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Liene bis Lilien-Asphodille (Bd. 2, Sp. 2069 bis 2070)
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Artikelverweis Die Liene, oder Lienen, eine in einigen Gegenden übliche Benennung der Waldrebe, Clematis vitalba und recta L. vermuthlich wegen der Reben oder Ranken, so daß dieses Wort zu Leine und Linie gehöret. Um dieser Ranken willen heißt sie in einigen Gegenden auch Teufelszwirn, Hurenstrang und Hexenstrang.
 
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Das Lier, des -es, plur. die -e, ein nur in den Salzwerken übliches Wort, wo die drey Mauern oder Wände, welche den Herd umfangen, Liere genannt werden. Das Vorderlier, das Seitenlier. Es gehöret ohne Zweifel zu dem Niedersächs. Leer, die Backe, Wange, oder auch zu dem gleichfalls Nieders. Lurre, die Hüfte, Schwed. Lår, Dän. Laar. In beyden Fällen scheinet es eigentlich eine Hervorragung, Erhabenheit zu bezeichnen.
 
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Lieren, in verlieren, S. dieses Wort.
 
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Lieschen, das Diminut. des im gemeinen Leben üblichen Liese, welches der verkürzte Weibernahme Elisabeth ist; Oberd. Liesel, Nieders. Lieske.
 
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Das Lieschgras, des -es, plur. inus. eine Art Grases mit langen walzenförmigen Blüthenkolben, welche Lieschkolben genannt werden; Phleum L. Es wächset auf den Europäischen Wiesen, und wird in einigen Gegenden auch das Liesch genannt. Im mittlern Lat. heißt es Lisca, im Franz. Laiche. Frisch leitet es von dem Franz. Lis, Lilie, her, weil es an den Blättern den Schwertlilien gleicht. Allein wegen der langen schmalen Blätter, vielleicht auch wegen der langen dünnen Stängel, scheinet es vielmehr zu Leisten, vielleicht auch zu dem folgenden 2. Liese zu gehören.
 
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1. Liese, der verkürzte Nahme Elisabeth, S. Adelung Lieschen.
 
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2. Die Liese, plur. die -n, ein im gemeinen Leben hin und wieder übliches Wort, eine spitzige hohle Röhre zu bezeichnen. Besonders wird im Hüttenbaue, bey den Schmieden u. s. f. die lange eiserne hohle Schnautze an den Blasebälgen die Liese genannt. Entweder wegen der langen dünnen Gestalt, von dem Worte Leiste, welches in einigen Gegenden auch nur Lisse lautet; oder auch wegen des innern hohlen Raumes von dem Worte Lase.
 
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Das Ließpfund, des -es, plur. die -e, ein besonders in Niedersachsen übliches Gewicht, welches gemeiniglich 15 gemeine Pfund, in Hannover nur 14, im Mecklenburgischen und Danzig hingegen 16 Pfund hält. Im Holländ. wo es 15 Pfund hat, Lyspondt, im Schwed. wo es 20 Mark schwer ist, Lispund. Weil es in dem alten Deutschen Wißbyischen Rechte Livesche Pund geschrieben wird, so vermuthet Ihre nicht unbillig, daß es aus diesen Worten zusammen gezogen ist, und so viel als ein Liesländisches Pfund bedeutet.
 
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Der Lilak, eine aus dem Französ. entlehnte Benennung des Spanischen Hohlunders, S. Adelung Hohlunder.
 
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Die Līlie, (dreysylbig,) plur. die -n, eine Pflanze mit einer glockenförmigen Blume, welche in den wärmern Gegenden einheimisch ist, aus welchen sie mit ihrem Nahmen in unsere Gärten versetzt worden; Lilium L. Die weiße Lilie, welche wohlriechend ist, auch nur schlechthin die Lilie genannt wird, und wegen ihrer blendenden Weiße und schönen Gestalt ein altes Sinnbild der Schönheit und Unschuld ist; Lilium candidum L. Weiß und unschuldig wie die Lilie, wenn sie am Morgenroth sich öffnet, Geßn. Die Feuerlilie, Lilium bulbiferum, S. dieses Wort. Wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt der

[Bd. 2, Sp. 2070]


Blumen bekommen auch noch andere Gewächse den Nahmen der Lilien. Dahin gehöret das Lilium Convallium, oder die Mayblume, Convallaria L. Die blaue und gelbe Lilie, Schwertlilie, oder Schwertel, Iris L. und vielleicht noch andere mehr.
   Anm. Bey dem Ottfried Lilia, bey dem Notker ther Lilio, im Angels. Lilige, Lilie, im Engl. Lilly, im Französ. Lis, im Ital. Giglio, und auch im Oberdeutschen Gilge, Gilgen; im Schwed. Lilja, im Alban. Ljulle; alle aus dem Latein. Lilium, und dieß aus dem Griech, λειριον, mit der nicht ungewöhnlichen Verwechselung des l und r, im Span. Lirio.
 
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Die Lilien-Asphodille, plur. die -n, ein ausländisches Gewächs, welches theils der Lilie theils aber auch der Asphodille ähnlich ist, und wovon eine Art in China, die andere aber in Siberien und Ungarn wächset; Hemerocalis L.

 

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