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Mahlzahn bis Mährchen (Bd. 3, Sp. 31 bis 32)
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Artikelverweis Der Mahlzahn, des -es, plur. die -zähne, von 2. Mahlen, molere, an einigen Orten, eine Benennung der Stockzähne bey Menschen und Thieren, weil sie zum Zermahlen oder Zermalmen der Speisen dienen.
 
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Das Mahlzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. ein bestimmtes körperliches Zeichen, etwas daraus zu erkennen. Es ist ein Maalzeichen bey dem Stuhl des Herren, daß der Herr streiten wird u. s. f. 2. Mos. 17, 16; wo es für Denkmahl stehet. Man gebraucht es nur noch, fast in eben dem Verstande, in welchem auch Wahrzeichen üblich ist, besonders von dergleichen Zeichen am Leibe. Jemand der eine Narbe von einem Falle hat, trägt davon das Mahlzeichen an seinem Leibe. Im Nieders. wird auch das Ziel und die Scheibe, wornach gezielet wird, das Mahlzeichen genannt. Soll dieses Wort keine Tavtologie enthalten, so muß Mahl in demselben auf die Art und Weise der Verfertigung des Zeichens gehen, wenn es nicht gar aus Wahrzeichen gebildet ist, weil m und w als Buchstaben gleiches Organi sehr oft in einander übergehen, l und r aber noch öfter mit einander abwechseln. Siehe 6. Mahl 2. 1) (a).
 
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Die Mahlzeit, plur. die -en, die umständliche Handlung, wo ein Mensch die zu seiner Nahrung nöthigen Speisen zu sich nimmt. Des Tages Eine, zwey Mahlzeiten halten. Die Mittagsmahlzeit, die Abendmahlzeit. Von der Mahlzeit aufstehen. Jemanden eine Mahlzeit Essen geben. Das Fleisch reichet zu drey Mahlzeiten. Eine gute Mahlzeit thun, stark essen.
   Anm. Im Nieders. und Dän. Maaltid. Es ist statt des ungewöhnlicher gewordenen Mahl, (S. 4. Mahl,) aufgekommen, wird aber doch nur in engerm Verstande von der umständlichen Handlung des Speisens gebraucht. Denn ein bloßes Frühstück nennt man wohl in der anständigern Sprechart ein Mahl oder ein Frühmahl, nicht aber eine Mahlzeit, wenn es nicht aus mehrern Speisen bestehet und die Handlung selbst ordentlich und umständlich vorgenommen wird. Die Ursache liegt in dem Worte Zeit, welches in mehrern Fällen eine feyerliche Handlung bedeutet, z. B. Hochzeit, obgleich Wachter es in dieser Zusammensetzung nicht für Zeit, tempus, hält, sondern es von dem veralteten Schwed. und Isländ. Teite, Freude, Fröhlichkeit, ableitet. Von einer feyerlichen Mahlzeit gebraucht man Gastmahl, Schmaus u. s. f.
 
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Der Mahlzêttel, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Ländern, ein Zettel, welchen die Mahlgäste in den Mühlen von dem

[Bd. 3, Sp. 32]


vereidigten Mühlenschreiber empfangen, worauf das Gewicht des in die Mühle gelieferten Getreides verzeichnet ist, um den Unterschleif des Müllers und die Hintergehung des Mahlgroschens zu verhüthen.
 
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Der Mahnbrief, des -es, plur. die -e, ein Brief, worin man jemanden um Bezahlung einer Schuld mahnet.
 
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Die Mähne, plur. die -n, die ganze Sammlung von langen Haaren, welche einige Thiere, besonders die Pferde und Löwen, von dem obern Theile des Halses herunter hangen haben; im gemeinen Leben auch das Kammhaar, Lat. Juba, (S. Adelung Schopf.) Die Mähne eines Pferdes, eines Löwen.
   Anm. Im Nieders. Mane, im Engl. Mane, im Schwed. und Dän. Man, im Wallis. Mwng. Casaubonus und Junius leiten es von dem Griech. μαννος, μανος, her, welches bey dem Pollux einen Halsschmuck bedeutet. Vielleicht sind beyde aus einer gemeinschaftlichen ältern Quelle entsprungen. Im Schwed. heißt der ganze Hals des Pferdes Manke, vielleicht nur der Rücken desselben, der Sitz der Mähne, welcher im Deutschen auch der Kamm genannt wird. Mähne druckt vielleicht die Beweglichkeit der Halshaare dieser Thiere aus, da es denn zu mähen, bewegen, gehören würde. S. Adelung Mahnen, Anm.
 
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Mahnen, verb. reg. act. welches im Hochdeutschen nur noch einen Theil seiner alten weiten Bedeutung erhalten hat. Es bedeutete,
   1. * Eigentlich, ziehen, in welcher Bedeutung in Baiern noch die Zugochsen Mähndochsen genannt werden. Noch häufiger gebrauchte man es als ein Factitivum, ziehen machen, d. i. antreiben, in welcher Bedeutung es gemeiniglich mähnen lautet, und noch in vielen Oberdeutschen Gegenden üblich ist.
   Mit den sporn er sein pferdt mandt,
   Theuerd. Kap. 41. Christus wurde als ein Vieh mit Gärten (Ruthen) von den Juden gement, ein alter Dichter in Eckards Script. bey dem Frisch. Den Zug mähnen, in Franken, fahren, die Pferde vor dem Wagen lenken und antreiben, wo der Mähnjunge derjenige Junge ist, welcher die Ochsen vor dem Pfluge antreibet. Im Holländ. gleichfalls mennen, für führen, Schwed. mana, Lat. minare, Franz. mener.
   2. Figürlich. 1) Zu Leistung einer Pflicht anhalten; eine ihrem ganzen Umfange nach veraltete Bedeutung, in welcher man es nur noch im engern Verstande gebraucht, an die Erfüllung eines Versprechens erinnern, zur Erfüllung eines gethanen Versprechens auffordern. Jemanden mahnen. Am häufigsten, zur Bezahlung einer Schuld auffordern, an die Bezahlung einer Schuld erinnern. Jemanden wegen einer Schuld mahnen. Er läßt sich täglich mahnen, und bezahlt doch nicht. Ich lasse mich nicht gern mahnen. 2) * Vor Gericht laden, auffordern vor Gericht zu erscheinen; eine veraltete Bedeutung, in welcher im mittlern Lateine mannire sehr häufig vorkommt. In weiterer Bedeutung gebraucht Ottfried manen auch für einladen. 3) * Bewegungsgründe zur Ausübung seiner Pflichten vorstellen, und in weiterer Bedeutung, mit Worten an seine Pflicht erinnern; eine veraltete Bedeutung, in welcher wir jetzt ermahnen gebrauchen. In diesem Verstande kommt manon noch oft bey dem Ottfried und Kero vor. In noch weiterer Bedeutung gebraucht man es noch zuweilen im Oberdeutschen für aufmuntern, besonders zur Arbeit. 4) Erinnern überhaupt, mit dem Vorworte an, im Oberdeutschen auch mit der zweyten Endung.
   So manent mih diu liehten tage
   Miner alten senden klage,
   Rudolph von Rotenburg
   Ich sach da rosebluomen stan
   Die manent mich der gedanken vil
   Die ich hin zeiner frouwen han,
   Dietmar von Ast. In diesem Verstande wird es, so wie das verlängerte gemahnen, nur noch im gemeinen Leben gebraucht. Dieß Buch mahnt mich an die Zeit, da man noch lauter Robinsons schrieb. Der Mensch mahnt, oder gemahnt mich an meinen Bruder. 5) * Scheinen, vorkommen, als ein Neutrum; in welchem Verstande doch nur das zusammen gesetzte gemahnen noch zuweilen im gemeinen Leben vorkommt, S. dasselbe.
   Das Hauptwort die Mahnung kommt seltener vor als der Infinitiv das Mahnen.
   Anm. In den figürlichen Bedeutungen von des Kero Zeiten an manon, im Nieders. manen, im Angels. manian, manigian, bey dem Ulphilas gamunan, im Dän. mane, im Schwed. mana, im Finnischen manaan, im Lat. monere, im Griech. μναειν. Da es in den vier ersten Bedeutungen ein Factitivum ist, erinnern machen, so wurde es ehedem auch häufig als ein Neutrum für erinnern gebraucht, und diente hierauf in seinen Abkömmlingen nicht nur die Erinnerungskraft, sondern auch das Gemüth, den Geist überhaupt zu bezeichnen, wohin das Engl. Mind, Gemüth, unser meinen u. a. m. gehören. S. auch Miene, Mond.
   Daß unser Activum mahnen, erinnern, eine Figur von mahnen, antreiben, ist, ist wohl mehr als wahrscheinlich. Auf ähnliche Art druckten die Lateiner ermahnen durch hortari aus, welches eine sehr sichtbare Verwandtschaft mit dem alten hurten, Franz. heurter, stoßen, treiben, hat. Zergliedern wir unser Zeitwort, so fern es ziehen und factitive ziehen machen, antreiben, bedeutet, genauer, so zeigt uns die Endung -nen, daß es ein Iterativum oder Intensivum ist, und da kommen wir wieder auf das Zeitwort mähen, so fern es überhaupt bewegen bedeutet, und eine fruchtbare Mutter einer sehr großen Menge davon abstammender Wörter ist, wovon mit den ähnlichen Ableitungssylben unter andern auch die Zeitwörter mahlen und mähren, rühren, mit ihren Familien herkommen.
 
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Der Mahner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Mahnerinn, eine Person, welche mahnet, oder an etwas erinnert; ein Wort, welches doch nur selten vorkommt.
   Durst und Hunger sind die Mahner, die man nimmer kann bestillen, Logau.
 
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Das Mahnregister, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Provinzen, Verzeichnisse auf dem Lande, nach welchen die Schultheißen die obrigkeitlichen Gefälle einmahnen.
 
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Der Mahr, des -es, oder -en, plur. inus. eine besonders in den Niedersächsischen und mitternächtigen Gegenden üblich Benennung derjenigen nächtlichen Beschwerung, welche im Hochdeutschen unter dem Nahmen des Alpes am bekanntesten ist, S. dieses Wort, welche der große Haufe dort so wie hier einem bösartigen Geiste zuschreibt. Von dem Mahr oder Mahren geritten, oder gedrückt werden.
   Anm. Im Nieders. Maar, Moor, Holländ. Nagtmerrie, Engl. Nightmare, Angels. Schwed. und Isländ. Mara, Böhm. Müra, Franz. Cauchemar, Chaucemar, der ersten Hälfte nach vermuthlich von calcare, treten. Weil diese Beschwerung eine würgende, erstickende Empfindung verursacht, so scheinet dieses Wort zu Mord, morden, würgen zu gehören. Die Araber sollen sie um eben deßwillen Albedilon und Alcraton nennen, von ähnlichen Stammwörtern, welche würgen bedeuten. Im Bretagnischen ist Mor ein kurzer, oft unterbrochener Schlaf, und mori auf solche Art schlafen.
 
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Das Mährchen, S. 3. Mähre.

 

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