Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Lothbüchse bis Lothleine (Bd. 2, Sp. 2113 bis 2114)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Die Lothbüchse, plur. die -n, eine Büchse, welche ein Loth Bley schießet, d. i. deren Kugel ein Loth wieget. Ehedem wurde eine jede Kugelbüchse eine Lothbüchse genannt, von Loth, Kugel.
 
Artikelverweis 
Die Löthe, plur. inus. ein bey den Hornarbeitern übliches Wort, die Löthung der Schildkrötenschalen und daraus verfertigten Dinge zu bezeichnen, welche aber ohne Anwendung eines Lothes, durch bloße warme Zusammenpressung geschiehet. S. Löther.
 
Artikelverweis 
Lothen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1) Von Loth, ein an einer Schnur befestigtes Gewicht. Die Mäurer und Werkleute lothen, wenn sie das Bleyloth an einen Körper halten, dessen senkrechten Stand zu erforschen. 2) Von Loth, ein bestimmtes kleines Gewicht. Im gemeinen Leben sagt man, eine Sache lothet, wenn ihr Gewicht mehrere Loth austrägt. Das Erz lothet, wenn der Zentner mehrere Loth Silber enthält; es market, wenn es mehrere Mark enthält.
 
Artikelverweis 
Löthen, verb. reg. act. welches ehedem überhaupt zusammen kleben machen bedeutete. In dieser 1) weitern Bedeutung löthen noch die Hornarbeiter das Horn oder die Schildkrötenschalen, wenn sie selbige warm und biegsam machen, und sie alsdann zusammen pressen. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist löthen, vermittelst eines Lothes, d. i. leichtflüssigen metallischen Körpers, zusammen schmelzen. Zwey Stücke Metall zusammen löthen. Eine zerbrochene Kanne löthen.
   So auch die Löthung.
   Anm. Im Nieders. löden, und mit der gewöhnlichen Ausstoßung des d, löen, im Dän. lodde, im Böhmischen letowati. Entweder als ein Geschlechtsverwandter von leinen, schmelzen, fließen, lassen in zerlassen u. s. f. so daß zunächst auf die Schmelzung gesehen wird, wenigstens findet diese Bedeutung in dem Worte Löthasche Statt; oder welches noch wahrscheinlicher ist, mit dem Hauptbegriffe der Verbindung, so daß dieses Wort zu der Familie der Wörter Glied, Klatte, Kloß, Nieders. Kloot u. s. f. gehöret. Diese Abstammung wird dadurch wahrscheinlicher, weil das Neutrum loda, kleben, noch im Schwed. und Isländ. üblich ist. Min tunga lodar wid min gom, meine Zunge klebet an meinem Gaumen, heißt es in der Schwedischen Bibel. Löthen ist davon das Factitivum und bedeutet kleben machen. Übrigens heißt die Schmelzung im Böhmischen Litr, und im Griech. ist λοτος was sich schmelzen läßt.
 
Artikelverweis 
Die Löthform, plur. die -en, bey den Goldschlägern, eine Form von Darmhäuten, worin das Gold nach der Quetschform geschlagen wird. Die erste Hälfte dieses Wortes scheinet zu einem besondern Stamme zu gehören, dessen Bestimmung aber eine nähere Kenntniß dieser Arbeit voraus setzt.
 
Artikelverweis 
Der Löthhammer, des -s, plur. die -hämmer, S. Adelung Löthkolben.
 
Artikelverweis 
Löthig, adj. et adv. Ein Loth enthaltend, habend, von dem Worte Loth, so fern es ein gewisses bestimmtes Gewicht bezeichnet. Eine löthige Kugel, welche ein Loth wieget. Besonders in den Münzen und bey den Metallarbeitern in Bestimmung der Reinigkeit der Metalle, wo das Loth als der sechzehnte Theil einer Mark angesehen wird. Sechzehenlöthiges Silber ist ganz reines unvermischtes Silber, wo die ganze Mark reines Silber ohne Zusatz ist; funfzehenlöthiges Silber, wo in der Mark nur 15 Loth sind, Ein Loth aber Zusatz ist. So auch zwölflöthig, eilflöthig, zehenlöthig u. s. f. Auch

[Bd. 2, Sp. 2114]


die Orgelbauer bestimmen die Feinheit des Englischen Zinnes auf ähnliche Art nach Lothen; sechzehenlöthiges, funfzehenlöthiges Zinn u. s. f. Bey den Zinngießern hingegen, welche das Zinn nach Zentnern berechnen, ist dafür pfündig üblich. In engerer Bedeutung ist löthiges Gold, löthiges Silber, 1) so viel als 16 löthiges, d. i. reines unvermischtes Gold oder Silber, wenn es hier nicht vielmehr von Loth, ein Gewicht überhaupt, abstammet, von welchem Worte loetig Silber im Schwabenspiegel Silber ist, welches das rechte, gehörige Gewicht hat. 2) In entgegen gesetzter Bedeutung ist löthiges Gold und löthiges Silber zuweilen auch vermischtes, wo die Mark einige Loth Zusatz enthält. Die löthige Mark, eine Mark solches vermischten Metalles von noch unbestimmter Mischung. 3) Im Hüttenbaue ist löthiges Erz so viel als einlöthiges, welches nur Ein Loth Silber im Zentner hält.
 
Artikelverweis 
Die Lothkirsche, plur. die -n, in den Gärten, eine Art großer dunkelrother säuerlicher Kirschen, wovon das Stück oft ein Loth wieget.
 
Artikelverweis 
Der Löthkolben, des -s, plur. ut nom. sing. bey verschiedenen Metallarbeitern, ein Kolben oder kolbiges Eisen, d. i. ein eiserner Keil an einem Stiele, um vermittelst desselben, wenn er heiß gemacht worden, das Loth im Löthen zu schmelzen. Bey den Orgelbauern wird er der Löthhammer genannt.
 
Artikelverweis 
Die Löthlampe, plur. die -n bey den Goldarbeitern, eine Lampe in Gestalt eines Hutes, kleine Sachen daran zusammen zu löthen.
 
Artikelverweis 
Die Lothleine, plur. die -n, in der Seefahrt, eine Leine oder ein Seil von der Dicke eines Zolles, an welcher das Bleyloth oder Senkbley befestiget ist, S. 1. Loth.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: