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Lüstern bis Lustigkeit (Bd. 2, Sp. 2136 bis 2138)
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Artikelverweis  Lüstern, -er, -ste, adj. et adv. 1) Einen merklichen Grad des sinnlichen Verlangens nach etwas empfindend, und darin gegründet. Lüstern seyn, werden. Nach etwas lüstern seyn.
   Was auch der Pöbel weiß, kann mich nicht lüstern machen,
   Ein philosophisch Aug ergetzen hohe Sachen,
   Haged. Am häufigsten von einem ungeordneten sinnlichen Verlangen. Schwangere Weiber werden lüstern, wenn sie ein ungewöhnliches Verlangen nach gewissen Dingen bekommen. Das Volk war lüstern worden und sprachen, wer will uns Fleisch

[Bd. 2, Sp. 2137]


zu essen geben? 4 Mos. 11, 4. Und sie wurden lüstern in der Wüsten, Ps. 106. 14. David ward lüstern nach dem Wasser zu Bethlehem, 2 Sam. 23, 15. Wachteln, nach welchen sie lüstern waren, Weish. 16, 2, 3. Nach Beute lüstern seyn, Raml.
   Ein Esel mochte lüstern seyn,
   Und wollt auf öffentlichen Gassen
   Sein lieblich Stimmchen hören lassen,
   Gell.
   Und hängt voll lüsterner Begier
   Bloß seinen Freuden nach,
   Weiße. 2) Einen merklichen Grad des sinnlichen Verlangens erweckend und unterhaltend; in der höhern Schreibart.
   Bald laden zu lüsternen Tänzen
   Mich meine Gespielinnen ein,
   Weiße. Anm. Die Endung ern ist wie bey dem vorigen Zeitworte das Zeichen eines Iterativi oder Intensivi; weil selbige aber an Bey- und Nebenwörtern selten ist, so scheinet lüstern für das Mittelwort lüsternd zu stehen, zumahl da dieses in manchen Mundarten noch häufig anstatt des Beywortes gebraucht wird.
 
Artikelverweis Die
Lüsternheit, plur. inus. der Zustand da man lüstern ist, oder ein ungeordnetes sinnliches Verlangen empfindet, und in engerer Bedeutung, die Fertigkeit des ungeordneten sinnlichen Verlangens.
   Belebt die Buhlerey nicht jeden Sperling mehr,
   Als alle Lüsternheit den traurigen Tiber?
   Haged.
 
Artikelverweis 
Die Lustfahrt, plur. die -en, eine Fahrt, oder Veränderung des Ortes, auf dem Wasser, welche bloß zur Lust, d. i. Vergnügen, geschiehet.
 
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Das Lustfeuer, des -s, plur. ut nom. sing. ein zur Lust oder zum Vergnügen angezündetes Feuer. Besonders in der Feuerwerkskunst, aus Salpeter, Schwefel und Kohlen bestehende brennbare Körper, aus welchen ein Lustfeuerwerk zusammen gesetzt wird; im Gegensatze eines Ernstfeuers und Ernstfeuerwerkes.
 
Artikelverweis 
Der Lustgarten, des -s, plur. die -gärten, ein Garten, welcher allein, oder doch hauptsächlich zum Vergnügen angelegt ist, im Oberd. Ziergarten; zum Unterschiede von einem Küchengarten, Obstgarten, Grasgarten u. s. f.
 
Artikelverweis 
Der Lustgärtner, des -s, plur. ut nom. sing. ein Gärtner welcher die Kunst verstehet, einen Lustgarten anzulegen und zu unterhalten; zum Unterschiede von einem Kohl- oder Küchengärtner, Obstgärtner u. s. f.
 
Artikelverweis 
Das Lustgewächs, des -es, plur. die -e, Gewächse, welche zur Lust, d. i. zum Vergnügen, in einem Garten gehalten werden; zum Unterschiede von den Küchengewächsen und Arzeneygewächsen.
 
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Das Lusthaus, des -es, plur. die -häuser, Diminut. das Lusthäuschen, Oberd. Lusthäuslein, in engerer Bedeutung, ein Haus, in welchem man sich bloß um des Vergnügens der Witterung oder freyen Lust willen, aufhält, dergleichen man besonders in den Gärten hat, in welchem Falle sie auch Gartenhäuser genannt werden.
 
Artikelverweis 
Die Lústjāgd, plur. die -en, eine bloß zur Lust oder zum Vergnügen angestellte Jagd.
 
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Lustig, -er, -ste, adj. et adv. Lust habend und erweckend. 1. So fern Lust Vergnügen bedeutet, ist lustig, 1) angenehme Empfindungen durch äußere Merkmahle, besonders durch Bewegungen, dergleichen Tanzen, Springen u. s. f. sind, an den Tag legend, und in dieser Gemüthsstellung gegründet. Sich lustig machen, durch Tanzen, Springen, Scherzen u. s. f. Es gehet hier sehr lustig zu. Sehr lustig seyn. In weiterer Bedeutung ist man auch lustig, wenn man fröhlich ist. Jemanden

[Bd. 2, Sp. 2138]


wieder lustig machen. Lustiger Muth macht gutes Blut. Ein Mensch, der immer lustig ist. Ein lustiger Kopf. Immer lustig leben. Ein lustiges Leben. Sich über jemanden lustig machen, seiner spotten, seine angenehmen Empfindungen über dessen Unvollkommenheiten oder Unglück durch Worte an den Tag legen. Lustig! oder Fein lustig! ein gewöhnliches Aufmunterungswort, so wohl zur Fröhlichkeit, als auch zur muntern fröhlichen Arbeit. Da die Äußerung angenehmer Empfindungen durch äußere Bewegungen oder laute Ausbrüche in den meisten Fällen einer gesetzten Person von guter Erziehung unanständig ist, so ist lustig in dieser Bedeutung mit einem niedrigen Nebenbegriffe verbunden, daher man es in der anständigen und behuthsamen Sprechart vermeidet, und dafür das anständigere vergnügt gebraucht. 2) In engerer Bedeutung, Lachen erregend, spaßhaft, scherzhaft, und darin gegründet; im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart. Eine überaus lustige Komödie. Einen lustigen Einfall haben. Ein lustiger Kopf. Das ist doch lustig. 3) * Den Sinnen angenehm, angenehme Empfindung erweckend, reitzend, von Sachen; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher dieses Wort im Oberdeutschen sehr häufig ist, auch in der Deutschen Bibel mehrmahls vorkommt. Das Manna ist gar süß und lustig und ziemlich in dem Munde; aber wenn man es velschet, so ist es unlustig süß, also daß den Menschen darob unwället, Buch der Natur 1482. Allerley Bäume lustig anzusehen, 1 Mos. 2, 9. Das Weib schauete an -daß es ein lustiger Baum wäre, Kap. 3, 6. Er sahe das Land, daß es lustig ist, Kap. 49, 15. Die Hügel umher sind lustig, Ps. 65, 13. Allzeit Wein oder Wasser trinken ist nicht lustig, sondern zuweilen Wein, zuweilen Wasser trinken, das ist lustig, also ists auch lustig, so man mancherley lieset, 2 Macc. 15, 40. Im Angels. in dieser Bedeutung lustlice, im Engl. lusty, im Holländ. lustigh, im Schwed. lustig, im Isländ. lostugr. 2. Von Lust, Neigung, sinnliches Verlangen nach einer Sache. Der Magen ist alsdann nicht sehr lustig zur Speise, Ryff bey dem Frisch. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung ungewöhnlich, außer daß in einigen Gegenden noch die Zusammensetzungen baulustig, kauflustig, pachtlustig u. s. f. vorkommen, Lust oder Neigung zu bauen, zu kaufen, oder etwas zu pachten habend.
 
Artikelverweis 
Die Lustigkeit, plur. inus. in der ersten Hauptbedeutung des vorigen Wortes, und dessen ersten Bedeutung, die Äußerung seiner angenehmen Empfindungen durch Geberden und Worte. Lautes Gelächter ist die Lustigkeit des Pöbels, der bloß an albernen Dingen Gefallen findet. Ingleichen die Fertigkeit, immer angenehme Empfindungen durch äußere Handlungen blicken zu lassen. Er sagte mit der ihm gewöhnlichen Lustigkeit u. s. f.

 

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