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Lohnbauer bis Lohnrêst (Bd. 2, Sp. 2095 bis 2098)
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Artikelverweis Der Lohnbauer, des -n plur. die -n, in einigen Gegenden, eine des Ackerbaues kundige Person, welche man für einen jährlichen Lohn dinget, die Feldarbeiten auf einem Landgute zu verrichten, und die Aufsicht darüber zu führen; der Hofmeier, Hofmeister u. s. f.
 
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Die Löhne, der Ahorn, S. 1. die Lehne.
 
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Lohnen, verb. reg. act. et neutr im letztern Falle mit haben, Lohn geben, ein Gutes für ein vorher gegangenes Verhalten erweisen, wo es am häufigsten mit der dritten Endung der Person, im gemeinen Leben aber auch mit der vierten gebraucht wird.
   1) In der ersten weitesten Bedeutung des Wortes Lohn, für ein vorher gegangenes rechtmäßiges, oder als rechtmäßig betrachtetes Verhalten, Gutes erweisen, belohnen; und in noch weiterer Bedeutung, nach Maßgebung des vorher gegangenen Verhaltens Gutes oder Böses erweisen. Gott hat mir gelohnet, daß ich meine Magd meinem Manne gegeben habe, 1 Mos. 30, 18. Der Herr lohne ihnen wie sie es verdienet haben, Sir. 35, 24. Thue ichs gerne, so wird mir gelohnet, 1. Cor. 9, 17. In dieser Bedeutung kommt es noch zuweilen in der dichterischen Schreibart vor, da es denn den niedrigen Nebengriff des Hauptwortes Lohn verlieret.
   Möcht ich doch leben, ihrer Treu zu lohnen!
   Schleg.
   Segnet sein Grab, streut Rosen darauf, und lohnt ihm mit Beyfall,
   Zachar.
    Ich würde, hätt ich Kronen,
   Sie dem Vergnügen weihn, ganz ihrer Treu zu lohnen,
   Weiße Ingleichen für strafen, wo belohnen minder üblich ist. So wurde ihm für seine Verbrechen gelohnet. In der Landwirthschaft sagt man, das Getreide lohne gut, wenn es durch seine Ergiebigkeit die aufgewandte Mühe reichlich belohnet. 2) In engerer Bedeutung, für einen geleisteten Dienst, für eine übernommene Bemühung Gutes erweisen; wo es gleichfalls so wohl im gemeinen Leben als in der anständigern Sprechart gebraucht wird, ohne den niedrigen Begriff des Hauptwortes zu haben. Er hat mir mit Undanke gelohnet, im gemeinen Leben, er hat mich. Wird mir so gelohnet? Aus welcher Wortfügung im

[Bd. 2, Sp. 2097]


Passivo zugleich erhellet, daß die dritte Endung der Person angemessener ist, als die vierte.
   Und meinem Erretter mit Undank gelohnet,
   Gryph.
   Sie lohnet dir mit Unverstand,
   Gell. Hierher gehöret auch die sonderbare figürliche R. A. es lohnet, oder es lohnt sich der Mühe, d. i. es ist der Mühe werth, die angewandte Mühe wird vergolten; besser und grammatisch richtiger, es belohnt die Mühe. Es lohnt sich allerdings der Mühe, Less. Ingleichen ohne Reciprocation. Aber die Geschichtbücher erst lange nachschlagen, lohnt der Mühe nicht, Less. Wenn nur Wahrheit zum Grunde läge, die es der Mühe lohnte, aus seiner verworrenen Schreibart heraus zu fitzen, ebend. Wo man auch die vierte Endung findet. Die Schönheiten, welche er uns bringen würde, werden schwerlich das Ansehen lohnen. Ingleichen mit Auslassung des Hauptwortes. Lohnte die Schwachheit wohl, daß ich auch nur eine Minute darüber böse würde? wäre sie wohl der Mühe werth? Ob das noch geschehen werde, lohnt nicht zu sagen, Herd. lohnt nicht der Mühe. 3) In der dritten engsten Bedeutung des Hauptwortes Lohn, Lohn für geleistete Handarbeiten geben, wo es im gemeinen Leben am häufigsten ist, und alsdann gemeiniglich die vierte Endung bekommt. Das Gesinde lohnen. Den Fuhrmann lohnen. In der anständigern Sprechart aber auch die dritte. Säuge das Kind, ich will dir lohnen, 2 Mos. 2, 9. Sie lohen dem Goldschmid, daß er einen Gott daraus mache, Es. 46, 6.
   Das Hauptwort die Lohnung ist nur in den Zusammensetzungen üblich.
   Anm. Schon bey dem Ottfried lonon, im Isländ. launa, im Schwed. lona, im Dän. lonne.
 
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Der Löhner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Löhnerinn, eine Person, welche Lohn empfängt, welche um Lohn arbeitet, in der dritten Bedeutung dieses Hauptwortes. Im Hochdeutschen ist es nur in dem zusammen gesetzten Tagelöhner üblich, welche in einigen Provinzen auch nur Löhner schlechthin genannt werden. In den im Österreichischen üblichen Ausdrücken Ganzlöhner, Halblöhner, Viertellöhner, eine Art Bauern zu bezeichnen, scheinet es so viel als Lehner zu seyn, von Lehen, Feudum; S. die obigen Wörter.
   Anm. Dieses Wort ist so wie Löhnung nicht von dem vorigen Zeitworte, sondern vermittelst der Ableitungssylbe -er unmittelbar von Lohn gebildet. Von dem Zeitworte müßte es der Lohner heißen, wie in Belohner, und eine thätige Bedeutung haben.
 
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Das Lohnhandwêrk, des -es, plur. die -e, ein Handwerk, dessen Meister nur für Lohn arbeitet, d. i. nur bestellte Arbeit macht, dergleichen Handwerk das Schneiderhandwerk ist, zum Unterschiede von einem Kramhandwerke, wo Arbeiten auf den Kauf gemacht werden. Daher der Lohnhandwerker, ein solcher Handwerksmann.
 
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Der Lohnjunge, des -n, plur. die -n, bey einigen Handwerkern, z. B. den Zimmerleuten, ein Junge oder Lehrling, welcher bereits einigen Lohn bekommt.
 
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Die Lohnkutsche, plur. die -n, eine Kutsche, deren Gebrauch man auf kurze Zeit für einen bestimmten Lohn hat; die Miethkutsche. Daher der Lohnkutscher, ein Kutscher, welcher in seiner Kutsche und mit seinen Pferden andere um einen gewissen Lohn fähret; der Miethkutscher.
 
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Der Lōhnlackēy, des -en, plur. die -en, nicht ein Lackey, welcher Lohn bekommt, sondern in engerer Bedeutung, welchen man für einen gewissen Lohn auf eine kurze Zeit zu seiner Bedienung hat; ein Lehnlackey, welches Wort vielleicht aus Lohnlackey verderbt ist.

[Bd. 2, Sp. 2098]



 
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Das Lōhnlóch, des -es, plur. die -löcher, ein Nahme der mittelsten Löcher an dem Grängel des Pfluges; ohne Zweifel weil man den Pflug vermittelst derselben stellet, wenn man um Lohn pflüget; zum Unterschiede von den Frohnlöchern, den nächsten an dem Segloche, und von den Herrenlöchern oder den vordersten Löchern.
 
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Das Lohnregister, des -s, plur. ut nom. sing. im Bergbaue, ein Register, wonach der Schichtmeister den Bergleuten ihren Lohn bezahlet.
 
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Der Lohnrêst, des -es, plur. die -e, eben daselbst, der rückständige Lohn der Bergleute.

 

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