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2. Die Lorke bis 2. Die Lsche (Bd. 2, Sp. 2100 bis 2103)
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Artikelverweis  2. Die Lorke, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, ein geschmackloses trübes Getränk, S. Adelung Lauer.
 
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3. Die Lorke, plur. die -n, eine Art Wasserkröten, welche im Frühlinge ein heulendes Getöne in dem Wasser machen; vermuthlich von löhren, eintönig heulen. Das aber im Nidersächsischen auch eine jede Kröte Lork genannt wird, so muß dieses Wort wohl einem andern Stamme zugehören.
 
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Der Lorrendreyer, des -s, plur. ut nom. sing. in den Niederdeutschen Seestädten, ein Schiffer, welcher die obrigkeitlichen Zölle unterschlägt oder hintergehet, Contrebande führet u. s. f. Daher die Lorrendreyerey, die Veruntreuung der Zölle u. s. f.
 
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Die Lorve, plur. die -n, S. Adelung Larve.
 
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Das Los, des -es, plur. die -e. 1. Ein Stab, Zettel, oder jedes körperliches Ding, vermittelst dessen von dem Ungefähre bestimmten Veränderung Dinge ausgetheilet, und ungewisse oder streitige Sachen entschieden werden. Das Los über etwas werfen, wo das Hauptwort so wohl kleine Stäbe, die ältesten Werkzeuge dieser Art, als auch Würfel bedeuten kann. Ein Los in der Lotterie, das Lotterie-Los. Ein Los nehmen. kaufen. Mein Los hat gewonnen. 2. Der auf solche Art durch das Ungefähr bestimmte Antheil. 1) Eigentlich, wo es doch in Lotterien und ähnlichen Glücksspielen nicht, wohl aber in andern Arten zu losen üblich ist. Wenn Waaren, Beute u. s. f. durch das Los ausgetheilet werden sollen, so werden die Theile, welche durch das Ungefähr ihren Herren bekommen sollen, Lose genannt. 2) Figürlich, besonders in der höhern Schreibart, das Eigenthum einer Sache, jedes Schicksal, so fern man dasselbe nicht unmittelbar sich selbst zu verdanken hat; ohne Plural. Das glücklichste Los des Reichthums, der Hoheit und Ehre ist unbeständig, Gell. Selbstbetrug und Thorheit sind der Menschen Los, Zimmermann. Kümmerniß und Qual ist das gewöhnliche Los der Menschen.
   Der Weise hat ein Los das seinen Werth entscheidet,
   Verdienste, wo er gilt und Unschuld, wo er leidet,
   Hag. 3. Die Wahl oder Entscheidung einer Sache durch das Ungefähr; ohne Plural. 1) Eigentlich. Etwas dem Lose überlassen, es durch das Los entscheiden. Das Loos stillet den Hader, Sprichw. 18, 18. 2) Figürlich, das Schicksal, das Ungefähr, in der höhern Schreibart. Wenn das Los der Sterblichkeit diese Bitte nicht fruchtlos mache.
   Anm. Bey dem Ottfried so wohl ther Loz, als auch thie Loza, im Tatian Lozze, im Pohln. und Böhm. Los. Die meisten andern Sprachen und Mundarten haben statt des Zischlautes das verwandte t, bey dem Ulphilas Hlauts, Niedersächs. Laut, Lott, Angels. Hlot, Hlyt, Engl. Lot, Dän. Lodt, Schwed. Lott, Isländ. Lut, Hlut, Ital. Lotto, Franz. Lot, im Bretagnischen Laut, Laot. Der Begriff des Zufalles oder Zufallens scheinet in diesem Worte der herrschende zu seyn, so daß es zu denjenigen Wörtern gehören würde, welche eine geschwinde Bewegung bezeichnen, dergleichen plötzlich, Fleiß, leicht, flattern u. s. f. Im Schwed. ist ljuta so wohl bekommen, als auch geschehen, sich zutragen, welches aber von Lut, Lott, das Los, abgeleitet wird. Da indessen die Stäbe die ältesten Werkzeuge des Losens waren, und auch das besonders im Niederdeutschen übliche Kabel, das Los, allem Ansehen nach von Kafel, ein Stab, abstammet, so stehet es dahin, ob unser Los nicht auf ähnliche Art von Leiste, Latte, Lode u. s. f. welche insgesammt einen langen dünnen Körper bedeuten, entstanden seyn könne. S. Adelung Losen. Erst in den neuern Zeiten hat man angefangen dieses Wort Loos zu schreiben, um es von dem folgenden Beyworte los zu unterscheiden. Allein diese Art des Unterschiedes ist schon längst für unnütz und thöricht erkläret worden; über dieß ist die Verdoppelung der Selbstlauter nur in wenig

[Bd. 2, Sp. 2101]


Fällen zu empfehlen. Der folgende einfache Mitlaut s sichert die Dehnung des vorher gehenden o hinlänglich, so daß keine Verdoppelung nöthig ist.
 
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Los, -er, -este, adj. et adv. welches auf doppelte Art gebraucht wird.
   I. Als ein Bey- und Nebenwort; wo es, 1. im gemeinen Leben, besonders der Niedersachsen, sehr häufig für locker, im Gegensatze dessen was fest ist, gebraucht wird, und zwar so wohl von dem Mangel der Befestigung. Ein loser, lockerer, Zahn. Es ist mir ein Zahn los, locker. Lose Steine in der Mauer, lockere. Ein loses Bret in der Wand, ein lockeres, nicht befestigtes. Die Haare los hängen lassen, ungebunden, uneingeflochten. Die Waaren sind sehr los eingepackt, sehr locker, nicht fest. Als auch von dem Mangel der Dichtigkeit. Loses Erdreich, lockeres. Loses Brot, lockeres Brot. Daher in Niedersachsen die Weißbäcker, welche weißes lockeres Weitzenbrot backen, Losbäcker genannt werden, zum Unterschiede von den Fast- oder Festbäckern, welche derbes Rockenbrot verfertigen, und an andern Orten Schwarzbäcker heißen. 2. Figürlich. 1) Leichtfertig; wo es aber jetzt lose lautet, S. dieses Wort. 2) Einer Sache beraubt, Mangel an derselben leidend; wo es doch nur in Zusammensetzungen gebraucht, und alsdann hinten an Hauptwörter gehängt wird, eine Beraubung, einen Mangel derselben zu bezeichnen. Die meisten Wörter dieser Art können so wohl als Beywörter, als auch als Nebenwörter gebraucht werden, leiden auch die Comparation, weil der Mangel oder die Beraubung allerdings Stufen hat. Ein hülfloses Kind, welches der Hülfe beraubt ist, keine Hülfe hat. Hülflos da liegen, ohne Hülfe. Ein grundloses Wasser, Vorgeben. Der Weg ist grundlos. Ein heilloser Mensch. Sehr kraftlos seyn. Kraftlose Speise. Sprachlos da liegen. So auch sinnlos, sorglos, ruchlos, treulos, trostlos, wehrlos, dienstlos, ehelos, ehrlos, gewissenlos, bodenlos, brotlos, fruchtlos, herrenlos, leblos, lieblos, schlaflos, und tausend andere mehr. In gottlos scheinet die mehr eigentliche Bedeutung des Mangels der Verbindung zum Grunde zu liegen. Dieses Wort ist in der höhern Schreibart von gutem Nutzen, indem sich, mit genauer Beobachtung der Analogie, vermittelst desselben noch täglich neue Wörter bilden lassen. Die endlose Ewigkeit. Du siehest die endlose Tiefe meines Verderbens. Der wolkenlose Himmel. Nahmenlose Schriftsteller, so wohl ungenannte, als unbekannte und unberühmte. Das uferlose Meer.
   Der träge Körper ruht trieblos von außen her,
   Dusch. Die Veränderungen, welche das Hauptwort bey die er Zusammensetzung leidet, lassen sich nur durch den Gebrauch bestimmen. Die meisten Hauptwörter auf e werfen dasselbe weg. Hülflos von Hülfe, endlos von Ende, so auch sprachlos, lieblos u. s. f. Einige behalten es, wie ehelos. Andere werfen das en am Ende weg, wie leblos, schadlos, nahmlos, wofür man aber auch nahmenlos sagt; die meisten aber behalten es, wie bodenlos, gewissenlos. Die auf -ung, nehmen noch ein s an, hoffnungslos, nahrungslos, wofür man aber auch sagt nahrlos. Herrenlos, kinderlos und andere sind von dem Plural gebildet. Alle Wörter dieser Art lassen sich vermittelst der Sylbe keit, auch zu Hauptwörtern erhöhen, in welchem Falle sie aber vorher die Sylbe ig annehmen müssen. Die Athemlosigkeit, Gottlosigkeit, Schlaflosigkeit, Kraftlosigkeit, Leblosigkeit, Lieblosigkeit, Trostlosigkeit u. s. f. einen Zustand, und in engerer Bedeutung auch eine Fertigkeit zu bezeichnen. Verwahrlosen ist vielleicht das einzige, wo es ein Zeitwort bilden hilft.
   II. Als ein Adverbium allein, der Befestigung, des Zusammenhanges mit einem andern Dinge beraubt; wo es nur allein Zeitwörtern zugesellet wird, und keine Comparation leidet.

[Bd. 2, Sp. 2102]



   1. Im weitesten Verstande. 1) Eigentlich, von der körperlichen Befestigung, von dem körperlichen Zusammenhange. Ein angebundenes Pferd los binden. Ein angenageltes Bret los machen. Einen Stein los brechen. Jemanden los lassen, den man hielt. Sich von jemanden los reißen. Etwas los schneiden, los hauen. Ein angeschrobenes Ding los schrauben. 2) Figürlich, der moralischen oder bürgerlichen Verbindung beraubet, von einer Verbindung, und in engerer Bedeutung, von einer Einschränkung, von einem Zwange befreyet. Einen Gefangenen los lassen, ihn in Freyheit setzen. Einen Leibeigenen, einen Gefangenen los geben, ihm die Freyheit geben. Einen Schuldner los bürgen, ihm durch seine Bürgschaft die Freyheit verschaffen. Einen Sklaven los kaufen. Sich von jemanden los machen, sich der beschwerlichen Verbindung mit ihm entledigen. Sich von einer Schuld, von einer Person los sagen, sich aller Ansprüche darauf mündlich begeben. Jemanden von einem Verbrechen los sprechen, los zählen. Sich von einer Person los reißen. Jemanden los bitten, dessen Freyheit erbitten. Los kommen, in Freyheit kommen. Von jemanden los kommen, aus der beschwerlichen Verbindung mit ihm kommen. Jemanden los helfen. Sich los schwören. Besonders mit den Zeitwörtern seyn und werden, von der beschwerlichen Verbindung mit einer Sache befreyet werden; am häufigsten, besonders in der anständigern Sprechart, mit der zweyten Endung der Sache. Einer Sache los seyn. Nun bin ich der Last los. Jetzt bin ich seiner los. Auf diese Art werden ich und du vieler Sorge los, Gell. Im gemeinen Leben auch mit der vierten. Um nur die Sache los zu werden. Jetzt bin ich ihn los.
   Denn sagt, was thut man nicht, ein Übel los zu seyn?
   Gell. Ingleichen mit dem Vorworte von. Nun bin ich von ihm los. 2. In engerer Bedeutung, von Dingen, welche an einer schnellen Bewegung, an ihrem Laufe durch einen körperlichen Zwang zurück gehalten werden, wenn man diesen Zwang wegnimmt, und sie ihrer Geschwindigkeit überläßt. 1) Eigentlich. Die Hunde los lassen. Den Bogen los drücken. Los schnellen. Besonders von Schießgewehren. Ein Gewehr los schießen, los brennen. Los drücken, durch Drücken an der Zunge los schießen. Das Gewehr gehet los, wenn das Pulver Feuer fängt. 2) Figürlich, von Dingen, welche plötzlich in eine schnelle Bewegung gerathen. Nun geht das Zanken los, der Zank bricht aus. Nun geht es los, nun nimmt die Sache einen raschen Anfang. Los beichten, ohne längere Zurückhaltung heraus beichten. Los schlagen, ausschlagen, ohne längere Zrückhaltung zuschlagen. Auf jemanden los ziehen, ihn ohne Nachsicht tadeln, verleumden u. s. f. Es hätte nicht viel gefehlet, so wäre ich los geplatzet, hätte es ohne Zurückhaltung heraus gesagt. Und andere ähnliche mehr.
   Anm. 1. Wenn dieses Wort den Zeitwörtern beygesellet wird, folglich ein eigentliches Nebenwort ist, so wird es mit denselben oft als Ein Wort geschrieben; losmachen, lossprechen, losgehen u. s. f. Das ist allem Ansehen nach ein Mißbrauch. Das Vorrecht der Zusammenziehung mit Zeitwörtern haben unter den Partikeln nur die Vorwörter hergebracht; einige wenige Nebenwörter ausgenommen, von welchen sich aber großen Theiles erweisen lässet, daß sie ehedem auch als Vorwörter üblich gewesen. Von los läßt sich das nun nicht darthun. So wenig man also locker machen, fest halten, leise gehen, schlaff werden, und andere ähnliche Nebenwörter mit ihren Zeitwörtern zusammen ziehet, so wenig sollte man es auch hier thun. Man muß daher diejenigen R. A. welche etwa einen besondern Nebenbegriff haben, bey den jedesmahligen Zeitwörtern aufsuchen.

[Bd. 2, Sp. 2103]



   Anm. 2. Dieses alte Wort lautet bey dem Ottfried, der es schon für frey gebraucht, los, im Nieders. gleichfalls los, im Schwed. lös. Auch in der Zusammensetzung ist es schon sehr alt, indem es in dieser Form bey dem Ulphilas -laus, im Angels. -leas, im Holländ. -loos, im Isländ. -laus, und im Engl. -less lautet. Es gehöret unstreitig zu dem Geschlechte der Wörter laß, lassen, ledig, so fern es schlaff bedeutet, locker, und ursprünglich auch zu allen denen, in welchen der Begriff einer schnellen Bewegung der Stammbegriff ist; S. Adelung Fleiß, Fließen, Leiten u. s. f. Das Griech. αλασσειν, befreyen, das Latein. laxus, laxare, das Hebr. 05d705dc05e5, frey machen, das Wendische lozhem, absondern, und andere dieser Art sind gleichfalls damit verwandt.
 
Artikelverweis 
Der Losbäcker, des -s, plur. ut nom. sing. S. das Beywort Los 1.
 
Artikelverweis 
Lōsbrchig, adj. et adv. von der R. A. los brechen, welches nur bey den Jägern üblich ist. Eine Sau, oder wildes Schwein, wird losbrüchig gemacht, wenn es aus seinem Lager aufgejaget wird.
 
Artikelverweis 
Der Lschbrand, des -es, plur. die -brände, ein gelöschter oder ausgelöschter Brand, im gemeinen Leben. Fürchte dich nicht vor diesen zween rauchenden Löschbränden, Es. 7, 4.
 
Artikelverweis 
1. Die Lsche, plur. die -n, eine in West-Preußen übliche Art Fahrzeuge auf den Flüssen und Landseen; ohne Zweifel als ein Verwandter von den Wörtern Lase, Loch, Flasche, Schleuse u. s. f. welche insgesammt einen hohlen, tiefen Raum bedeuten. Bey den Kosaken heißt der Kahn Lotke, S. die Lade. Bey dem Pictorius ist das Lösch das Flugloch in einem Bienenstocke.
 
Artikelverweis 
2. Die Lsche, plur. die -n, ein von dem Zeitworte löschen, extinguere, nur bey den Bäckern übliches Wort, wo die Lösche ein kleiner Kübel ist, den Kehrwisch darin abzulöschen, welcher auch der Löschtrog genannt wird.

 

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