen oder verantworten; eine vielleicht von den ehemahligen bey öffentlichen Zusammenkünften üblichen Fechterspielen entlehnte Figur. Ein großer, besonders privilegirter Markt ist unter dem Nahmen der Messe bekannt, S. dieses Wort. Im gemeinen Leben Obersachsens wird auch wohl dasjenige, was man auf dem Markte einkauft, besonders was man in dem Wochenmarkte zum Behuf der Haushaltung einkauft, der Markt genannt. Da müssen dir die Bauerweiber alle den Markt in das Haus bringen, Weiße. 2) Derjenige geräumliche Platz, auf welchem dieser Verkauf zu gewissen Zeiten geschiehet; besonders ein solcher Platz in einer Stadt oder in einem Flecken, der Marktplatz. Auf den Markt gehen. Am Markte wohnen. Von den Dingen, welche vornehmlich auf demselben verkauft werden, bekommt er oft besondere Nahmen. Daher der Roßmarkt, Holzmarkt, Heumarkt, Fischmarkt, Fleischmarkt, Naschmarkt u. s. f. Dagegen der vornehmste Marktplatz in einer Stadt nur der Markt schlechthin genannt wird. 3) In noch weiterer Bedeutung, ein Ort, welcher das Recht hat, daß des Jahres ein oder mehrere öffentliche Märkte in demselben gehalten werden dürfen; wo es

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doch nur in engerer Bedeutung gebraucht wird, eine Art von bewohnten Orten zu bezeichnen, welche das Mittel zwischen einer Stadt und einem Dorfe sind, und auch Flecken und Marktflecken, Französisch Bourgs, genannt werden. Daß diese Orte den Nahmen von dem ihnen verliehenen Marktrechte haben, erhellet unter andern auch aus dem mittlern Lat. Forum, Forale und Nundinae, welche solche Märkte in dieser Bedeutung bezeichnen; dagegen Markt und Gemarkt im Schwabenspiegel um eben dieser Ursache willen eine Stadt bedeutet. S. Marktflecken, welches Wort im Hochdeutschen, so wie das einfache Markt im Oberdeutschen am gewöhnlichsten ist.
   Anm. Im Schwabenspiegel in der zweyten Bedeutung schon Markt, im Nieders. in den beyden ersten Bedeutungen, das Markt, das Marked, welches ungewisse Geschlecht auch in einigen andern Gegenden üblich ist, im Dän. Marked, im Isländ. Markadr, im Schwed. Marknad, im Engl. Market, Marketplace, im Franz. Marché, im Ital. Mercato; ohne Zweifel insgesammt aus dem mittlern Lat. Mercatum, Marchetum, so wie dieß von dem Lat. mercari und Mercatus. Was die Abstammung von dem Lateinischen wahrscheinlich macht, ist unter andern auch dieß, daß dieses Wort, so wie das Oberdeutsche marken, handeln, kaufen, bey unsern ältesten Schriftstellern nicht vorkommt, und im Schwabenspiegel vielleicht zuerst angetroffen wird.

 

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