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Liebste bis Lidern (Bd. 2, Sp. 2063 bis 2064)
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Artikelverweis Der Liebste, die Liebste, S. Adelung Lieb.
 
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Der Liebstöckel, des -s, plur. inus. der Nahme einer Pflanze, welche einen hohlen fetten und starken Stängel treibt, eine scharfe, stinkende Wurzel hat, und in den Apotheken gebraucht wird; Ligusticum Levisticum L. Dieses Gewächs ist auf dem Apenninischen Gebirge einheimisch, von woher es mit seinem Nahmen in unsere Gärten gekommen ist. Sein eigentlicher Nahme ist Ligusticum, von der Landschaft Liguvien, wie Plinius versichert, in welcher es auf den Apenninen sehr häufig wächst; bey dem Dioskorides λιγυσικον, woraus Galens λιβυσικον, das spätere Lat. Levisticum, und unser Liebstöckel, welches schon in den Monseeischen Glossen Lubistechal lautet, entstanden sind. Im Nieders. heißt dieses Gewächs Leverstock, im Dän. Loestilk, im Franz. Liveche, im Engl. Lovage, im Böhm. Libecek.
 
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Liebwêrth, -er, -este, adj. ein nur noch in dem Briefstyl des gemeinen Lebens übliches Beywort, für lieb und werth. Liebwertheste Ältern. Liebwerthe Frau Muhme. Als ein Nebenwort ist es nicht gebräuchlich.
 
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1. * Das Lied, des -es, plur. die -er, ein nur in einigen Gegenden, z. B. Meißens, übliches Wort, einen Tisch, und besonders den Tisch, oder die Bank zu bezeichnen, worauf die Fleischer ihr Fleisch feil haben. So heißt es in einer der neuesten Dresdener Fleischer-Ordnungen: Die Fleischer sollen das gute und schlechte Fleisch nicht unter einander auf das Liet (Lied) legen. Er soll es auf die Bank oder Liet bringen. S. Laden, das Hauptwort, zu dessen Geschlechte es zu gehören scheinet.
 
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2. * Das Lied, des -es, plur. die -er, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, ein Glied, ein Gelenk, und einen vermittelst eines Gelenkes oder Gewindes beweglichen Deckel zu bezeichnen. S. Adelung Glied und Augenlied.
 
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3. Das Lied, des -es, plur. die -er, Diminut. Liedchen, im Plural auch wohl Liederchen, Oberd. Liedlein. 1) In der eigentlichsten und weitesten Bedeutung, alles was gesungen wird, melodisch hervor gebrachte Töne; in welcher Bedeutung, doch nur in der höhern Schreibart, die melodischen Töne mancher Vögel ein Lied oder Lieder genannt werden. Die Nachtigall singt ihr zährtliches Lied. 2) In engerer Bedeutung, ein jedes zum

[Bd. 2, Sp. 2064]


Singen bestimmtes Gedicht. Das hohe Lied Salomonis. In dieser Bedeutung pflegt man nur noch in der dichterischen Schreibart ein jedes Gedicht zuweilen ein Lied zu nennen. 3) In noch engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein zum Singen bestimmtes Gedicht, welches Empfindungen schildert, besonders wenn es in Strophen abgetheilet ist, welche insgesammt nach Einer Melodie gesungen werden können; zum Unterschiede von einer Ode, einem Psalme u. s. f. Ein geistliches Lied, welches auch in engerer Bedeutung ein Gesang, Nieders. ein Salm, genannt wird. Ein weltliches Lied. Das Schäferlied, Heldenlied, Trinklied, Hochzeitlied, Siegeslied, Loblied, Morgenlied u. s. f. Davon kann ich auch ein Liedchen singen, figürlich, ich habe solches auch erfahren. Das ist das Ende vom Liede, das ist der Beschluß, der letzte Ausspruch, wobey es bleiben soll; wofür man im geschmacklosen Scherze auch wohl umgekehrt sagt, das ist das Lied vom Ende. Anm. Bey dem Ottfried und Notker Lied, bey andern Lioth, im Nieders. Leed, im Isländ. Liod, im mittlern Lat. Leudus. Gottsched leitete es von dem vorigen Lied, Glied, her, weil es aus Strophen, als so vielen Gliedern und Gelenken bestehe. Allein es ist wohl unstreitig, daß es zu dem Geschlechte der Wörter laut, Laute, lauten u. s. f. gehöret, und überhaupt den melodischen Klang der Stimme ausdruckt. Bey dem Ottfried heißen daher Lieder im Plural noch Ludila, und das Isländ. Liod bedeutet auch die Musik überhaupt.
 
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Das Līederbūch, des -es, plur. die -bǖcher, ein Buch, worin Lieder, besonders Lieder weltlichen Inhaltes enthalten sind; zum Unterschiede von einem Gesangbuche, welches nur zum Gottesdienste bestimmte geistliche Lieder enthält.
 
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Die Liederbühne, plur. die -n, in dem Bergbaue, von dem Zeitworte liedern, eine Bühne, worauf die Sätze in den Wasserkünsten geliedert werden.
 
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Der Liederdichter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Liederdichterinn, ein Dichter, welcher vorzüglich Lieder dichtet, oder gedichtet hat.
 
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Liederlich, -er, -ste, adj. et adv. ein Wort, welches 1. Eigentlich, den Begriff des leichten, leicht beweglichen hat, und im Grunde auch zu dem Geschlechte des Wortes leicht gehöret. Durch die Wollensäcke ist nicht liederlich zu schießen, nicht leicht, nicht leichtlich, Fronsberg bey dem Frisch. Bey den Jägern ist ledig so viel als schlaff, S. Adelung Ledig 1. In dieser weitern Bedeutung ist es veraltet, wo man es nur im verächtlichen Verstande von einem fehlerhaften, leicht beweglichen Zustande solcher Dinge gebraucht, welche fest, derb anliegen sollten. So heißt ein Mensch oder seine Kleidung liederlich, wenn seine Kleidungsstücke an dem Leibe schlottern, anstatt fest und derb anzuliegen, wenn die Lumpen daran herunter hängen u. s. f. Etwas sehr liederlich befestigen, so daß es nicht die gehörige Haltung oder Festigkeit hat. 2. Figürlich, und im verächtlichen Verstande, wo in vielen Fällen in der anständigern Sprechart auch das Stammwort leicht üblich ist. 1) Einen geringen, schlechten Werth haben. Liederliches Geld, leichtes, geringhaltiges. Liederliche Scheidemünze. Ein liederlicher Lohn, ein geringer, niedriger. Ein liederlicher Preis. 2) Nachlässig, obenhin, ohne die gehörige Aufmerksamkeit, ohne den gehörigen Fleiß. Lauter liederliche Arbeit machen. Liederlich arbeiten. Ein liederlicher Arbeiter. 3) Die pflichtmäßige Ordnung in seinen Geschäften und Handlungen nicht beobachtend. In seinen Sachen sehr liederlich seyn. Auf seiner Stube sieht es sehr liederlich aus. 4) Leichtsinnig.
   Ach Herr, dein Knecht, der dein Gesetze
   Bisher so liederlich verlacht,
   Gryph. Wo es aber, so wie in allen Bedeutungen, für die edle und feyerliche Schreibart zu niedrig ist. 5) Den Ausschweifungen in den Sitten ergeben, besonders wenn damit Unordnung und Sorglosigkeit in den häuslichen Geschäften verbunden ist; im harten und sehr verächtlichen Verstande. Liederlich leben. Ein liederlicher Mensch. Liederlich seyn. Liederliches Gesindel.
   Anm. Im Schwed. liderlig. Wachter, Frisch und andere leiten es von Luder her, und wollen es daher auch lüderlich geschrieben haben, wogegen aber schon die allgemeine Aussprache streitet. So hart und gezwungen die Figur seyn würde, wenn man dieses Wort von Luder ableiten wollte, so leicht begreiflich wird die Abstammung von leicht, und die Verwandtschaft mit lose, lodern, flattern, schlottern, Lotterbube, schlendern, und allen dieses Geschlechtes, in welchen insgesammt der Begriff der Beweglichkeit der herrschende ist. Im Angels. ist lutherlice, pessime, und lythre, lithre, schmutzig, böse. Im Wendischen ist liede, lieden, leicht, kaum, dagegen in den Nordischen Sprachen und Mundarten liden klein bedeutet.
 
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Lidern, verb. reg. act. welches von Leder abstammet, und im gemeinen Leben so wohl als im Bergbaue üblich ist, mit dem gehörigen Leder versehen. Eine Kunst liedern, die Sätze des Kunstgezeuges mit neuem Leder versehen.

 

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