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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
1. Die Losung bis Lot (Bd. 2, Sp. 2110 bis 2111)
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Artikelverweis  1. Die Losung, plur. die -en, in einigen Gegenden, besonders im Bergbaue, wo die Losung oder Berglosung einen leeren Ort in den Gruben bedeutet, in welchen die Bergleute den Schutt werfen. Es scheinet in diesem Verstande den allgemeinen Begriff der Tiefe, des hohlen Raumes zu haben, und zu dem Worte Lase, eine Art eines Gefäßes, welches in einigen Gegenden auch Loskanne heißt, ingleichen zu dem Franz. Logis, loger u. s. f. zu gehören. S. Adelung Lase, Loch, und die übrigen dieses Geschlechtes. Die Sylbe ung ist hier vermuthlich so viel als ing, ein Ding, ein Subject zu bezeichnen.
 
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2. Die Losung, plur. inus. ein nur noch in einigen Fällen übliches Wort, ein gewisses Zeichen zu bezeichnen. 1) Im weitesten Verstande. So werden diejenigen Körper, welche zum Merkmahle mit unter die Mark- und Gränzsteine gelegt werden, häufig Loszeichen, die Losung und Marklosung oder Gränzlosung genannt. Andere nennen diese Körper, welche aus kleinen Steinen, Kohlen, Eyerschalen u. s. f. bestehen, Zeugen. Im Oberdeutschen ist Verlosung und Gelos noch eine Vorherbedeutung, ein Zeichen einer künftigen Sache, und losen solche Zeichen auslegen, ingleichen vorher sagen. Angezündete Feuer, gethane Schüsse, so fern sie verabredete Zeichen einer gewissen Sache sind, oder Signale, werden noch häufig die Losung, Losungsfeuer, Losungsschüsse genannt. 2) In engerer Bedeutung ist die Losung oder das Losungswort im Kriege das verabredete und dem Feinde unbekannte Wort, oder ein solcher Ausdruck, woran sich zu einander gehörige Personen oder Parteyen erkennen, welches auch das Feldgeschrey genannt wird. Die Losung geben, austheilen. Sie hatten aber eine Losung mit einander, die Männer von Israel und der Hinterhalt, Richt. 20, 38. Judas lagerte sich bey Modin, und gab diese Worte ihnen zur Losung: Gott gibt Sieg, 2 Macc. 13, 15. S. Parole, von welcher es noch unterschieden ist.
   Anm. Man hat es in der letzten Bedeutung von dem veralteten losen, hören, ableiten wollen. Allein aus der allgemeinern Bedeutung erhellet, daß es ehedem ein Zeichen überhaupt bedeutet haben müsse. Zu dem Hauptworte das Los, Sors, ließe es sich eher rechnen, zumahl da Opitz das Los ausdrücklich die Losung nennet. Die Endsylbe -ung kann so wohl ein Verbale von losen bezeichnen, als auch aus der Ableitungssylbe -ing entstanden seyn. S. -Ung.
 
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3. Die Losung, plur. die -en, das Verbale des Zeitwortes lösen, so fern es ehedem nur losen lautete, und in einigen Gegenden noch wirklich so gesprochen wird. 1. In den weitern Bedeutungen des Zeitwortes lösen, in welchen es im Hochdeutschen jetzt Lösung lautet, S. Adelung Lösen. In den ältern Schriften und noch jetzt in einigen Gegenden ist die Losung so wohl die Einlösung

[Bd. 2, Sp. 2111]


eines Pfandes, als auch das Näherrecht oder Einstandsrecht, ingleichen die Erlösung oder Befreyung von einer Verlegenheit, aus einer Gefahr u. s. f. 2. In einigen besondern Fällen, in welchen das Wort Losung auch noch hin und wieder im Hochdeutschen vorkommt. 1) Von lösen, sich lösen, oder losen, den Leib erleichtern, seine Nothdurft verrichten, pflegen die Jäger den Auswurf aller vierfüßigen Thiere die Losung oder das Gelos zu nennen. Aus dem Frisch erhellet, daß man auch den Durchfall bey Menschen die Losung genannt habe. 2) Von lösen oder losen, so fern es ehedem bezahlen bedeutete, wurde Losung (a) * ehedem sehr häufig für eine jede Bezahlung gebraucht, wovon Frisch einige Beyspiele anführet. Schwed. Lösu. (b) In engerer Bedeutung ist die Losung eine jede in Geld bestehende Abgabe an die Obrigkeit, sie bestehe in Steuer, Schatzung, Schoß, Abzug u. s. f. So werden in Nürnberg diejenigen drey Bürgermeister, welche der Losungsstube, d. i. dem allgemeinen Schatze, vorgesetzet sind, und das Losungsamt ausmachen, Losunger, Losungherren oder Losungsherren genannt, welche außer ihren gewöhnlichen Sitztagen zu derjenigen Zeit, wenn die Losung geschiehet, d. i. wenn die Bürger ihre Abgaben entrichten, täglich zusammen kommen müssen, und niemanden feyerlich begraben lassen, der noch Losung schuldig ist. (c) In weiterm Verstande ist die Losung an einigen Orten derjenige Antheil, welchen jemand an einer gemeinschaftlichen Schuld zu bezahlen hat. Zur Losung schwören, schwören, daß man seinen Antheil bezahlen wolle; daher oft ein jeder Antheil Portio, Rata, Quota, die Losung genannt wird. Vermuthlich gehöret hierher auch der in einigen, besonders Böhmischen Bergwerken übliche Ausdruck, wo eine Losung Wasser, Böhm. Lozunk, eine gewisse bestimmte Menge Wassers ist. Eine Losung Wassers hält daselbst 18 Schillinge, ein Schilling zwey lederne Schläuche, (S. Schilling,) ein Schlauch aber 40 Prager Pinten. Vielleicht so viel Wasser, als auf Ein Mahl gelöset, d. i. heraus geschaffet, wird, wenn es hier nicht vielmehr zu dem veralteten lossen, laden, gehöret, S. 1. Löschen. Der Böhmische Ausdruck Lozunk ist unstreitig das Deutsche Wort Losung. 3) Von lösen, ehedem losen, Geld einnehmen, ist die Losung im gemeinen Leben sehr häufig dasjenige Geld, was ein Kaufmann, Kramer oder kramender Handwerker für seine Waare einnimmt, daher auch die Casse, in welcher diese tägliche Einnahme verwahret wird, die Losungs-Casse, oft nur die Losung genannt wird. Geld aus der Losung nehmen, aus der Casse.
 
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Der Losunger, des -s, plur. ut nom. sing. S. das vorige.
 
Artikelverweis 
Das Losungsamt, des -es, plur. die -ämter, S. eben daselbst.
 
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Die Losungs-Casse, plur. die -n, S. eben daselbst.
 
Artikelverweis 
Das Losungsfeuer, des -s, plur. ut nom. sing. Siehe 2. Losung 1.
 
Artikelverweis 
Der Losungshêrr, des -en, plur. die -en, Siehe 3. Losung 2.
 
Artikelverweis 
Der Lōsungsschúß, des -sses, plur. die -schüsse, Siehe 2. Losung 1.
 
Artikelverweis 
Die Losungsstube, plur. die -n, S. 3. Losung 2. 2) (b).
 
Artikelverweis 
* Das Lot, des -es, plur. die -e, oder die Lote, plur. die -n, ein nur im Nieders. üblicher Ausdruck, eine an einer langen Stange befindliche Schaufel zu bezeichnen, womit der Schlamm aus einem Graben gezogen wird, und welche auch die Late oder Lotse heißt. Daher loten, oder lotsen, den Schlamm auf solche Art heraus ziehen. In den Lüneburgischen Salzwerken ist, dem Frisch zu Folge, das Lot, ein Werkzeug, das gesottene Salz damit aus den Pfannen zu heben. Wenn dieses Wort nicht zu los und lösen gehöret, so scheinet es mit Lase, 1. Losung, Lade, und andern dieses Geschlechtes, verwandt zu

[Bd. 2, Sp. 2112]


seyn, ein tiefes, hohles Gefäß zu bezeichnen. Es ist der Niederdeutschen Mundart gewöhnlich, das Oberdeutsche s in ein t zu verwandeln. Im mittlern Lat. ist Lothum ein gewisses Maß flüssiger Dinge. S. auch Lotte.

 

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