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Mangelhaft bis Manierlich (Bd. 3, Sp. 50 bis 52)
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Artikelverweis  Mangelhaft, -er, -este, adj. et adv. einen Mangel, oder Mängel habend, in der zweyten Bedeutung des Hauptwortes, wo es vornehmlich von physischen Mängeln, von der Abwesenheit eines zur Vollständigkeit gehörigen Theiles gebraucht wird. Das Buch ist mangelhaft, defect, wenn etwas daran fehlet. Ein mangelhaftes (defectes) Buch. Eine mangelhafte Rede, welche nicht ganz ist. Ein mangelhaftes Pferd, welches einen oder mehrere Mängel hat.
 
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Die Mangelhaftigkeit, plur. inus. der Zustand eines Dinges, da es mangelhaft ist, in der vorigen Bedeutung.
 
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Das Mangelholz, S. Adelung Mandelholz und Mange 2.
 
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1. Mangeln, verb. reg. act. mit der Mangel glatt und glänzend machen, S. 1. Mandeln und Mange 2.
 
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2. Mangeln, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, abwesend seyn, von Dingen, welche zur möglichen und gewünschten Vollständigkeit einer Sache gehören; als ein unpersönliches Zeitwort, oder doch nur in der dritten Person. Das Geld mangelt heut zu Tage gar sehr, oder mit dem Vorworte an: es mangelt heut zu Tage gar sehr am Gelde. Ein Land, da du Brot genug zu essen hast, da auch nichts mangelt, 5 Mos. 8, 9. Das Wasser mangelt, wenn dessen nicht so viel da ist, als man gebraucht oder wünscht; es mangelt an Wasser. Es mangeln noch zehen Thaler an der Summe.
   Die Sache oder Person, welche den Mangel hat, auf welche sich derselbe beziehet, stehet in der dritten Endung. Es mangelt mir an Zeit, an Gelegenheit, oder Zeit und Gelegenheit mangeln mir. Daß dir nichts gemangelt hat, 5 Mos. 2, 7. Dem

[Bd. 3, Sp. 51]


Öhlkruge soll nichts mangeln, 1 Kön. 17, 14. Der Herr ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln, Ps. 23, 1. Laß es ihnen an nichts mangeln, oder laß ihnen nichts mangeln. Nur mit der zweyten Endung ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich: dem des Brots mangelt, Sprichw. 12, 9.
   Dieses Zeitwort erstreckt sich weiter, als das Hauptwort Mangel, indem es auch von der Abwesenheit nöthiger oder doch gewünschter Personen gebraucht wird, für fehlen, wo das Hauptwort nicht üblich ist. Es mangeln noch verschiedene von den Gästen. Es mangelt uns der vierte Mann, der vierte Mann mangelt uns, es mangelt uns am vierten Manne. Es mangelt mir nur ein Freund, der mir hülfe. An mir soll es nicht mangeln, auch figürlich, ich werde mit meiner Person, mit meiner Hülfe, mit meiner Bemühung nicht entstehen.
   Im Oberdeutschen gebraucht man es auch häufig als ein persönliches Zeitwort. Ich mangele Geld. Noch mehr mit der zweyten Endung. Ih gimangolo thin, Ottfried. Sie mangeln des lieben Brotes; welcher Gebrauch im Hochdeutschen ungewöhnlich ist, ungeachtet er noch einige Mahl in der Deutschen Bibel vorkommt. Sie mangeln des Ruhms, Röm. 3, 23. Der eine kleine Zeit der Engel gemangelt hat, Ebr. 2, 9. S. Adelung Ermangeln.
   Das Hauptwort die Mangelung ist nur in dem zusammen gesetzten Ermangelung üblich.
   Anm. Bey dem Ottfried mangolon, im Dän. und Schwed. mangla, im Ital. mancare, im Nieders. mankeren, Franz. manquer. Es ist unmittelbar von Mangel, dagegen mengen, welches noch bey dem Notker vorkommt, dien ne menget ne heines kuotes, unmittelbar von mank ist. Im Engl. ist to mangle in thätiger Bedeutung verstümmeln.
 
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Mangen, verb. reg. act. mit der Mange, oder auf der Mange glatt und glänzend machen. S. 1. Mandeln und Mange 2.
 
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Das Mangkorn, des -es, plur. inus. ein nur im gemeinen Leben Obersachsens, besonders aber Niedersachsens übliches Wort, vermischtes Getreide, d. i. zwey oder mehr unter einander gebauete Getreidearten zu bezeichnen, welches man auch Gemangkorn, im Oberdeutschen Mischkorn, Mischelkorn, Mischgetreide zu nennen pflegt; im mittlern Lat. Mixtum, Mescalia, Engl. Mangcorn. Von dem alten Niederdeutschen Mank, die Vermengung, welches jetzt nur noch als ein Vorwort üblich ist, wo es unter bedeutet.
 
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Der Mangold, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, der Hoch- und Oberdeutsche Nahme verschiedener Arten Pflanzen. 1) Einer Art des Lungenkrautes, welche zum Unterschiede von andern Arten Hirschmangold, genannt wird; Pulmonaria officinalis L. 2) Einer Art des Gänsefußes, welche auch guter Heinrich heißt, Chenopodium bonus Henricus L. und zum Unterschiede den Nahmen des schmierigen Mangolds führet. 3) Einiger Arten des wilden Ampfers. So wird der Meerampfer, Rumex maritimus L. auch Meermangold, und die gemeine Grindwurz; Rumex acutus L. auch Mangold und Mengelwurz genannt. 4) Am häufigsten ist dieser Nahme von einer Art Kohles mit dicken rübenartigen Wurzeln, welcher in Niedersachsen Beete, in einigen Oberdeutschen Gegenden aber Beiße, Beißkohl, Beißrüben heißt; Beta L. Rother Mangold, rothe Rüben, Beta rubra vulgaris, in Franken Runkel; gelber Mangold, Beta lutea major; weißer Mangold, weiße Beete, Beta Cicla; Meermangold, Beta maritima.
   Anm. Die letzte Art heißt im Dän. gleichfalls Mangold und im Böhm. Manholt. Der Nahme ist ohne Zweifel Deutsch, ob er gleich dunkel ist. Die drey ersten Arten sind insgesammt heilende Pflanzen, und da die eine Art auch Mengelwurz heißt, so

[Bd. 3, Sp. 52]


scheinet Mangel, oder doch dessen Ahnherr, mank, fehlerhaft, ungesund, das Stammwort zu seyn, so daß es eine wider Mängel des Leibes heilsame Pflanze bedeuten würde; wenn es nicht aus Mann und hold, oder aus Mann und heil, oder endlich auch aus dem veralteten Man, Mank, Mangel und Fehler, und heil zusammen gesetzet worden. Im alt Schwed. ist Manhelg, Manhaeld und Manaelg, die öffentliche Sicherheit.
   Ein anderes Wort ist das Italiänische Manigoldo, welches so wohl einen Henker, als auch einen grausamen Menschen bedeutet, und seinen Deutschen Ursprung gleichfalls nicht verläugnen kann. Es stammet vermuthlich von dem alten man, falsch, betrüglich, und hold ab, (S. Adelung Meineid,) und bedeutet vermuthlich eben so viel als Unhold. Der eigenthümliche Geschlechtsnahme Mangold ist hin und wieder in Deutschland üblich, der aber auch aus Mann, homo, vir, und hold, oder gelten zusammen gesetzet seyn kann.
 
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Der Manichaer, des -s, plur. ut nom. sing. eine ehemahlige Art Ketzer in den ersten Jahrhunderten der christlichen Kirche. Im vertraulichen Scherze pflegt man auch einen Gläubiger, um des Gleichklanges mit mahnen willen, einen Manichäer zu nennen.
   Die Manichäer sind gewiß von dir betrogen,
   Zach.
 
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Die Manīer, (zweysylbig,) plur. die -en, ein aus dem Ital. Maniera oder Franz. Maniere entlehntes und nur im gemeinen Leben übliches Wort, so wohl die Art und Weise überhaupt, als auch in engerer Bedeutung die Art und Weise der Geberden, und diese Geberden selbst zu bezeichnen. Sich allerley lächerliche Manieren angewöhnen, so wohl Sitten, als Geberden. Auf eine andere Manier, Art und Weise. In den bildenden Künsten ist die Manier die einem jeden Künstler eigenthümliche Art und Weise zu arbeiten, d. i. ein Werk zu erfinden, es sich einzubilden, und es auszudrucken. Sie ist in den Künsten das, was in den schönen Wissenschaften der Styl oder die Schreibart ist. Ein Gemählde nach Raphaels Manier.
   Im mittlern Lat. Maneries, im Engl. Manner. Dieses ausländische Wort kommt schon bey den Schwäbischen Dichtern vor.
   Iuncfrowe edel guoter diren
   Wolgeraket von manieren,
   Herz. Johann von Brabant; d. i. von Sitten, Geberden. In weiterer Bedeutung der Art und Weise lautet es in dem Theuerdanke Monier. Es gehöret, so ausländisch es ist, zu dem Geschlechte unsers mahnen, bewegen, ziehen.
 
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Manierlich, -er, -ste, adj. et adv. welches nur in der engern Bedeutung des vorigen Hauptwortes für wohl gesittet, im gemeinen Leben üblich ist. Ein manierlicher junger Mensch. Sich manierlich aufführen. Sie wird in kurzer Zeit recht aufgeweckt und manierlich werden, Gell. So auch die Manierlichkeit.

 

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