Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Loh bis 2. Lohen (Bd. 2, Sp. 2093 bis 2094)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Das Loh, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Nahme eines Morastes, einer sumpfigen Gegend. Daher der Lohboden, ein sumpfiger Boden. In einigen Niedersächsischen Gegenden führet auch der Torf den Nahmen des Lohes, da er denn auch wohl im männlichen Geschlechte der Loh genannt wird. Anm. In dieser Bedeutung scheinet es von lege, niedrig, oder auch von Lache, Lauge, ein flüssiger Körper, abzustammen, S. diese Wörter. Ein anderes, jetzt außer einigen eigenthümlichen Nahmen veraltetes Wort, bedeutete ehedem einen Wald, einen Hain.
   Sumer mache vns aber fro
   Du zierest anger un lo,
   Walther von der Vogelweide. S. Frischens Wörterb. v. Loh. In diesem Verstande scheinet es mit dem Lat. Lucus zu Laub oder auch zu Laube zu gehören.
 
Artikelverweis 
1. Die Lohe, plur. doch nur von mehrern Arten und Quantitäten, die -n, die abgeschälte und zu Pulver gestampfte Rinde der Eichen, Erlen, Birken und Fichten, wie sie von den Gärbern zur Zubereitung des Leders gebraucht wird. Eichenlohe, Fichtenlohe, Erlenlohe, Birkenlohe. Bey einigen der Loh, im Nieders. das Loh. Siehe viele der folgenden Zusammensetzungen. Anm. Es ist ungewiß, ob in diesem Worte der Begriff der Zermalmung, oder der beitzenden Kraft, oder eines andern Umstandes der herrschende ist. Im ersten Falle würde es zu klein, -lein, schlagen, und andern dieses Geschlechtes gehören, im zweyten aber zu Lauge im heutigen Verstande. Im Nieders. ist lohen, löen, trübe, farbig machen. Wenn eine neue Pumpe in das Wasser gesetzet wird, so löet das Holz, es macht das Wasser unrein und trübe. Der Kirschsaft lohet das Wasser, färbt es. Ingleichen flecken, welches Wort selbst hierher zugehören scheinet. Die Kirschen lohen, machen Flecken.
 
Artikelverweis 
2. Die Lohe, plur. inus. 1) Eigentlich, die Flamme eines Feuers und in engerer Bedeutung, die äußern mit heißem Rauche vermischten Spitzen derselben. Und da die Lohe auffuhr vom Altar gen Himmel, Richt. 13, 20. Sein Odem ist wie lichte Lohe, und aus seinem Munde gehen Flammen, Hiob 41, 12. Wie des Feuers Flamme Stroh verzehret und die Lohe Stoppeln hinnimmt, Es. 5, 24. Da die Lohe in die Pfanne schlug, 2 Macc. 7, 5. S. auch Lichterloh. 2) Figürlich, Hitze, so wohl im eigentlichen als figürlichen Verstande; in beyden kommt es im Hochdeutschen nur selten vor. Der Maymonath war sehr heiß, daher man befürchtete, es möchte die Lohe in den geschröpften Weitzen schlagen, bey den Meißnischen Landwirthen.
   Wohl dem, der beßre Gluth in seinem Herzen fühlet,
   Und dem kein Ungemach die heiße Lohe dämpft,
   Canitz. Anm. Bey dem Kero Lauga, bey dem Notker der Loug, im Nieders. Lögniß, im Dän. Lue, im Engl. Lowe, bey dem Ulphilas Lauh, im Schwed. Lågo, im Isländ. Log, im Angels. Leg, im Finnländ. Liecki, im Griech. λιγνυς, φλοξ; alle in der Bedeutung der Flamme. Daher ist lohezen bey dem Willeram, laga im Schwed. und flagrare im Lat. brennen, S. Adelung Flackern. Bey dem Worte lodern ist schon bemerket worden, daß die schnelle zitternde Bewegung der Stammbegriff so wohl in diesem als allen verwandten Wörtern ist. S. auch Glühen,

[Bd. 2, Sp. 2094]


Licht, Flamme u. s. f. In einigen Gegenden ist dieses Wort im ungewissen, in noch mehrern aber im männlichen Geschlechte üblich. Wie der Lohe in die Höhe schlug, Opitz.
   Daß durch Erhitzung sich der lichte Loh empöret,
   Opitz.
   Der Loh der heißen Flammen
   Umringte deinen Leib,
   Opitz.
 
Artikelverweis 
Das Lohbad, des -es, plur. die -bäder, bey den Gärbern, derjenige Ort, wo die zur Lohe bestimmten Rinden getrocknet werden.
 
Artikelverweis 
Der Lohballen, des -s, plur. ut nom. sing. von den Gärbern gebrauchte und zu Ballen und Kuchen geformte und getrocknete Lohe, um sie zur Feuerung zu gebrauchen; der Lohkuchen.
 
Artikelverweis 
Die Lohbeitze, plur. die -n. 1) Das Beitzen vermittelst der Lohe, d. i. der gestampften Baumrinden; ohne Plural. 2) Bey den Gärbern, diejenige Grube, worin die Häute mit Lohe gebeitzet werden; die Lohgrube.
 
Artikelverweis 
Der Lohboden, des -s, plur. inus. der Torfboden, siehe das Loh.
 
Artikelverweis 
Die Lohbrühe, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -n, Wasser, worin die Lohe gebeitzet, oder eingeweichet worden. S. 1. Lohe.
 
Artikelverweis 
Die Loheiche, plur. die -n, ein Nahme unsrer gewöhnlichen Wintereiche oder Rotheiche, welche auch Haseleiche, Hageneiche, Zirneiche, Traubeneiche, und verderbt Locheiche genannt wird. Linnee rechnet sie mit zur Steineiche, Quercus robur, von welcher sie doch eine eigene ganz verschiedene Art ist. Ihre Rinde wird am häufigsten zur Lohe gebraucht. Weil sie am liebsten in den Wäldern wächst, so kann der Nahme Loheiche auch so viel als Hageeiche seyn, von dem alten Loh, ein Wald, S. das Loh, Anm.
 
Artikelverweis 
1. Lohen, verb. reg. act. von Lohe, gestampfte Baumrinde, mit dieser Lohe zubereiten, beitzen. Die Netze, Taue u. s. f. werden zuweilen gelohet, d. i. in Lohe gesotten, damit sie im Wasser desto länger dauern. In einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden wird auch das Gärben mit Lohe, lohen oder löhen genannt, daher die Lohgärber daselbst auch Loher oder Löher heißen.
 
Artikelverweis 
2. Lohen, verb. reg. 1) Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, mit einem Loh- oder Flammenfeuer brennen; wofür doch lodern üblicher ist. 2) Als ein Activum, mit einem Flammenfeuer bearbeiten; doch nur in dem zusammen gesetzten auslohen, S. dasselbe.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: