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Luchser bis Ludel (Bd. 2, Sp. 2118 bis 2119)
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Artikelverweis Der Luchser, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Jägern, die Ohren des Wildes, wofür andere Luser und noch richtiger Loser sagen. Es stammet von dem veralteten losen, hören, ab, S. dasselbe.
 
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Der Lúchs-Sápphir, des -s, plur. die -e, ein mit Flecken versehener Sapphir, weil die Luchshaut gleichfalls geflecket ist.
 
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Der Luchsstein, des -es, plur. die -e. 1) Ein Halbedelstein, welcher eigentlich ein gelber Achat oder feiner Hornstein ist; der Lyncur, aus dem Lat. Lyncurus. Entweder wegen seiner der Farbe des Luchses ähnlichen Farbe, oder auch, weil sich die Alten einbildeten, er entstehe aus dem Urin des Luchses. 2) Im gemeinen Leben einiger Gegenden wird auch der Belemnit, ohne Zweifel gleichfalls entweder wegen der gelblichen Farbe, oder auch wegen einer ähnlichen Erdichtung, Luchsstein genannt.
 
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Der Lūcifer, des -s, plur. inus. der Lateinische Nahme des Morgen- oder Abendsternes, wegen seines vorzüglichen und glänzenden Lichtes. In den christlichen Kirchen ist es der eigenthümliche Nahme des Teufels geworden, welche Figur von einer seltsamen Mißdeutung der ältern Kirchenväter herrühret.
 
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1. * Die Lücke, plur. die -n, ein nur in einigen Niederdeutschen Gegenden, z. B. im Holsteinischen, übliches Wort, wo es ein eingefriedigtes Stück Feld von mittlerer Größe ist. Im Schwed. gleichfalls Lycka, von dem Zeitworte lycka, einschließen, welches zu dem Geschlechte unsers schließen gehöret, S. Adelung Luke.
 
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2. Die Lücke, plur. die -n, ein Wort, welches zu dem Geschlechte der Wörter Loch, lechzen, Lache u. s. f. gehöret, und 1) eigentlich eine jede Öffnung bedeutet, wo es doch nur noch von fehlerhaften Öffnungen, so wohl am Rande, als in der Mitte eines Körpers gebraucht wird, aber nur noch in einigen einzelnen Fällen üblich ist. So werden die ausgebrochenen Stellen an der Schneide eines Messers, welche im Hochdeutschen Scharten heißen, im Oberdeutschen Lücken genannt. Im Niederdeutschen ist Lucke, und im Schwed. Lycka, die Abweichung eines Zaunes von der geraden Linie, eine Einbiegung oder Bug in dem Zaune. Anstatt der R. A. ein Loch auf- das andere zumachen, d. i. Schulden mit Schulden bezahlen, sagt man in einigen Gegenden, eine Lücke auf- die andere zumachen. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, eine fehlerhafte Öffnung, welche in einer Reihe mehrerer Dinge durch die Abwesenheit Eines oder mehrerer derselben entstehet. Eine Lücke in einer Mauer, eine fehlerhafte Öffnung, welche durch Abwesenheit mehrerer Steine entstehet. Die Zahnlücke, die Öffnung in der Reihe Zähne, aus dem Mangel eines Zahnes. Eine Lücke in einer Handschrift, wenn eine Stelle oder ein Wort fehlet. Wenn in einer Reihe Soldaten Ein oder mehrere Mann fehlen, so entstehet eine Lücke. Eine Lücke in einem Bücher-Repositorio, wenn Ein oder mehrere Bücher in der Reihe fehlen. Eine Lücke zumachen, ausfüllen; ehedem die Lücke büßen, S. Büßen.

[Bd. 2, Sp. 2119]


Da sie höreten, daß die Mauren zu Jerusalem zugemacht waren, und daß sie die Lücken angefangen hatten, zu büßen, Nehem. 4, 7. Daher sagt man noch im figürlichen Verstande, die Lücken büßen müssen, die Abwesenheit eines andern ersetzen, seine Stelle vertreten müssen, besonders in einer unangenehmen Sache, und nach einer noch weitern Figur, für einen andern leiden, an dessen Stelle leiden. Eine solche Person wird mit einem zusammen gezogenen Ausdrucke auch wohl ein Lückenbüßer, eine Lückenbüßerinn genannt.
   Anm. Bey dem Ottfried Luku, bey dem Willeram Luccho, im Dän. Lucke, bey den heutigen Oberdeutschen die Lucken. Außer den bey Loch schon angeführten Geschlechtsverwandten gehöret, so fern dieses Wort auch den Begriff der Biegung hat, noch hierher, das Isländ. Lyk, eine Krümme, Höhlung, unser flicken und flechten und selbst das Latein. flectere.
 
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Der Lckenbußer, des -s, plur. ut nom. sing. S. das vorige. Lessing nennet auch die Flickwörter Lückenbüßer und Keimfüller.
 
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Das Lückennêtz, des -es, plur. die -e, bey den Jägern, eine Art mäßiger Hasengarne, welche des Nachts vor die in den Lappen gelassenen Lücken gestellet werden, Hasen und Füchse damit zu belauschen, daher sie auch Lauschgarne und Lauschnetze, im Oberdeutschen aber auch Lucknetze genannt werden; vielleicht von lugen, belauern, belisten. Daher die Luckschnur, die mit einer Schelle versehene Schnur an diesem Netze, welche dem Jäger ein Zeichen gibt, daß ein Hase dem Garne nahe ist.
 
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Lückig, -er, -ste, adj. et adv. Lücken habend; doch nur am häufigsten in dem zusammen gesetzten zahnlückig. Lückichte Mauern, kommen 2 Chron. 32, 4 vor, wo es aber lückig heißen sollte. Lückicht ist nur einer Lücke ähnlich.
 
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Das Lucknêtz, des -es, plur. die -e, die Luckschnur, plur. die -schnüre, S. Adelung Lückennetz.
 
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† Die Ludel, plur. die -n, ein nur im gemeinen Leben übliches Wort, ein Trinkgeschirr saugender Kinder zu bezeichnen, welches eine Röhre mit einer Warze hat, wodurch sie das Getränk, wie aus der Brust heraus ziehen; das Saughorn, so fern es bey gemeinen Leuten ein Horn ist. Von dem niedrigen ludeln, saugen, welches in den gemeinen Sprecharten auch lollen, lullen, lulken, lutscheln, nutscheln u. s. f. lautet. In den niedrigen Sprecharten und im verächtlichen Verstande heißt auch eine Tobakspfeife eine Ludel.

 

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