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Mácher bis Mächtig (Bd. 3, Sp. 6 bis 9)
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Artikelverweis Der Mácher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Mácherinn, eine Person, welche etwas macht; doch nur in den Zusammensetzungen Goldmacher, Uhrmacher, Hutmacher, Kammmacher, Brillenmacher, Harnischmacher, Knopfmacher, Zeugmacher, Ketzermacher u. s. f. Bey dem Notker ist Machara der Urheber.
 
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Die Mácherēy, plur. die -en, das Machen, ohne Plural, ingleichen das gemachte Werk, die Arbeit; beydes nur im gemeinen Leben und im verächtlichen Verstande. Das ist eine elende Macherey. So auch in einigen Zusammensetzungen, die Goldmacherey, für das Goldmachen, die Ketzermacherey, die Meutmacherey

[Bd. 3, Sp. 7]


u. s. f. Nieders. Makerije. Von der vor der Ableitungssylbe ey eingeschobenen Sylbe er, S. 1. -Ey I. 3.
 
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Das Mácherlōhn, des -es, plur. inus. der Lohn, welchen man einem andern für das Machen, d. i. für die Hervorbringung eines Werkes, und figürlich auch für die Verursachung einer Veränderung bezahlet. Gemeiniglich nur in solchen Fällen, wo man den Lohn nicht tageweise, sondern stückweise bezahlet, ingleichen von der Arbeit, besonders der Handarbeit allein, mit Ausschließung der zu dem Werke nöthigen Materialien. So bekommen der Schneider für die Verfertigung eines Kleides, und andere Handwerker für die Verfertigung anderer Arbeiten Macherlohn. Ich will ihnen das Macherlohn doppelt bezahlen, Gell. Im Oberdeutschen der Macherlohn, S. Lohn. Es ist unmittelbar von dem Hauptworte Macher gebildet, wie man auch sagt Schneiderlohn, Arbeiterlohn, Tischerlohn u. s. f. Von dem Zeitworte machen müßte es Machlohn heißen.
 
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1. * Die Macht, plur. die Mächte, ein ungewöhnliches Wort, einen Schleyer zu bezeichnen, welches nur 1 Cor. 11, 10 vorkommt. Darum soll das Weib eine Macht auf dem Haupte haben um der Engel willen. Obgleich Luther das Deutsche Wort nach dem Muster des im Grundtexte befindlichen Griech. εξουσια gewählet hat, so finden sich doch Spuren, daß diese Wahl nicht ganz willkührlich gewesen, ob mir gleich der Deutsche Ausdruck in dieser oder einer ähnlichen Bedeutung noch nicht vorgekommen ist; weil man es sonst leicht von dem Lat. amictus herleiten könnte. Im mittlern Lat. kommt Mafors, Mauors, und im mittlern Griech. μαφοριον, sehr häufig nicht nur von einem Schleyer des andern Geschlechtes vor, sondern auch von einem Scapulier der Mönche. Bey dem Papias heißt es: Mauorte matronale operimentum, quod caput operit; vocatum autem sic quasi Marte. Mauorte signum est maritalis dignitatis; idem et stola dicitur. Bey andern findet sich in einer ähnlichen Bedeutung das Wort Magaldus. Auch Dominicalis kommt in der Bedeutung eines leinenen Schleyers vor, mit welchem sich das andere Geschlecht, wenn es in die Kirche ging, ehedem das Haupt bedeckte. Du Fresne führet aus einem alten Poenitentiale folgende Stelle an: Si mulier communicans Dominicale suum super caput suum non habuerit, usque ad alium diem dominicum non communicet. Er merkt dabey an, daß der seidene Schleyer des weiblichen Geschlechtes in der Provence noch jetzt Domino genannt werde.
 
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2. Die Macht, plur. die Mächte, so wohl das Vermögen etwas zur Wirklichkeit zu bringen, als auch ein mit diesem Vermögen begabtes Ding.
   1. Das Vermögen, oder die Kraft etwas zur Wirklichkeit zu bringen; ohne Plural.
   1) Von der physischen oder natürlichen Kraft eines Dinges, für Kraft oder Stärke. Meine Macht ist schwach über meinem Seufzen, Hiob 23, 2. Ruben mein erster Sohn, du bist meine erste Kraft und meine erste Macht, 1 Mos. 49, 3. David aber und das ganze Israel spieleten vor Gott her aus ganzer Macht, 1 Chron. 14, 8. Die Stimme mit Macht aufheben, erheben, Es. 40, 9. In dieser Bedeutung ist es im gemeinen Leben am üblichsten. Der Kranke hat nicht so viel Macht, sich aufzurichten, nicht so viel Kräfte. Eine außerordentliche Macht haben, Leibesstärke. Einen Stein mit aller Macht aufheben. Alle seine Macht anstrengen. Mit aller Macht, oder aus ganzer Macht schreyen, laufen, arbeiten. Über Macht, mehr als die Leibeskräfte es verstatten. Sie liefen über Macht dem Walde zu. Ingleichen, eine vorzügliche Kraft. Diese Vorstellung drang mit Macht in meine Seele. Siehe Ohnmacht. In einigen Gegenden ist es auch im Plural üblich.

[Bd. 3, Sp. 8]


Aus allen Mächten, Oberd. Machten, d. i. aus allen Kräften. Schon Ottfried sagt vbar mine mahti, über meine Kräfte. Im Nieders. ist Wohlmagt die Gesundheit des Leibes.
   In der R. A. über Macht essen oder trinken, scheinet es zunächst von mögen, Appetit haben, abzustammen. Im Nieders. ist Möge der Appetit. Elk sien Möge, chacun à son gout. Über Möge essen, über Macht, über seinen Appetit.
   In der Deutschen Bibel wird dieses Wort häufig von Gott gebraucht, und da bedeutet es dessen höchstes Vermögen, das Mögliche ohne Mühe zur Wirklichkeit zu bringen, wofür man auch, und zwar am häufigsten, das Wort Allmacht gebraucht.
   2) Von der vorzüglichen äußern Möglichkeit, das Beschlossene zur Vollziehung zu bringen.
   (a) Überhaupt. So sagt man von jemanden, er habe eine große Macht, wenn er angesehene Freunde hat, durch welche er seine Absichten erreichen kann. Wehe denen die Schaden zu thun trachten, weil sie die Macht haben, Micha 2, 1. Indessen ist das Bey- und Nebenwort mächtig in diesem Verstande üblicher, als das Hauptwort.
   (b) In engerer Bedeutung, eine genugsame Anzahl zu Führung der Waffen verpflichteter Menschen. Eine große Macht auf den Beinen haben, ein großes Kriegsheer. In dieser Bedeutung ist es in den zusammen gesetzten Kriegsmacht, Landmacht, Seemacht am üblichsten. Im Schwed. ist Magt gleichfalls das Kriegesheer. Es kann seyn, daß es in dieser Bedeutung zunächst zu dem Worte Menge gehöret, indem der Nasenlaut n gar oft ein müßiger Zusatz ist. Festus erklärt mactus durch magis auctus, und bey dem Plautus kommt mactare für vermehren vor. Der sonst ungewöhnliche Plural finde sich noch bey dem Opitz:
   Der Saracen muß noch der alten Satzung achten,
   Durch der Spahoner Zwang und der Stambolet Machten, für Mächte. (c) * Figürlich, Majestät, und äußeres Ansehen, Vorzug, Ehre überhaupt; eine veraltete Bedeutung, welche noch in der Deutschen Bibel vorkommt. Aus dem Munde junger Kinder hast du dir eine Macht zubereitet, Ps. 8, 3. Die Sonne gehet auf in ihrer Macht, Richt. 5, 31.
   3) Am häufigsten von dem sittlichen Vermögen, etwas zur Wirklichkeit zu bringen, d. i. von der Freyheit, dem Rechte und Befugnisse etwas zu vollbringen oder zu unterlassen. Es soll niemand Macht haben, das Volk zusammen zu fordern, 1 Macc. 14, 44. Die Obrigkeit hat Macht zu strafen und zu belohnen. Einem Macht geben etwas zu thun. Das stehet nicht in meiner Macht. Macht über Leben und Tod haben. Siehe auch Vollmacht.
   2. Ein mit vorzüglicher Macht begabtes Wesen, wo es zuweilen von mächtigen Geistern und geistigen Wesen vorkommt.
   Der in der Gottheit glaubt
   Drey unterschiedne Machten, Opitz für Mächte.
    Verzeiht es, ihr stoischen Mächte,
   Ihr Beherrscher der Seelen,
   Zachar. Am üblichsten ist es in dieser Bedeutung von souveränen mächtigen Staaten, sie seyen nun Königreiche oder Republiken; wo es auch im Plural die Mächte, im Oberdeutschen aber die Machten hat. Die Europäischen Mächte. Holland und England sind Seemächte. Die Macht Frankreich, d. i. der Staat, die Krone Frankreich.
   Anm. Für Stärke schon im Isidor Magti, bey dem Notker und im Tatian in der gewöhnlichern Bedeutung für potentia, Maht, im Schwed. wo es auch das Blut bedeutet, Magt, bey dem Ulphilas Mahts, im Angels. Myht, Maeth, Meath, im Dän. und Nieders. Magt, im Engl. Might, im Pohln und Böhm.

[Bd. 3, Sp. 9]


Moc. Es stammet zunächst von dem Zeitworte mögen, können, und dem damit verwandten machen ab, und lautet im Nieders. auch Möge, im Schwed. Megn und Mågn. Das Alterthum dieses Wortes und seines Geschlechtes erhellet aus dem Lat. Majestas, Magistratus, Magister, und auch aus dem Griech. μεγας. S. Adelung Mögen und Mächtig, in welchem letztern sich der Begriff der Größe noch erhalten hat. In Schleswig ist die Macht der Geschwornen eine besondere Art Gerichte, welche aus dem Amtmanne als Landvogt, und den Kämmerern und Richtern der Kirchspiele bestehen.
 
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Die Machtblume, plur. die -n, eine Pflanze, deren es verschiedene Arten gibt, welche zum Theil in Ostindien und Amerika, zum Theil aber auch in Spanien und Illyrien einheimisch sind; Pancratium L.
 
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* Der Machtbothe, des -n, plur. die -n, ein Oberdeutsches, im Hochdeutschen aber unbekanntes Wort, so wohl einen jeden gevollmächtigten Gesandten oder Minister, als auch einen Gesandten vom ersten Range, einen Ambassadeur zu bezeichnen; ehedem auch Waltbothe, Gewaltbothe.
 
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* Der Machtbrief, des -es, plur. die -e, ein im Hochdeutschen gleichfalls veraltetes Wort, wofür jetzt Vollmacht üblich ist; ehedem auch der Gewaltsbrief.
 
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* Der Machtgêber, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Machtgeberinn, ein im Hochdeutschen gleichfalls fremdes Wort, diejenige Person zu bezeichnen, welche einer andern Vollmacht zu etwas ertheilet; im Oberd. auch der Gewaltgeber.
 
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Das Machtbeil, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme der Goldruthe oder des goldnen Wundkrautes, Solidago L. wegen seiner vorzüglichen heilenden Kräfte, daher es auch Machtkraut genannt wird.
 
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Mächtig, -er, -ste, adj. et adv. Macht habend.
   1. Groß; von einer längst veralteten Bedeutung des Wortes Macht. 1) Eigentlich, von der körperlichen Ausdehnung; ein nur noch im gemeinen Leben übliches Wort, welches in dieser Bedeutung mit dem veralteten michel, und dem verwandten Griech. μεγας überein kommt. Sie sunken unter wie Bley im mächtigen Wasser, 2 Mos. 15, 10. Ein mächtiger Berg. Vorzüglich ist es in diesem Verstande noch im Bergbaue üblich, wo es, wenn es von Gängen gebraucht wird, so viel als breit, von Flötzen oder horizontalen Erd- und Steinlagen aber so viel als dick bedeutet. Der Gang ist zwey Lachter mächtig, d. i. breit. Das Sandflötz ist hier vier Lachter mächtig, d. i. dick. Ein zwey Zoll mächtiges Schieferflötz. Daher die Mächtigkeit, bey Gängen, ihre Breite, bey Flötzen aber, ihre Dicke. 2) Figürlich, wo es noch im gemeinen Leben häufig gebraucht wird, so wohl eine große Menge, als auch intensive einen großen Grad der innern Stärke zu bezeichnen, für viel und sehr, wo es gemeiniglich als ein Nebenwort andern Beywörtern vorgesetzet wird. Ein mächtig großes Haus. Mächtig viel Geld. Mächtig schön. Mächtig reich seyn. Er bildet sich mächtig viel ein. Die mächtig große Höhe, Sir. 43, 1. In dieser Bedeutung ist es schon alt. Mahtigen wol, heißt es schon bey dem Willeram für sehr wohl. Auch das Lat. valde ist auf ähnliche Art von valere, mögen, vermögen, gebildet. Zuweilen auch als ein Beywort für sich allein. Ein mächtiges Haus. Aber Amyntas sahe den mächtigen Segen in seiner Herde, Geßn. Eine mächtige (zahlreiche) Menge Volkes, 1 Macc. 5, 30. Ein mächtiges Heer, ein zahlreiches, Ezech. 38, 15. In welcher Bedeutung der Anzahl es zugleich mit Menge verwandt ist, S. 2. Macht 1. 2) (b).
   2. Kraft, Vermögen habend, etwas zur Wirklichkeit zu bringen. 1) Physisches oder natürliches Vermögen habend; eine größten Theils veraltete Bedeutung. Der Löwe ist mächtig unter

[Bd. 3, Sp. 10]


den Thieren, Sprichw. 30, 30. Das Feuer war mächtig im Wasser über seine Kraft, Weish. 19, 19. Ehedem sagte man, eine mächtige Arzeney, für sehr kräftige, sehr wirksame. Zuweilen kommt es noch figürlich für sehr wirksam, sehr kräftig vor. Ein mächtiger Einwurf. Ihr feuriger Blick schießt mächtige Strahlen umher, Zachar. 2) Viele äußere Hülfsmittel habend, seine Absichten zu erreichen. Ein mächtiger Freund, welcher vieles in das Werk richten kann, weil er vielen Einfluß auf andere hat. Ein mächtiger Minister. Er ist mir zu mächtig geworden. Besonders in Rücksicht auf die vielen zum Angriffe oder zur Vertheidigung geschickten Personen. Ein mächtiger Feind. Ein mächtiger König. Ein mächtiges Reich. S. Adelung Großmächtig. In engerer Bedeutung, überlegene Macht, überlegene Gewalt über andere in einzelnen Fällen habend; wo man es am liebsten mit der zweyten Endung des Haupt- oder Fürwortes verbindet, welche alsdann das Vorwort über vertritt.
   Wir beyde werden doch wohl ihrer mächtig seyn, Rost. d. i. sie überwältigen können. Ich kann seiner nicht mächtig werden. Die Frau ist ihres Mannes mächtig, wenn sie die Herrschaft über ihn hat. Seiner Sinne nicht mächtig seyn. Er war vor Wuth seiner selbst nicht mächtig. Da war ich meiner Liebe nicht mehr mächtig. Nicht eines Hällers mächtig seyn, nicht Gewalt haben, ihn nach Gutdünken anzuwenden. Einer Sprache mächtig seyn, figürlich, sie in seiner Gewalt haben, d. i. alles was man will, in derselben ausdrücken können. 3) Von der Freyheit, dem Rechte, dem Befugnisse etwas zu vollziehen, ist es nur in dem zusammen gesetzten eigenmächtig üblich.
   Anm. Bey dem Notker mahtig, bey dem Ulphilas mahteiga, im Angels. mihtig, im Engl. mighty, im Schwed. mägtig, im Dän. und Nieders. mägtig. Das alte Oberdeutsche Nebenwort mächtiglich, für mächtig, welches noch Es. 28, 2 vorkommt, ist im Hochdeutschen veraltet.

 

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