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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
6. Das Mahl bis Mahlerfirniß (Bd. 3, Sp. 23 bis 28)
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Artikelverweis  6. Das Mahl, des -es, plur. die Mähler, in der anständigern Schreibart nach dem Muster der Oberdeutschen die Mahle, die Figur, das Bild eines Dinges, in weiterer Bedeutung, ein Erinnerungszeichen einer Sache, und besonders der Zeit, in welcher ein Ding ist oder geschiehet, und in engerer Bedeutung, ein Flecken, Makel, Fehler.
   1. Das Bild eines Dinges, eine Figur; eine größten Theils veraltete Bedeutung. Die Kinder auf dem Lande pflegen noch mit Stücken Geld, Würfeln, oder andern mit Figuren versehenen Körpern Mahl oder Unmahl zu spielen, wo denn Mahl die mit einer Figur versehene Seite, und wenn mit Münzen gespielet wird, die Bildseite des Münzherren, Unmahl aber die entgegen gesetzte oder leere Seite bedeutet. In dem Straßburgischen Stadtrechte bey dem Schilter bedeutet Mal das Gepräge auf einer Münze. Das Zeichen des Kreuzes, welches man mit den Fingern macht, heißt im Schwed. Mål, und sich damit bezeichnen, måla. Das wichtigste Überbleibsel dieser Bedeutung einer Figur, eines Bildes, ist unser Zeitwort mahlen, pingere, S. dasselbe.
   2. Ein sichtbares Erinnerungszeichen einer Sache.
   1) Eigentlich, wo es ein jedes Zeichen dieser Art bedeuten kann und bedeutet hat, es sey nun geschnitten, gehauen, gestochen, gezeichnet, oder von welcher Art es wolle. Indessen ist es doch in dieser ganzen Bedeutung nur noch in einigen übrig gebliebenen Fällen üblich.
   (a) Überhaupt. Jacob nahm den Stein, den er zu seinen Häupten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Maal, 1 Mos. 28, 18, 22. Jetzt ist in diesem Verstande das zusammen gesetzte Denkmahl üblicher. Siehe das ist der Hause und das ist das Maal, das ich aufgerichtet habe zwischen mir und dir, Kap. 32, 51, 52, das Denkmahl. Und Jacob richtete ein Mahl auf über ihrem Grabe, Kap. 35, 20, ein Grabmahl. Ihr sollt kein Mahl um eines Todten willen an eurem Leibe reissen, 3 Mos. 19, 28. Bey der Trauer über einen Todten sollt ihr euch keine Schnitte geben, und kein buntes Mahl einbrennen, Michael. Wird aber an der Glatze oder da er kahl ist, ein weiß oder röthlich Maal, so ist ihm Aussatz an der Glatze, 3 Mos. 13, 42. f. Zeiget sich aber ein weißes oder röthliches Mahl, Michael. wo aber die folgende Bedeutung eines Fleckens am meisten hervor sticht. Blaue Mähler, Franz. Bleymies, blaue Flecken auf dem Pferdehufe, welche von geronnenem Blute entstehen; dagegen die dürren Mähler ähnliche Flecken sind, welche durch Austrocknung des Hufes verursacht werden. Ähnliche Bedeutungen sind noch in den zusammen gesetzten Brandmahl, das Zeichen auf der Haut von einem Brande, ingleichen ein eingebranntes Zeichen, Wundenmahl, im Oberdeutschen für Narbe, Muttermahl, ein mit auf die Welt gebrachter Flecken, oder ein solches Gewächs auf der Haut, Eisenmahl, Flecken von Eisenrost in der Wäsche, Merkmahl, in der weitesten Bedeutung u. s. f. üblich. Es sey denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmaal, Joh. 20, 21, die Zeichen, Spuren von den Nägeln, welches Wort in der Theologie noch jetzt üblich ist, alsdann aber den Oberdeutschen Plural die Nägelmahle behält. Andere Flecken am Leibe heißen bey Gellerten und in der vertraulichen Sprechart im Plural Mähler.
   Im Forstwesen, dem Mühlenbaue u. s. f. ist das Mahl das in einen Baum gehauene, geschlagene oder gebrannte Zeichen,

[Bd. 3, Sp. 24]


S. Adelung Mahlbaum und andere der folgenden Zusammensetzungen. In verschiedenen ländlichen Spielen ist das Mahl so wohl das Zeichen des Ruhe- oder Standortes, ingleichen des Zieles, als auch dieser Ort und das Ziel selbst, daher Opitz Mahl für Ziel überhaupt gebraucht:
   In Summa allen ist sein Mahl und Ziel bestimmt. Auch die Gränzzeichen, sie seyen nun von welcher Art sie wollen, und die Gränzen selbst, werden im gemeinen Leben häufig Mähler und im Oberd. Mahle genannt, S. viele der folgenden Zusammensetzungen. Auf den Flüssen einiger Länder werden die Zeichen, womit die gefährlichen Örter in einem Flusse angezeiget werden, Mahle oder Mähler genannt; ist es ein Bündel Stroh an einem eingeschlagenen Pfahle, so heißt es ein Strohmahl, ist es aber ein Pfahl ohne Stroh, ein Bloßmahl.
   (b) In engerer Bedeutung, eine fehlerhafte Stelle von andrer Farbe, ein Flecken, Makel. Im Oberdeutschen werden, wenigstens in manchen Gegenden, alle Flecken dieser Art Mahle und Mähler genannt. Ein Obstmahl, Blutmahl, Weinmahl, ein Flecken von Obst, Blut, oder Wein. Ein Mahl aus der Wäsche machen, einen Flecken. Wo es ehedem auch Mail und Meil lautete, und einen jeden Schmutzflecken bedeutete. Das Latein. Macula und Deutsche Makel ist genau damit verwandt, indem sich der Gaumenlaut auch in den alten Oberdeutschen Zeitwörtern mailigen, bemailigen, vermeiligen, vermalgen, beflecken, besudeln und beschmutzen, befindet. Sich mit Schande bemeiligen, Matthes. Im Ital. lautet es in dieser Bedeutung Macchia, im Engl. Mole, im Holländ. Mael. Das Griech. μελας, schwarz, scheinet damit verwandt zu seyn. S. Adelung Mehlthau, Molch, Maser. Figürlich bedeutete es ehedem auch einen Fehler. Ane Mal und ane Scharten, sagt Stryker von einem Schwerte. Ganz gesundt an alle Meyl, Theuerd. Kap. 34. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung veraltet, denn ob man gleich Flecken im Gesichte noch zuweilen Mähler nennt, so geschiehet solches doch nur in der vorigen allgemeinern Bedeutung ohne den Nebenbegriff des Fehlerhaften oder Schändlichen.
   2) Figürlich, die Zeit, wie oft eine Sache ist oder geschiehet, daher es nur allein mit Zahlwörtern oder doch ihren ähnlichen Bey- und Fürwörtern gebraucht wird. Es scheinet hier zunächst das geschnittene oder gemachte Zeichen dieser Art bedeutet zu haben, bis es nach einer gewöhnlichen Figur von der Wiederhohlung selbst gebraucht worden. Es wird alsdann mit seinen Bestimmungswörtern bald zusammen gesetzt, bald aber auch nicht, je nachdem die in der Sprachlehre angegebenen Regeln der Zusammensetzung es erfordern oder verbiethen. Verhalten sich die Bestimmungswörter des Wortes Mahl, so wie sich jedes andere Adjectiv zu seinem Substantiv verhält, so ist die Zusammenziehungen unerlaubt. Dieses Mahl oder dieß Mahl, kein Mahl, jedes Mahl, das erste Mahl, das letzte Mahl; so wie man schreibt, dieses Haus, dieß Jahr, jeder Mensch u. s. f. So auch mit Hauptzahlen: Ein Mahl, zwey Mahl, drey Mahl, hundert Mahl; nur daß Mahl mit bestimmten Zahlwörtern, wie Pfund, Loth, und so viele andere welche eine Zahl, Maß und Gewicht bedeuten, im Plural sein e verlieret: sechs Mahl, nicht sechs Mahle. Im Dative hingegen wird es ordentlich declinirt: Er gab es mir zu vier Mahlen. Ist hingegen die Bedeutung elliptisch oder figürlich: es ist nun einmahl nicht anders, es wird schon einmahl geschehen, oder ist ein gemeinschaftlicher Ableitungslaut vorhanden, wie in den Adverbien jemahls, vormahls, nachmahls, nochmahls, niemahls, mehrmahls, damahls, und in den Adjectiven zweymahlig, dreymahlig, mehrmahlig, so ist die Zusammenziehung nicht allein erlaubt, sondern auch nothwendig. Von allemahl ist bereits an seinem Orte gehandelt worden.

[Bd. 3, Sp. 25]



   Ein Fehler ist es, wenn manche statt des s ein en anhängen, damahlen, niemahlen, jemahlen u. s. f. für damahls, niemahls und jemahls. Eben so fehlerhaft sind allzu harte Zusammenziehungen und Ausdrücke dieser Art, wie genugmahl oder genugmahls, für oft genug, manchmahl für manches Mahl.
   Die meisten zusammen gezogenen Nebenwörter dieser Art lassen sich vermittelst der Sylbe ig in Beywörter verwandeln, da denn die auf mahls das s wieder hinweg werfen. Sein zweymahliger, dreymahliger, oftmahliger Besuch. Dein mehrmahliger Antrag. Ihr vormahliges Betragen. Mein nachmahliger Zustand. Allemahl, keinmahl, niemahls, jemahls, dießmahl und manchmahl leiden solches nicht.
   Obgleich Mel schon bey dem Ulphilas die Zeit überhaupt, und Mål und Mal im Schwed. und Isländ. eine bestimmte Zeit bedeuten, so ist es doch als ein Zahlwort der Zeit, wie oft eine Sache ist oder geschiehet, im Deutschen neuern Ursprunges. Die Alten hatten dafür andere Wörter. Ottfried gebraucht dafür Stunt, Vuarba und Sinthe, welches letztere eigentlich den Weg bedeutet; trizzug stunton, dreyßig Mahl, thria stunta zuene, drey Mahl zwey, thia uuarba und thes sinthes, dieß Mahl. In eben diesem Verstande kommt Sintha bey dem Ulphilas und Sinthe im Angels. vor, so wie die Niedersachsen und Holländer auf ähnliche Art das Wort Reise gebrauchen, twe Reise, zwey Mahl. Warf ist im Nieders. so wie im Schwed. Hwarf, auch noch üblich; noch warf, nochmahls, dat ander warf, das andere Mahl, wohin auch das veraltete Neiders. werle, jewerle, jemahls, unwerle, newerle, niemahls, u. s. f. zu gehören scheinet. Auch Fahrt wurde ehedem im Hochdeutschen so gebraucht; zu dieser Fahrt, dieß Mahl, einfahrt, allefahrt, ein Mahl, alle Mahl, zu keiner Fahrt, Theuerd. niemahls. Es kann daher seyn, daß in dieser Bedeutung des Wortes Mahl auf ähnliche Art der Begriff der Bewegung der herrschende ist; es kann aber auch seyn, daß es zunächst das Zeichen ausdruckt, womit man die mehrmahlige Wiederhohlung zu bezeichnen pflegt. Merkwürdig ist indessen, daß im Schwed. Mål auch einen Fall bedeutet; Twiswelsmål, ein zweifelhafter Fall, Samwetsmål, ein Gewissensfall, Brottmål, ein strafbarer Fall. M und f sind Buchstaben eines und eben desselben Organi, welche sehr oft mit einander verwechselt werden. S. die folgende Anmerkung.
   Anm. Auch im Schwed. ist Mål, und im Angels. Mael, ein jedes Zeichen, und in engerer Bedeutung ein Ziel. Mahl scheinet überhaupt zunächst ein geschnittenes, oder auf andere Art gemachtes vertieftes oder erhabenes Zeichen zu bezeichnen, da es denn nicht nur zu 5. Mahl mit dem Begriffe der Vertiefung und Erhöhung gehören, sondern auch mit demselben von mähen, schneiden, stoßen u. s. f. abstammen würde. Vermittelst der Ableitungssylbe el, ein Ding, bedeutet Mahel und zusammen gezogen Mahl, ein geschnittenes oder auf ähnliche Art gemachtes Ding. Da mähen in manchen Mundarten auch meiden, mähden lautet, Lat. metere, so erhellet daraus zugleich die Verwandtschaft mit dem Lat. Meta, ein Ziel.
   Wenn man alle dem Anscheine nach verschiedenen Wörter, welche Mahl lauten, genau untersucht, so wird man finden, daß sich die meisten auf einen gemeinschaftlichen Stammbegriff zurück führen lassen, welcher der Begriff der Bewegung ist, daher man machen und mähen, so fern sie überhaupt ehedem bewegen bedeutet haben, als die Quelle derselben ansehen kann. S. das Zeitwort 2. Mahlen, molere, wo dieser Begriff der Bewegung noch mehr hervorsticht.
   Gottsched, welcher die gleichlautenden Wörter so gern durch die Schreibart zu unterscheiden suchte, und daher die Regel gab, daß man die gleichlautenden Wörter von verschiedener Abstammung

[Bd. 3, Sp. 26]


auch im Schreiben unterscheiden müsse, schrieb Mahl, convivium, -mal, bey den Zahlwörtern, und Maal, signum, so wie er malen, pingere, und mahlen, molere, geschrieben haben wollte. Allein, er sündigte dabey wider seine eigene Regel, indem Maal, signum, und malen, pingere, unstreitig von Einem Stamme sind, zu welchem auch sehr wahrscheinlich sein -mal an den Zeitwörtern gehöret; welche also seiner eigenen Regel nach auch auf einerley Art geschrieben werden müßten. Über dieß erschöpfen seine drey Schreibarten, wenn sie auch richtig wären, die Zahl dieser Wörter nicht, daher sie unzulänglich sind. Man thut also besser, man folget der allgemeinen und weit sicherern Regel, nach welcher das l nach einem gedehnten Selbstlaute ein h vor sich hat, zumahl da in den meisten dieser Wörter das h wirklich zum Stamme gehöret, indem die meisten dieser Art von mähen, sich bewegen, abstammen. S. 2. Mahlen, Anmerk. Übrigens spricht man ja alle diese Wörter auf einerley Art aus, ohne eine Mißdeutung zu besorgen, warum sollte man sie nicht auch auf einerley Art schreiben können? Gottsched kannte nur die wenigsten gleichlautenden Wörter; hätte er sie alle gekannt, so würde ihn schon dieß von der Unmöglichkeit seiner Regel haben überführen können. (S. zum Beyspiel Katze.) Noch verwerflicher aber ward sie bey ihm, da sie in der Anwendung sich immer auf offenbar falsche Ableitungen gründete.
 
Artikelverweis 
Die Mahlaxt, plur. die -äxte, im Forstwesen, eine kleine Art oder ein Beil, auf dessen der Schneide entgegen gesetzten Seite ein Zeichen eingegraben ist, womit die Förster bey der Anweisung der Bäume im Walde diejenigen Bäume mahlen oder zeichnen, welche gefället werden sollen; die Mahlbarte, das Mahleisen, und wenn es ein bloßer Hammer ist, der Mahlhammer, Forsthammer, Waldhammer. S. 6. Mahl 2.
 
Artikelverweis 
Der Mahlbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Baum, so fern er das Mahl oder Zeichen einer gewissen Sache ist; ingleichen ein mit einem Mahle oder Zeichen versehener Baum. So werden die Mark- oder Gränzbäume, welche in andern Gegenden Lachbäume heißen, auch häufig Mahlbäume genannt. In den Wassermühlen führet der Fach- oder Wehrbaum gleichfalls den Nahmen des Mahlbaumes, weil er das unveränderliche Ziel und Zeichen der bestimmten Wasserhöhe ist.
 
Artikelverweis 
Das Mahleisen, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adelung Mahlaxt.
 
Artikelverweis 
1. Mahlen, verb. reg. act. von 6. Mahl, die Figur, das Bild, das Zeichen, der Flecken.
   1. So fern das Hauptwort die Figur, das sichtbare Bild eines Dinges bedeutet, ist mahlen, 1) überhaupt, abbilden, die Gestalt eines Dinges durch sichtbare Züge nachahmen und vorstellen; in welcher allgemeinen Bedeutung es doch nur noch zuweilen im gemeinen Leben vorkommt, da es denn Zeichnen, Reißen, Tuschen u. s. f. in sich schließet. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist mahlen mit Farben abbilden, oder nachahmen, besonders mit Beobachtung des Lichtes und Schattens; zum Unterschiede von zeichnen, reißen, tuschen, illuminiren u. s. f. Ein Bild, ein Porträt, eine Landschaft, ein Blumenstück mahlen. Auf Glas, auf Kupfer, auf Leinwand, auf Papier mahlen. In Wasser, in Öhl, in Fresco, in Wachs, in Pastell, in Email mahlen, für mit. Wenn mahlen absolute stehet, so bedeutet es die Farben mischen, sie verschmelzen und nach den Regeln der Kunst auftragen. Eine gemahlte Stube, deren Wände bemahlt sind. Zuweilen kommt es auch für anstreichen vor. Und lässet ihm die Fenster mit Cedern täfeln und roth mahlen, Jer. 22, 14. Sich das Gesicht mahlen oder bemahlen, ihm einen rothen oder weißen Anstrich geben; ein gemahltes Gesicht. Allein, alsdann gehöret es eigentlich zur folgenden Bedeutung, mit einer Oberfläche von anderer Farbe versehen. Figürlich. Einem etwas

[Bd. 3, Sp. 27]


vor Augen mahlen, es ihm so lebhaft vorstellen, daß er die Sache gleichsam zu sehen glaube; wofür auch schildern üblicher ist.
   2. Von Mahl, ein sichtbares Erinnerungszeichen. 1) * Überhaupt für zeichnen, mit einem Zeichen versehen, bey dem Ottfried malon; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Die Münzen mahlen und bilden, Tschudi, für prägen. In einigen Gegenden wird in der Ernte noch der Zehente gemahlet, d. i. ausgezeichnet, wofür auch ausmahlen üblich ist, da denn die dazu verpflichtete Person der Zehentmahler genannt wird. Im Hochdeutschen ist es in dem zusammen gesetzten brandmahlen am üblichsten. 2) * So fern Mahl einen fehlerhaften Flecken bedeutet, war mahlen und bemahlen ehedem flecken, beflecken, beschmutzen, in welchem Verstande es im Hochdeutschen aber gleichfalls veraltet ist. S. 6. Mahl 2. 1) (b).
   Das Hauptwort die Mahlung ist nur in einigen Zusammensetzungen üblich.
   Anm. Im Schwed. måla, im Dän. male, im Böhm. malowati, im Pohln. malowac, alle für pingere. Bey dem Ulphilas ist meljan schreiben, weil die erste Art des Schreibens doch nur eine Zeichnung verschiedener Figuren war. Auf ähnliche Art ist rita im Schwed. und to write im Engl. schreiben, von unserm reißen, Nieders. rite, so wie unser schreiben durch den vorgesetzten Zischlaut von reiben gebildet worden. Im Angels. heißt mahlen metan, nicht von messen, Nieders. meten, sondern allem Ansehen nach von mähen, ehedem meiden, schneiden, Lat. metere, zu dessen Stamme mahlen und das Hauptwort Mahl in dieser Bedeutung gleichfalls gehören.
 
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2. Mahlen, verb. reg. act. außer daß es im Mittelworte gemahlen für gemahlet hat. 1. * Eigentlich, sich hin und her bewegen, besonders sich im Kreise bewegen; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher man nur noch in Niedersachsen sagt, das mahlet mir im Kopfe herum, das gehet mir im Kopfe herum. S. Adelung Mahlstrom, welches diese Bedeutung der kreisförmigen Bewegungen noch am deutlichsten erhalten hat. 2. In engerer Bedeutung, durch hin und her bewegen zerreiben. 1) * Überhaupt; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher das von diesem Worte herstammende Intensivum zermalmen üblicher ist. Doch sagt man noch zuweilen gemahlenes Gold, gepülverte, zerriebene Goldblätter zu bezeichnen. 2) In engerer und gewöhnlicher Bedeutung, zwischen zwey Steinen zermalmen oder zu Mehl machen, besonders so fern selbiges in besondern Maschinen oder Mühlen vermittelst des obern beweglichen Steines geschiehet. Zwey harte Steine mahlen selten rein, durum durum destruit. Wo es denn auch von Personen gebraucht wird, welch zumahl bey Handmühlen die Maschine bewegen. Simson mußte mahlen im Gefängnisse, Richt. 16, 21. Man mahlet es, daß es Brod werde, Es. 28, 28. Nimm die Mühle und mahle Mehl, Kap. 47, 2. Als auch von dem Müller, oder derjenigen Person, welche die Aufsicht über die Mühle führet. Der Müller mahlet heute nicht. Als endlich auch von derjenigen Person, welcher das Getreide gehöret, für mahlen lassen. Wir wollen heute mahlen. Sprichw. Wer eher kommt mahlet eher, dessen Getreide wird zuerst gemahlen. Der Sand mahlet, oder die Räder mahlen, wenn der Sand über die Felgen der Räder gehet, und die Speichen ihn im Herumdrehen abwerfen. Auch mahlet man den Schlamm aus den Gräben und Deichen, wenn man ihn vermittelst eines Mühlwerkes heraus zu schaffen sucht. S. Modermühle.
   Auch von diesem Worte ist statt des Hauptwortes die Mahlung, der Infinitiv das Mahlen üblich.
   Anm. Ehedem ging dieses Zeitwort irregulär. Ja noch jetzt sagt man im gemeinen Leben einiger Gegenden, du mählst, er

[Bd. 3, Sp. 28]


mählt, und im Imperf. ich muhl. Ja in manchen, selbst Obersächsischen Gegenden, lautet sogar das ganze Zeitwort mühlen. Von dieser irregulären Form ist nicht nur das Mittelwort gemahlen für gemahlet noch ein Überrest, sondern es zeugen davon auch die Ableitungen Mühle, Müller, Mehl, Mulm, Malz u. s. f.
   Notker gebraucht mulon und fermulon noch in der weitern Bedeutung für zermalmen. In dem heutigen engern Verstande lautet es im Schwed. mala, bey dem Ulphilas malan, im Wallis. malu, im Dän. male, im Engl. to mill, im Lat. molere, im Griech. μυλλειν, im Französ. mouldre, moudre, im Böhm. mlyti, im Pohln. miete, mete, ich mahle. Schon im Hebr. ist 05d805dc zerrieben. Zu der Verwandtschaft dieses Wortes gehören außer unserm Mehl, zermalmen, Malz, milde u. s. f. das Nieders. mullen, zerreiben, Mull, Mulm, Staub, lockere Erde, zerriebener Graus, das Lat. mollis und demoliri u. a. m. Es ist ein Iterativum von mähen, hin und her bewegen, Lat. movere, wovon vermittelst der Endung -len, mähelen, und zusammen gezogen mählen, mahlen, oft hin und her bewegen, gebildet worden; woraus zugleich die Verwandtschaft mit mahlen, pingere, erhellet.
 
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Der Mahler, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Mahlerinn, von 1. Mahlen, pingere, eine Person, welche die Kunst zu mahlen verstehet, ein Künstler, welcher die Gegenstände mit Farben abbildet oder nachahmet; zum Unterschiede von einem Zeichner, Illuminirer u. s. f. Daher der Porträt- oder Personenmahler, Briefmahler, Kartenmahler, Blumenmahler, Tapetenmahler, Fresco-Mahler, Miniaturmahler, Thiermahler, Geschichtmahler u. s. f.
   Dän. Maler, Böhm. Maljr. In weiterer Bedeutung von mahlen, zeichnen, kommt es nur in Zehentmahler vor, siehe 1. Mahlen. Von mahlen, molere, ist Müller üblich.
 
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Die Māhler-Akademīe, plur. die -n, eine Akademie, in welcher alles, was zur Kunst des Mahlers gehöret, gelehret wird.
 
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Die Mahlerey, plur. die -en. 1) Die Kunst des Mahlers, die Abbildung der Gegenstände mit Farben; ohne Plural. Die Mahlerey erlernen, verstehen. In der anständigen Sprechart sagt man doch wohl lieber die Mahlerkunst. 2) Die Art und Weise zu mahlen; auch ohne Plural. Eine schöne, eine schlechte Mahlerey. 3) Ein Gemählde; wo es doch am häufigsten nur im Plural gebraucht wird.
 
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Die Mahlerfarbe, plur. die -n, färbende Körper, wie die Mahler selbige gebrauchen, zum Unterschiede von den Färberfarben.
 
Artikelverweis 
Der Mahlerfirniß, des -sses, plur. doch nur von mehrern Arten, die -sse, Firniß, so wie ihn die Mahler gebrauchen.

 

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