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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Lohmühle bis Lōhnlackēy (Bd. 2, Sp. 2095 bis 2097)
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Artikelverweis Die Lohmühle, plur. die -n, eine Mühle, auf welcher die Baumrinde zu Lohe gemahlen wird. Daher der Lohmüller.
 
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Der Lohn, des -es, plur. car. 1) In der weitesten Bedeutung, das Gute, welches einem andern um seines Verhaltens willen erzeiget wird; eine nur noch im gemeinen Leben und in der biblischen Schreibart übliche Bedeutung, wofür in der anständigern Sprechart Belohnung gangbarer ist. Fürchte dich nicht Abram, ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn, 1 Mos. 15, 1. Was gibt mir aber Gott zu Lohn von oben? Hiob 31, 2. Sie haben ihren Lohn dahin, Matth. 6, 2. Ich komme, und mein Lohn mit mir, Offenb. 22, 12. Und so in andern Stellen mehr. In noch weiterer Bedeutung auch das Übel, welches jemanden um seines vorher gegangenen unrechtmäßigen Verhaltens willen zugefüget wird; nur in der harten Schreibart. Er wird ihnen (den Gottlosen) ein Wetter zum Lohn geben, Ps. 11, 6. Das ist der Lohn eines gottlosen Menschen bey Gott, Hiob 20, 29. Das ist der Lohn unserer Räuber, Es. 17, 14. Von einem bestraften Verbrecher sagt man, er habe seinen verdienten Lohn bekommen. 2) In engerer Bedeutung, das Gute, welches einem andern für seine geleisteten Dienste erzeiget wird; gleichfalls nur im gemeinen Leben, und in der harten Schreibart, für Belohnung, Vergeltung, Besoldung u. s. f. Der verdiente Lohn, wenn der andere vorher zu diesen Diensten nicht verbunden gewesen, im Gegensatze des, doch nur in der Theologie üblichen, Gnadenlohnes. Undank ist der Welt Lohn. Der Arztlohn, die Arztgebühren. Willt du meinen Sohn geleiten, so will ich dir deinen Lohn geben, Tob. 5, 15. Die Ältesten der Moabiter hatten den Lohn des Wahrsagers (für den Bileam,) in ihren Händen, 4 Mos. 22, 7. 3) In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung bezeichnet Lohn nur die gehörige Vergeltung einer Handarbeit, zu welcher der andere nicht verbunden gewesen. So bekommen das Gesinde, Tagelöhner, Fuhrleute, und in der harten Schreibart auch Handwerker u. s. f. für die körperlichen Dienste, welche sie uns leisten, Lohn. Um Lohn dienen, arbeiten. Dem Gesinde seinen Lohn geben. Die Fracht ist hoch im Lohne, der Fuhrmann fordert viel Fracht. Um den Lohn eins werden. Jemanden Lohn und Brot geben, ihn in seinem Dienste haben. Ein Arbeiter ist seines Lohnes werth.
   Anm. 1. Im gemeinen Leben kennt man auch den Plural die Löhne, theils von dem Lohne mehrerer Individuen, theils auch von mehrern Summen dieser Art; allein in der anständigen Schreibart wird er billig vermieden. In Ansehung des Geschlechtes sind die Deutschen Mundarten sehr unbeständig. Im Hoch- und Oberdeutschen ist das männliche das gewöhnlichste, im Niederdeutschen aber das ungewisse. Doch höret man in den erstern auch oft das Lohn. Und das Lohn deiner Knechte will ich dir geben, 1 Kön. 5, 6; ungeachtet Luther in den meisten übrigen Fällen das männliche gebraucht. Wenn ich sie, ehe das Jahr um ist, fortjage, so muß ich ihr das ganze Lohn bezahlen, Gell.
   Ein jeder Held hat schon sein Lohn hinweg genommen,
   Opitz; welcher diesem Worte bald das männliche, bald das ungewisse Geschlecht gibt. Diese Unbeständigkeit hat sich auch in den Zusammensetzungen eingeschlichen. Im Hochdeutschen sagt man am häufigsten der Arbeitslohn, der Gnadenlohn, der Hütherlohn, der Leserlohn, der Dienstlohn u. s. f. hingegen das Bothenlohn, das Gesindelohn, das Wochenlohn, das Fuhrlohn, das Macherlohn, das Druckerlohn u. s. f. ob es gleich besser wäre, alle diese Wörter im männlichen zu gebrauchen. In dem 2ten Th. der Schriften der Anhaltischen Deutschen Gesellschaft thut S. 321 jemand den Vorschlag, in der ersten allgemeinsten Bedeutung der Lohn und in den beyden übrigen das Lohn zu sagen. Allein diese seltsame Begierde, die einzelnen Bedeutungen der Wörter durch Geschlechter und Schreibearten zu unterscheiden, hat in unsern Tagen zum Glücke allen Beyfall verloren. Anm. 2. Dieses alte Wort lautet schon bey dem Kero Loon, welcher Itloon von einer jeden Vergeltung gebraucht, bey dem Ottfried Lon, bey dem Ulphilas Laun, im Angels. Lean, Hlaen, im Dän. Lon, im Schwed. Lön, im Isländ. Laun. Es bedeutet eigentlich eine Gabe, alles, was gegeben wird, und ist mit Lehen, leihen und lehnen sehr genau verwandt. S. diese Wörter.
 
Artikelverweis Der
Lohnarbeiter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Lohnarbeiterinn, ein Arbeiter, welcher um Lohn arbeitet, siehe Lohn 3.
 
Artikelverweis 
Der Lohnbauer, des -n plur. die -n, in einigen Gegenden, eine des Ackerbaues kundige Person, welche man für einen jährlichen Lohn dinget, die Feldarbeiten auf einem Landgute zu verrichten, und die Aufsicht darüber zu führen; der Hofmeier, Hofmeister u. s. f.
 
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Die Löhne, der Ahorn, S. 1. die Lehne.
 
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Lohnen, verb. reg. act. et neutr im letztern Falle mit haben, Lohn geben, ein Gutes für ein vorher gegangenes Verhalten erweisen, wo es am häufigsten mit der dritten Endung der Person, im gemeinen Leben aber auch mit der vierten gebraucht wird.
   1) In der ersten weitesten Bedeutung des Wortes Lohn, für ein vorher gegangenes rechtmäßiges, oder als rechtmäßig betrachtetes Verhalten, Gutes erweisen, belohnen; und in noch weiterer Bedeutung, nach Maßgebung des vorher gegangenen Verhaltens Gutes oder Böses erweisen. Gott hat mir gelohnet, daß ich meine Magd meinem Manne gegeben habe, 1 Mos. 30, 18. Der Herr lohne ihnen wie sie es verdienet haben, Sir. 35, 24. Thue ichs gerne, so wird mir gelohnet, 1. Cor. 9, 17. In dieser Bedeutung kommt es noch zuweilen in der dichterischen Schreibart vor, da es denn den niedrigen Nebengriff des Hauptwortes Lohn verlieret.
   Möcht ich doch leben, ihrer Treu zu lohnen!
   Schleg.
   Segnet sein Grab, streut Rosen darauf, und lohnt ihm mit Beyfall,
   Zachar.
    Ich würde, hätt ich Kronen,
   Sie dem Vergnügen weihn, ganz ihrer Treu zu lohnen,
   Weiße Ingleichen für strafen, wo belohnen minder üblich ist. So wurde ihm für seine Verbrechen gelohnet. In der Landwirthschaft sagt man, das Getreide lohne gut, wenn es durch seine Ergiebigkeit die aufgewandte Mühe reichlich belohnet. 2) In engerer Bedeutung, für einen geleisteten Dienst, für eine übernommene Bemühung Gutes erweisen; wo es gleichfalls so wohl im gemeinen Leben als in der anständigern Sprechart gebraucht wird, ohne den niedrigen Begriff des Hauptwortes zu haben. Er hat mir mit Undanke gelohnet, im gemeinen Leben, er hat mich. Wird mir so gelohnet? Aus welcher Wortfügung im

[Bd. 2, Sp. 2097]


Passivo zugleich erhellet, daß die dritte Endung der Person angemessener ist, als die vierte.
   Und meinem Erretter mit Undank gelohnet,
   Gryph.
   Sie lohnet dir mit Unverstand,
   Gell. Hierher gehöret auch die sonderbare figürliche R. A. es lohnet, oder es lohnt sich der Mühe, d. i. es ist der Mühe werth, die angewandte Mühe wird vergolten; besser und grammatisch richtiger, es belohnt die Mühe. Es lohnt sich allerdings der Mühe, Less. Ingleichen ohne Reciprocation. Aber die Geschichtbücher erst lange nachschlagen, lohnt der Mühe nicht, Less. Wenn nur Wahrheit zum Grunde läge, die es der Mühe lohnte, aus seiner verworrenen Schreibart heraus zu fitzen, ebend. Wo man auch die vierte Endung findet. Die Schönheiten, welche er uns bringen würde, werden schwerlich das Ansehen lohnen. Ingleichen mit Auslassung des Hauptwortes. Lohnte die Schwachheit wohl, daß ich auch nur eine Minute darüber böse würde? wäre sie wohl der Mühe werth? Ob das noch geschehen werde, lohnt nicht zu sagen, Herd. lohnt nicht der Mühe. 3) In der dritten engsten Bedeutung des Hauptwortes Lohn, Lohn für geleistete Handarbeiten geben, wo es im gemeinen Leben am häufigsten ist, und alsdann gemeiniglich die vierte Endung bekommt. Das Gesinde lohnen. Den Fuhrmann lohnen. In der anständigern Sprechart aber auch die dritte. Säuge das Kind, ich will dir lohnen, 2 Mos. 2, 9. Sie lohen dem Goldschmid, daß er einen Gott daraus mache, Es. 46, 6.
   Das Hauptwort die Lohnung ist nur in den Zusammensetzungen üblich.
   Anm. Schon bey dem Ottfried lonon, im Isländ. launa, im Schwed. lona, im Dän. lonne.
 
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Der Löhner, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Löhnerinn, eine Person, welche Lohn empfängt, welche um Lohn arbeitet, in der dritten Bedeutung dieses Hauptwortes. Im Hochdeutschen ist es nur in dem zusammen gesetzten Tagelöhner üblich, welche in einigen Provinzen auch nur Löhner schlechthin genannt werden. In den im Österreichischen üblichen Ausdrücken Ganzlöhner, Halblöhner, Viertellöhner, eine Art Bauern zu bezeichnen, scheinet es so viel als Lehner zu seyn, von Lehen, Feudum; S. die obigen Wörter.
   Anm. Dieses Wort ist so wie Löhnung nicht von dem vorigen Zeitworte, sondern vermittelst der Ableitungssylbe -er unmittelbar von Lohn gebildet. Von dem Zeitworte müßte es der Lohner heißen, wie in Belohner, und eine thätige Bedeutung haben.
 
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Das Lohnhandwêrk, des -es, plur. die -e, ein Handwerk, dessen Meister nur für Lohn arbeitet, d. i. nur bestellte Arbeit macht, dergleichen Handwerk das Schneiderhandwerk ist, zum Unterschiede von einem Kramhandwerke, wo Arbeiten auf den Kauf gemacht werden. Daher der Lohnhandwerker, ein solcher Handwerksmann.
 
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Der Lohnjunge, des -n, plur. die -n, bey einigen Handwerkern, z. B. den Zimmerleuten, ein Junge oder Lehrling, welcher bereits einigen Lohn bekommt.
 
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Die Lohnkutsche, plur. die -n, eine Kutsche, deren Gebrauch man auf kurze Zeit für einen bestimmten Lohn hat; die Miethkutsche. Daher der Lohnkutscher, ein Kutscher, welcher in seiner Kutsche und mit seinen Pferden andere um einen gewissen Lohn fähret; der Miethkutscher.
 
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Der Lōhnlackēy, des -en, plur. die -en, nicht ein Lackey, welcher Lohn bekommt, sondern in engerer Bedeutung, welchen man für einen gewissen Lohn auf eine kurze Zeit zu seiner Bedienung hat; ein Lehnlackey, welches Wort vielleicht aus Lohnlackey verderbt ist.

[Bd. 2, Sp. 2098]


 

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