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Lügner bis Lumpengesinde (Bd. 2, Sp. 2129 bis 2131)
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Artikelverweis Der Lügner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Lügnerinn. 1) * In der weitern Bedeutung der Wörter Lüge und lügen, ein Heuchler, im harten Verstande; in welcher Bedeutung es mehrmahls in der Deutschen Bibel vorkommt, wo es auch in noch weiterm Verstande einen Gottlosen überhaupt bezeichnet, dessen Verhalten mit seinem Zwecke nicht überein stimmt. 2) In gewöhnlicherer Bedeutung, eine Person, welche eine Lüge vorbringt, und in noch engerm Verstande, welche eine Fertigkeit im Lügen besitzet; in harter und verhaßter Bedeutung. Ein Lügner seyn. Zum Lügner werden, auch, sein Versprechen nicht erfüllen. Zum Lügner an jemanden werden, seine Versicherungen von dem andern nicht erfüllet sehen. Jemanden zum Lügner machen, Schuld seyn, daß dessen Versprechungen nicht erfüllet werden.
   Anm. Bey dem Ottfried Luginar, bey dem Stryker Lugenere, im Dän. Logner. Es ist von dem veralteten Iterativo lügenen, jetzt läugnen, gebildet; dagegen das Angels. Leogore und Schwed. Ljugare unmittelbar von lügen sind.
 
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Lügnerisch, adj. et adv. im gemeinen Leben, für lügenhaft.
 
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Die Luke, plur. die -n, so wohl ein mit einem bloßen Laden verschlossenes Fenster ohne Glas, als auch eine Fallthǖre. Eine Dachluke, Bodenluke, eine solche Öffnung zur Einlassung des Lichtes in dem Dache oder auf einem Boden. Auf den Schiffen, werden alle viereckte Löcher auf den Verdecken, welche mit Fallthüren oder so genannten Lukendeckeln verschlossen werden können, Luken genannt. Auch der Laden oder die Fallthüre selbst führet den Nahmen der Luke.

[Bd. 2, Sp. 2130]



   Anm. Entweder von dem alten Lug, Luk, ein Loch, eine Öffnung, oder von dem Zeitworte lugen, luken, sehen, oder, welches um der letzten Bedeutung willen noch wahrscheinlicher ist, von dem Goth. lukan, galukan, Angels. lucan, belucan, Engl. to lock, Isländ. liuka, Holländ. luyken, schließen, verschließen, (S. Adelung Schließen,) daher Lucka im Schwed. jedes Ding bedeutet, welches zur Zuschließung einer Öffnung dienet, es sey ein Laden oder eine kleine Thür.
 
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Lülch, S. Adelung Lolch.
 
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Die Lumme, plur. die -n, ein Sumpfvogel, S. Adelung Lohme.
 
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† Der Lümmel, des -s, plur. ut nom. sing. nur in den niedrigsten Sprecharten, ein starker aber dabey fauler Mensch im verächtlichsten Verstande, ein fauler Schlingel, und in weiterer Bedeutung ein grober, ungesitteter, ungeschickter Mensch. Im Schwedischen Lömmel, im Mecklenburgischen Lönnies, in Stade Lubbe, in andern Niedersächsischen Gegenden Laban, im Engl. Lobb, Lubber, im Wallis. Labi. Es gehöret zu Klumpen und mit diesem Worte zu Lab, coagulum, laben, Leber, Luppe, und bedeutet überhaupt eine unförmliche, ungeschickte Masse, einen Klumpen. Das Nieders. Lümmel und Lümmels, das Geschlinge der Thiere, ingleichen Lungenmuß, welches nur eine zufällige Ähnlichkeit des Klanges mit diesem Worte hat, gehöret zu dem folgenden Lumpen. Eben so niedrig als Lümmel selbst, sind die abgeleiteten, sich auslümmeln, sich auf eine ungesittete Art auf den Tisch legen, oder den Elbogen auf den Tisch stützen, lümmelhaft, Lümmelhaftigkeit, Lümmeley u. s. f.
 
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Der Lump, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, im verächtlichen Verstande, ein armer, armseliger, schmutziger Mensch, und figürlich ein karger filziger Mensch. Ohne Zweifel von dem folgenden Hauptworte der Lumpen, so wie im Nieders. Glodde einen zerlumpten, schmutzigen Menschen, einen Bettler, von Glodden, Lumpen, und das Ital. Paltone, Paltoniere, Franz. Pautonnier, einen Bettler, von dem noch Nieders. Palt, ein Lumpen, bedeuten. Das Englische Lump, ein Klumpen und figürlich ein Dummkopf, gehöret nicht hierher, sondern mit dem vorigen Lümmel zu Klumpen.
 
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Lumpen, verb. reg. act. gleichfalls nur im gemeinen Leben, als einen Lump, d. i. verächtlichen, armseligen Menschen behandeln. Jemanden lumpen. Er läßt sich nicht lumpen, sagt man von jemanden, welcher eine Ehren halber vorfallende Ausgabe aus Geitz oder Armuth nicht zu vermeiden sucht. Im Oberd. bedeutet Lumper auch einen Stümper.
 
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Der Lumpen, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Lümpchen, Oberd. Lümplein, ein Lappen im verächtlichen Verstande, ein abgetragener zerrissener Lappen, und aus Verachtung oft auch ein jedes Stück Zeuges oder Kleid. Ein alter abgetragener Lumpen. Mit Lumpen handeln. Das Papier wird aus Lumpen gemacht; im gemeinen Leben aus Haderlumpen, S. Adelung Hader. Sprichw. Das Feuer fängt bald in einem Lumpen, d. i. das Unglück trifft nur arme Leute. Im Diminut. verschwindet der verächtliche Nebenbegriff, und da ist ein Lümpchen weiter nichts als ein Läppchen.
   Anm. Im Nieders. und Dän. Lumpe, im Schwed. Lump. Es ist der Abstammung nach Ein Wort mit Lappen. Das m ist der gewöhnliche Begleiter der Lippenbuchstaben druckt aber in diesem Falle zugleich eine größere Beweglichkeit aus, worin denn auch der verächtliche Nebenbegriff gegründet ist. Im Oberdeutschen ist lummeln schlotternd herab hangen. Mit den gewöhnlichen Veränderungen gehöret auch unser schlumpen, das Schwed. Lunt, ein Lappen, das Nieders. Plunne, Slunne, Slunte, ein Lumpen, sluns, schlotterig u. s. f. hierher. In

[Bd. 2, Sp. 2131]


manchen Mundarten lautet es im Nominativ der Lump, und der Lumpe.
   Verhängniß, läßt du denn den Purpur so vermodern,
   So sage, was hinfort ein Lump erwarten soll?
   Günth.
   Dein stärkster Foliant, der Fluch für den, der schreibt,
   War Lumpe, ward Papier, wird Kehrig, wird zerstäubt,
   Haged. In manchen Gegenden ist es auch weiblichen Geschlechtes, die Lumpe. Im gemeinen Leben wird dieses Wort sehr häufig mit solchen Hauptwörtern zusammen gesetzt, deren verächtliche, nichtswürdige Beschaffenheit man ausdrucken will. Ein Lumpenhaus, das Lumpengeld, ein Lumpenkerl, ein Lumpending, ein Lumpenbild, die Lumpenwaare u. s. f.
 
Artikelverweis Das
Lumpenbier, des -es, plur. inus. eine Benennung desjenigen Bieres, welches in Wernigerode gebrauet wird.
 
Artikelverweis 
Das Lumpengesinde, oder Lumpengesindel, des -s, plur. inus. im verächtlichen Verstande, arme, elende, nichtswürdige Leute; das Lumpenvolk, das Lumpenpack sind noch niedriger.

 

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