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Lustbêrg bis Lustgewächs (Bd. 2, Sp. 2136 bis 2137)
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Artikelverweis Der Lustbêrg, des -es, plur. die -e, ein durch Absätze, Gänge, Hecken u. s. f. verschönerter natürlicher Berg, dergleichen man z. B. in manchen Gärten hat.
 
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Die Lustdirne, plur. die -n, eine weibliche Person, welche ein Geschäft daraus macht, sich den Lüsten andrer um Gewinnes willen Preis zu geben; ein von einigen Neuern versuchtes Wort, dem niedrigen Hure auszuweichen. Wenigstens ist Lustdirne dem niedrigen Begriffe angemessener, als das von andern vorgeschlagene Freudenmädchen, welches denselben zu sehr verschönert.
 
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Lüsten, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Lust, d. i. sinnliches Verlangen, nach etwas empfinden, und in weiterer Bedeutung, Neigung, Belieben zu etwas tragen; als ein unpersönliches Zeitwort und mit der vierten Endung der Person. Er hat Gott vertrauet, der erlöse ihn nun, lüstets ihn, Matth. 27, 43. Sie mußte nicht wieder zum Könige kommen, es lüstete denn den König, Esth. 2, 14. Es lüstet mich spazieren zu gehen. Wen sollte wohl lüsten länger zu leben? Ingleichen Vergnügen erwecken, mit der dritten Endung der Person. Einem Menschen lüstet seine Wohlthat, Sprichw. 19, 22. Im Hochdeutschen kommt dieses Zeitwort in beyden Bedeutungen wenig mehr vor, außer daß man es in der ersten noch zuweilen im gemeinen Leben höret. Gelüsten ist in einem eingeschränkten Verstande dafür üblicher, S. dasselbe.
   Anm. Bey dem Ulphilas luston, bey dem Kero lustan, bey dem Ottfried, Notker u. s. f. lusten, Dän. lyste, Schwed. lysta, Angels. lystan, Engl. to lust. Bey den ältern Oberdeutschen Schriftstellern, wo es so wohl für Vergnügen erwecken, als auch für Neigung, Belieben empfinden, vorkommt, wurde es häufig mit der zweyten Endung gebraucht. Den des libes luste, der an dem Leben ein Vergnügen findet. Sin lustet mih, ebend. Daz mih siner lustet, Willer. Im Nieders. ist es noch völlig gangbar, so wohl in der persönlichen, als unpersönlichen Gestalt. Mi lustet, mich lüstet. Dat luste ik nich, das lüste ich nicht, das mag ich nicht.
 
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Lüstern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und das Iterativum oder Intensivum des vorigen ist, einen merklichen Grad des sinnlichen Verlangens nach etwas empfinden. Im Hochdeutschen kommt es nur noch zuweilen in dem gesellschaftlichen Leben als ein Impersonale mit der vierten Endung der Person vor. Das lüstert mich nicht. Im Oberdeutschen muß es auch in persönlicher Gestalt üblich seyn.
   Ihr Vorwitz lüstert nicht nach unerlaubten Gütern,
   Hall. Statt des Mittelwortes lüsternd, nach etwas lüsternd seyn, gebraucht man lieber das folgende Bey- und Nebenwort lüstern.
 
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Lüstern, -er, -ste, adj. et adv. 1) Einen merklichen Grad des sinnlichen Verlangens nach etwas empfindend, und darin gegründet. Lüstern seyn, werden. Nach etwas lüstern seyn.
   Was auch der Pöbel weiß, kann mich nicht lüstern machen,
   Ein philosophisch Aug ergetzen hohe Sachen,
   Haged. Am häufigsten von einem ungeordneten sinnlichen Verlangen. Schwangere Weiber werden lüstern, wenn sie ein ungewöhnliches Verlangen nach gewissen Dingen bekommen. Das Volk war lüstern worden und sprachen, wer will uns Fleisch

[Bd. 2, Sp. 2137]


zu essen geben? 4 Mos. 11, 4. Und sie wurden lüstern in der Wüsten, Ps. 106. 14. David ward lüstern nach dem Wasser zu Bethlehem, 2 Sam. 23, 15. Wachteln, nach welchen sie lüstern waren, Weish. 16, 2, 3. Nach Beute lüstern seyn, Raml.
   Ein Esel mochte lüstern seyn,
   Und wollt auf öffentlichen Gassen
   Sein lieblich Stimmchen hören lassen,
   Gell.
   Und hängt voll lüsterner Begier
   Bloß seinen Freuden nach,
   Weiße. 2) Einen merklichen Grad des sinnlichen Verlangens erweckend und unterhaltend; in der höhern Schreibart.
   Bald laden zu lüsternen Tänzen
   Mich meine Gespielinnen ein,
   Weiße. Anm. Die Endung ern ist wie bey dem vorigen Zeitworte das Zeichen eines Iterativi oder Intensivi; weil selbige aber an Bey- und Nebenwörtern selten ist, so scheinet lüstern für das Mittelwort lüsternd zu stehen, zumahl da dieses in manchen Mundarten noch häufig anstatt des Beywortes gebraucht wird.
 
Artikelverweis Die
Lüsternheit, plur. inus. der Zustand da man lüstern ist, oder ein ungeordnetes sinnliches Verlangen empfindet, und in engerer Bedeutung, die Fertigkeit des ungeordneten sinnlichen Verlangens.
   Belebt die Buhlerey nicht jeden Sperling mehr,
   Als alle Lüsternheit den traurigen Tiber?
   Haged.
 
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Die Lustfahrt, plur. die -en, eine Fahrt, oder Veränderung des Ortes, auf dem Wasser, welche bloß zur Lust, d. i. Vergnügen, geschiehet.
 
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Das Lustfeuer, des -s, plur. ut nom. sing. ein zur Lust oder zum Vergnügen angezündetes Feuer. Besonders in der Feuerwerkskunst, aus Salpeter, Schwefel und Kohlen bestehende brennbare Körper, aus welchen ein Lustfeuerwerk zusammen gesetzt wird; im Gegensatze eines Ernstfeuers und Ernstfeuerwerkes.
 
Artikelverweis 
Der Lustgarten, des -s, plur. die -gärten, ein Garten, welcher allein, oder doch hauptsächlich zum Vergnügen angelegt ist, im Oberd. Ziergarten; zum Unterschiede von einem Küchengarten, Obstgarten, Grasgarten u. s. f.
 
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Der Lustgärtner, des -s, plur. ut nom. sing. ein Gärtner welcher die Kunst verstehet, einen Lustgarten anzulegen und zu unterhalten; zum Unterschiede von einem Kohl- oder Küchengärtner, Obstgärtner u. s. f.
 
Artikelverweis 
Das Lustgewächs, des -es, plur. die -e, Gewächse, welche zur Lust, d. i. zum Vergnügen, in einem Garten gehalten werden; zum Unterschiede von den Küchengewächsen und Arzeneygewächsen.

 

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