Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Lingen bis 1. Die Linse (Bd. 2, Sp. 2074 bis 2077)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Lingen, das Zeitwort, S. Adelung Gelingen.
 
Artikelverweis 
Lings, eine Endsylbe einiger Nebenwörter, welche doch nur im gemeinen Leben üblich sind. Jähling oder jählings, auf eine jähe, unvermuthet schnelle Art; blindlings, blinder Weise, mit verbundenen oder verschlossenen Augen; rücklings, rückwärts. Im Oberdeutschen sagt man auch rittlings, reitend, zu Pferde, schrittlings, im Schritte gehend, sitzlings, sitzend, mündlings, für mündlich u. s. f. Hier ist es wohl ausgemacht, daß die Ableitungssylbe aus der adverbischen Endung -lich durch Einschiebung des nieselnden n und Anhängung des adverbischen s entstanden ist. Jählings stehet für jählich, wie mündlings für mündlich.

[Bd. 2, Sp. 2075]



 
Artikelverweis 
Die Līnie, (dreysylbig,) plur. die -n, überhaupt, eine jede Ausdehnung in die Länge, wo doch dieses Wort in verschiedenen Einschränkungen üblich ist. 1. In der Mathematik ist es eine Ausdehnung in die Länge ohne Breite und Dicke, oder welche doch ohne Breite und Dicke gedacht wird. Besonders eine sichtbare Länge dieser Art, so wohl als die äußerste Gränze einer Fläche betrachtet, als auch an und für sich allein, eine gezeichnete Linie; im gemeinen Leben zuweilen auch ein Strich. Eine gerade Linie. Eine krumme Linie. Eine Linie ziehen, eine gerade Linie vermittelst des Lineales. Eine Zirkellinie, welche in allen Puncten gleich weit von dem Mittelpuncte entfernt ist. Eine Schlangenlinie, Eyerlinie u. s. f. Die Grundlinie, worauf eine Fläche stehet. In der Mathematik, Geographie und den verwandten Wissenschaften gibt es sehr viele Arten von Linien. Im engsten Verstande heißt in der Seefahrt der Äquator die Linie. Die Linie passiren, durch diejenige Gegend des Weltmeeres segeln, in welche in der Erdbeschreibung der Äquator gesetzt wird. 2. In engerer Bedeutung wird die äußerste Gränze mehrerer der Länge nach neben einander befindlicher Dinge eine Linie genannt. Die Häuser stehen in gerader Linie neben einander. Auch die der Länge nach neben einander befindlichen Dinge Einer Art bekommen zuweilen den Nahmen der Linie. So werden die neben einander stehenden Wörter eine Linie genannt, welche sonst auch eine Zeile heißen. Auch die in zwey oder drey Gliedern neben einander stehenden Soldaten, ingleichen die in einer Schlachtordnung neben oder hinter einander gestellten Schiffe heißen eine Linie. Linie machen, sich in die Ordnung zum Gefechte stellen. Daher ist ein Schiff von der Linie, oder ein Linienschiff, ein Schiff, welches groß und stark genug ist, um mit in die Linie zum Gefechte gestellet zu werden, wozu wenigstens ein Schiff von funfzig Kanonen erfordert wird. In noch engerer Bedeutung bedeutet es zuweilen so viel als eine gerade Linie; die Reihe. Die Bäume stehen alle in Einer Linie. Die Häuser alle nach der Linie bauen. Dahin gehöret auch die in den Geschlechts-Registern übliche Bedeutung die auf- und neben einander folgenden Abkömmlinge von einem gemeinschaftlichen Stammvater zu bezeichnen; die Geschlechtslinie. In gerader Linie von jemanden abstammen. Die aufsteigende Linie, absteigende Linie, Seitenlinie, Nebenlinie u. s. f. 3. Führen auch verschiedene lange Körper oder körperliche Dinge den Nahmen der Linien. 1) In der Physiognomie und Chiromantie werden die Falten im Gesichte und an den Händen Linien genannt. 2) In dem Festungsbaue sind die Linien in die Länge sich erstreckende Brustwehren mit Gräben. Dahin gehören die Circumvallations-Linien, die Communications-Linien, die Contravallations-Linien u. s. f. 3) Auch ein langes dünnes Seil, welches im gemeinen Leben unter dem Nahmen einer Leine bekannt ist, besonders das Lenkseil, wird in der anständigern Sprechart oft eine Linie genannt. Endlich, 4. ist die Linie auch ein Längenmaß der kleinsten Art, indem es den zehenten Theil eines Zolles ausmacht, der von andern ein Gran genannt wir.
   Anm. Dieses Wort ist freylich zunächst aus dem Lat. Linea entlehnet, allein auch dieses kann seine Verwandtschaft mit unserm Leine, Lang u. s. f. nicht verläugnen.
 
Artikelverweis 
Das Linienblatt, des -es, plur. die -blätter, ein Blatt Papier, worauf mit Dinte starke Linien gezogen sind, und welches man unter dasjenige Blatt legt, worauf man schreiben will, um im Schreiben gerade Zeilen zu machen.
 
Artikelverweis 
Die Līnien-Perspectīve, plur. inus. diejenige Perspective, welche die genaue Verjüngung der Linien und Theile eines Gegenstandes nach geometrischen Regeln lehret.

[Bd. 2, Sp. 2076]



 
Artikelverweis 
Das Linienschiff, des -es, plur. die -e, ein Schiff von der Linie, S. Adelung Linie 2.
 
Artikelverweis 
Das Līnien-Systēm, des -es, plur. die -e, in der Musik, die fünf Linien, welche das Steigen und Fallen der Töne vorstellen; die Musikleiter, der Notenplan.
 
Artikelverweis 
Linig, adj. et adv. welches nur in den Zusammensetzungen geradlinig, krummlinig u. s. f. üblich ist, gerade, krumme Linien habend, daraus bestehend.
 
Artikelverweis 
Link, adj. et adv. welches dem recht entgegen gesetzet wird, aber nur in einigen Fällen als der Gegensatz von diesem Worte üblich ist. 1) Die linke Hand, diejenige Hand, welche der rechten entgegen gesetzet ist, und welche man nicht so geschickt gebrauchen kann, als diese. Die linke Seite eines Hauses, eines Berges u. s. f. diejenige Seite, welche man zur linken Hand hat, wenn man vor dem Hause oder Berge stehet, mit dem Rücken nach demselben gekehret. Der linke Flügel der Armee. Der linke Fuß. Der linke Ärmel des Kleides. Sich zur linken Hand wenden, zur linken Seite; auch mit Auslassung des Hauptwortes, sich zur Linken wenden; ingleichen in der zweyten Endung, sich linker Hand wenden. Andere Hauptwörter verstatten diese Auslassung nicht so leicht. Die Linke der Stadt, 1 Mos. 14, 15, besser, die linke Seite. Einem linker Hand sitzen, gehen, oder zur Linken. Er weiß nicht, was recht oder link ist, Jon. 4, 11. Link seyn, wöfür man auch sagt, links seyn, die linke Hand so gut gebrauchen können, als die rechte; nur als ein Nebenwort allein. 2) Die linke Seite eines Körpers, die unrechte, die umgewandte Seite, im Gegensatzte der rechten. Die linke Seite des Tuches, eines Zeuges. Die linke Seite des Kleides auswärts kehren, es links anziehen. Anm. Es ist wohl nicht leicht ein Wort auf eine so unläugbare Art durch alle etymologische Veränderungen gegangen als dieses. Bey einigen Schwäbischen Dichtern lautet es wie noch jetzt im Hochdeutschen lingg, bey dem Stryker lenk, im Nieder. lunk, im Dän. ling, in einigen Oberdeutschen Gegenden mit vorgesetztem Gaumenlaute glink, im Holländischen mit vorgesetztem Zischlaute slink. Andere Mundarten stoßen den zufälligen Nasenlaut aus, behalten aber den Gaumenlaut, oder statt dessen den Hauchlaut, wie das Nieders. locht, lochter, lucht, luchter, und Griech. λαιος. Andere schieben ihnen den Blaselaut unter, wie das Engl. left, das Lat. laevus, und Griech. λαφος, der link ist. Noch andere verwerfen beyde und behalten das bloße t mit oder ohne Zischer, wie das Elsassische lätz, letz, und Schwed. lätta; anderer zu geschweigen, denn das alte Oberdeutsche lure, lurk, bey dem Hornegk lercz, im Nieders. sluur, ist ohne Zweifel von einem andern Stamme, so wie das noch in einigen Gegenden übliche tenk. Es scheinet, daß dieses Wort zu dem Geschlechte des veralteten lau, falsch, böse, unecht, Nieders. leg, lege, gehöret, S. Adelung Laugold und Leg. In der Rothwälschen Diebessprache heißt ein falscher Paß eine linke Flagge.
   Außer den beyden schon gedachten lur und tenk hatte man ehedem noch andere Wörter, unser link auszudrucken. Dahin gehöret das bey dem Ottfried, Willeram und andern befindliche winistra, winstra, welches nicht so wohl zu dem Lat. finister, als vielmehr zu dem alten Wan, Mangel, gehöret; das noch Oberdeutsche äbicht, S. dieses Wort; das noch bey den Fuhrleuten als eine Interjection übliche schwude, vom Wallis. cwith, link, u. s. f. Im gemeinen Leben heißt zu der Hand, zur linken Hand, von der Hand, zur rechten Hand, die Handseite, die linke Seite des Wagens, im Gegensatze der Fernseite, d. i. der rechten Seite; welche Ausdrücke von den Fuhrleuten entlehnet

[Bd. 2, Sp. 2077]


zu seyn scheinen, welche auf dem linken Pferde vor dem Wagen sitzen.
 
Artikelverweis 
Links, adv. von dem vorigen Bey- und Nebenworte. 1. Eigentlich. 1) Nach der linken Seite hin. Sich links wenden. Links um, auf der linken Seite herum, im Gegensatze des rechts um. 2) Auf der umgekehrten, oder linken Seite. Das Tuch links walken. Das Kleid links anziehen. 3) Links seyn, die linke Hand so gut gebrauchen können, als die rechte. Links essen, mit der linken Hand. Links schreiben. 2. Figürlich, verkehrt, auf die unrechte Art. Etwas links auslegen. Wer wollte so links urtheilen! Sich links ausdrucken.
   Anm. Nieders. lunks. Links stehet für linkisch, welches letztere noch bey dem Opitz vorkommt:
   An Tugend bin ich recht und linkisch auch gewesen. Hieraus erhellet zugleich, daß links seyn, die linke Hand so gut als die rechte gebrauchen können, kein Fehler ist, wie einige behaupten wollen.
 
Artikelverweis 
1. Die Linse, plur. die -n, der Achsnagel, S. Adelung Lünse.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: