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Mahlpfahl bis Mahlzeit (Bd. 3, Sp. 30 bis 31)
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Artikelverweis Der Mahlpfahl, des -es, plur. die -pfähle, von Mahl, die Gränze, ein Gränzpfahl. In den Wassermühlen ist es ein langer starker eichener Pfahl, welcher die eigentliche Höhe des Wassers, und daß Maß des Mahl- oder Fachbaums zeiget. Er wird auch der Eichpfahl, Wagpfahl oder Sicherpfahl genannt. S. 6. Mahl 2. 1) (a).
 
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Der Mahlplatz, des -es, plur. die -plätze, große Flecken auf der Haut von verschiedener, gemeiniglich nußbrauner Farbe; Panni. S. 6. Mahl 2. 1) (b).
 
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Die Mahlsäule, plur. die -n, von Mahl, die Gränze, eine Gränzsäule. S. 6. Mahl 2. 1) (a).
 
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Der Mahlschatz, des -es, plur. die -schätze, dasjenige Geschenk, es sey nun an Gelde oder Kostbarkeiten, welches zwey Personen bey der Verlobung einander zum Unterpfande ihrer Liebe und Treue einhändigen, der Brautschatz, Nieders. Mahlschatt; von Mahl, so fern es Verbindung und besonders eheliche Verbindung bedeutet. S. 1. Mahl und Schatz. Zuweilen wird auch wohl das Heirathsgut, welches die Frau ihrem Manne bey der Heirath zubringet, der Mahlschatz genannt.
 
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Das Māhlschlóß, des -sses, plur. die -schlösser, eine im Hochdeutschen größten Theils veraltete Benennung eines Vorhängeschlosses, welche nur noch in einigen Gegenden üblich ist. Die erste Hälfte ist hier dunkel. Sie kann von 1. Mahl, die Verbindung, abstammen, oder auch von 5. Mahl, eine Vertiefung, oder endlich auch so fern Mahl überhaupt ein bewegliches Ding bedeutet, ein bewegliches Schloß zu bezeichnen, S. 6. Mahl, Anm. In einem Deutsch Lat. Vocabulario von 1482 wird Malchschloß durch pendula sera und Haltzeischlos erkläret.
 
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Die Mahlstatt, plur. die -stätte, oder die Mahlstätte, plur. die -n, von 2. Mahl, die Versammlung, das Gericht; ein größten Theils veraltetes Wort, welches nur noch in den Gerichten einiger Gegenden üblich ist, den Ort, wo sich ein Gericht versammelt, die Gerichtsbank, die Gerichtsstätte, ingleichen den Ort, wo die peinlichen Urtheile vollzogen werden, den Gerichtsplatz, Richtplatz, die Richtstatt zu bezeichnen. Ehedem bedeutete es jeden zu einer öffentlichen oder feyerlichen Versammlung bestimmten Platz; daher auch die Orte, wo die Reichs- und Landtage gehalten wurden, die bestimmten Musterplätze u. s. f. diesen Nahmen führeten.

[Bd. 3, Sp. 31]


In dem Theuerdanke kommt es auch von dem Schlachtfelde oder Wahlplatze vor. S. 2. Mahl 2.
 
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Der Mahlstein, des -es, plur. die -e, von 6. Mahl, ein Zeichen, die Gränze. 1) Ein zum Denkmahl einer Sache gesetzter Stein; in welcher veralteten Bedeutung es noch in der Deutschen Bibel vorkommt. Zur selben Zeit wird des Herrn Altar mitten in Egyptenlande seyn, und ein Maalstein des Herrn an den Grenzen, Es. 19, 19. 2) Ein mit Figuren und Zeichen versehener Stein; eine gleichfalls veraltete Bedeutung. Ihr sollt keine Säulen aufrichten noch Maalstein setzen, in eurem Lande, 3 Mos. 26, 1; ihr sollt keine Säulen aufrichten und keine Steine mit Bilderschrift in eurem Lande setzen, Michael. 3) Ein Gränzstein, in welcher Bedeutung es noch hin und wieder vorkommt. S. 6. Mahl. 2. 1) (a).
 
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Der Mahlstrom, des -es, plur. die -ströme, ein Strudel in der See, wo sich das Wasser in einem Kreise drehet, unter welchem Nahmen besonders der große Strudel an den Norwegischen Küsten bekannt ist, Norw. Maelstrom. Von mahlen, sich im Kreise drehen, S. 2. Mahlen und 6. Mahl, Anm. In der Seefahrt, besonders bey den Grönlandsfahrern, ist die Mahling oder Maling ein Ort, wo sich das Eis im Kreise drehet.
 
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Der Mahlzahn, des -es, plur. die -zähne, von 2. Mahlen, molere, an einigen Orten, eine Benennung der Stockzähne bey Menschen und Thieren, weil sie zum Zermahlen oder Zermalmen der Speisen dienen.
 
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Das Mahlzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. ein bestimmtes körperliches Zeichen, etwas daraus zu erkennen. Es ist ein Maalzeichen bey dem Stuhl des Herren, daß der Herr streiten wird u. s. f. 2. Mos. 17, 16; wo es für Denkmahl stehet. Man gebraucht es nur noch, fast in eben dem Verstande, in welchem auch Wahrzeichen üblich ist, besonders von dergleichen Zeichen am Leibe. Jemand der eine Narbe von einem Falle hat, trägt davon das Mahlzeichen an seinem Leibe. Im Nieders. wird auch das Ziel und die Scheibe, wornach gezielet wird, das Mahlzeichen genannt. Soll dieses Wort keine Tavtologie enthalten, so muß Mahl in demselben auf die Art und Weise der Verfertigung des Zeichens gehen, wenn es nicht gar aus Wahrzeichen gebildet ist, weil m und w als Buchstaben gleiches Organi sehr oft in einander übergehen, l und r aber noch öfter mit einander abwechseln. Siehe 6. Mahl 2. 1) (a).
 
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Die Mahlzeit, plur. die -en, die umständliche Handlung, wo ein Mensch die zu seiner Nahrung nöthigen Speisen zu sich nimmt. Des Tages Eine, zwey Mahlzeiten halten. Die Mittagsmahlzeit, die Abendmahlzeit. Von der Mahlzeit aufstehen. Jemanden eine Mahlzeit Essen geben. Das Fleisch reichet zu drey Mahlzeiten. Eine gute Mahlzeit thun, stark essen.
   Anm. Im Nieders. und Dän. Maaltid. Es ist statt des ungewöhnlicher gewordenen Mahl, (S. 4. Mahl,) aufgekommen, wird aber doch nur in engerm Verstande von der umständlichen Handlung des Speisens gebraucht. Denn ein bloßes Frühstück nennt man wohl in der anständigern Sprechart ein Mahl oder ein Frühmahl, nicht aber eine Mahlzeit, wenn es nicht aus mehrern Speisen bestehet und die Handlung selbst ordentlich und umständlich vorgenommen wird. Die Ursache liegt in dem Worte Zeit, welches in mehrern Fällen eine feyerliche Handlung bedeutet, z. B. Hochzeit, obgleich Wachter es in dieser Zusammensetzung nicht für Zeit, tempus, hält, sondern es von dem veralteten Schwed. und Isländ. Teite, Freude, Fröhlichkeit, ableitet. Von einer feyerlichen Mahlzeit gebraucht man Gastmahl, Schmaus u. s. f.

 

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