Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Lūderlich bis Luftblase (Bd. 2, Sp. 2121 bis 2123)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Lūderlich, S. Adelung Liederlich.
 
Artikelverweis 
1. † Ludern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, von 2. Luder, in niedriger Schwelgerey leben; in den niedrigsten Sprecharten. Sich auf das Ludern legen. Den ganzen Tag herum ludern.
 
Artikelverweis 
2. Ludern, verb. reg. act. von 3. Luder, stark riechende Lockspeise, durch eine solche Lockspeise anlocken, besonders bey den Jägern. Einen Fuchs ludern. Den Falken ludern, ihn mit Werfung des Federspieles oder nachgemachten Vogels wieder an sich locken. Daher die Luderung, welches im Jagdwesen auch die Lockspeise selbst bedeutet. S. 3. Luder Anm.
 
Artikelverweis 
Der Luderplatz, des -es, plur. die -plätze, bey den Jägern, derjenige Platz, wohin die Raubthiere durch eine stark riechende Lockspeise geludert, d. i. gelocket, werden.
 
Artikelverweis 
Der Ludler, S. Adelung Ludelmacher.
 
Artikelverweis 
Lūdolph, ein alter männlicher Taufnahme, aus welchem die Lateiner ihr Ludolphus, die Niedersachsen aber ihr Lülf und im Diminut. Lülfken gemacht haben. Die Bedeutung dieses Nahmens ist bey seinem hohen Alter unbekannt; denn daß er so viel als Leuthülfe bedeuten soll, ist eine bloße Muthmaßung, deren noch mehrere mit eben so vielem Grunde vorgebracht werden könnten.
 
Artikelverweis 
Lūdwig, ein eben so alter männlicher Taufnahme, alten Europäischen Ursprunges, welcher im Lat. Ludovicus, im Französ. Louis, im Engl. Lewis, im Nieders. aber Loddig, Lüdeke, Lütke lautet.
 
Artikelverweis 
1. Der Luft, des -es, plur. die -e, ein nur in den gemeinen Sprecharten einiger Gegenden übliches Wort, einen leichtsinnigen oder vielmehr windigen Menschen zu bezeichnen. Ohne Zweifel mit dem folgenden Worte aus Einer Quelle, so fern Luft überhaupt ein leicht bewegliches Ding bedeutet. Im Schwed. hingegen bedeutet Luft, des Ihre Erklärung zu Folge, einen betriegerischen Menschen, so wie das Irländ. Lubaire.
 
Artikelverweis 
2. Die Luft, plur. die Lüfte, ein Wort welches ursprünglich den Laut eines gelinden Windes, einer gelinde bewegten Luft nachahmet, hernach aber auch die Begriffe einer lockern Beschaffenheit und der Höhe in sich vereiniget.
   1. Eine leicht oder gelinde bewegte Luft in der folgenden Bedeutung, welche ohne Zweifel zuerst den Nahmen der Luft bekommen hat, dagegen eine stärker bewegte Luft Wind heißet. In dieser Bedeutung ist auch das Diminut. Lüftchen, Oberd. Lüftlein üblich, welches in den übrigen Bedeutungen nicht gebraucht werden kann. Die Luft kommt aus Morgen, aus Abend, aus Mitternacht. Es gehet eine rauhe, kalte Luft. Zärtlinge, welche bey einem rauhen Lüftchen gleich das Fieber bekommen. Es wehet ein kühles angenehmes Lüftchen.
   Die Brust mit Flor bedeckt,
   Der jedem Lüftchen wich,
   Less. Der Plural ist in dieser Bedeutung im Hochdeutschen ungewöhnlich, obgleich Opitz singt:
   Die Lüfte, so hier streichen,
   Sind immer ungesund; wo er es in der ungewöhnlichen Bedeutung des Windes zu gebrauchen scheinet.
   2. In weiterer Bedeutung, ist die Luft diejenige elastische, flüssige Materie, welche man zwar nicht sehen, aber deren Bewegung man doch fühlen kann, welche jeden von andern Körpern

[Bd. 2, Sp. 2122]


leeren Raum einnimmt, und deren Ein- und Ausathmung zum Leben aller lebendigen Geschöpfe unentbehrlich ist.
   1) Überhaupt. Die Luft aus einem Raume auspumpen. Die Schwere der Luft ist 900 Mahl geringer, als die Schwere des Flußwassers. Der Schall entstehet in der Luft. Luft hohlen oder schöpfen, Athem hohlen, die Luft in die Lunge ziehen. Von der Luft allein kann man nicht leben. In der freyen Luft hängen, schweben, so daß man auf allen Seiten mit Luft umgeben ist. Ich fechte also, nicht als der, der in die Luft streichet, 1 Cor. 9, 26, ohne seinen Gegner zu treffen. S. Adelung Luftstreich. In die Luft reden oder sprechen, figürlich, ohne Wirkung bey dem andern.
   2) In engerer Bedeutung. (a) Die freye, äußere, nicht eingeschlossene Luft; im Gegensatze der innern oder eingeschlossenen Luft. Frische Luft schöpfen. Etwas in der freyen Luft thun. Keine Luft zu etwas lassen, keine äußere Luft. Eine Sache vor der Luft verwahren. Etwas an die Luft, in die Luft legen. In die Luft gehen. Die Luft nicht vertragen können. Wie sie befehlen, nur daß ich mich nicht zu lange in der Luft aufhalten darf, Gell. d. i. in der freyen Luft. Einem Baume Luft machen, durch Abschneidung der überflüssigen Blätter und Äste den Zugang der Luft erleichtern. Der Wurzel des Baumes Luft machen, durch Aufgrabung oder Auflockerung der Erde. Einem Vollblütigen Luft machen, oder seinem Blute Luft machen, durch Abzapfung eines Theiles desselben. So auch in andern Fällen, wo der Begriff des Lockern, oft auch des Leichten mit hinzu tritt. Ingleichen figürlich, einem Gepreßten Luft machen, eigentlich, den Zwang wegnehmen, welcher ihn am freyen Athemhohlen hindert, und dann auch überhaupt, das Übel wegschaffen oder doch lindern, welches ihn ängstiget. Seinem Herzen Luft machen, auch, dasjenige einem andern bekannt machen, was man als eine drückende Last auf dem Herzen hat. Einem Gedanken Luft machen, durch Mittheilung an andere. Ein Witzling,
   Der einen Einfall hat, und mit Geschrey und Lachen,
   So glücklich ist, ihm Luft zu machen, Gell. Luft bekommen, eigentlich, frische Luft von außen bekommen, dann aber auch figürlich, von einem drückenden Übel ganz, oder doch zum Theil befreyet werden, Erleichterung bekommen, wo der Begriff der Leichtigkeit der herrschende ist. (b) Die über der Erde befindliche Luft, welche den Dunstkreis ausmacht, so wohl (α) in Ansehung ihrer zu dem thierischen Leben nöthigen Beschaffenheit. Eine gesunde Luft. Eine reine Luft. Eine dicke Luft, welche mit vielen fremden Theilen angefüllet ist. Eine feuchte Luft, welche mit vielen wässerigen Dünsten angefüllet ist. Eine trübe Luft. (β) Mit dem Nebenbegriffe der Höhe. Die Vögel in der Luft. Eine Festung in die Luft sprengen. Das Schiff flog in die Luft, nachdem sich das Pulver in der Pulverkammer entzündet hatte. Schlösser in die Luft bauen, unmögliche Dinge hoffen oder entwerfen.
   Anm. 1. In allen diesen Bedeutungen hat dieses Wort eigentlich keinen Plural, außer wenn man mehrere Gegenden des mit Luft erfüllten Raumes über der Erde, oder auch mehrere Luft-Massen bezeichnen will. Ald ob uns in den luiften swebe, die Winsbeckinu. Es liebt, was in den Lüften schwebt, Haged. Ein Nordwind der
   Mit starken Fittigen die schwarzen Lüfte theilet,
   Schleg. Anm. 2. Bey dem Kero, Ottfried und Notker Luft, Lufte, im Dän. und Schwed. gleichfalls Luft, im Angels. Lyfe, im Isländ. Left, im Schottländ. Lift. Es ahmet ohne Zweifel den Schall einer gelinde bewegten Luft nach, und gehöret auch zu dem Geschlechte der Wörter leicht (wegen der Beweglichkeit)

[Bd. 2, Sp. 2123]


und locker, weil die Hauch- und Blaselaute sehr gern in einander übergehen. Es erhellet solches noch deutlicher aus dem Nieders. und Holländ. wo Lucht so wohl die Luft, als auch das Licht, und den obersten Boden im Hause bedeutet. In der letzten Bedeutung ist auch im Engl. Loft üblich, wo auch lofty hoch bedeutet. S. auch Lüften, wo dieser Begriff der Höhe noch merklicher hervor sticht. Im Oberdeutschen ist es sehr häufig männlichen Geschlechtes, der Luft. Im Bergbaue ist die Luft unter dem Nahmen der Wetter bekannt.
 
Artikelverweis Die
Luftader, plur. die -n, bey einigen ältern Zergliederern, ein Nahme der Pulsader, vermuthlich, weil man glaubte, daß sie ihre Bewegung vermittelst der eingeathmeten Luft erhalte.
 
Artikelverweis 
Die Luftblase, plur. die -n, eine mit Luft angefüllete Blase, besonders in und auf einem flüssigen Körper. Bey den Fischen ist es eine mit Luft angefüllte Blase, vermittelst welcher sie sich im Wasser heben und niederlassen, welche auch die Schwimmblase oder Fischblase genannt wird.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: