Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Lied bis Līegámbōß (Bd. 2, Sp. 2063 bis 2066)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis 2. * Das Lied, des -es, plur. die -er, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, ein Glied, ein Gelenk, und einen vermittelst eines Gelenkes oder Gewindes beweglichen Deckel zu bezeichnen. S. Adelung Glied und Augenlied.
 
Artikelverweis 
3. Das Lied, des -es, plur. die -er, Diminut. Liedchen, im Plural auch wohl Liederchen, Oberd. Liedlein. 1) In der eigentlichsten und weitesten Bedeutung, alles was gesungen wird, melodisch hervor gebrachte Töne; in welcher Bedeutung, doch nur in der höhern Schreibart, die melodischen Töne mancher Vögel ein Lied oder Lieder genannt werden. Die Nachtigall singt ihr zährtliches Lied. 2) In engerer Bedeutung, ein jedes zum

[Bd. 2, Sp. 2064]


Singen bestimmtes Gedicht. Das hohe Lied Salomonis. In dieser Bedeutung pflegt man nur noch in der dichterischen Schreibart ein jedes Gedicht zuweilen ein Lied zu nennen. 3) In noch engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein zum Singen bestimmtes Gedicht, welches Empfindungen schildert, besonders wenn es in Strophen abgetheilet ist, welche insgesammt nach Einer Melodie gesungen werden können; zum Unterschiede von einer Ode, einem Psalme u. s. f. Ein geistliches Lied, welches auch in engerer Bedeutung ein Gesang, Nieders. ein Salm, genannt wird. Ein weltliches Lied. Das Schäferlied, Heldenlied, Trinklied, Hochzeitlied, Siegeslied, Loblied, Morgenlied u. s. f. Davon kann ich auch ein Liedchen singen, figürlich, ich habe solches auch erfahren. Das ist das Ende vom Liede, das ist der Beschluß, der letzte Ausspruch, wobey es bleiben soll; wofür man im geschmacklosen Scherze auch wohl umgekehrt sagt, das ist das Lied vom Ende. Anm. Bey dem Ottfried und Notker Lied, bey andern Lioth, im Nieders. Leed, im Isländ. Liod, im mittlern Lat. Leudus. Gottsched leitete es von dem vorigen Lied, Glied, her, weil es aus Strophen, als so vielen Gliedern und Gelenken bestehe. Allein es ist wohl unstreitig, daß es zu dem Geschlechte der Wörter laut, Laute, lauten u. s. f. gehöret, und überhaupt den melodischen Klang der Stimme ausdruckt. Bey dem Ottfried heißen daher Lieder im Plural noch Ludila, und das Isländ. Liod bedeutet auch die Musik überhaupt.
 
Artikelverweis 
Das Līederbūch, des -es, plur. die -bǖcher, ein Buch, worin Lieder, besonders Lieder weltlichen Inhaltes enthalten sind; zum Unterschiede von einem Gesangbuche, welches nur zum Gottesdienste bestimmte geistliche Lieder enthält.
 
Artikelverweis 
Die Liederbühne, plur. die -n, in dem Bergbaue, von dem Zeitworte liedern, eine Bühne, worauf die Sätze in den Wasserkünsten geliedert werden.
 
Artikelverweis 
Der Liederdichter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Liederdichterinn, ein Dichter, welcher vorzüglich Lieder dichtet, oder gedichtet hat.
 
Artikelverweis 
Liederlich, -er, -ste, adj. et adv. ein Wort, welches 1. Eigentlich, den Begriff des leichten, leicht beweglichen hat, und im Grunde auch zu dem Geschlechte des Wortes leicht gehöret. Durch die Wollensäcke ist nicht liederlich zu schießen, nicht leicht, nicht leichtlich, Fronsberg bey dem Frisch. Bey den Jägern ist ledig so viel als schlaff, S. Adelung Ledig 1. In dieser weitern Bedeutung ist es veraltet, wo man es nur im verächtlichen Verstande von einem fehlerhaften, leicht beweglichen Zustande solcher Dinge gebraucht, welche fest, derb anliegen sollten. So heißt ein Mensch oder seine Kleidung liederlich, wenn seine Kleidungsstücke an dem Leibe schlottern, anstatt fest und derb anzuliegen, wenn die Lumpen daran herunter hängen u. s. f. Etwas sehr liederlich befestigen, so daß es nicht die gehörige Haltung oder Festigkeit hat. 2. Figürlich, und im verächtlichen Verstande, wo in vielen Fällen in der anständigern Sprechart auch das Stammwort leicht üblich ist. 1) Einen geringen, schlechten Werth haben. Liederliches Geld, leichtes, geringhaltiges. Liederliche Scheidemünze. Ein liederlicher Lohn, ein geringer, niedriger. Ein liederlicher Preis. 2) Nachlässig, obenhin, ohne die gehörige Aufmerksamkeit, ohne den gehörigen Fleiß. Lauter liederliche Arbeit machen. Liederlich arbeiten. Ein liederlicher Arbeiter. 3) Die pflichtmäßige Ordnung in seinen Geschäften und Handlungen nicht beobachtend. In seinen Sachen sehr liederlich seyn. Auf seiner Stube sieht es sehr liederlich aus. 4) Leichtsinnig.
   Ach Herr, dein Knecht, der dein Gesetze
   Bisher so liederlich verlacht,
   Gryph. Wo es aber, so wie in allen Bedeutungen, für die edle und feyerliche Schreibart zu niedrig ist. 5) Den Ausschweifungen in den Sitten ergeben, besonders wenn damit Unordnung und Sorglosigkeit in den häuslichen Geschäften verbunden ist; im harten und sehr verächtlichen Verstande. Liederlich leben. Ein liederlicher Mensch. Liederlich seyn. Liederliches Gesindel.
   Anm. Im Schwed. liderlig. Wachter, Frisch und andere leiten es von Luder her, und wollen es daher auch lüderlich geschrieben haben, wogegen aber schon die allgemeine Aussprache streitet. So hart und gezwungen die Figur seyn würde, wenn man dieses Wort von Luder ableiten wollte, so leicht begreiflich wird die Abstammung von leicht, und die Verwandtschaft mit lose, lodern, flattern, schlottern, Lotterbube, schlendern, und allen dieses Geschlechtes, in welchen insgesammt der Begriff der Beweglichkeit der herrschende ist. Im Angels. ist lutherlice, pessime, und lythre, lithre, schmutzig, böse. Im Wendischen ist liede, lieden, leicht, kaum, dagegen in den Nordischen Sprachen und Mundarten liden klein bedeutet.
 
Artikelverweis 
Lidern, verb. reg. act. welches von Leder abstammet, und im gemeinen Leben so wohl als im Bergbaue üblich ist, mit dem gehörigen Leder versehen. Eine Kunst liedern, die Sätze des Kunstgezeuges mit neuem Leder versehen.
 
Artikelverweis 
Der Liedlohn, des -es, plur. inus. nur im gemeinen Leben einiger Gegenden, so wohl den Gesindelohn, als auch einen jeden Arbeitslohn zu bezeichnen, welcher für Handarbeiten bezahlet wird. Daher ein Tagelöhner daselbst auch ein Liedlöhner heißt. Frisch und andere leiten es von Lied, Glied, her, weil dieser Lohn für die Arbeit des Leibes und seiner Glieder bezahlet wird; welche Figur doch hart und ungewöhnlich ist. Vielleicht gehöret die erste Hälfte hier zu dem Worte Leute, Nieders. Lüde, so fern dasselbe geringere, unterworfene Personen bezeichnet. Bey dem Kero ist Itloon, Itlot, Vergeltung, Lohn, überhaupt, und itlonan vergelten; wo die Sylbe it das Lat. re- ausdruckt, wie in iteniuwes, Notker, von neuem, itniuwan, Kero, erneuern u. s. f. Schilter leitet hiervon unser Liedlohn ab; aber wo käme denn das L her?
 
Artikelverweis 
1. Liefern, verb. reg. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort seyn bekommt, gerinnen und gerinnen machen, wofür aber geliefern üblich ist, S. dasselbe.
 
Artikelverweis 
2. Liefern, verb. reg. act. welches ehedem überhaupt geben, hinhalten, reichen, bedeutete, aber jetzt nur noch in engerer Bedeutung gebraucht wird, in jemandes Gewahrsam oder Besitz überantworten, besonders von Dingen, welche nicht unmittelbar mit der bloßen Hand allein übergeben werden. 1. Eigentlich. Die Bauern haben die erhaschten Ausreißer in die Festung geliefert. Einen Übelthäter an die Obrigkeit liefern, ihn der Obrigkeit ausliefern. Die Getraidezinsen nach der Stadt liefern, dem Zinsherren einliefern. Besonders für Geld, für Bezahlung in den Besitz eines andern bringen. Das Brot oder Mehl für die Armee liefern. Die Lebensmittel, allerley Waaren für den Hof liefern, sie für Geld herbey schaffen. Personen, welche besonders dazu angenommen werden, werden mit einem entlehnten halb Lateinischen Worte Lieferánten genannt. Ich liefere (schaffe) den Zentner für zehn Thaler. Der Handwerksmann hat die versprochenen Arbeiten noch nicht geliefert, fertig überantwortet. 2. Figürlich. 1) Eine Schlacht liefern, dem Feinde ein Treffen liefern, eine Schlacht, ein Treffen mit ihm halten. 2) Er ist geliefert, er ist verloren, es ist um ihn geschehen, er ist ein Kind des Todes.

[Bd. 2, Sp. 2066]



   Daher die Lieferung in der eigentlichen Bedeutung, so wohl die Überantwortung, als auch die gelieferte Sache, besonders so viel als auf Ein Mahl geliefert, oder abgeliefert wird; ingleichen das Recht, die Verbindlichkeit etwas für Geld zu liefern. Die Lieferung thun, haben, berechtiget und verbunden seyn, etwas für die Bezahlung zu liefern. Ingleichen der Lieferschein, eine Bescheinigung über eine geschehene Ablieferung.
   Anm. Im Nieders. levern, im Dän. levern, im Schwed. lefwerera, im mittlern Lat. liberare, im Franz. livrer. Es ist das Intensivum oder Frequentativum von dem noch im Nieders. üblichen leven, bey dem Ottfried liuuun, geben, übergeben, reichen, welches im Angels. laevan, belaevan, im Engl. to allow, und bey dem Ulphilas lewjan lautet. Der letzte gebraucht es in der Stelle Matth. 5, 39: so dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biethe den andern auch dar, für darbiethen. Es stammet aller Wahrscheinlichkeit nach von dem im Deutschen veralteten, aber noch im Wallisischen üblichen Llav, die Hand, her, so wie geben, von einem ähnlichen Gab, Gaff, herkommt. S. Adelung Erlauben und Glaube.
 
Artikelverweis 
Der Līegámbōß, des -es, plur. die -e, bey den Kupferschmieden, ein liegender Amboß.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: