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Linsenförmig bis Lispeln (Bd. 2, Sp. 2077 bis 2078)
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Artikelverweis  Linsenförmig, -er, -ste, adj. et adv. den Linsen an der Form, d. i. äußern Gestalt, ähnlich.
 
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Die Linsengêrste, plur. car. in einigen Gegenden, Linsen, welche zum Futter für das Vieh unter die Gerste gesäet werden; im Oberd. Linsengetreide.
 
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Das Linsenglas, des -es, plur. die -gläser, in der Optik, ein linsenförmig geschliffenes rundes Glas, welches auch nur die Linse genannt wird.
 
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Das Linsenmahl, des -es, plur. die -mähler, bey den Ärzten, kleine erhabene, röthliche oder bräunliche Flecken im Gesichte; Lentigines.
 
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Der Linsenstahl, des -es, plur. die -stähle, ein linsenförmiges Dreheisen der Kunstdrechsler.
 
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Der Linsenstein, des -es, plur. die -e, kleine den Linsen ähnliche Steinchen, welche wie versteinerte Linsen aussehen, aber bloße Naturspiele sind.
 
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Das Lintels, plur. ut nom. sing. bey den Nähterinnen, besonders Niedersachsens, dasjenige leinene Band, welches vorn an die Ärmel der Hemden gesetzt wird, im Oberdeutschen das Handbesetz,

[Bd. 2, Sp. 2078]


an andern Orten die Prise; von dem Nieders. Lind, Lint, leinen Band, Schwed. und Isländ. Linda, ein jedes Band. S. Adelung Linde und Lindwurm.
 
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Die Lippe, plur. die -n, Diminut. das Lippchen, Oberd. Lipplein, der bewegliche fleischige Rand des Mundes an Menschen und Thieren, welcher den Eingang öffnet und schließet. Die Oberlippe. Die Unterlippe. Die Vorlippen, die äußern rothen Streifen an den Lippen. Es soll nimmermehr über meine Lippen kommen, ich will es nie sagen. Figürlich werden die Lippen oft anstatt des Mundes gesetzt. Sie haben mir Gütigkeiten erwiesen, ehe noch meine Lippen fähig waren, ihnen dafür zu danken.
   Anm. Bey dem Willeram Leffa, bey andern Oberdeutschen Schriftstellern Gleif, Gleff, von welcher Form das heutige Oberdeutsche Lefze abstammet. Im Nieders. Angels. und Dän. gleichfalls Lippe, im Engl. Lip, im Schwed. Läpp, im Wallis. Lap, Lipp, im Wend. Lippia, im Pers. Lab, im Latein. Labium. Die weiche, bewegliche, herab hangende Beschaffenheit ist ohne Zweifel der Stammbegriff, so daß dieses Wort zu lapp, schlaff, lappen u. a. dieses Geschlechtes gehöret. Das niedrige labben, labbern, schlappen, viel und langweilig plaudern, ingleichen mit einem Geräusche hinein lecken, wie die Hunde, wenn sie trinken, sind mehr eigene Nachahmungen des mit diesen Handlungen verbundenen Schalles, als daß sie von Lippe abstammen sollten. Eine dicke Unterlippe heißt im Nieders. Lipe, dicke hangende Lippen aber Lobben. S. Adelung Lefze.
 
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Der Lippenbuchstab, des -ens, plur. die -en, ein Buchstab, welcher vornehmlich mit den Lippen ausgesprochen wird, dergleichen das h, m, p, f, v, w sind, wovon die drey letzten zugleich Blaselaute sind, weil sie von einem ausgestoßenen Winde begleitet sind. Betrachtet man diese Buchstaben als bloße Laute, so werden sie auch Lippenlaute, ihrer Figur nach aber Lippenlauter genannt.
 
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Lips, ein nur im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Als der verkürzte Nahme des eigenthümlichen männlichen Nahmens Philipp. 2) Als eine spöttliche Benennung einer mit dicken oder hangenden Lippen begabten Person, besonders im Niedersächsischen; Engl. Lips, Franz. Lippa.
 
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Lispeln, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt. Es ist eine Onomatopöie, welche eine dreyfache Art des Schalles ausdruckt. 1) Einen Fehler der Aussprache, wenn die Zunge des Sprechenden zu lang und groß ist, und daher zu oft an die Zähne anstößet, und ein falsches gelindes s hören lässet. Ehedem nur lispen, im Schwed. lispa, Dän. lespe, Angels. wlisp, Niedersächs. wispeln, Engl. to whisper und lisp. Schon bey dem Aristophanes ist λισπ γλωσσ eine lispelnde Zunge. Daher der Lispeler, welcher im Reden lispelt, ehedem nur Lisper. 2) In der edlern und dichterischen Schreibart wird es für leise reden gebraucht, welches im gemeinen Leben durch flistern, wispern, wispeln, bispeln, zischeln u. s. f. ausgedruckt wird. Ital. bisbigliare.
   Die Schwermuth lispelt mir nur Schrecken in das Ohr,
   Cron.
   Den Anschlag lispelt dir die Eifersucht ins Ohr,
   Weiße.
   Dort klagt blutdürstig ihn laut sein Verbrechen an,
   Doch lispelt hier mein Herz, nein, er hat nichts gethan,
   Weiße. 3) In eben dieser Schreibart wird es auch gebraucht, das sanfte Säuseln des Windes, das gelinde Geräusch eines Baches, und des bewegten Laubes der Bäume auszudrucken. Sanfte Entzückungen duften aus jeder Blume ihm zu, ertönen und lispeln ihm aus jedem Gebüsche, Geßn. Nahe Bäche lispelten

[Bd. 2, Sp. 2079]


durch das Gras oder rauschten in kleinen Gefällen sanft in das Getöse, ebend. Ich höre den lispelnden West, der sich auf schlanken Zweigen wiegt.

 

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