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Mannfêst bis Männiglich (Bd. 3, Sp. 60 bis 62)
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Artikelverweis  Mannfêst, -er, -este, adj. et adv. fest, d. i. unbeweglich, tapfer, wie ein Mann; mannhaft. Mannfest stehen, nicht weichen. Ehedem war es auch ein Titel der Ritter und rittermäßigen adeligen Personen, so wie es zuweilen noch jetzt ist. S. Adelung Mannhaft.
 
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* Das Manngêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, ein veraltetes, nur noch in einigen Gegenden für Lehengeld übliches Wort; von Mann, Lehensmann, Vasall. Ingleichen der jährliche Gehalt, welchen ein Dienstmann aus der Kammer seines Herren bekam. So fern Mann einen Menschen überhaupt bedeutete, war Manngeld ehedem die Geldstrafe, welche man für einen begangenen Mord erlegen mußte.
 
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Das Manngericht, des -es, plur. die -e, gleichfalls nur noch in einigen Gegenden, das Lehengericht, der Lehenhof; von Mann, ein Lehenmann. Ehedem auch das Mannding, die Mannkammer. Daher das Mannrecht, das Lehenrecht, der Mannrichter, der Lehenrichter, der Manntag, der Tag, an welchem sich die Lehenmänner versammelten, der Mannbothe, der Gerichtsdiener eines Lehengerichtes u. s. f. welche Wörter jetzt insgesammt veraltet sind. In Schlesien wird das Land- oder Provinzial-Gericht noch das Manngericht genannt.
 
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Manngierig, -er, -ste, adj. et adv. eine heftige ungeordnete Begierde nach einem Ehemanne empfindend, von Personen des andern Geschlechtes. Eine manngierige Weibesperson.
 
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Das Manngrab, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben einiger Gegenden, so viel Land, als ein Mann in einem Tage umgraben kann, wo es besonders als ein Maß der Weinberge gebraucht wird; auf den Alpen ein Mannstoffel. Auf ähnliche Art gebraucht man von Wiesen das Wort Mannsmahd.
 
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Mannhaft, -er, -este, adj. et adv. in der engern Bedeutung des Wortes Mann, einem tapfern, streitbaren, entschlossenen Manne gleich und ähnlich, und darin gegründet. Es sind lauter mannhafte Leute. Sich mannhaft vertheidigen. Eine mannhafte That. Ein mannhaftes Gemüth. Ehe man anfing, die Adeligen nach der Geburt zu tituliren, war mannhaft ein sehr beliebter Titel der Ritter und edlen Knechte, welchen bürgerliche

[Bd. 3, Sp. 61]


Kriegsbeamte aus manchen fürstlichen Kanzelleyen noch jetzt, adelige aber mannfest bekommen.
 
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Die Mannhaftigkeit, plur. inus. die Eigenschaft einer Person oder Sache, da sie mannhaft ist.
 
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Die Mannheit, plur. car. eigentlich die Eigenschaft, nach welcher jemand ein Mann ist; doch nur in einigen Bedeutungen dieses Wortes. 1) Einer Mannsperson die Mannheit nehmen, sie der Mannheit berauben, sie castriren, sie entmannen; in welcher Bedeutung es in der anständigen Schreibart auch von Thieren für das niedrige schneiden gebraucht wird. Seiner Mannheit durch geknüpfte Nestel beraubt seyn, dadurch zur ehelichen Beywohnung untüchtig gemacht seyn. 2) * Ehedem wurde es auch sehr häufig für Tapferkeit gebraucht, in welchem Verstande es aber veraltet ist; bey dem Stryker Manhait. Die Kunst,
   Durch welche wir noch jetzt des Helden Mannheit lesen,
   Opitz. 3) * Auch der Lehens- und Huldigungseid, und die Huldigung selbst führeten ehedem diesen Nahmen, von Mann, Lehensmann.
 
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Mannigfaltig, -er, -ste, adj. et adv. von manch, so fern es ehedem mannig, manig, lautete, und mehr, viel, bedeutete, und faltig. 1. * Eigentlich, mehrere oder viele Falten habend; eine veraltete Bedeutung, in welcher der dritte Magen der wiederkäuenden Thiere, und besonders des Rindviehes, im gemeinen Leben einiger Gegenden noch der Mannigfalt, oder das Tausendfach genannt wird, weil er aus vielen Falten bestehet, daher er auch der Blättermagen und im Nieders. der Salter heißt. 2. Figürlich. 1) * Was mehrmahls oder vielmahl ist und geschiehet, und in der adverbischen Gestalt oft, vielfältig; eine gleichfalls ungewöhnlich gewordene Bedeutung. 2) Mehrere oder viele Abänderungen habend, in der Mehrheit verschieden; am häufigsten als ein Beywort, mehrfach, vielfach. Die mannigfaltige Weisheit Gottes, Ephes. 3, 10, so fern sie sich auf mehrere verschiedene Arten offenbaret. Ein Mann von mannigfaltiger Gelehrsamkeit. Leite meinen Geist, o Tugend, durch die mannigfaltigen Scenen des Lebens. Schlanke Kräuter durchirren das Gras mit zarten Ästen und mannigfaltigem Laube, Geßn. Wie glänzt das mannigfaltige Grün von der Sonne beschienen! ebend. Da lächeln mannigfaltige Freuden um ihn her, ebend. Die Schönheit ist die Einheit in dem Mannigfaltigen, oder das Mannigfaltige auf Einheit zurück gebracht, Sulzer. Zuweilen obgleich seltener auch als ein Nebenwort. Wir fehlen alle mannichfaltig, Jac. 3, 2. Ehedem pflegte man auch das Beywort gern an das Ende der Rede zu setzen, und da lautete es verkürzt mannigfalt.
   Lebt wohl mit euren tiefen Gründen
   Und grünen Wiesen mannigfalt,
   Opitz.
   Abentheuer gegent in manchfaldt,
   Theuerd. Anm. Bey dem Ottfried managfalt, managfalto, in dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter menhualt, bey dem Willeram mannigslahtig, bey dem Ulphilas managfalth, im Nieders. manigvuldig, im Angels. maenigfeald, im Engl. manifold, im Dän. mangfoldig, im Schwed. mångfaldig und margfaldig, von marg, viel. Es ist nach dem Lat. multiplex gebildet, so daß manch, seiner Verwandtschaft mit Menge zu Folge, hier den hervor stechenden Begriff der Menge, der Vielheit hat, daher Ottfried es auch für viel gebraucht. In dem Preußischen Stadtrechte von 1251 stehet es für all: manicvalden cristes geloubigen, an allen gläubigen Christen; und gleich darauf: Wisse uver Manicvaldekeit. In dem Isidor kommt auch chimanacfaldit, als das Mittelwort des veralteten Zeitwortes mannigfaltigen, vor, wofür jetzt vervielfältigen üblich ist. Es ist unnöthig, dieses Wort nach der verkürzten Form manchfaltig

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zu schreiben, zumahl da mannigfaltig die Aussprache und längere Gewohnheit für sich hat.
 
Artikelverweis Die
Mannigfaltigkeit, plur. inus. die Eigenschaft der Dinge, da sie in der Mehrheit verschieden sind. Die Mannigfaltigkeit der Blumen, der Farben, der Thiere u. s. f. Freuden, die die Schönheiten der Natur in endloser Mannigfaltigkeit uns anbiethen, Geßn.
 
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* Männiglich, ein im Hochdeutschen veraltetes unabänderliches Pronomen, für jedermann, welches noch im Oberdeutschen üblich ist. Menigklich euch deßhalb Lob gicht, Theuerd. Kap. 95. Menigklich nam groß frewd ab der erlichen Tat, ebend. Kap. 82. Einige Hochdeutsche Kanzelleyen haben es noch beybehalten. Kund und zu wissen sey männiglich; entbiethen männiglich unsern Gruß u. s. f. sind Formeln, welche noch oft in landesherrlichen Verordnungen vorkommen, wofür man auch wohl jedermänniglich findet.
   Anm. Bey dem Ottfried mannilich, mannogilih, bey dem Notker mannoglich, bey den Schwäbischen Dichtern maendlich, menlig, Nieders. meenlik, meenliken, und zusammen gezogen malk. Es stammet von Mann, in der weitern Bedeutung für Mensch, oder auch von mannig, manch, viele, alle, ab, siehe Mannigfaltig.

 

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