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Mannthier bis Mantelkind (Bd. 3, Sp. 66 bis 68)
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Artikelverweis Das Mannthier, des -es, plur. die -e, ein Nahme, welchen in dem Froschmäusler und den nachfolgenden Fabeldichtern der Mensch bey den Thieren führet.
   Ja, schnattert jene (die Gans) drauf, wenn doch das Mannthier nur
   Einst unsre Tugenden erriethe,
   Haged.
 
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Manntoll, -er, -este, adj. et adv. S. Adelung Mannsüchtig.
 
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Die Manntollheit, plur. car. S. Adelung Mannsucht.
 
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Das Mannweib, des -es, plur. die -weiber, eine Person, welche männliche und weibliche Zeugungslieder zugleich hat; im gemeinen Leben ein Zwitter, mit einem Griechischen Ausdrucke ein Hermaphrodit.
 
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Das Mannwêrk, des -es, plur. die -e, im Oberdeutschen, so viel als Tagewerk, wo es besonders als ein Feld- und Wiesenmaß gebraucht wird, so viel zu bezeichnen, als ein Mann mit einem Paar Ochsen in einem Tage umpflügen, oder so viel Wiese, als ein Mann in einem Tage mähen kann, in welchem letztern Falle es auch Mannsmahd genannt wird. Ein Mannwerk ist so viel als in Obersachsen ein Morgen. Steht ein Zahlwort davor, so bleibt es im Plural, wie die meisten Wörter dieser Art, unverändert.

[Bd. 3, Sp. 67]


Sechs Mannwerk. In Zürch hält ein Mannwerk Wiesen 320 Quadrat-Ruthen.
 
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Das Mansárd-Dách, des -es, plur. die Dcher, in der Baukunst, eine Benennung der gebrochenen Dächer; aus dem Franz. à la Mansarde, von dem Nahmen eines Französischen Baumeisters, welcher sie erfunden hat.
 
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Manschen, oder Mantschen, verb. reg. neutr.mit dem Hülfsworte haben, welches nur im gemeinen Leben üblich ist, mit den Händen in einer nassen oder feuchten Sache wühlen, ingleichen unreinlich mit einem nassen oder feuchten Körper umgehen; so wie mähren in ähnlichem Verstande von trocknen Körpern gebraucht wird. Entweder von mengen, mischen, oder auch wie panschen, plantschen und andere dieser Art, als eine Nachahmung des eigenthümlichen Schalles. Daher der Mantsch, eine weiche Masse, im verächtlichen Verstande.
 
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Die Manschêtte, plur. die -n, ein aus dem Franz. Manchette entlehntes Wort, diejenigen in viele Falten gelegten Streifen feinen Zeuges zu bezeichnen, welche man zum Zierathe an das Ende der Hemdärmel zu befestigen pfleget; die Handkrausen, Handblätter, im Oberd. Handärmel, Tatzen, Tätzchen, im Nieders. Panetten, Handpanetten, aus dem Franz. Poignets, Lobben, Lowwen, Krusedullen, im mittlern Lat. Mancella.
 
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1. Der Mantel, des -s, plur. die Mäntel, ein seltenes Wort, welches indessen den Begriff des Endes, des Letzten an einem Dinge der Ausdehnung nach, zu haben scheinet. Es ist nur bey den Tuchbereitern üblich, welche das Ende eines Tuches, wo der Weber den Anfang mit Weben gemacht hat, den Mantel zu nennen pflegen. Die Sylbe -el ist die Ableitungssylbe, welche ein Werkzeug, Ding, Subject bedeutet; es kommt hier also bloß auf die Sylbe Mant an.
 
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2. Der Mantel, des -s, plur. die Mäntel, Diminut. das Mäntelchen, Oberd. Mäntellein, ein Wort, welches überhaupt den Begriff der Bedeckung hat, und ein Ding bedeutet, welches ein anderes bedecket, aber nur noch in verschiedenen einzelnen Fällen üblich ist. 1) Im Bergbaue ist das Sahlband gleichfalls unter dem Nahmen des Mantels bekannt, entweder so fern es den Erzgang umgibt und ihn gleichsam bedecket, oder auch in der vorigen Bedeutung, so fern es das Letzte, das Äußerste des Ganges ist. 2) In der Landwirthschaft wird eine Lage neues Stroh, welche über ein altes Strohdach gelegt wird, ein Mantel genannt. 3) In den Gießereyen ist der Mantel die äußere Form zu den Gußwaaren, welche über den Kern geformt wird, und auch die Schale heißt. 4) In den Küchen wird der hervor ragende Rand der Feuermauer über den Herd, welcher den Rauch fasset, und ihn in den Schlund der Feuermauer leitet, so wohl der Mantel als der Schurz genannt. Engl. Mantel. Auch die Kamine haben mehrmahls solche Mäntel, und oft wird die ganze vordere obere Wand eines Kamines der Mantel genannt. 5) Am üblichsten ist dieses Wort von einem weiten Kleidungsstücke ohne Ärmel, welches über die gewöhnliche Kleidung getragen wird, und von verschiedener Länge ist. Im Mantel gehen. Einen Mantel tragen. Den Mantel anlegen, umnehmen. Der Regenmantel, Trauermantel, Gewehrmantel, Reisemantel, Deckmantel, Nachtmantel u. s. f. Auch die Saloppen des andern Geschlechtes sind eine Art Mäntel. Das Manteltragen, eine Strafe für gemeine Soldaten in einigen Ländern, da sie zehen, zwölf und mehrere Wachmäntel eine oder mehrere Stunden umnehmen müssen. Den Mantel nach dem Winde hängen, sich in die Zeit schicken, eine von den kurzen Reisemänteln hergenommene Figur. Der Spanische Mantel, eine Art Leibesstrafe, welche in einem tiefen und schweren Zober bestehet, welchen der Schuldige vermittelst eines in dem Boden befindlichen Loches auf den Achseln träget.

[Bd. 3, Sp. 68]



   Anm. Schon bey dem Stryker Mantel, im Angels. Mäntel, im Engl. Dän. und Schwed. gleichfalls Mantel, im Franz. Manteau, im Span. Manta, im Ital. Manto und Mantello, schon bey dem Plautus Mantelium, bey dem Festus Mantilium, Mantellum, Mantile. Dem Servius zu Folge waren Mantelia und Mandilia bey den Römern auch eine Art zotiger Tischdecken, welches die allgemeine Bedeutung der Bedeckung bestätiget, so wie das Engl. to mantle, die Federn ausbreiten, mit den Federn bedecken. Die Sylbe -el ist auch hier die Ableitungssylbe, welche ein Werkzeug oder Subject bedeutet. In dem Arabischen ist Mantil ein Schweißtuch. Kero nennt einen Mantel noch Lahhan, Laken, und der Verfasser des Schwabensp. bestimmter Röcklachen. Im Nieders. ist Hoiken und Huseke ein Frauenzimmermantel, vielleicht eben der, welcher im Oberdeutschen eine Schaube heißt. S. auch Bemänteln und Vermänteln.
 
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Das Mantelkind, des -es, plur. die -er, ein größten Theils veraltetes Wort, ein vor der priesterlichen Einsegnung gezeugtes uneheliches Kind zu bezeichnen, weil die Mutter selbiges ehedem bey der nachmahligen Trauung unter ihren Mantel nehmen mußte, wenn es als ein echtes und rechtmäßiges Kind angesehen werden sollte. Im Schwed. Skötsätubarn, so fern es unter der Trauung auf dem Schooße des Vaters oder der Mutter saß.

 

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