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Lockstimme bis Lffelblếch (Bd. 2, Sp. 2090 bis 2092)
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Artikelverweis Die Lockstimme, plur. die -n, eine lockende Stimme, die Stimme, so fern sie ein Thier lockt. Figürlich, Worte, so fern sie eine Lockung enthalten.
 
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Der Lockvogel, des -s, plur. die -vögel, ein abgerichteter Vogel auf den Vogelherden, wilde Vögel damit herbey zu locken.
 
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Die Lode, plur. die -n, ein nur im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Ein Lappen, Lumpen; in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden. Ein Loden Tuches, ein Stück, ein Lappen. Die Loden hängen an dem Kleide herunter, die Lumpen. Ungewalkte Tücher, welche noch haarig sind, führen bey den Tuchmachern gleichfalls den Nahmen der Loden, und eben so werden im Oberdeutschen die groben Fußdecken genannt, daher es daselbst eigene Lodenweber oder Loderer gibt. 2) Im Forstwesen wird der Trieb oder Schuß, d. i. dasjenige, um wie viel ein Baum in Einem Jahre in der Länge gewachsen ist, eine Lode, in einigen Gegenden auch wohl ein Limpf genannt. Ja auch die Ringe in dem Holze, welche den Jahrwuchs in der Dicke bezeichnen, führen gleichfalls diesen Nahmen. 3) Die jungen aufgeschossenen Bäume des Laubholzes, so lange sie noch Reisern ähnlich sind, die Schößlinge, sind gleichfalls unter dem Nahmen der Loden bekannt. Junge Schößlinge oder Loden.
   Anm. In beyden Bedeutungen ist der Begriff der leichten Bewegung ohne Zweifel der herrschende. In der ersten ist er es unläugbar, wie aus den verwandten lodern, liederlich, flattern, schlottern, Lotterbube u. s. f. erhellet. In der zweyten und dritten könnte dieses Wort zu Latte gehören; allein aus dem folgenden Zeitworte loden erhellet, daß auch hier die Bewegung der Stammbegriff ist, so wie die gleichbedeutenden Schuß und Schößling von schießen herkommen. Im Isländ. ist Lod und im Schwed. Lo eine Zote, ein Büschel Haare oder Wolle, und luden rauch, zotig.
 
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Loden, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, und nur im gemeinen Leben üblich ist. Viele Arten Bäume loden von ihren Wurzeln aus, oder hervor, d. i. schießen, sprossen hervor. Aus- oder aufgelodetes Holz, junges aufgeschossenes Holz.
 
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Die Lōderásche, plur. inus. die leichte weiße Asche von verbrannten Körpern, welche bey der geringsten Bewegung der Luft wie Schneeflocken in die Höhe flieget; Flugasche, Nieders. Flogasche. Von dem Zeitworte lodern, so fern es in der weitesten Bedeutung sich leicht und schnell bewegen bedeutet. Zuweilen führet auch die glühende Asche diesen Nahmen, Wallis. Lludw;

[Bd. 2, Sp. 2091]


alsdann druckt lodern freylich zunächst den Begriff des Brennens aus.
 
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Lodern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. 1.* Eigentlich, sich schnell oder leicht hin und her bewegen; in welcher veralteten Bedeutung es nur noch in den verwandten Loderasche, Lode, Lotterbube, schlottern, flattern u. s. f. üblich ist. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung wird es von dem Feuer gebraucht. 1) Mit einer zitternden Bewegung brennen, ohne eben in Flammen auszubrechen. Ein Feuer, welches unter der Asche lodert, glimmet, fortglimmet.
   So lange loderte der Rache schwarzes Feuer
   In keines Gottes Brust,
   Raml. 2) In Gestalt heller, beweglicher Flammen brennen; im gemeinen Leben flackern. Die Flamme lodert im Stroh, Joel 2, 5.
   Doch wird die Zwietracht nicht in vollen Flammen lodern?
   Weiße. Das Stroh lodert bald weg.
   Anm. Schwed. loddra. Der Begriff der Beweglichkeit ist der nächste und erste, worauf dieses Wort und dessen Verwandte auch häufig figürlich zur Bezeichnung des Feuers, des Lichtes, der Hitze u. s. f. gebraucht worden. S. Adelung Lohe, Glühen, Licht u. s. f. Im Ital. bedeutet Luta einen Funken. Eigentlich ist lodern das Iterativum von dem vorigen Zeitworte loden, so fern es ehedem überhaupt sich schnell bewegen bedeutet hat, wovon Schlitten, gleiten u. s. f. noch Überbleibsel sind.
 
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Das Lof, des -es, plur. die -e, ein nur in Lief- und Curland übliches Maß trockner Dinge, besonders des Getreides. In Liefland hält 1 Lof 4 Küllmitt; zwey Lof aber machen daselbst eine Tonne. In Curland hält eine Last Getreide 48 bis 60 Lof. In Riga ist es auch ein Gewicht, welches 5 Ließpfund oder 100 Pfund hält. In Schweden ist Lop oder Löp gleichfalls ein Getreidemaß, welches den sechsten Theil einer Tonne beträgt. Im Angels. ist Leap, und im Isländ. Laup, ein Korb; woraus erhellet, daß der Begriff der Vertiefung, des hohlen Raumes, in diesem Worte der herrschende ist, daher es zu dem Geschlechte des alten Laf, die Hand, (S. Adelung Liefern,) und des folgenden Löffel zu rechnen ist. S. auch Laube und Lauf 3.
 
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Der Löffel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Löffelchen, Oberd. Löfflein. 1. * Überhaupt, ein hohler, vertiefter Raum, ein Gefäß, Behältniß; eine jetzt veraltete Bedeutung, wovon aber noch häufige Spuren übrig sind. Im Nieders. ist Löpen noch ein hölzernes Gefäß, ein Kübel, Lat. Labrum, welches bey dem Ausonius auch einen Graben bedeutet. Im mittlern Lat. ist Labs ein eherner Topf, ein Grapen, Labellum, Lavellum und Lavellus eine Cisterne, eine Vertiefung, ingleichen ein Sarg, Ital. Lavello, und Lepista eine Art eines Gefäßes, und im Griech. und Lat. Lepas eine Art Schnecken. In dem Tatian bedeutet Labal ein Becken. Anderer zu geschweigen. S. Adelung Lof. 2. In engerer Bedeutung, wo es nur noch von einigen vertieften Dingen gebraucht wird. 1) Am häufigsten ist es ein Werkzeug, welches aus einer rundlich hohlen Vertiefung an einem Stiele bestehet, flüssige Körper so wohl damit zu schöpfen, als auch nach dem Munde zu führen. Der Kochlöffel, Schaumlöffel, Rührlöffel, Theelöffel, Kaffeelöffel, Vorlegelöffel, Eßlöffel oder Suppenlöffel u. s. f. welcher letztere am häufigsten nur schlechthin der Löffel genannt wird. Mit dem Löffel essen. Ein silberner, zinnerner, hölzerner Löffel. Die Wundärzte haben ein ähnliches Werkzeug, das gefallene Zäpfchen damit wieder aufzuheben. Einige Arten großer Löffel führen den Nahmen der Kellen. 2) Bey den Jägern werden die Ohren der Hasen wegen ihrer langen tiefen Gestalt die Löffel genannt, nicht, wie ein bekannter Sprachlehrer glaubte, als eine Figur der vorigen Bedeutung, und aus

[Bd. 2, Sp. 2092]


einer sonderbaren Liebe zum Besondern, sondern als ein ehrwürdiger Überrest der alten allgemeinern Bedeutung dieses Wortes. Die Sprachen der Jäger und Bergleute, zwey sehr alte Lebensarten, haben uns viele veraltete Wörter und Bedeutungen aufbehalten, die wir ohne sie nicht wissen würden.
   Anm. In der ersten engern Bedeutung im Nieders. Lepel, im mittlern Lat. Lochea, welches letztere die Verwandtschaft mit Loch bestätiget. Die Endsylbe -el bezeichnet ein Subject, so daß Löffel eigentlich ein tiefes Ding, ein vertieftes Gefäß bedeutet.
 
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Die Löffelänte, plur. die -n, eine Art wilder Änten oder Gänse mit einem schwarzen, breiten und weiten Schnabel in Gestalt eines Löffels; Anas platyrynchos L. Anas latirostra Klein. Die Löffelgans, Schildänte, Schallänte, der Breitschnabel.
 
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Der Löffelbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Nord-Amerikanischer Baum, aus welchem die Einwohner ihre Löffel und Kellen verfertigen; Kalmia L.
 
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Das Lffelblếch, des -es, plur. die -e, in den Küchen, ein Blech, worein die Koch- oder Rührlöffel gehänget werden.

 

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