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Losemếnt bis 3. Die Losung (Bd. 2, Sp. 2107 bis 2110)
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Artikelverweis † Das Losemếnt, des -es, plur. die -er, ein nur in den niedrigen Sprecharten übliches und aus dem Franz. Logement verderbtes Wort, eine Wohnung, ein Wohnhaus und Wohnzimmer zu bezeichnen.
 
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1. * Losen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, das Neutrum des folgenden Activi lösen ist, und einer Sache los werden, davon befreyet werden, bedeutet. Im Hochdeutschen ist es völlig veraltet, so wie das gleichbedeutende gelosen, welches noch bey den Schlesischen Dichtern der vorigen Zeiten häufig vorkommt.
   Wo ich meiner Seelen Qual
   In dem herben Thränenthal
   Anders soll gelosen,
   Gryph. S. Adelung Gelosen, Verlieren und Verlust, welche beyden letzten gleichfalls hiervon abstammen.

[Bd. 2, Sp. 2108]



 
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2. * Losen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches noch in einigen Gegenden Oberdeutschlandes üblich ist, und nicht nur hören, sondern auch horchen bedeutet. Im Hochdeutschen ist es veraltet. Die Jäger pflegen von diesem Zeitworte noch die Ohren der wilden Thiere Lösel, Luser zu nennen. S. Adelung Lauschen.
 
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3. Losen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, von dem Hauptworte Los, sors, das Los werfen, durch das Los entscheiden. Um etwas losen. Zwey Missethäter, von welchen einer hängen soll, losen lassen. Losen ist so wie das Hauptwort Los ein allgemeiner Ausdruck, welcher nur überhaupt die Überlassung der Wahl oder Entscheidung einer Sache dem Ungefähr bezeichnet, die Art und Weise aber unbestimmt läßt. In besondern Fällen sind auch besondre Ausdrücke üblich, dergleichen spielen, würfeln, ziehen u. s. f. sind. Das Hauptwort die Losung ist nur in den Zusammensetzungen Auslosung und Verlosung üblich.
   Anm. Im Böhm. losowani. Ehedem war es auch für vorher bedeuten, vorbedeuten, und Verlosung für Vorbedeutung üblich, wovon Frisch einige Beyspiele angeführet hat. S. das Hauptwort Los und Losung.
 
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Lösen, verb. reg. act. von dem Bey- und Nebenworte los, los machen, wo es doch unter verschiedenen Einschränkungen gebraucht wird.
   1. So fern los locker bedeutet, ist lösen lockerer machen, den festen Zusammenhang zum Theil aufheben, wo es zugleich den Begriff der Behuthsamkeit mit einschließet; im gemeinen Leben auch lüften. Das Halsband, das Strumpfband, die Binde lösen, sie lockerer machen. Eine Schraube lösen, sie lockerer schrauben. Einem Kinde die Zunge lösen, sie beweglicher machen, durch Zerschneidung eines Theiles der Bande, womit sie unten befestiget ist. In figürlichem Verstande löset man jemanden die Zunge, wenn man ihn zum Reden beweget. Der Gärtner löset die Rinde eines Baumes, wenn er ein Auge zur Fortpflanzung hinein setzen will. Zusammen gekleistertes Papier von einander lösen. So auch in der Zusammensetzung ablösen. Hierher gehöret auch die bey den Jägern übliche figürliche R. A. sich lösen, oder als ein Neutrum lösen, oder losen, seine Nothdurft verrichten, doch nur von vierfüßigen Thieren, eigentlich sich leichter machen, sich erleichtern, welche Ausdrücke auch wohl in diesem Verstande vorkommen. Los, locker und leicht sind der Abstammung nach genau mit einander verwandt. S. Losung.
   2. Allen Zusammenhang zwischen zwey Dingen völlig aufheben.
   1) Eigentlich von körperlichen Dingen; wo es in der weitesten Bedeutung doch nur in den zusammen gesetzten ablösen und auflösen vorkommt. In engerer Bedeutung. (a) Von Dingen, welche gebunden, oder durch Bande befestiget sind, mit dem Nebenbegriffe der Behuthsamkeit. Bey den Jägern werden die Hunde gelöset, wenn man sie von dem Hängeseile, von dem Fangstricke oder von der Koppel los bindet, sie in Freyheit lässet. Eben daselbst werden die Archen und Windleinen gelöset, wenn sie los gemacht oder los gebunden werden. Den Ochsen von der Krippe lösen, Luc. 13, 14. Einen Knoten lösen, für auflösen. In vielen Fällen ist dafür ablösen üblicher. Auch die biblischen R. A. einen Gefangenen von den Banden lösen, Apostelg. 22, 30, ihm die Bande auf einige Zeit abnehmen, der Herr löset die Gefangenen, Ps. 146, 8, setzet sie in Freyheit, befreyet sie, sind im Hochdeutschen ungewöhnlich. (b) Von Dingen, welche gespannet sind, mit dem Nebenbegriffe der Geschwindigkeit; wo es besonders von dem Geschütze und Feuergewehren üblich ist. Eine Pistole, eine Büchse lösen, eigentlich durch Abdrückung des Hahnes, los schießen, los brennen. In

[Bd. 2, Sp. 2109]


weiterer Bedeutung auch von andern Arten des Geschützes. Die Kanonen lösen.
   2) Figürlich, von sittlichen Banden und Einschränkungen befreyen. (a) In der weitesten Bedeutung, wo es doch nur noch in der biblischen Schreibart üblich ist, im Gegensatze des Bindens. Ein Gesetz lösen, es aufheben. Die Sünde lösen, die Schuld und Strafe derselben aufheben. Die Gewalt zu lösen und zu binden, Sünde zu vergeben und zu behalten. Was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los seyn, Matth. 16, 19. Von der Befreyung von andern Arten des sittlichen Zwanges, von einer Gefahr u. s. f. ist erlösen üblicher, obgleich das einfache Zeitwort bey ältern Schriftstellern noch häufig vorkommt. Und löst ihn dadurch aus der Noth, Theuerd. Die zu lösen so ihm flehn, Opitz. (b) In engerer Bedeutung, durch ein Äquivalent von einer Verbindlichkeit befreyen. So löset man sich im gemeinen Leben durch ein Geschenk, wenn man angebunden worden, oder auch sonst eine Verbindlichkeit hat, dem andern ein Geschenk zu machen. (c) In noch engerer Bedeutung, durch ein Äquivalent von dem Eigenthumsrechte eines andern befreyen. Die Erstgeburt vom Esel sollt du lösen mit einem Schafe, 2 Mos. 13, 13. Das Leben des Ochsen lösen, Kap. 21, 30, erkaufen. Wer etwas von den Leviten löset, 3 Mos. 25, 33, das ihnen heim gefallen war. Den Acker lösen, der dem Herren geheiliget war, Kap. 27, 19. In dieser Bedeutung sind die zusammen gesetzten ablösen, auslösen und einlösen jetzt üblicher. Doch sagt man noch, sich lösen, sich mit hundert Thalern lösen, sich aus der Gefangenschaft oder Sklaverey los kaufen. Ehedem lösete man auch Pfänder, welche man jetzt einlöset. Hierher gehöret, (d) auch die dem ersten Anscheine nach sonderbare R. A. Geld lösen, d. i. Geld als ein Äquivalent für seine Waare oder Arbeit einnehmen, oder bekommen, eigentlich, es durch ein Äquivalent an Waare von dem Eigenthume eines andern befreyen. Geld für seine Waare lösen. Geld aus den Waaren lösen. Wir haben heute noch nichts gelöset. Wenn Thoren zu Markte gehen, so lösen die Krämer Geld. Jemanden Geld zu lösen geben, ihm Geld zuwenden, machen, daß er es einnehme. Ottfried gebraucht losen im thätigen Verstande für bezahlen, so wie das Lat. solvere so wohl auflösen, los machen, als bezahlen bedeutet. Wie es aber gekommen, daß unser lösen von der thätigen zur passiven Bedeutung, für bezahlet werden, übergegangen ist, ist schwer zu sagen. Im Schwed. lautet es in dieser passiven Bedeutung lossna, wo aber selbige aus der Endung -na, im Deutschen -nen, leicht begreiflich wird. Frisch führet verschiedene Beyspiele an, woraus erhellet, daß gelösen, gelosen und verlosen ehedem auch für verkaufen gebraucht worden.
   So auch die Lösung, in allen obigen Bedeutungen. Siehe aber auch Losung.
   Anm. Bey den ältern Oberdeutschen Schriftstellern losan, auch noch jetzt im gemeinen Leben einiger Mundarten losen und lossen, im Nieders. lösen, bey dem Ulphilas lausjan, im Angels. lesan, lysan, im Isländ. leisa, im Schwed. lösa, im Engl. to loose, im Dän. lose, im Lat. laxare und luere, welches letztere ehedem eigentlich bezahlen bedeutete, im Griech. λυσαι, λυζειν, λυειν. S. das Beywort Los, Lassen, Losung, Schließen u. s. f. Ottfried gebraucht für erlösen noch irlaren, woraus zugleich die Verwandtschaft mit unserm leer und verlieren, Verlust erhellet. Das Neutrum dieses Activi, losen, gelosen, einer Sache los werden, ist veraltet. S. 1. Losen.
 
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* Der Löser, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person, welche etwas löset, d. i. ab- oder einlöset; ein ungebräuchliches Wort, welches nur 3 Mos. 25, 26 vorkommt. Wenn jemand keinen Löser hat, der sein verkauftes Gut im Jubeljahre für ihn einlöse.

[Bd. 2, Sp. 2110]


In dem Nahmen Julius-Löser, einer bekannten Art Silbermünzen, welche Herzog Julius zu Braunschweig in den Jahren 1576 bis 1586 zu 10, 5 und 21/2 Thlr. schlagen lassen, ist dieses Wort, der wahrscheinlichsten Muthmaßung nach, von dem Nahmen der Portugalöser entlehnet. Denn eine andere Meinung, daß ein jeder Unterthan eine solche Münze einlösen und aufheben müssen, um sie dem Herzoge im Falle der Noth borgen zu können, der sie hernach den Unterthanen wieder zugestellet habe, ist noch streitig.
 
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Der Löseschlüssel, des -s, plur. inus. in der Kirchensprache, ein sinnbildlicher Ausdruck der Gewalt, bußfertigen Personen die göttliche Lossprechung von ihren Sünden zu versichern, und in engerer Bedeutung, von der Kirchengemeinschaft ausgeschlossene Personen wieder in dieselbe aufzunehmen. Beydes im Gegensatze des Bindeschlüssels.
 
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Die Lösestunde, plur. die -n, im Bergbaue, diejenige Stunde, in welcher die Arbeiter einander ablösen.
 
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1. Die Losung, plur. die -en, in einigen Gegenden, besonders im Bergbaue, wo die Losung oder Berglosung einen leeren Ort in den Gruben bedeutet, in welchen die Bergleute den Schutt werfen. Es scheinet in diesem Verstande den allgemeinen Begriff der Tiefe, des hohlen Raumes zu haben, und zu dem Worte Lase, eine Art eines Gefäßes, welches in einigen Gegenden auch Loskanne heißt, ingleichen zu dem Franz. Logis, loger u. s. f. zu gehören. S. Adelung Lase, Loch, und die übrigen dieses Geschlechtes. Die Sylbe ung ist hier vermuthlich so viel als ing, ein Ding, ein Subject zu bezeichnen.
 
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2. Die Losung, plur. inus. ein nur noch in einigen Fällen übliches Wort, ein gewisses Zeichen zu bezeichnen. 1) Im weitesten Verstande. So werden diejenigen Körper, welche zum Merkmahle mit unter die Mark- und Gränzsteine gelegt werden, häufig Loszeichen, die Losung und Marklosung oder Gränzlosung genannt. Andere nennen diese Körper, welche aus kleinen Steinen, Kohlen, Eyerschalen u. s. f. bestehen, Zeugen. Im Oberdeutschen ist Verlosung und Gelos noch eine Vorherbedeutung, ein Zeichen einer künftigen Sache, und losen solche Zeichen auslegen, ingleichen vorher sagen. Angezündete Feuer, gethane Schüsse, so fern sie verabredete Zeichen einer gewissen Sache sind, oder Signale, werden noch häufig die Losung, Losungsfeuer, Losungsschüsse genannt. 2) In engerer Bedeutung ist die Losung oder das Losungswort im Kriege das verabredete und dem Feinde unbekannte Wort, oder ein solcher Ausdruck, woran sich zu einander gehörige Personen oder Parteyen erkennen, welches auch das Feldgeschrey genannt wird. Die Losung geben, austheilen. Sie hatten aber eine Losung mit einander, die Männer von Israel und der Hinterhalt, Richt. 20, 38. Judas lagerte sich bey Modin, und gab diese Worte ihnen zur Losung: Gott gibt Sieg, 2 Macc. 13, 15. S. Parole, von welcher es noch unterschieden ist.
   Anm. Man hat es in der letzten Bedeutung von dem veralteten losen, hören, ableiten wollen. Allein aus der allgemeinern Bedeutung erhellet, daß es ehedem ein Zeichen überhaupt bedeutet haben müsse. Zu dem Hauptworte das Los, Sors, ließe es sich eher rechnen, zumahl da Opitz das Los ausdrücklich die Losung nennet. Die Endsylbe -ung kann so wohl ein Verbale von losen bezeichnen, als auch aus der Ableitungssylbe -ing entstanden seyn. S. -Ung.
 
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3. Die Losung, plur. die -en, das Verbale des Zeitwortes lösen, so fern es ehedem nur losen lautete, und in einigen Gegenden noch wirklich so gesprochen wird. 1. In den weitern Bedeutungen des Zeitwortes lösen, in welchen es im Hochdeutschen jetzt Lösung lautet, S. Adelung Lösen. In den ältern Schriften und noch jetzt in einigen Gegenden ist die Losung so wohl die Einlösung

[Bd. 2, Sp. 2111]


eines Pfandes, als auch das Näherrecht oder Einstandsrecht, ingleichen die Erlösung oder Befreyung von einer Verlegenheit, aus einer Gefahr u. s. f. 2. In einigen besondern Fällen, in welchen das Wort Losung auch noch hin und wieder im Hochdeutschen vorkommt. 1) Von lösen, sich lösen, oder losen, den Leib erleichtern, seine Nothdurft verrichten, pflegen die Jäger den Auswurf aller vierfüßigen Thiere die Losung oder das Gelos zu nennen. Aus dem Frisch erhellet, daß man auch den Durchfall bey Menschen die Losung genannt habe. 2) Von lösen oder losen, so fern es ehedem bezahlen bedeutete, wurde Losung (a) * ehedem sehr häufig für eine jede Bezahlung gebraucht, wovon Frisch einige Beyspiele anführet. Schwed. Lösu. (b) In engerer Bedeutung ist die Losung eine jede in Geld bestehende Abgabe an die Obrigkeit, sie bestehe in Steuer, Schatzung, Schoß, Abzug u. s. f. So werden in Nürnberg diejenigen drey Bürgermeister, welche der Losungsstube, d. i. dem allgemeinen Schatze, vorgesetzet sind, und das Losungsamt ausmachen, Losunger, Losungherren oder Losungsherren genannt, welche außer ihren gewöhnlichen Sitztagen zu derjenigen Zeit, wenn die Losung geschiehet, d. i. wenn die Bürger ihre Abgaben entrichten, täglich zusammen kommen müssen, und niemanden feyerlich begraben lassen, der noch Losung schuldig ist. (c) In weiterm Verstande ist die Losung an einigen Orten derjenige Antheil, welchen jemand an einer gemeinschaftlichen Schuld zu bezahlen hat. Zur Losung schwören, schwören, daß man seinen Antheil bezahlen wolle; daher oft ein jeder Antheil Portio, Rata, Quota, die Losung genannt wird. Vermuthlich gehöret hierher auch der in einigen, besonders Böhmischen Bergwerken übliche Ausdruck, wo eine Losung Wasser, Böhm. Lozunk, eine gewisse bestimmte Menge Wassers ist. Eine Losung Wassers hält daselbst 18 Schillinge, ein Schilling zwey lederne Schläuche, (S. Schilling,) ein Schlauch aber 40 Prager Pinten. Vielleicht so viel Wasser, als auf Ein Mahl gelöset, d. i. heraus geschaffet, wird, wenn es hier nicht vielmehr zu dem veralteten lossen, laden, gehöret, S. 1. Löschen. Der Böhmische Ausdruck Lozunk ist unstreitig das Deutsche Wort Losung. 3) Von lösen, ehedem losen, Geld einnehmen, ist die Losung im gemeinen Leben sehr häufig dasjenige Geld, was ein Kaufmann, Kramer oder kramender Handwerker für seine Waare einnimmt, daher auch die Casse, in welcher diese tägliche Einnahme verwahret wird, die Losungs-Casse, oft nur die Losung genannt wird. Geld aus der Losung nehmen, aus der Casse.

 

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