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Malen bis Malz (Bd. 3, Sp. 38 bis 40)
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Artikelverweis  Malen, S. Adelung Mahlen.

[Bd. 3, Sp. 39]



 
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Die Mallemucke, plur. die -n, der nordische Nahme des Sturmvogels, S. dieses Wort.
 
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Der Malm, des -es, plur. inus. nur in einigen Gegenden, ein zerriebener, zu Pulver gemachter, gemahlner Körper, Staub, Graus, Gries u. s. f. Frisch führet einige ältere Beyspiele an, woraus erhellet, daß im Nieders. Melm für Staub gebraucht worden, in welchem Verstande es auch bey dem Stryker vorkommt. Im Schwed. ist Malm der Sand, und im Ital. Melma Koth, Schlamm. Es gehöret mit dem noch üblichern Mulm, dem Nieders. Mull, Staub, Auskehrich, unserm Malz und Mehl, dem Oberd. Schmolle, Brotkrume, Isländ. Mola, und andern dieser Art zu dem Zeitworte 2. Mahlen, molere, und dem davon abstammenden malmen. S. Adelung Mulm und Zermalmen.
 
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Die Malonke, plur. die -n, eine Art Pflaumen. S. Maronke.
 
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1. * Das Malter, des -s, plur. inus. ein nur in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden übliches Wort, einen klein geriebenen oder gebröckelten Körper, Schutt, Graus u. s. f. zu bezeichnen. Es war kein Haus in der Stadt, in welchem die Erderschütterung nicht einiges Malter herab gerissen hätte. Es gehöret mit dem vorigen Malm und dem folgenden Malz zu dem Geschlechte des Zeitwortes 2. Mahlen, molere.
 
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2. Das Malter, des -s, plur. ut nom. sing. welches jetzt nur noch als ein Maß verschiedener Dinge üblich ist. 1) Als ein Getreidemaß größerer Art, wo es fast in jeder Provinz von einem andern Gehalte ist. In Nürnberg hält ein Malter 8 Metzen, 32 Diethhaufen, 64 Diethhäuflein oder 128 Maß; in Erfurt 4 Viertel, 12 Scheffel, 48 Metzen, oder 192 Mäßchen; im Gothaischen 2 Scheffel oder 4 Viertel; in der Pfalz und Frankfurt am Main, wo es so viel als ein Achtel ist, 4 Simmer, 8 Metzen, 16 Sechter oder 64 Gescheid; in Danzig 16 Scheffel, 64 Viertel, oder 256 Metzen; im Hannöverischen 3 Scheffel, 6 Himten oder 12 Metzen; in Westphalen 4 Scheffel, 16 Viertel oder 192 Kannen; in Cöln 24 Faß; im Osnabrückischen 12 Scheffel, 48 Viertel, oder 192 Becher oder Metzen; in Obersachsen 12 Scheffel, 48 Viertel, oder 192 Metzen, wo es doch noch nach Maßgebung des Gehaltes der Scheffel wieder verschieden ist. 2) Als ein Maß des zu Scheiten geschlagenen Holzes, welches bey den Hammerwerken, Kohlenbrennern u. s. f. einiger Gegenden üblich ist, und gemeiniglich einen Würfel 4 Fuß hoch, 4 Fuß lang und 4 Fuß breit ausmacht, der folglich 64 Cubik-Fuß hält. Neun Malter machen alsdann 4 Klafter zu 4 Fuß Länge, drey Malter aber eine Floßklafter. 3) Als eine Zahl, wo es in einigen Gegenden eine Zahl von 15 ist, und alsdann mit dem verwandten Worte Mandel überein kommt. Ein Malter Garben, Käse u. s. f. da ist eine Mandel, oder eine Zahl von 15. In dem Schwabenspiegel Kap. 167 ist so wie in dem Sachsenspiegel des Königes Malter, d. i. ein großes Malter, eine Zahl von 30 Schlägen, welche der Verbrecher in manchen Fällen mit einer eichenen Spießgerte von drey oder vier Ellen lang bekam.
   Anm. Als ein Getreidemaß im Nieders. Molt, ohne die Ableitungssylbe -er, im alten Engl. Maulder, Malder, im mittlern Lat. Maldra, Maldrus, Maltrum, Maldarium u. s. f. Es gehöret mit unserm Mulde, zu dem Geschlechte des Wortes 5. Mahl, welches so wohl einen tiefen Raum, ein Gefäß, als auch eine Erhöhung, einen Haufen bedeutet, von welcher letztern Bedeutung unser Malter, wenn es ein Holzmaß ist, abstammet. Zu der Bedeutung eines Gefäßes gehöret das mittlere Lat. Malderia, ein Kochgeschirr, das Angels. Mele, eine Schüssel, das Ulphilanische Mela, ein Scheffel, Schwed. Mål, Isländ. Mal, Flandrisch Mael; daher im Schwed. måla überhaupt messen ist. Da Mahl, Maß, und das Lat. Modius, (Nieders. Maat,) nur in den Ableitungssylben verschieden ist, so ist die Verwandtschaft

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dieser Wörter leicht zu erkennen. Daher ist auch im mittlern Lat. Modulus ein Maß des geschlagenen Holzes, Franz. Moule de bois. Was die Bedeutung einer Zahl betrifft, so hat Malter dieselbe mit Mandel, Pfund, Schilling und andern ähnlichen Ausdrücken gemein, worunter besonders die beyden letzten mehrmahls von einer gewissen Anzahl Schläge vorkommen, S. diese Wörter. In einigen besonders Oberdeutschen Gegenden ist dieses Wort weiblichen Geschlechtes, die Malter.
 
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Das Malterholz, des -es, plur. inus. Holz, welches nach Maltern gemessen wird, zu Maltern geschlagen werden soll; zum Unterschiede von dem Klafterholze.
 
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Maltern, verb. reg. act. in der zweyten Bedeutung des Wortes Malter. Das Holz maltern oder aufmaltern, es in Malter setzen.
 
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Der Malvasīer, (dreysylbig,) des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ein goldgelber, balsamischer, süßer Wein, welcher um die Stadt Napoli di Malvasia in Morea wächset, wovon er auch den Nahmen hat. Nach andern soll er den Nahmen von Arvisia auf der Insel Chios haben, woraus die Italiäner Malvisia gemacht. In weiterer Bedeutung wird auch ein ähnlicher Wein von der Insel Candien mit diesem Nahmen beleget, so wie man nachgekünstelte Malvasiere aus Frankreich und andern Ländern bringt. Im Theuerdanke Malfasey, im Nieders. Malmasier, Malmesien, Engl. Malmsey.
 
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Die Malve, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, aus dem Lat. Malva, eine Pflanze; Malva L. Die in Deutschland einheimischen Arten dieser Pflanze sind unter dem Nahmen der Waldpappel, Gänsepappel und der Siegmarswurz am bekanntesten, so wie der Deutsche Nahme Pappel im gemeinen Leben mehrern Arten Gewächse gegeben wird, welche man in der Botanik sorgfältig unterscheidet, S. Adelung Pappel. Bey einigen neuern Schriftstellern führet auch die Lavatera L. ein ausländisches Gewächs dieser Classe, Engl. Mallow, den Nahmen der Malve.
 
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Das Malz, des -es, plur. inus. das zum Bierbrauen bestimmte geschrotene Getreide, und in weiterer Bedeutung auch das durch Einweichen und Dörren zum Schroten zubereitete Getreide dieser Art. Daher man unter dem Ausdrucke Malz machen oder malzen und mälzen gemeiniglich nur die Arbeit des Einweichens und Dörrens verstehet, ungeachtet nach der Abstammung eigentlich das Schroten dieses Getreides diesen Nahmen führen sollte. Luftmalz, welches nach dem Einweichen und Keimen an der Luft getrocknet worden, zum Unterschiede von dem Darrmalze. Weitzenmalz, Gerstenmalz, Hafermalz. Es ist Hopfen und Malz an ihm verloren, sagt man im gemeinen Leben von einem Menschen, von welchem keine Besserung mehr zu hoffen ist.
   Anm. Im Nieders. Molt, im Angels. Mealt, im Engl. Malt, im Holländ. Mout, im Schwed. Malt. Wachter leitet es sehr unwahrscheinlich von dem Lat. Polenta ab, Frisch von dem Lat. Molitum, Ihre mit etwas mehrerer Wahrscheinlichkeit von dem Schwed. mjäll, Engl. mellow, weich, mollis, milde, molsch, Griech. μαλθοειν, erweichen, Angels. mealt, Deutsch schmelzen, so daß damit vornehmlich auf die Einweichung gesehen würde, zumahl da im Schwed. mälta von dem ersten Keimen der Gewächse gebraucht wird. Mit eben so vielem Rechte kann man es als einen Abkömmling von mahlen, molere, ansehen, zumahl da Molt und Molta bey den Schriftstellern des mittlern Zeitalters mehrmahls für Staub vorkommen, und im mittlern Lat. Malta, Molta, Mörtel ist. Vermuthlich wurde das Malz aus einer ähnlichen Ursache ehedem auch Braß genannt, im mittlern Latein. Brace, Brasium, indem das Schroten des zum Malz bestimmten Getreides noch jetzt brechen genannt wird.

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