Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Mächtig bis Mackänte (Bd. 3, Sp. 9 bis 11)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Mächtig, -er, -ste, adj. et adv. Macht habend.
   1. Groß; von einer längst veralteten Bedeutung des Wortes Macht. 1) Eigentlich, von der körperlichen Ausdehnung; ein nur noch im gemeinen Leben übliches Wort, welches in dieser Bedeutung mit dem veralteten michel, und dem verwandten Griech. μεγας überein kommt. Sie sunken unter wie Bley im mächtigen Wasser, 2 Mos. 15, 10. Ein mächtiger Berg. Vorzüglich ist es in diesem Verstande noch im Bergbaue üblich, wo es, wenn es von Gängen gebraucht wird, so viel als breit, von Flötzen oder horizontalen Erd- und Steinlagen aber so viel als dick bedeutet. Der Gang ist zwey Lachter mächtig, d. i. breit. Das Sandflötz ist hier vier Lachter mächtig, d. i. dick. Ein zwey Zoll mächtiges Schieferflötz. Daher die Mächtigkeit, bey Gängen, ihre Breite, bey Flötzen aber, ihre Dicke. 2) Figürlich, wo es noch im gemeinen Leben häufig gebraucht wird, so wohl eine große Menge, als auch intensive einen großen Grad der innern Stärke zu bezeichnen, für viel und sehr, wo es gemeiniglich als ein Nebenwort andern Beywörtern vorgesetzet wird. Ein mächtig großes Haus. Mächtig viel Geld. Mächtig schön. Mächtig reich seyn. Er bildet sich mächtig viel ein. Die mächtig große Höhe, Sir. 43, 1. In dieser Bedeutung ist es schon alt. Mahtigen wol, heißt es schon bey dem Willeram für sehr wohl. Auch das Lat. valde ist auf ähnliche Art von valere, mögen, vermögen, gebildet. Zuweilen auch als ein Beywort für sich allein. Ein mächtiges Haus. Aber Amyntas sahe den mächtigen Segen in seiner Herde, Geßn. Eine mächtige (zahlreiche) Menge Volkes, 1 Macc. 5, 30. Ein mächtiges Heer, ein zahlreiches, Ezech. 38, 15. In welcher Bedeutung der Anzahl es zugleich mit Menge verwandt ist, S. 2. Macht 1. 2) (b).
   2. Kraft, Vermögen habend, etwas zur Wirklichkeit zu bringen. 1) Physisches oder natürliches Vermögen habend; eine größten Theils veraltete Bedeutung. Der Löwe ist mächtig unter

[Bd. 3, Sp. 10]


den Thieren, Sprichw. 30, 30. Das Feuer war mächtig im Wasser über seine Kraft, Weish. 19, 19. Ehedem sagte man, eine mächtige Arzeney, für sehr kräftige, sehr wirksame. Zuweilen kommt es noch figürlich für sehr wirksam, sehr kräftig vor. Ein mächtiger Einwurf. Ihr feuriger Blick schießt mächtige Strahlen umher, Zachar. 2) Viele äußere Hülfsmittel habend, seine Absichten zu erreichen. Ein mächtiger Freund, welcher vieles in das Werk richten kann, weil er vielen Einfluß auf andere hat. Ein mächtiger Minister. Er ist mir zu mächtig geworden. Besonders in Rücksicht auf die vielen zum Angriffe oder zur Vertheidigung geschickten Personen. Ein mächtiger Feind. Ein mächtiger König. Ein mächtiges Reich. S. Adelung Großmächtig. In engerer Bedeutung, überlegene Macht, überlegene Gewalt über andere in einzelnen Fällen habend; wo man es am liebsten mit der zweyten Endung des Haupt- oder Fürwortes verbindet, welche alsdann das Vorwort über vertritt.
   Wir beyde werden doch wohl ihrer mächtig seyn, Rost. d. i. sie überwältigen können. Ich kann seiner nicht mächtig werden. Die Frau ist ihres Mannes mächtig, wenn sie die Herrschaft über ihn hat. Seiner Sinne nicht mächtig seyn. Er war vor Wuth seiner selbst nicht mächtig. Da war ich meiner Liebe nicht mehr mächtig. Nicht eines Hällers mächtig seyn, nicht Gewalt haben, ihn nach Gutdünken anzuwenden. Einer Sprache mächtig seyn, figürlich, sie in seiner Gewalt haben, d. i. alles was man will, in derselben ausdrücken können. 3) Von der Freyheit, dem Rechte, dem Befugnisse etwas zu vollziehen, ist es nur in dem zusammen gesetzten eigenmächtig üblich.
   Anm. Bey dem Notker mahtig, bey dem Ulphilas mahteiga, im Angels. mihtig, im Engl. mighty, im Schwed. mägtig, im Dän. und Nieders. mägtig. Das alte Oberdeutsche Nebenwort mächtiglich, für mächtig, welches noch Es. 28, 2 vorkommt, ist im Hochdeutschen veraltet.
 
Artikelverweis 
Mächtigen, verb. reg. act. welches aber nur in den Zeitwörtern bemächtigen und bevollmächtigen üblich ist, S. dieselben.
 
Artikelverweis 
Die Mächtigkeit, plur. doch nur von dieser Eigenschaft in mehrern Individuis, die -en, im Bergbaue, die Breite und Dicke, S. Adelung Mächtig 1. 1). In andern Fällen ist dafür das einfachere Macht üblicher.
 
Artikelverweis 
Das Machtkraut, des -es, plur. inus. S. Machtheil.
 
Artikelverweis 
Machtlos, -er, -este, adj. et adv. der Macht beraubt, keine Macht habend, in den drey ersten Bedeutungen des Hauptwortes 2. Macht 1. vornehmlich in der edlern und höhern Schreibart, für ohnmächtig. Ein machtloses Geschöpf. Ein machtloser Minister. Ein machtloser Staat.
 
Artikelverweis 
Das Machtschildlein, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur Sir. 45, 13 befindliches Wort, das Amtschildlein Aarons zu bezeichnen, weil es von vorzüglicher Kraft und besonderm Glanze war.
 
Artikelverweis 
Der Máchtsprúch, des -es, plur. die -sprche. 1) Ein Ausspruch in einer streitigen Sache, ohne andere Bewegungsgründe als die Macht, welche man besitzet, oder zu besitzen glaubt, uns seine Urtheile als Wahrheiten aufzudringen. Einen Machtspruch thun. 2) Einige Schriftsteller vor Wolfen suchten das Griech. Axioma durch Machtspruch zu übersetzen, weil ein solcher Satz so glaubwürdig ist, daß er nicht bewiesen werden darf. Allein seit Wolfens Zeit ist dafür das schicklichere Grundsatz üblicher geworden.
 
Artikelverweis 
Das Machtwort, des -es, plur. die -wörter. 1) Ein Wort, welches einen besondern Nachdruck bey sich führet, dergleichen z. B. das Zeitwort in der R. A. in Thränen zerschmelzen ist. 2) Ein Machtspruch in der ersten Bedeutung dieses Wortes; ohne Plural. Ehe ich als Vater ein Machtwort rede, Gell.

[Bd. 3, Sp. 11]



 
Artikelverweis 
Das Machtwêrk, des -es, plur. inus. von dem Zeitworte machen, ein gemachtes Werk, und die Art und Weise, wie es gemacht ist, doch nur im verächtlichen Verstande; das Gemächt, die Macherey. Ein elendes Machwerk. Das ist sein Machwerk, seine Arbeit.
 
Artikelverweis 
Mack, ein Wort, welches nur in der in den niedrigen Sprecharten üblichen R. A. Hack und Mack vorkommt, d. i. geringer Pöbel aller Art unter einander, auch wohl von schlechten durch einander gemischten leblosen Dingen. S. Adelung Hack. Mack scheinet von dem Zeitworte mengen abzustammen; denn daß das n in diesem Worte nicht wesentlich ist, ist schon bey Macht erinnert worden. Hack und Mack könnte also auch gehacktes und gemengtes bedeuten, wie man in eben diesem Verstande in und um Bremen Haks und Plüks sagt, d. i. gehacktes und gepflücktes. Übrigens ist für Hack und Mack, wenn vom niedern Pöbel die Rede ist, in Niedersachsen auch Hanke und alle Man üblich.
 
Artikelverweis 
Die Mackänte, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der Mohränte, entweder wegen ihres eigenthümlichen Geschreyes, oder auch als eine Verderbung von Mückänte, weil sie über dem Wasser flieget, und Mücken, d. i. Fliegen, fänget.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: