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Lothrêcht bis Lótterīe (Bd. 2, Sp. 2114 bis 2115)
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Artikelverweis  Lothrêcht, -er, -este, adj. et adv. welches so wie bleyrecht, bey den Werkleuten für senkrecht, perpendiculär, üblich ist, weil der senkrechte Stand eines Körpers von ihnen nach und mit dem Lothe erforschet wird, S. 1. Loth.
 
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Das Löthrohr, des -es, plur. die -röhre, bey den Goldarbeitern, eine hohle vorn spitzige Röhre, bey dem Löthen kleiner Dinge die Flamme der Löthlampe dadurch an das Loth zu blasen.
 
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Das Löthsalz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, S. Löthasche.
 
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Die Lothsbarke, plur. die -n, in den Seestädten, kleine Barken oder Fahrzeuge, deren sich die Lothsen oder Lothsmänner bedienen. S. Adelung Lothse.
 
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Die Löthschale, plur. die -n, bey den Glasern, zwey hölzerne Schalen oder hohle Deckel, mit welchen sie den eisernen Stiel des heiß gemachten Löthkolbens angreifen.
 
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Der Lothse, des -n, plur. die -n, oder der Lothsmann, des -es, plur. die -männer, auch wohl Lothsleute, in den Seestädten, ein Steuermann, welcher des Hafens und der Gegend um denselben vollkommen kundig ist, und daher die ein- und auslaufenden Schiffe führet und ihnen den Weg zeiget. Daher das Lothsgeld oder Lothsengeld, welches sie von den Schiffen dafür bekommen. Von dem Lothe oder Lothbleye,

[Bd. 2, Sp. 2115]


dessen sie sich zur Erforschung der Untiefen bedienen. Nieders. Loots, Lootsmann, Dän. Loods, Schwed. Lots, Engl. Lodisman, Lodesman. Ihre lässet es von leiten, den Weg zeigen, abstammen, so daß Lothsmann eigentlich einen Leits- oder Geleitsmann bedeuten würde. Das Franz. Pilote ist gleichfalls daraus gebildet. S. Adelung Pilot.
 
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Der Löthstein, des -es, plur. die -e, ein viereckter Sandstein der Glaser mit runden Löchern, worin ihr Loth zum Löthen befindlich ist.
 
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Der Löthstiel, des -es, plur. die -e, der hölzerne Stiel an dem Löth- oder Brennkolben der Zinngießer, welcher Kolben auch wohl selbst diesen Nahmen führet.
 
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Die Lotte, plur. die -n, ein nur im Bergbaue übliches Wort, wo es viereckte aus Bretern zusammen geschlagene hölzerne Canäle, welche eines Bretes tief und breit sind, so wohl die Wetter dadurch aus den Gruben zu führen, als auch das Wasser auf die Kunsträder und wieder davon zu leiten; in welchem letztern Falle sie Wasserlotten genannt werden. Daher die Lottenklammern, eiserne Klammern die Lotten zusammen zu halten.
   Anm. Man siehet bald, daß dieses Wort zu dem Geschlechte des Wortes Lade gehöret, so fern dasselbe überhaupt einen hohlen eingeschlossenen Raum, ein Behältniß bedeutet. S. Adelung Lade, Lot, Schließen, und Schlot.
 
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Der Lotterbube, des -n, plur. die -n. 1) * Ein Windbeutel der geringsten Art, ein Landstreicher, welcher Brot mit Gaukeleyen und windigem Geschwätze erwirbt; eine veraltete Bedeutung, in welcher Luther das σπερμολογος Apostelg. 17, 18 übersetzt, das als ein Schimpfwort daselbst von Paulo gebraucht wird. Was will dieser Lotterbube sagen? 2) Ein liederlicher mit allen Lastern befleckter Mensch, im gehässigsten Verstande; in welcher Bedeutung es noch zuweilen vorkommt.
   Anm. In der ersten Bedeutung gehöret es zu dem noch im Mecklenburgischen üblichen Lodder, ein Mensch der vieles und albernes Zeug schwatzet, und loddern, solches Zeug schwatzen; ingleichen zu unserm plaudern, welches nur das Präfixum angenommen hat, S. dasselbe. Bey dem Pictorius ist Lotter ein Speyvogel, der Gelächter anrichten will, damit er Maulaffen möge machen. Notker übersetzt das vana loquuntur durch Loter chosont sie. Im Schwed. ist Löddare, Lyddare, und im Isländ. Loddari, ein Gaukler, wo es aber auch, so fern damit zunächst auf die possenhaften geschwinden Bewegungen gesehen wird, zur folgenden Bedeutung gehören kann. In dieser zweyten Bedeutung gehöret es mit liederlich, lodern, flattern, schlottern und andern dieses Geschlechtes zu einem weitläuftigen Stamme solcher Wörter, in welchen die leichte und schnelle Bewegung der Stammbegriff ist. Lotter bedeutet daher in einigen Oberdeutschen Gegenden noch locker. Ein lotterer Zahn. Die Sehne ist lotter. Lodeln ist daselbst schlottern, weich und beweglich, wie ein Lappen, seyn, S. Lode. Figürlich war lotter unstät, flüchtig, keine bestimmte Wohnung habend, und ein Lotter oder Lotterer ein Landstreicher, Pohln. Lotr. In Schlesien ist Geschläter liederliches Gesindel, und, da bey solchen Leuten gemeiniglich alle Laster beysammen sind, ein liederlicher und lasterhafter Mensch von der niedrigsten und gröbsten Art, von welchen Bedeutungen Frisch verschiedene Beyspiele gesammelt hat. Notker gebraucht Loter mehrmahls für Boßheit, Iniquitas, wo aber vielmehr unser Laster, Schwed. Lytte, zum Grunde zu liegen scheinet, welches von letzen in verletzen abstammet, und eigentlich eine körperliche Verunstaltung bedeutet, S. Laster.
 
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Die Lótterīe, (viersylbig,) plur. die -n, (fünfsylbig,) eine Art Glücksspiele, wo der Gewinn und Verlust der Spielenden durch das Los entschieden wird. In die Lotterie legen oder setzen.

[Bd. 2, Sp. 2116]


Aus dem Ital. Lotteria, und dieß von Lotto, ein Los, weil das Schicksal der Spieler hier durch das Los entschieden wird, daher auch eine Lotterie in Italien, aus welchem Lande diese Erfindung zu uns gekommen ist, ein Lotto genannt wird. Das Wort Los hat fast in allen andern Sprachen anstatt des Zischlautes ein t, wie das Nieders. Lott, das Franz. Lot u. s. f. S. das Hauptwort Los.

 

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