Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Mannheit bis Mannrêcht (Bd. 3, Sp. 61 bis 64)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Die Mannheit, plur. car. eigentlich die Eigenschaft, nach welcher jemand ein Mann ist; doch nur in einigen Bedeutungen dieses Wortes. 1) Einer Mannsperson die Mannheit nehmen, sie der Mannheit berauben, sie castriren, sie entmannen; in welcher Bedeutung es in der anständigen Schreibart auch von Thieren für das niedrige schneiden gebraucht wird. Seiner Mannheit durch geknüpfte Nestel beraubt seyn, dadurch zur ehelichen Beywohnung untüchtig gemacht seyn. 2) * Ehedem wurde es auch sehr häufig für Tapferkeit gebraucht, in welchem Verstande es aber veraltet ist; bey dem Stryker Manhait. Die Kunst,
   Durch welche wir noch jetzt des Helden Mannheit lesen,
   Opitz. 3) * Auch der Lehens- und Huldigungseid, und die Huldigung selbst führeten ehedem diesen Nahmen, von Mann, Lehensmann.
 
Artikelverweis 
Mannigfaltig, -er, -ste, adj. et adv. von manch, so fern es ehedem mannig, manig, lautete, und mehr, viel, bedeutete, und faltig. 1. * Eigentlich, mehrere oder viele Falten habend; eine veraltete Bedeutung, in welcher der dritte Magen der wiederkäuenden Thiere, und besonders des Rindviehes, im gemeinen Leben einiger Gegenden noch der Mannigfalt, oder das Tausendfach genannt wird, weil er aus vielen Falten bestehet, daher er auch der Blättermagen und im Nieders. der Salter heißt. 2. Figürlich. 1) * Was mehrmahls oder vielmahl ist und geschiehet, und in der adverbischen Gestalt oft, vielfältig; eine gleichfalls ungewöhnlich gewordene Bedeutung. 2) Mehrere oder viele Abänderungen habend, in der Mehrheit verschieden; am häufigsten als ein Beywort, mehrfach, vielfach. Die mannigfaltige Weisheit Gottes, Ephes. 3, 10, so fern sie sich auf mehrere verschiedene Arten offenbaret. Ein Mann von mannigfaltiger Gelehrsamkeit. Leite meinen Geist, o Tugend, durch die mannigfaltigen Scenen des Lebens. Schlanke Kräuter durchirren das Gras mit zarten Ästen und mannigfaltigem Laube, Geßn. Wie glänzt das mannigfaltige Grün von der Sonne beschienen! ebend. Da lächeln mannigfaltige Freuden um ihn her, ebend. Die Schönheit ist die Einheit in dem Mannigfaltigen, oder das Mannigfaltige auf Einheit zurück gebracht, Sulzer. Zuweilen obgleich seltener auch als ein Nebenwort. Wir fehlen alle mannichfaltig, Jac. 3, 2. Ehedem pflegte man auch das Beywort gern an das Ende der Rede zu setzen, und da lautete es verkürzt mannigfalt.
   Lebt wohl mit euren tiefen Gründen
   Und grünen Wiesen mannigfalt,
   Opitz.
   Abentheuer gegent in manchfaldt,
   Theuerd. Anm. Bey dem Ottfried managfalt, managfalto, in dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter menhualt, bey dem Willeram mannigslahtig, bey dem Ulphilas managfalth, im Nieders. manigvuldig, im Angels. maenigfeald, im Engl. manifold, im Dän. mangfoldig, im Schwed. mångfaldig und margfaldig, von marg, viel. Es ist nach dem Lat. multiplex gebildet, so daß manch, seiner Verwandtschaft mit Menge zu Folge, hier den hervor stechenden Begriff der Menge, der Vielheit hat, daher Ottfried es auch für viel gebraucht. In dem Preußischen Stadtrechte von 1251 stehet es für all: manicvalden cristes geloubigen, an allen gläubigen Christen; und gleich darauf: Wisse uver Manicvaldekeit. In dem Isidor kommt auch chimanacfaldit, als das Mittelwort des veralteten Zeitwortes mannigfaltigen, vor, wofür jetzt vervielfältigen üblich ist. Es ist unnöthig, dieses Wort nach der verkürzten Form manchfaltig

[Bd. 3, Sp. 62]


zu schreiben, zumahl da mannigfaltig die Aussprache und längere Gewohnheit für sich hat.
 
Artikelverweis Die
Mannigfaltigkeit, plur. inus. die Eigenschaft der Dinge, da sie in der Mehrheit verschieden sind. Die Mannigfaltigkeit der Blumen, der Farben, der Thiere u. s. f. Freuden, die die Schönheiten der Natur in endloser Mannigfaltigkeit uns anbiethen, Geßn.
 
Artikelverweis 
* Männiglich, ein im Hochdeutschen veraltetes unabänderliches Pronomen, für jedermann, welches noch im Oberdeutschen üblich ist. Menigklich euch deßhalb Lob gicht, Theuerd. Kap. 95. Menigklich nam groß frewd ab der erlichen Tat, ebend. Kap. 82. Einige Hochdeutsche Kanzelleyen haben es noch beybehalten. Kund und zu wissen sey männiglich; entbiethen männiglich unsern Gruß u. s. f. sind Formeln, welche noch oft in landesherrlichen Verordnungen vorkommen, wofür man auch wohl jedermänniglich findet.
   Anm. Bey dem Ottfried mannilich, mannogilih, bey dem Notker mannoglich, bey den Schwäbischen Dichtern maendlich, menlig, Nieders. meenlik, meenliken, und zusammen gezogen malk. Es stammet von Mann, in der weitern Bedeutung für Mensch, oder auch von mannig, manch, viele, alle, ab, siehe Mannigfaltig.
 
Artikelverweis 
Die Männinn, plur. die -en, ein außer der Zusammensetzung ungewöhnliches Wort, eine Frau, in der niedrigen Sprechart ein Weib, zu bezeichnen. Man wird sie Männinn heissen, darum, daß sie von dem Manne genommen ist, 1 Mos. 2, 23. Es ist nur noch in einigen solcher Zusammensetzungen üblich, welche sich im männlichen Geschlechte auf -mann endigen. Kaufmänninn, Amtmänninn, Hauptmänninn, Rathmänninn, und vielleicht noch in einigen andern, wo es die Frau oder Ehegattinn eines Kaufmannes, Amtmannes u. s. f. ist, wofür man im gemeinen Leben auch wohl sagt, Kaufmannsfrau, Amtmannsfrau u. s. f. In einigen bedeutet es überhaupt eine Person weiblichen Geschlechtes, deren nähere Beschaffenheit durch die erste Hälfte der Zusammensetzung bestimmt wird; eine Landsmänninn, eine weibliche Person, welche mit uns aus Einem Lande gebürtig ist, eine Schiedsmänninn, welche einen Streit entscheidet oder schlichtet. Man muß sich hier genau nach dem Gebrauche richten, weil sich diese Form nur selten anbringen lässet. Von Edelmann sagt man nicht Edelmänninn, sondern Edelfrau, von Bettelmann, Bettelfrau oder Bettelweib, von Trödelmann, Trödelfrau oder Trödelweib, von Miethmann, Miethfrau, von Fuhrmann, Fuhrmannsfrau. Schulmann, Hofmann, Schuldmann, Zimmermann und hundert andere leiden gar keine von diesen Zusammensetzungen, sondern müssen im weiblichen Geschlechte umschrieben werden. Die Frau oder Gattinn eines Schulmannes und so ferner.
 
Artikelverweis 
Männisch, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben in einigen Zusammensetzungen üblich ist. 1) Ein einmännisches, zweymännisches Bett, worinn Eine, zwey Personen schlafen können. Von Mann, Person. Ein einmännischer Bergkübel, welchen Ein Mann aus dem Schachte winden kann, zum Unterschiede von einem zweymännischen. 2) In bergmännisch, weidemännisch, kaufmännisch, edelmännisch, landsmännisch u. s. f. bedeutet es nach Art der Bergleute, Weidemänner oder Jäger, Kaufleute, Edelleute oder Landsleute, in ihrer Beschaffenheit gegründet, zuweilen auch, ihnen gehörig. S. -Isch. Logau gebraucht männisch für männlich.
 
Artikelverweis 
Die Mannkammer, plur. die -n, S. Adelung Manngericht.
 
Artikelverweis 
Das Mannlehen, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Lehen oder Lehengut, worin nur allein die männlichen Nachkommen die Erbfolge haben, zum Unterschiede von einem Weiberlehen,

[Bd. 3, Sp. 63]


welches auch auf das weibliche Geschlecht fallen kann. Von Mann, eine Person männlichen Geschlechtes. Nieders. Manneguut. 2) So fern Mann ehedem auch einen Vasallen überhaupt ohne Unterschied des Geschlechtes bedeutete, schließt Mannlehen in einigen Gegenden, z. B. im Fuldischen, das weibliche Geschlecht nicht aus, obgleich dieses erst nach Abgang des männlichen zur Erbfolge kommen kann.
 
Artikelverweis 
Männlich, -er, -ste, adj. et adv. einem Manne gleich, ähnlich, in dessen Beschaffenheit gegründet, in verschiedenen Bedeutungen dieses Wortes.
   1. Von Mann, das befruchtende Individuum organischer Körper einer Art. 1) Eigentlich, wo es von den befruchtenden Individuis so wohl der Menschen und Thiere, als auch der Gewächse gebraucht wird, dieses Geschlecht habend, mit demselben begabt; im Gegensatze des weiblich. Das männliche Geschlecht. Ein männlicher Erbe, ein Erbe männlichen Geschlechtes. Der männliche Stamm, die männliche Linie. Das männliche Glied, welches den wesentlichen Unterschied von dem andern Geschlechte ausmacht. Alles was männlich ist unter euch soll beschnitten werden, 1 Mos. 17, 10, was männlichen Geschlechtes ist. Meine Brust klopft mir voll Unmuth, daß mich die Natur nicht männlich schuf, Weiße. Die männliche Blüthe, die männliche Blume, in dem Gewächsreiche, welche den befruchtenden Blumenstaub enthält; zum Unterschiede von der weiblichen und Zwitterblüthe. Die männlichen Blüthen haben nur allein Staubfäden, Stamina, die weiblichen nur allein Staubwege, Pistilla, die Zwitterblüthen aber beydes zugleich. Das männliche Geschlecht der Wörter, in der Sprachkunst, Genus masculinum; zum Unterschiede von dem weiblichen und ungewissen, oder vielmehr sächlichen. Der männliche Reim, in der Dichtkunst, wenn die Reimsylbe einsylbig ist, zum Unterschiede von dem zweysylbigen oder weiblichen Reime; vermuthlich weil jener gesetzter und männlicher klingt als dieser. 2) Figürlich, in diesem Geschlechte gegründet, demselben gemäß, ähnlich; zum Unterschiede von dem weiblich und im verächtlichen Verstande weibisch. Die männliche Kleidung, wie sie das männliche Geschlecht zu tragen pflegt; im gemeinen Leben die Mannskleidung, so wie man die meisten Zusammensetzungen mit Manns- in der anständigern Sprechart gern durch dieses Beywort zu umschreiben pflegt. Ein Mann in männlichen Künsten und Geschicklichkeiten unerfahren, wird sein Ansehen in der Ehe nicht lange behaupten, Gell.
   2. Von Mann, so fern dasselbe ein solches Individuum in engerer Bedeutung nach zurück gelegtem Jünglingsalter bezeichnet; im Gegensatze des kindisch und jugendlich. Das männliche Alter. Männlich aussehen. Eine männliche Stimme haben. Besonders,
   3. Mit dem Nebenbegriffe des gesetzten Betragens, des Ernstes, der Entschlossenheit; im Gegensatze des weibisch. Mit einem männlichen Ernste. Eine männliche Hand schreiben. Ein männliches Weib. Die männliche Schreibart, wenn die Gedanken fest mit einander verbunden und gleichsam zusammen gedrängt sind; die kräftige, nervige Schreibart, zum Unterschiede von der weitschweifigen, schleppenden und schalen. Ein männlicher Pinsel in der Mahlerkunst, die gewisse, kräftige, kecke und farbenvolle Art zu mahlen.
   4. Ingleichen der Herzhaftigkeit, des entschlossenen, unerschrockenen Muthes; mannhaft, Lat. mascule, im Gegensatze des weibisch. Dadurch ward sie muthig und faßte ein männlich Herz, 2 Macc. 7, 21. Sie liefen männlich mit einem Sturm an die Mauer, Kap. 10, 35. Wachet, stehet im Glauben, seyd männlich und seyd stark, 1 Cor. 16, 13. Die männliche Ertragung der Übel. Lucie, mein männliches Herz zerbricht

[Bd. 3, Sp. 64]


deine stolzen Fesseln! Sich männlich wehren. Dein Beyspiel lehret mich einen männlichen Entschluß, Weiße.
   Anm. Bey dem Notker in der ersten Bedeutung mannolich, bey dem Stryker in der vierten mendleich, im Oberdeutschen mannlich, bey dem Logau männisch, im Dänischen mandelig und mandlich.
 
Artikelverweis 
Die Männlichkeit, plur. inus. die Eigenschaft, nach welcher ein Ding männlich ist; doch nur in den drey letzten Bedeutungen, gesetztes, ernsthaftes Wesen, Fertigkeit die Furcht gehörig zu mäßigen.
   Wie wenig gleichen wir den Alten!
   Was wir für ungesittet halten,
   Hieß ihnen Männlichkeit,
   Uz.
   Euch wird an Männlichkeit ein Knab, ein Weib beschämen,
   Haged. In der ersten eigentlichen Bedeutung des Beywortes ist dafür Mannheit üblich.
 
Artikelverweis Das
Mannrêcht, des -es, plur. die -e, dasjenige Recht, nach welchem adelige Vasallen gerichtet werden, das Lehenrecht; ein größten Theils veralteter Ausdruck, welcher ehedem auch so wohl ein Gericht, vor welchem sich der Adel stellen mußte, als das Recht, nach welchem in einem solchen Gerichte gesprochen wurde, bedeutete. S. Adelung Manngericht.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: