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Mahd bis 4. Das Mahl (Bd. 3, Sp. 19 bis 22)
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Artikelverweis Die Mahd, plur. die -en, ein in der Landwirthschaft von dem Zeitworte mähen übliches Wort. 1) Das Mähen, ohne Plural; in welchem Verstande es doch am seltensten vorkommt. 2) Das in einer Reihe liegende abgemähete Gras, welches bey dem Getreide ein Schwad oder Schwaden, und in einigen Gegenden auch ein Jahn oder John genannt wird. Mahden schlagen, das Gras zu Mahden schlagen, es abmähen, wobey es zugleich in solche Reihen fällt. Die Mahden zerstreuen, sie aus einander reißen. 3) In einigen Gegenden auch eine Wiese, deren Gras zum Abmähen bestimmt ist, eine Hägewiese. Drey Tagewerk zweymähdige, und funfzehen Tagewerk einmähdige Mahd; wo es in manchen Gegenden im Plural auch wohl Mähder lautet. Die Mannesmahd, so viel als ein Mann in einem Tage abmähen kann.
 
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Der Mähder, des -s, plur. ut nom. sing. ein in der Landwirthschaft für Mäher übliches Wort, welches letztere noch in einigen Oberdeutschen Gegenden gehöret wird, eine Person, welche das Getreide oder Gras abmähet, welche, wo das Getreide geschnitten und nicht gemähet wird, ein Schnitter heißt. In den Florentinischen Glossen ist Madare ein Heumäher. Siehe Mähen, Anm.
 
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Die Mähderēy, plur. die -en, ein nur in einigen Gegenden übliches Wort, die Gesellschaft der Mähder eines Dorfes, alle Mähder in einem Dorfe als ein Ganzes betrachtet, zu bezeichnen, worunter alsdann diejenigen Tagelöhner verstanden werden, welche das ausschließende Recht haben, den Bauern im Dorfe das Getreide oder Gras gegen den gehörigen Lohn abmähen zu dürfen, dagegen sie verbunden sind, dem Herren des Dorfes gegen einen geringern Lohn zu mähen. Mit in der Mähderey seyn, in dieser Gesellschaft der Mähder.
 
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Mähdig, adj. et adv. gleichfalls von dem folgenden Zeitworte mähen für mähig. Es wird nur in der Zusammensetzung mit einigen Zahlwörtern gebraucht. Einmähdige, zweymähdige, dreymähdige Wiesen, welche des Jahres ein, zwey, drey Mahl gemähet werden können, wofür in andern Gegenden einhauig, einschürig u. s. f. üblich ist.

[Bd. 3, Sp. 20]



 
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Mähen, verb. reg. act. welches 1) * ehedem überhaupt schneiden, raufen, werfen u. s. f. bedeutete, wovon die Wörter Messer, metzeln, und mit voran gesetztem Zischlaute schmeißen, schmieden, Schmid u. s. f. noch Überreste sind. Hornegk nennt daher einen Wallach oder ein verschnittenes Pferd einen Maider, und in dem 1483 gedruckten Buche der Natur heißt es: ein Maden oder Kapaun ist ein Man, der seines gezeugs nit hat, welcher in einer andern Stelle Maget genannt wird. Eben daselbst kommt auch das Zeitwort meiden für verschneiden, castriren vor. Schon in dem Salischen Gesetze ist Porcus maialis ein verschnittenes Schwein. Wir gebrauchen es nur noch 2) in engerer Bedeutung in der Landwirthschaft, das Abhauen der Feldfrüchte und des Grases mit der Sense zu bezeichnen, welches, wenn es mit der Sichel geschiehet, schneiden genannt wird. Korn, Gerste, Hafer, Gras mähen. Die Wiese mähen, das Gras auf derselben abmähen. In Meißen ist dafür auch das Wort hauen üblich.
   Das Hauptwort die Mähung ist nicht eingeführet; man bedienet sich dafür des Infinitivs das Mähen.
   Anm. In der zweyten engern Bedeutung im Nieders. meyen, im Dän. meye, im Schwed. mäja, im Isländ. maa, im Griech. αμααν, απαμαν, abmähen, wo auch αμ die Sichel, und αμτος die Ernte ist. Ehedem hatte dieses Wort statt des h ein d oder t, wie das alte meiden, das Gothische maitan, das Isländ. meida, das Wallis. medi, das mittlere Latein. madere und das Latein. metere, alle in der Bedeutung des Mähens, welches sich auch in unsern Mahd, Mähder und Mähdig erhalten hat. In unserm Messer und dem Latein. Messis gehet es in den Zischlaut über, so wie der Hauch in dem Angels. mawan und Engl. to mow, mähen, in den Blaselaut übergegangen ist. Im Schwedischen ist rupfen, raufen. Daß dieses Wort eigentlich die mit dem Hauen, Werfen, Schlagen u. s. f. verbundene Bewegung ausdruckt, erhellet theils aus dem Latein. movere, bewegen, (im Angels. ist mawan mähen) theils aus dem Dänischen, wo Meyere eine Art Insecten ohne Flügel ist, Phalangium Opilio L. welche diesen Nahmen um deßwillen hat, weil sich die Füße, wenn sie von dem Körper abgerissen worden, lange Zeit hin und her bewegen. S. auch Machen, Anm. 2. Mahlen, molere.
 
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Der Mäher, S. Adelung Mähder.
 
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Das Mähfêld, des -es, plur. die -er. 1) Auf dem Schwarzwalde, Felder welche abgeschwendet werden, d. i. welche durch Verbrennung des darauf gewachsenen Holzes urbar gemacht werden; vermuthlich von mähen, hauen, weil das darauf befindliche Holz vorher niedergehauen werden muß. 2) Im Niedersächsischen ist das Mähfeld der mit Gras bewachsene Grund eines Deiches, weil dasselbe abgemähet werden kann.
 
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1. * Das Mahl, des -es, plur. die -e, ein Wort, welches ehedem eine jede Verbindung, eine Vereinigung, einen Vertrag bedeutete, in engerer Bedeutung aber ein eheliches Verlöbniß und dessen Vollziehung. Angels. Mala, Isländ. Maele, Schwed. Mål. Es ist in dieser Bedeutung veraltet, hat aber noch die Zusammensetzungen Gemahl, Mahlschatz und Vermählen zurück gelassen, S. diese Wörter. Schilter leitet dieses Mahl von Mahl, eine Zusammenkunft, Ihre aber von dem folgenden Mahl, die Sprache, Rede, ein mündlicher Vertrag her. Allein bey dem Worte Gemahl ist schon gezeiget worden, daß es von machen abstamme, so fern es ehedem in engerer Bedeutung verbinden bedeutete, welches durch den starken Hauchlaut, welcher in Gemächt für Gemahl und gemächeln, vermächeln für vermählen, ehedem üblich war, bestätiget wird.
 
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2. * Das Mahl, des -es, plur. die -e, ein im Hochdeutschen völlig veraltetes Wort, welches ehedem den Schall, die Stimme, den Ton bedeutete, und vornehmlich in einem doppelten Verstande

[Bd. 3, Sp. 21]


vorkommt. 1) Die Sprache, wie noch das Schwed. Male und Isländ. Mal. Daher ist im Schwed. måla sprechen, im Isländ. maela, maelga. Das hohe Alter dieses Wortes erhellet aus der letzten Hälfte des Latein. promulgare, aus dem Griech. μελος, ein lieblicher Gesang, ὁμελειν, predigen, und dem Hebr. 05de05dc05dc, sprechen, reden. Allem Ansehen nach ist es eine sinnliche Nachahmung des Schalles selbst, da es denn, wenn man die gewöhnliche Verwechselung der Lippenbuchstaben mit in Anschlag bringt, zu bellen gehören würde. Diejenigen, welche es mit Wachtern von dem folgenden Mahl, ein Zeichen, ableiten, weil die Sprache und Worte Zeichen der Gedanken sind, trauen unsern rohen Vorfahren, denen wir die Sprache zu danken haben, zu viel Abstraction zu. Wir haben von dieser veralteten Bedeutung noch das Zeitwort melden, S. dasselbe. So fern dieses Wort ehedem Geräusch überhaupt bedeutet hat, kann auch das noch Nieders. mall, wild, unbesonnen, mallen, ausgelassen seyn, wild in den Tag hinein leben, und sein Geld vermallen, liederlich durchbringen, hierher gehören. 2) Eine Versammlung, besonders eine öffentliche Versammlung des Volkes, ingleichen eine gerichtliche Versammlung; eine ehedem sehr übliche Bedeutung, in welcher im mittlern Lateine Mallus und Mallum, mit vielen Ableitungen vorkommen. In Thüringen wird das Feldgericht noch jetzt das Hägemahl, d. i. das gehägte Mahl oder Gericht, genannt. Daher war ehedem die Mahlstätte, oder der Mahlplatz, derjenige Platz, auf welchem sich das Volk, oder auch nur die Gerichtspersonen mit den Parteyen versammelten, der, wenn es ein Berg war, der Mahlberg genannt wurde. Bey dem Raban Maurus ist Mahal der Gerichtshof. Um Bremen ist die Möllenvogtey und das Möllenamt bekannt, welche von diesem Mahl, das Gericht, ihren Nahmen haben, und im Hochdeutschen in Mühlenamt und Mühlenvogtey verderbt werden, als wenn sie von dem Worte Mühle abstammeten. Ja eine jede Feyerlichkeit wurde ehedem Mal genannt, weil sie gemeiniglich mit einer Versammlung mehrerer Menschen verbunden ist.
   Man hat von Mahl in dieser zweyten Bedeutung mehrere Ableitungen. Einige leiten es von Mahl, Mahlzeit, ab, weil die Alten ihre Versammlungen gern mit einem Schmause beschlossen, die meisten aber von dem folgenden Mahl, ein Zeichen, da sie es denn zunächst von dem Versammlungsorte verstehen, und es durch einen bezeichneten und zur Versammlung bestimmten Ort erklären. Mit mehrerer Wahrscheinlichkeit rechnet man es zu Mahl, Sprache, und zwar entweder so fern damit zunächst auf den in allen solchen Versammlungen nöthigen mündlichen Vortrag gesehen wird, auf welche Art noch jetzt in Niedersachsen verschiedene Arten öffentlicher Versammlungen die Sprache, in Frankreich der höchste Gerichtshof, und in England die Versammlung der Abgeordneten der Reichs- und Landstände das Parlament, von parler, sprechen, genannt werden; oder auch so fern überhaupt das mit der Versammlung mehrerer verbundene Geräusch dadurch ausgedruckt wird. S. Adelung Mahlstatt.
 
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3. * Das Mahl, des -es, plur. die -e, ein gleichfalls veraltetes Wort, welches ehedem Steuer, Geschoß, Abgabe bedeutete. In einer Urkunde Kaiser Otto I vom Jahr 985 heißt es bey dem Schilter: omnem justitiam ac censum, qui Saxonice Mal vocatur. In einer alten Bremischen Urkunde in dem Bremisch-Nieders. Wörterbuche kommt das jetzt veraltete Malscoldt (vielleicht Malscodt) von einer jetzt unbekannten Art der Steuer vor. Im Schwed. ist Måla gleichfalls so wohl eine Abgabe, eine Steuer, als auch eine freywillige Gabe, Isländ. Mala, Schottl. Mail, Angels. Male, welches letztere auch den Zoll bedeutet. Es ist ungewiß, welches hier die erste und eigentliche Bedeutung ist; indessen leitet Ihre das Latein. Miles von diesem Worte her,

[Bd. 3, Sp. 22]


welches alsdann eigentlich einen Söldner oder Soldaten bedeuten würde. Mit eben dem Rechte würde sich auch das Lat. Multa, eine Geldstrafe, dahin rechnen lassen.
 
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4. Das Mahl, des -es, plur. die Mähler, im Oberdeutschen und in der höhern Schreibart der Hochdeutschen die Mahle, die Handlung da man Speise zu sich nimmt, mit Inbegriff der Speisen selbst. So wohl von feyerlichen Handlungen dieser Art. Und Abraham machte ein groß Mahl am Tage, da Isaac entwöhnet ward, 1 Mos. 21, 8. Salomo machte ein groß Mahl allen seinen Knechten, 1 Kön. 3, 15. Da nun der König und Haman zu dem Mahl kamen, das Esther zugerichtet hatte, Esth. 5, 5. Als auch von dem gewöhnlichen Genusse der Speise. Jesus sprach zu seinen Jüngern: kommt und haltet das Mahl, Joh. 21, 12. Loth machte den zwey Engeln ein Mahl und buch ungesäuerte Kuchen, 1 Mos. 19, 3. In beyden Fällen ist es in dem gemeinen Sprachgebrauche veraltet, indem von vollständigen Handlungen dieser Art das zusammen gesetzte Mahlzeit üblicher geworden, S. dasselbe. Doch gebraucht man das einfache Wort noch zuweilen in der höhern Schreibart. Mit Entzücken und mit Freudenthränen genoß er da sein Mahl, Geßn. Auch ist es noch in vielen Zusammensetzungen üblich, das Mittagsmahl, das Nachtmahl, Abendmahl, das Frühmahl, in der anständigern Sprechart für Frühstück, das Gastmahl, Hochzeitmahl, Ehrenmahl, Freudenmahl, Trauermahl, Opfermahl, Henkermahl, u. s. f. wovon doch viele auch nur noch in der anständigern Schreibart vorkommen.
   Anm. Im Schwed. Mål, im Angels. Maele, im Engl. Meal, im Holländ. Mael. Im Lettischen ist Malkas und Malks, und im Finnischen Malja, ein Trinkgelag zu Ehren eines andern. Wachter leitet dieses Mahl von Mahl, Versammlung, ingleichen von den dabey üblichen Gesprächen her, andere von dem folgenden Mahl, eine Zeit, eine bestimmte Zeit, als wenn dadurch vornehmlich auf die Zeit, zu welcher man speiset, gesehen würde; welche Ableitung dadurch wahrscheinlich wird, daß auch Zeit in ähnlichem Verstande vorkommt, S. Adelung Mahlzeit. Allein, alsdann wäre dieses letzte Wort eine Tavtologie. Über dieß hat man Spuren, daß Mahl ehedem eine jede Speise, ein eßbares Ding, und mahlen essen bedeutet hat. Bey den Lappländern ist Males eine jede Art der Speise, und bey den Ungarn ist Male eine Art süßer Kuchen. Alsdann würde dieses Mahl zu dem Geschlechte des Wortes 2. Mahlen, molere, gehören, so daß damit zunächst auf die Zermalmung der Speisen gesehen würde.

 

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